Letzte Aktualisierung am 9. März 2026
In den letzten Tagen hatte ich die Möglichkeit, das Thema MP3-Player ausführlich zu behandeln und einige Gferäte ausreichend zu testen. Es ist klar: MP3 ist zukunftsweisend, bei ausreichend guter Qualität passen 10 Stunden Musik auf eine CD und sogar noch viel mehr. Nur, wie kann ich sie wiedergeben, wenn ich keinen PC, Notebook oder Ähnliches besitze?
MP3-Player – Top oder Flop?
Klar, einige DVD-Player insbesondere von Yamakawa und Baugleichen beherrschen MP3-Wiedergabe, allerdings muss man bei gerade den neuen Yamakawa-Modellen höllisch aufpassen, dass man nicht eines erwischt, welches eben keine MP3-Funktionalität bietet. Um so populärer sind Stand-Alone-MP3-Player, die meist neben MP3-Discs auch gleich Video-CD’s abspielen können. Hersteller solcher Geräte lassen sich zählen, aber die Labels um so weniger. So werden von diversen, teils aus der Unterhaltungselektronik stammenden Firmen Geräte angeboten, auch sogenannte „Billighersteller“ labeln Geräte, aber auch neue Firmen aus dem Computerbereich bieten MP3-Player an.
Was darf ein MP3-Player kosten?
Ganz Gleich ob TerraTec, Creative oder Archos draufsteht, alle unterscheiden sich in Preis und Leistung immen. So bietet TerraTec mit dem schon einige Jahre erhältlichen M3PO ein Gerät, dass bei Communities wie ciao.com mit großer Beliebtheit erscheint. Aber muss man wirklich 800 Mark für einen Player ausgeben der zwar eine Festplatte steuern kann, allerdings auch nur mit Wasser kocht und sicher im Vergleich zu einem hochwertigen CD-Player mühelos zurückstecken muss? Zugegeben, ein CD-Player kann nur Audio-CD’s abspielen, aber dies tut er sicher in besserer Qualität.
Vorsicht bei Billig-Playern!
Andererseits sind es genau die günstigen Geräte, die ich mehr oder weniger zufrieden getestet habe. Ich hatte hier zwei stationäre Player zum Preis von ca. 200 Mark auf dem Tisch. Einer hörte auf den Namen Euroline CD2000, was wohl sicher etwas anderes beinhaltet und kam aus dem MediMax in Marburg. Zahlreiche Funktionen wie zwei Mikrofoneingänge, veränderbare Tonhöhe und Charaoke-Funktionen ließen mich neugierig werden, insbesondere auch wegen der hervorragenden Verarbeitung. Schon im Laden allerdings wunderte mich, dass das Gerät keinerlei CD-RW’s liest, noch dazu einen sehr verzerrten Klang am Kopfhörerausgang über meine Koss Sporta-Pro lieferte, die schon als High-End im Portibereich zu bezeichnen sind. Zu Hause traf mich fast der Schlag: Hoher Rauschpegel bei schwächster Vorverstärkertechnik, Verzerren, unsauberes Signal und vor Allem langsamer Zugriff, was mich doch dazu brachte, das Gerät am nächsten Morgen gleich zurückzubringen. Ich muß noch anmerken, dass mein Hifi-Eqipment sicher nicht daran schuld war, da es sich qualitativ schon im High-End-Bereich bewegt. Zwei Tage später holte ich aus dem Kaufhaus Ahrens in Marburg einen Roadstar-Player, der dem Microboss MP3 Classics glich. Statt der ca. 250 Mark, welche Microboss dem Verbraucher entlockt, schlug der Roadstar auch preislich niedriger aus: Schlappe 189,- Mark musste ich für das Gerät hinlegen. Im Geschäft verblüffte mich wie spielend er auch CD-RW’s angenommen hat, obgleich eine zuvor getätigte Anfrage an Microboss das Ergebnis brachte, dass keine Microboss-Geräte CD-RW’s lesen würden. Zu Hause überzeugte der verhältnismäßig gut klingende Wandler, auch der Line-Ausgang war inordnung.
Kleine Nachteile: Langsamer Zugriff und Laufwerksgeräusche, die beim Zugriff an den Ausgängen übersprachen. Nur während der Musikwiedergabe war das Gerät ruhig und okay. Ausstattung ist auch eine Sache: Eine Fernbedienung lag ihm bei, ebenso dem Euroline, aber z. B. Shuffle-Betrieb (Zufallswiedergabe) entfielen, auch das Spulen in mp3-Stücken war nicht möglich. Auf dem Fernseher konnte man schön 10 Titel auf einmal sehen, aber nur mit 6 Zeichen. Das Anwählen durch die am Gerät und auf der Fernbedienung angebrachten Zehnertastatur machte in soweit Mühe, als dass man die +10-Taste mehrmals drücken muss und auch beim Skippen und bei der Eingabe zwischen den Tastenbetätigungen so eine Sekunde gewartet werden muss. Zugriff von 1 nach 100 lief recht schleppend. Aber bei den Preis darf man nicht meckern, auch wenn er im Vergleich zum Euroline keinen S-Video-Ausgang besitzt.
Portabel = Vorzug
– Heute testete ich drei portable Geräte, alle in typischer Discman-Größe. darunter ein aiwa, ein Philips und einer von Roadstar. Während der Philips eine schöne Figur machte, mit 600 Mark aber recht teuer erschien, war der aiwa eher ein dickbäuchiger Genosse, der eher an die D.A.P. Jukebox von Creative/Nomad erinnerte. Der Roadstar war zwar optisch etwas blau, aber dafür übersichtlich und vom Zugriff am schnellsten, auch Spulen ging im Gegensatz zu den Kontrahenden. Allerdings spielten alle Geräte CD-RW’s ab, ein zuvor getesteter Lenco um 200 Mark versagte auch diese. Klanglich überzeugte der Roadstar, der Philips war okay und der aiwa eher durchschnittlich. Überraschender Weise war der Roadstar mit 200 Mark vom Preis-Leistungs-Verhältnis optimal und noch dazu recht leicht. Als einiger der wenigen beherrscht er auch den Shuffle-Betrieb und bietet einen guten, linearen Line-Ausgang, der auch nach was klingt. – Besser, als die stationären Geräte.
Brennen, Playen und mitnehmen
Auch Sony bedient seit neuestem die MP3-interessierte Kundschaft, der CRX10U-RP soll diesem Kundenkreis Genugtuung verschaffen. Die Computersendung Compass vom 5. August verhies ihn als empfehlenswert, man könne auch mit ihm MP3-CD’s brennen. Naja, wenn ein Gerät auch knapp 1.000 Mark kostet, soll man das auch verlangen können. Ich habe diesen auch getestet und schon beim Auspacken fiel mir eine eher flundergroße Kiste in die Hände, die besonders flach und leicht erschien. Eher erinnerte mich das Gerät an ein Modem als an einen CD-Player. Als ich dann den Akku einlegte, war’s vorbei mit der Leichtigkeit: Gut 450 Gramm wiegt das USB-Brennerchen, im Vergleich zu tragbaren CD-Playern, die knapp 200 bis maximal 300 Gramm wiegen. Die technischen Daten sind mit 4fachem Schreiben und 6fachem Lesen etwas ernüchternd: Als CD-ROM zu langsam, als CD-Brenner auch, denn ein Portibrenner um 800 Mark brennt 2mal so schnell und ist vor Allem günstiger und leichter. Wozu nun dieses Gerät? – Ich versuchte nun eine mp3-CD abzuspielen, mir fiel auf, ohne Fernbedienung läuft da nichts und vor Allem auch nicht ohne separatem Ein- und Ausschalter. Das Gerät schaltet sich somit nicht automatisch ab, was Musikliebhabern beim Einschlafen ohne Strom zum Verhängnis werden kann. An der Unterseite befindet sich ein mechanischer Notauswurf, den man auch beim Transportieren leicht erreicht und zu unerwünschten Ausfällen bringt. Klangqualität ist – naja nicht sehr differenziert, aber für MP3 gut genug. Auch der Cache von 8 MB ist mehr als hervorragend, sowohl beim Brennen als auch beim Musikhören. Der Titelzugriff verläuft ordentlich schnell, auch Spulen ist möglich. Aber für die Hifi-Anlage ist er nichts, da Sony doch einige Bedienelemente am Gerät und den Line-Ausgang vergessen hat einzubauen. Ferner frage ich mich eh, liebe Compass-Redaktion, warum ein solcher Durchschnitts-Allrounder von Euch so gut bewertet wurde: Für CD-Brennen zu lahm, als CD-ROM erst recht, zum Joggen zu groß, als Hifi-Gerät unbrauchbar, als Diskman auch zu klobig und zu schwer. Ein PC-Brenner und ein MP3-CD-Player zusammen sind günstiger als dieses Gerät. Tja, SONY, vielleicht wird der CRX20U-RP leichter und besser…
MP3 für wen?
Wer sich für einen MP3-Player entscheidet, sollte sich gut überlegen, was er für einen Sinn haben soll. Zwar bieten viele Hersteller Chip-Player, auch z. B. Siemens im SL45-Handy, der nebenbei bemerkt exzellent ist. Diese Memory-Cards sind jedoch zu teuer, die Anschaffung auch. Die Größe ist zwar meist passabel, aber wenn ich so viel Musik mit mir rumtragen müßte, wie ich bei einem Tag unterwegs bräuchte, könnte ich alle 30 Minuten Chips wechseln und würde zudem 4.000 Mark allein an Speicherkarten ausgeben. Was tun? – Gleich teuer oder günstiger sind CD-Player mit MP3-Funktion. Eine CD faßt ca. 10fache Kapazität und läßt sich, für Brennerbesitzer, leicht erstellen. PEARL bietet einen Mini-CD-Player für CD-Singloes. Diese fassen zwar nur 180 MB, allerdings ist dies noch mehr als eine MiniDisc bei herkömmlicher Kapazität speichert. Aber mit einem großen CD-Porti ist man sicher besser beraten. Alternativ gibt es auch MP3-Player mit Festplatte, die sich für den Dauer-User am Besten eignen, darauf gehe ich im Folgenden ein.
MP3 mit Festplatte unterwegs
Festplatten fassen viele Daten, sind im Verhältnis zu Festspeichern günstiger, noch dazu um ein Vielfaches schneller als Speicherkarten, MD und CD. Auch teuer sind sie nicht, bis auf die Ausnahme des Han-Go-Players, den ich leider nicht testen konnte. Ich hatte das Vergnügen mit der Creative D.A.P. Jukebox und der Archos Jukebox6000, jedoch zuvor zur Creative: Dieses Gerät erinnert an einen aufgeplatzten Elko, ist schön blau und mit 450 Gramm unerfreulich schwer. 4 leicht zu erreichenden Mignon-Akkus erlauben leichtes Wechseln der Stromversorgung. Auch die Bedienelemente sind griffig, das Display groß genug. Klang ist okay, Übersichtlichkeit etwas gewöhnungsbedürftig, aber wie sieht es überhaupt mit dem Aufspielen von Daten aus? Zugegeben, ein PC ist Pflicht und ein USB-Anschluß auch. Unerfreulicherweise bei der Creative-Jukebox ist auch eine Spezialsoftware von Nöten, die blind gar nicht zu bedienen ist und noch dazu viel zu kompliziert. Bei meinem Händler habe ich bewaffnet mit einem kleinen Sub-Notebook geschlagene drei Stunden versucht Daten einzuspielen. Zwar konnte ich die Firmware erneuern, aber Daten bekam ich nicht drauf, was mich vom Kauf zudem noch abbrachte.
Ein Internet-Besuch bei der Fa. F-und-N Handelsgesellschaft in Wiesbaden veranlaßte mich zum Kauf der Archos-Jukebox 6000. Dieses Gerät habe ich bereits auf der CeBit gesehen und muss sagen, dass mich die extrem handliche Größe und das Gewicht von relativ leichten 250 Gramm überzeugten. Als das Gerät kam, konnte ich binnen 30 Minuten die ersten Musikstücke draufspielen, aus Zeitgründen nicht alle, da USB mit 4 Mbit pro Sekunde nicht viel Transfervolumen hergibt. Die Bedienung war kinderleicht und auch die Zuverlässigkeit anfangs. Doch eines Tages wollte es der Herr, dass mich mein Wunderding im Stich ließ und alle Lieder verschwanden. Ich hatte Gott sei Dank noch ein Backup, dies nützte aber nicht viel, denn dieses Desaster brach erneut aus. Ein Mailverkehr mit F-und-N führte dazu, dass mir das Gerät getauscht wurde, aber auch diese neue Box verlor alle Daten. Tja, was es war, weiss ich nicht, aber die neue Firmware, die ich dann einspielte, läuft nun stabil, das Problem ist anscheinend im Griff.
Hier kommen wir auch zum ersten Nachteil: Man sollte sich alle mühsam erstellten MP3-Dateien auf CD sichern, um nicht diese böse Überraschung zu erleben. Klang ist im Übrigen exzellent, Bässe und Höhen können separat eingestellt werden. Die optionale Kabelfernbedienung ermöglicht mehr Flexibilität, auch im Auto habe ich das Gerät schon positiv getestet. Preis dieser Festplatten-Lösungen liegt übrigens bei ca. 650 Mark, was sowohl – wenn man an obigen Sony denkt – noch finanziellen Spielraum für einen internen Brenner bietet. Das Gerät läßt sich im Übrigen handhaben wie eine Festplatte, sodass nur ein Gerätetreiber zum Betrieb ausreicht.
Fazit
MP3-Player sind schön, wenn sie für den richtigen Zweck angeschafft werden. Chip-Player sind in der Regel teuer, die Chips um so mehr, wer also flexibel sein will, sollte zur Wahl der CD greifen. Testen Sie, ob das Gerät CD-RW’s liest, insbesondere für den Betrieb im Auto interessant. Wer länger unterwegs ist und viel Gepäck hat, sollte zu Festplatten-Varianten greifen, hier empfehle ich die Archos Jukebox6000 oder den Jukebox-Recorder. Auch Versionen mit bis zu 20 GB werden kommen, preislich werden diese jedoch anfangs über der 1.000-Mark-Grenze liegen. Wer sich für zu Hause keinen DVD-Player kaufen will, sollte mit Home-Geräten äußerst kritisch verfahren und sich lieber für ein tragbares Gerät entscheiden, obgleich Vorteile wie Fernbedienung und Video-CD fehlen. Ich hoffe, dass dieser kurz erstellte Bericht unentschlossenen MP3-Interessierten ein kleines Werkzeug an die Hand gibt, worauf man achten kann.

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