Bildschirmlesegeräte und elektronische Lupen

Letzte Aktualisierung am 21. Januar 2019

Wenn die Brille nicht mehr reicht, müssen andere Lösungen her und davon gibt es eine ganze Menge. Besonders in den letzten 15 Jahren kommen immer häufiger Geräte aus China auf den Markt, die gar nicht mal so schlecht sind und zudem sehr günstig. Das war früher anders, mehrere tausend Mark waren für ein Bildschirmlesegerät fällig. Doch was sind eigentlich Bildschirmlesegeräte?

Dieses Hilfsmittel erweist sich nach wie vor bei vielen Sehbehinderten als wichtigstes für Arbeit und Freizeit. Es handelt sich dabei um ein foto-optisches System, das aus einer Kamera, einem Monitor und einer beweglichen Fläche (Kreuz- oder Lesetisch) für die Vorlage besteht. Die Vorlage kann auf dem Tisch unterhalb der Kamera bewegt und auf dem Bildschirm optisch vergrößert dargestellt werden, die Vergrößerung ist variabel. Die meisten Geräte verfügen über eine Farbdarstellung, die Bildschärfe wird automatisch eingestellt. Zur Verbesserung von Kontrasten bei Textvorlagen kann die Farbe invertiert werden (weiß auf schwarz), auch die Darstellung in “Falschfarben” (z.B. gelb auf blau) ist eine beliebte Funktion, die sehbehinderten Anwendern bei einer besseren Erkennung hilft. Da hier die Ansprüche sehr individuell sind, bieten viele Geräte auch genügend Spielraum bei der Darstellungswahl und sind mehr oder weniger komplex.

Die verschiedenen Varianten

Die Ergonomie und Bauart der einzelnen Geräte ist sehr unterschiedlich. Einige Hersteller bieten kompakte Geräte an, bei denen Kamera und Monitor eine Einheit bilden, dies spart Platz und macht die Geräte noch tragbar. Ein Lesetisch ist für diese Geräte optional nutzbar, aber nicht erforderlich. Die Vorlage liegt vor dem Monitor, weshalb mit der konventionellen Raumbeleuchtung gearbeitet werden muss, der Kamerakopf kann frei bewegt werden und ermöglicht auch das Handarbeiten oder vergrößern von Tafeln in Schulen. Die Geräte sind kaum größer als ein Computermonitor und können platzsparend zusammengelegt und in einer Tragetasche verstaut werden. Allerdings wiegen sie auch einige Kilos, so dass sie nicht für unterwegs geeignet sind.

Beim klassischen Bildschirmlesegerät hingegen bilden Kreuztisch und Kamera eine Einheit, ein Monitor wird oben auf das Gerät gestellt oder an einer Forrichtung befestigt. Sie sind zwar nicht tragbar, bieten jedoch durch integrierte Leuchtmittel eine bessere Ausleuchtung der Vorlage und zumeist höhere Vergrößerungsmöglichkeiten. Der Monitor befindet sich in Augenhöhe und kann bei einigen Modellen in Höhe und Neigung verstellt werden, dies ist für viele Sehbehinderungen wichtig. Da er nicht mit dem Grundgerät fest verbunden ist, kann die Größe des Monitors häufig variiert werden. Reicht beispielsweise die Gerätevergrößerung nicht aus, kann ein größeres Display diese noch erhöhen. Monitore im Breitbildformat sind besonders für Patienten sinnvoll, bei denen die Makula (also das Sehzentrum) trübe wird. Diese Bauart wird üblicherweise von den Krankenkassen für die Privatversorgung bereitgestellt. Übrigens sollte der Monitor entgegen sämtlicher Ergonomie-Empfehlungen für Arbeitsplätze so ausgerichtet sein, dass die Augen nicht auf Höhe der Oberkante, sondern auf das Zentrum des Monitors gerichtet sind. Grund hierfür ist, dass gerade bei Gesichtsfeldeinschränkungen der Anwender nicht stets nach Unten schauen muss, sondern das Zentrum im wahrsten Sinne des Wortes stets vor Augen hat. Es gibt eine Vielzahl von Komfortfunktionen, wie Hilfslinien oder eine elektronische Abdeckung des Textes, Hilfszeiger, Autovergrößerung oder ähnliches. Je nach Anforderungen gibt es Geräte, beispielsweise für ältere Menschen, die nur mit einem Knopf bedient werden. Bis hin zu komplexen Systemen, die über einen Computeranschluss mit Bildteilung verfügen, so dass Computer und Vorlage auf einem Monitor entweder im Wechsel oder zusammen angezeigt werden können, ist vieles möglich.

Mobile Kamerasysteme, die als Bildschirm ein Notebook-Display nutzen, indem sie über USB mit dem Computer verbunden sind, eignen sich besonders im Studieneinsatz. Die Kameras sind so flexibel, wie bei den kompakten Geräten, der Computer erlaubt das Zwischenspeichern und Nachbearbeiten der Bilder. In Verbindung mit einer Texterkennungsanwendung kann so auch Vorlesegerät und Bildschirmlesegerät auf interessante Weise miteinander kombiniert werden. Da die Kamera neben dem Notebook steht, ist auch eine integrierte Beleuchtung möglich, viele Geräte erlauben auch das Betrachten der Schultafel. Zu achten ist allerdings darauf, dass die Kamera eine HD-Auflösung hat und eine schnelle USB-Anbindung, ansonsten kann das Computerbild nachziehen und somit das Lesen durch Ruckeln gestört sein.

Tragbare Lesegeräte

Für die Hosen- oder Aktentasche gibt es extrem kompakte Sehhelfer, die von der Funktionsweise ähnlich arbeiten, wie ihre großen Geschwister. Allerdings verfügen diese nicht über einen Kreuztisch, sondern werden direkt auf die Vorlage gelegt, manche arbeiten auch mit Handkameras. Zwar sind sie flexibel einsetzbar, aber konstruktionsbedingt für längeres Lesen eher ungeeignet. Die kleineren Displays ermöglichen auch eine wesentlich geringere Vergrößerung, daher bezeichnet man sie auch als elektronische Handlupen. Patienten, denen eine Leuchtlupe von Kontrast und Größe nicht mehr reicht, könnten hier eine sinnvolle Hilfe finden, die zumeist ein stationäres Lesegerät aber nicht ersetzen kann. Funktionen, wie das Umkehren der Farben, sorgen auch für höheren Lesekomfort. Während große Bildschirmlesegeräte im Preisbereich ab etwa 2.000 Euro rangieren, kosten die günstigsten, tragbaren Sehhilfen dieser Art etwa ab 300 Euro. Dafür ist das Display etwa so groß wie bei einem Smartphone bis hin zu einem Tablet und der Vergrößerungsbereich, je nach Modell, deutlich kleiner. Ausprobieren ist hier absolut notwendig, da jede Sehbehinderung anders ausfällt und jeder auch andere Lesegewohnheiten hat. Einige haben daher einen Handgriff wie bei einer Lupe und erlauben sogar das Unterschreiben unter dem Gerät.

Die Miniaturisierung und Verbesserung bei Displays und Kamerasensoren hat dazu geführt, dass manche Hersteller spannende Lösungen entwickelt haben. So gibt es portable Lesegeräte für die Fernsicht, mit Bildspeicher und der Möglichkeit, Zusatzkameras anzuschließen. Preislich liegen diese Lösungen jedoch im höheren Bereich und sind eher für Arbeitsplätze interessant, wobei die Zweckmäßigkeit mitunter auch angezweifelt werden kann. Im Gegensatz dazu gibt es auch sehr minimalistische Lösungsansätze, wie beispielsweise eine Handkamera für das Fernsehgerät oder eine Leuchtlupe, die zusätzlich über eine eingebaute Kamera verfügt. Allerdings lässt die Qualität vor Allem bei günstigen Lösungen oft zu Wünschen übrig. Daher ist es in jedem Fall ratsam, vor dem Kauf eines Gerätes dies auf Herz und Nieren zu prüfen und zu ergründen, ob die versprochene Funktionalität von individuellem Nutzen ist.

Welches Gerät für wen?
Viele Funktionen, die früher optional erhältlich waren, gehören heute zum Standard. Dazu zählt die Echtfarbwiedergabe, die automatische Scharfeinstellung (Autofocus) und die Möglichkeit, die Vorlage Mittels Hilfslinien oder -Flächen abzudecken. Die Beleuchtung erfolgte früher per Kaltlicht oder Halogenleuchten, heutzutage setzt man auf LED-Technik. Diese ist wartungsarm und sorgt für blendfreie, geringe Lichtstreuung, das ist besonders bei glänzenden Vorlagen ein Vorteil. Im Privateinsatz finden sich üblicherweise Geräte mit 43 cm Bildschirmdiagonale (17 Zoll), wenigstens Falschfarbdarstellung und Flachbildschirmen. Röhrenmonitore werden heute nicht mehr verwendet, da die Produktion längst eingestellt wurde. Kriterien, wie Strahlungsarmut und Flimmerfreiheit, sind damit Geschichte, auch wenn trotzdem auf den sogenannten “Nachzieheffekt” geachtet werden sollte. Geräte, die am Arbeitsplatz eingesetzt werden, sollten über einen PC-Anschluss verfügen. In Schulen sind Tafelkameras sinnvoll, sowie Geräte in besonders robuster Bauweise. Die Kostenübernahme im Privatbereich übernimmt die Krankenkasse, während am Arbeitsplatz der jeweilige Träger je nach Beschäftigungsverhältnis zuständig ist.

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