Letzte Aktualisierung am 9. März 2026
Die Idee, Internet allen zur Verfügung zu stellen, ist vom Grundsatz her gar nicht so neu. Anfang der 80er Jahre, als Computer generell untypisch im Haushalt waren, versuchte die Bundespost mit BTX dem Kunden einen ersten Onlinedienst zur Verfügung zu stellen, der mit PC-untypischen Terminals von Siemens realisiert wurde. Während damals allerdings BTX mit einer Übertragungsrate von lediglich 300 Bits pro Sekunde auskommen mußte, denn mehr war laut Spezifikationen der Bundespost absolut unmöglich, ist der Wunsch nach Schnelligkeit und reibungslosem Datenverkehr sicher kein Luxus mehr. Allerdings ist es die relativ komplexe Bedienung eines PCs, die für ungeübte Anwender oft als unüberwindbare Hürde zum Internet erscheint. – Für diese Lücke hat sich ein Unternehmen stark gemacht, um Anwendern ein PC-unabhängiges Internet zu ermöglichen. Die Met@box AG wurde vor einigen Jahren gegründet und vertreibt, ähnlich wie Deutschlands einziger Pay-TV-Sender es bislang getan hat, seine Internet-Terminals in Verbindung mit Internet-Zugängen, wobei die Subvention mit den Surfkosten gedeckt werden sollte. Zwei Modelle waren bislang verfügbar, die Met@box 50 und die Met@box 500. Eine für 2002 angekündigte Met@box 1000 soll verfügbar sein, allerdings habe ich noch keine positiven Informationen darüber.
Die Geräte
Die beiden Met@box-Versionen 50 und 500 unterscheiden sich massiv voneinander. Während die 50er anscheinend im Auftrag von einer anderen Firma entwickelt wurde, stammt die 500er aus eigenen Hallen. Sowohl Betriebssystem als auch die Konzeption der beiden Modelle sind gänzlich unterschiedlich. Die Met@box 50 ist ein eigenständiges Gerät, relativ klein und leicht. Sie verfügt über nahezu keine Anschlüsse, eine Infrarot-Tastatur und ein integriertes Modem für die Kommunikation. Das Modem wird für den voreingestellten Internet-Zugang verwendet, deren Parameter sich nicht an andere Online-Dienste anpassen lassen. Folglich ist ein solches Gerät ohne Internet-Zugang des Vertreibers absolut nutzlos.
Die Met@box 500 hingegen ist um so interessanter, was im Folgenden deutlich werden sollte. Neben Audioanschlüssen, S-Video-Ausgang und Modem wird sie ebenfalls mit einer Infrarottastatur mit integriertem Mouse-Point bedient. Ihre Voreinstellungen lassen sich ebenfalls nicht anpassen, im Vergleich zur 50er werden die Daten auf einer Festplatte gespeichert. Zudem sind alle gängigen Anschlüsse, ebenso USB aber ohne Funktion, vorhanden. Leider fehlt ein Netzwerkanschluß.
Einblick in die Met@box 500
Betrachtet man die Met@box 500 näher, wird man mit Staunen feststellen, dass sie mehr ist als ein Internet-Terminal. Das macht das Gerät um so interessanter. Wer eine Met@box 500 hat, sollte diese statt vorschnell zu verkaufen zu einem modernen Multimedia-System umbauen, denn das ist mit wenigen Handgriffen möglich. Allerdings sollten einige Kenntnisse in Hardware-Technik vorhanden sein und etwas Feinfühligkeit bei der Umsetzung. Zudem weise ich an dieser Stelle darauf hin, dass ich weder Garantie noch eine Gewähr dafür übernehme, dass die folgende Beschreibung die Funktion als PC garantiert, ich übernehme also keine Haftung. Ich kann allerdings sagen, dass ich schon einige Met@boxen entsprechend umgerüstet habe und dieses Wissen gerne verfügbar machen will. Telefonate mit der Met@box AG haben ergeben, dass zumindest der Support und Verkauf keinerlei Informationen darüber haben, auch in Zeitschriften liest man nichts davon. Grund dafür kann sein, dass der Megahertz-Wahn heutzutage einen zwar prozessormäßig etwas schwächeren, aber dennoch funktionellen Rechner als interessante Multimedia-Maschine uninteressant werden läßt.
Technische Spezifikationen
Die Met@box 500 verfügt über einen mit 200 MHz getakteten Media-GX-Prozessor von Cyrix, je nach Modell eine bis zu 9,1 GB Western Digital-Festplatte und 64 MB SD-RAM. Sound und Grafik werden nicht über separate Karten, sondern direkt vom Hauptprozessor erzeugt. Dies ist im Bereich von Multimedia-Anwendungen von Vorteil, da nur ein Chip für alle Aufgaben vorhanden sein muß. Allerdings wirkt sich dies anscheinend etwas auf die Gesamtleistung des Systems aus, da die Ressourcen der CPU anscheinend auf die anderen Sektionen verteilt wird. Als Vorteil konnte ich allerdings eine unglaubliche Zuverlässigkeit der CPU beobachten, denn die Met@box läuft stundenlang ohne Absturz oder Bluescreen. Das installierte spezielle System beruht auf einem OS/2 Warp 4, wobei nicht nur die Oberfläche sondern auch System- und Fehlermeldungen modifiziert wurden. Einziges PC-typische: Das System ist nach der Benutzung herunterzufahren. Beim Einschalten wurde der reelle BIOS-Bildschirm durch ein Met@box-Logo ersetzt.
Schritte zum Umbau
Untersucht man die Met@box und aktiviert die Service-Modi von OS/2, stellt man fest, dass diese nicht dafür ausreichen, das System ohne die Met@box-Technologie zu starten. Lediglich im abgesicherten Modus funktioniert es, allerdings eingeschränkt. Versucht man zudem den Zugriff auf das AWARD-BIOS durch Drücken von Strg+Alt+Escape, wird ein Passwort fällig, das mir unbekannt ist. Es ist also erforderlich, den mit fünf Schrauben befestigten Gehäusedeckel zu öffnen und die rechts hinten befindliche BIOS-Batterie zu entfernen, um dem CMOS den Strom zu entziehen. Ca. 20 Sekunden genügen, danach ist das BIOS zugänglich. Ein Blick eines geübten PC-Users zeigt, dass das BIOS entsprechend modifiziert wurde und spezielle Einstellungen für den Media-GX-Prozessor getätigt werden müssen, wie die Bildschirmeinstellungen für den TV-Ausgang. Die Einstellungen sollten entsprechend angepaßt werden, Rücksetzen auf Standardeinstellungen nützt nichts, da das System für OS/2 vorbereitet wurde. Zeit und Datum nicht vergessen! – Als Nächstes wird ein CD- oder DVD-ROM-Laufwerk benötigt, um eine beliebige Windows-Version, vorzugsweise Millennium oder 98 SE zu installieren, das mit dem vorne links bereitliegenden Stromkabel und einem optionalen Flachbandkabel am zweiten Controller angeschlossen werden muß. Die HPFS-Partition der Festplatte muß natürlich gelöscht werden, wobei alle Daten unwiderruflich verloren gehen. Hat man dies erfolgreich getan, wird keine Hardware erkannt und man sollte sich den entsprechenden Treiber hier runterladen. Nach der Installation des Treibers wird die CPU richtig erkannt, Sound und Video funktionieren, ebenso der USB-Anschluß. Das Modem ist mit einem Rockwell-Chipsatz ausgestattet und kann als Standardmodem 56k betrieben werden. Die TV-Karte allerdings mit Philips-Tuner und Connexant-Chipsatz bleibt funktionslos. Mit einem Stromadapterkabel ist auch der Anschluß eines Diskettenlaufwerks möglich, falls erforderlich.
Was tun mit dem nun fertigen PC?
Okay, die Leistung ist vielleicht nicht vom allerfeinsten, aber man könnte daraus z. B. einen preiswerten MP3-Player bauen, indem man eine andere Festplatte, vorzugsweise ein leises Modell (z. B. Fujitsu mit Silent-Drive) einbaut und einen einfachen Player, wie WinAMP installiert und fertig. 128 oder 256 MB Speicher sind natürlich auch von Vorteil um einige Prozesse etwas zu beschleunigen. Auch einfache Spiele laufen problemlos, wenn auch vielleicht etwas ruckeliger, als von einem herkömmlichen 200 MHz-Prozessor zu erwarten. Hörtests haben gezeigt, dass das Gerät zwar nicht an hochwertige audiophile Hifi-Ware herankommt, allerdings jeden preiswerten MP3-Player abhängen kann. Andere Anwendungen, wie als HD-Recorder für Videostreams oder Audio habe ich nicht hinbekommen, auch fehlt mir derzeit noch ein Treiber für den Philips TV-Tuner mit Connexant-Chipsatz. Mit einer USB-Netzwerkkarte kann sie auch als File-Server dienen, leise und unauffällig genug ist sie dafür. Da ein Fernseher direkt angeschlossen werden kann, ist auch kein separater Monitor nötig. Sollte dieser fällig werden, ist unbedingt die Verwendung eines TFT-Bildschirms zu empfehlen, da die Bildfrequenz auf 60 Hz begrenzt ist.
Fazit
Die Met@box 500 ist ein schönes Spielzeug für denjenigen, der gerne bastelt und gemächliche Ansprüche an einen PC stellt. Die Ausstattung ist zwar nicht üppig, aber große Platten und mehr Hauptspeicher können das Gerät aufwerten. In der Hifi-Anlage macht die Met@box 500 eine gute Figur und bietet genügend Anschlußpotential. Einziger Nachteil ist der hohe Neupreis von 1.249 DM (alter Preis), der zu seiner Zeit jedoch durch die robuste Verarbeitung und das selbst konzipierte Gehäuse und Schaltnetzteil gerechtfertigt war.


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