Mastodon, die beste Alternative zu Twitter und Facebook

Letzte Aktualisierung am 25. Juni 2019

Es gibt viele soziale Netzwerke und alle sind auf ihre Art unterschiedlich. Instagram wird von der Influencer-Branche statt YouTube überrollt, das sich inzwischen auch als Musikdienst betätigt. Pinterest richtet sich an Kreative und Facebook erfährt immer noch großen Zuspruch, trotz massiver Glaubwürdigkeits- und Datenschutzprobleme. Egal ob Messenger oder Netzwerke für spezielle Zielgruppen ist kommerziellen Anbietern die Gewinnerzielungsabsicht gemein, entweder durch den Verkauf von Werbung oder Nutzerdaten. Was wir sehen, wird von Algorithmen bestimmt, deren einziges Ziel es ist, uns möglichst lange auf den Plattformen zu halten. Das machen sich auch zweifelhafte Organisationen zu Nutze, siehe Wahlmanipulation, wogegen nichts wirklich unternommen wird. Kein Wunder, viele Klicks bedeuten auch hohe Werbeeinnahmen und so stehen die konzentrisch agierenden Unternehmen im Widerstreit der Interessen. Transparenz gibt es nicht und so ist es gut, dass es wieder Alternativen gibt.

Immerhin gab es hierzulande auch eine Zeit vor Facebook, Twitter und WhatsApp, was viele aufgrund der Gewohnheit oft vergessen. Die VZ-Netzwerke dümpeln noch so vor sich hin, wer-kennt-wen.de hat sich durch Nachahmung selbst abgeschafft, anstatt sich eine gewisse Eigenständigkeit zu bewahren. Stehen nicht Dating oder Partnervermittlung im Fokus, haben es soziale Angebote auch nicht leicht, die Kosten für die Infrastruktur zu decken. Immerhin handeln Unternehmen konzentrisch, wobei man im Open-Source-Bereich längst erkannt hat, dass eine Schwarmintelligenz die Kosten besser verteilt und eine effiziente Nutzung ermöglicht. Unabhängig davon sind soziale Netzwerke nur so gut wie ihre Nutzerzahl, was letztendlich auch Facebook und WhatsApp zum Erfolg verholfen hat.

Was ist Mastodon?

Mastodon ist ein offenes, soziales Netzwerk, wobei der Begriff ein Mammut oder Rüsseltier vergangener Tage beschreibt (Mastodonten). Vermutlich wurde dieses Maskottchen nicht zufällig gewählt, setzt man doch dem Twitter-Vogel etwas massives entgegen. Bereits im Oktober 2016 wurde Mastodon der Öffentlichkeit vorgestellt und der älteste Server der Entwickler mastodon.social ist auch heute noch aktiv. Diese Server werden von Privatpersonen und kleinen Gruppen betrieben, die Nutzung ist somit kostenlos möglich. Solche alternative Netze werden auch als Fediverse bezeichnet, eine Kombination der Wörter “federated” und “universe”. Damit ist ein föderales Netzwerk gemeint, das unabhängig von bestehenden Netzwerken aufgebaut ist und aus vielen Teilbereichen besteht.

Genau genommen beschreibt Mastodon sowohl die Server-Software, als auch das damit verbundene Netzwerk. Die Software ist frei und kann somit von jedem verwendet werden, um sich einen Server auf Linux-Basis aufzusetzen. Das Netzwerk wird aus den einzelnen Servern gebildet und ist ein Bisschen vergleichbar mit demokratischen Mailboxsystemen, wie einst das Z-Netz auf Basis von Cerberus des Künstlers und Netzaktivisten padeluun. Genau wie einst die Mailbox-Systeme werden Mastodon-Server von ihren Betreibern überwacht, die entsprechenden Content entfernen oder Nutzer ausschließen, selbst ganze Domains können blockiert werden. Eine Hierarchie nach Gutsherrenmanier gibt es somit nicht, was Twitter kürzlich in die Kritik brachte, als man Inhalte und Nutzer zur Europawahl blockierte und dabei mehrfach durch Fehlentscheidungen auffiel.

Abgesehen vom verteilten Aufbau ähnelt Mastodon in vielen Punkten Twitter, die Mitteilungen werden jedoch als Toot (Tröten) bezeichnet und sind mit maximal 500 Zeichen bedeutend länger. Boost entspricht einem Like, auch Links, Fotos und Videos lassen sich teilen. Beim Erstellen lässt sich außerdem wählen, ob man den Toot quasi hinter einem Vorhang verstecken will, so dass man der Anzeige erst zustimmen muss. Damit kann man sowohl sensible Inhalte zunächst verbergen, als auch beispielsweise die Pointe eines Witzes oder Lösung eines Spiels. Toots müssen auch nicht öffentlich gepostet werden, sondern sie lassen sich auf bestimmte Personengruppen beschränken. Während man bei Twitter nicht einschränken kann, wer einem folgt, lässt sich dies in Mastodon vielfältig festlegen. Folgen nach Zustimmung oder beschränkt auf private Nutzer ist möglich, so dass man sich auch eine interne Community aufbauen kann.

Wie funktioniert Mastodon?

Während bei Twitter nur ein globales Netz zur Verfügung steht und die Anzeigenamen dadurch begrenzt sind, teilt sich das Mastodon-Netzwerk auf die Instanzen mit ihren eigenen Domains auf. Das ermöglicht auch eine besondere Vielfältigkeit bei den Nutzernamen, die sich aus dem Anzeigenamen, beispielsweise @Stephan_Merk, und der Domain, wie mastodon.social, zusammensetzen. Somit kann es auch einen @Stephan_Merk bei troet.cafe geben und einen dritten bei norden.social. Im Prinzip kann man sich den Server seiner Wahl aussuchen, Suchmaschinen halten entsprechende Listen vor. Einige jedoch, wie mastodon.social, überprüfen händisch die Anmeldungen, bei chaos.social kann man sich nur auf Einladung registrieren. Server unterscheiden sich aber nicht nur in ihrer Domäne, sondern auch in den Inhalten, eine Beschreibung findet man auf der jeweiligen Startseite. Während sich manche an bestimmte Interessensgruppen richten, sind viele offen für jeden. Dabei beschränkt sich der Inhalt zunächst auf die jeweilige Instanz, vergleichbar mit dem Bulletin einer Mailbox, jedoch lässt sich nach Belieben ein Nutzer bei anderen Instanzen folgen. Es spricht auch nichts dagegen, mehrere Konten bei unterschiedlichen Servern einzurichten und diese entsprechend weiterzuleiten. Jedoch ist es wichtig, bei der Veröffentlichung den Nutzer und die zugehörige Instanz im ähnlichen Format einer E-Mail-Adresse anzugeben.

Meldet man sich bei einem Server an, sieht man zunächst dessen Inhalt. Jedoch lässt sich jedem im Mastodon-Netzwerk folgen, sofern das Profil nicht versteckt oder als privat markiert wurde. Dadurch kann man sich ein ebenso universelles Netzwerk aufbauen, wie man es von Twitter kennt. Konten lassen sich auch als Bots verwenden, die beispielsweise Inhalte eigener Webseiten automatisiert teilen. Grenzen gibt es natürlich in rechtlichem Rahmen, so dass man sich, wie in anderen sozialen Netzen auch, entsprechend benehmen muss. Während die großen Netze zum Teil recht nachlässig, aber auch übertrieben streng mit Nutzern umgehen, muss man sich bei Mastodon natürlich ebenso darauf verlassen, dass der Betreiber eines Servers vernünftig mit seinen Nutzern umgeht.

Die Plattform ist offen, weshalb es keine Beschränkungen bei den Apps gibt. Während Twitter an jeder App mitverdienen möchte, ist die Schnittstelle von Mastodon offen und es gibt daher zahllose Apps, zum Teil auch kostenpflichtig. Für das iPhone empfiehlt sich Amaroq, eine sehr schlanke und übersichtliche App, wobei man des Englischen etwas mächtig sein sollte. Während die Server in Deutschland zumeist auch deutsch sind, ist das bei den Apps entsprechend anders. Viel wissen muss man nicht, zumal sich die Begrifflichkeiten wiederholen. Die Barrierefreiheit von Amaroq ist übrigens ähnlich gut gelungen.

Alternativ kann man natürlich auch den Browser nutzen, man muss sich dann jedoch bei seiner Instanz anmelden. Schön ist, dass sich das Layout bei allen Instanzen gleicht, es also nur Unterschiede bei den Adressen gibt. Viele Verlagshäuser und auch Medienanstalten verwenden Bots auf Mastodon, so dass man deren Inhalte auch dort lesen kann und mitunter auf Twitter verzichten könnte. Wäre da nicht die noch größere Reichweite. Übrigens lassen sich auch Feeds zwischen Twitter und Mastodon austauschen, hierfür stehen spezielle Dienste bereit. Den Feed, auch mit den Beiträgen dieser Seite, findet Ihr unter @Stephan_Merk@mastodon.social, ein Konto bei einem Server Eurer Wahl ist natürlich Voraussetzung.

Fazit

Die Reichweite und fehlende Teilen-Schaltflächen auf Webseiten sind die einzigen Probleme bei Mastodon. Prinzip, Nutzbarkeit und Einfachheit sind gegeben, durch die vielen Apps gibt es auch genügend Auswahl, Inhalte zu lesen und zu teilen. Besonders die dezentrale Struktur und demokratische Eigenschaften begeistern, wie man sie im Netz heute nicht mehr findet. Mastodon ist auch kein Anfang mehr, denn einige Jahre konnte sich das System inzwischen beweisen. Würden jetzt unsere Medien anstatt auf Facebook und WhatsApp zu verweisen konsequent auf Mastodon setzen, wäre ein Erfolg sicher nur eine Frage der Zeit. Fakt ist, dass wir dringend regionale, soziale Strukturen brauchen, ist keine Frage mehr. Dass es sie gibt hingegen eine Tatsache, somit bleibt nur noch die konsequente Umsetzung als notwendiger Schritt. Wenn sich viele bereiterklären, Mastodon zu nutzen, könnten die Anwender diesen Schritt sicher anstoßen.

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