Nachdem wir im ersten Teil schon drei Modelle der Boutique-Serie aus dem Jahr 2015 kennengelernt haben, folgen nun die übrigen 12 Boutiques, die in den Jahren 2017 bis 2022 erschienen. Prinzipiell könnte man diese in drei weitere Abschnitte aufteilen, wobei JX-08 und JD-08 mit USB-C die derzeit aktuellsten markieren. Zwei weitere Modelle fallen aus dem Rahmen und haben keine Vorbilder, das erste davon erschien Ende 2016 und polarisierte die Fangemeinde.
Roland A-01
Irgendwie zwischen der ersten und zweiten Boutique-Serie präsentiert sich der Roland A-01 und hat kontroverse Diskussionen ausgelöst. Manche bezeichnetn ihn sogar als das nutzloseste Gear überhaupt, was ich nicht unterschreiben würde. Vielleicht ist das Gerät als Entschuldigung von Roland an die K-25m-Besitzer konzipiert worden, die vom umständlichen Gerätewechsel genervt waren. Oder man hatte bereits auf dem Schirm, dass nicht alle neuen Boutiques mit Touchstrips ausgestattet sein werden. Schaut man nämlich genau hin, ist der A-01K als Paket mit dem K-25m vielleicht sogar eines der spannendsten Boutiques überhaupt. Er verfügt zunächst über einen monophonen 8-Bit-Synthesizer, dessen Prototyp vom inzwischen im Ruhestand befindlichen Urvater des Jupiter-8 Akira Matsui entwickelt wurde und ein Bisschen nach C64 klingt, das kann man mögen oder nicht. Weiterhin ist ein 16-Step-Sequenzer integriert und darüber hinaus ein Controller-Modus sogar mit Bluetooth LE-MIDI. Damit kann er als Mini-Einspielhilfe für iOS-Geräte dienlich sein. Weil sich die MIDI-Kanäle schnell wechseln lassen, können mehrere und nicht nur Boutiques hintereinander verschaltet und über bis zu 16 Kanäle oder gleichzeitig angesteuert werden. MIDI-Befehle für alle Bedienelemente lassen sich schnell anpassen und man kann einen der Touchstrips sogar für Aftertouch einsetzen. Außerdem verfügt er über CV- und Gate-Ausgänge zur Steuerung analoger Instrumente. Obwohl der Sequenzer recht flexibel ist, empfinde ich die nur 16 monophonen Steps als etwas wenig. Besser wäre, wenn man die speicherbaren Patterns gleichzeitig auf mehrere MIDI-Kanäle verteilen könnte. Die Programmierung mit vier Endlosdrehregler bei einer soliden Verarbeitung und hinterleuchteten Tasten mit Grafikdisplay ist übersichtlich und nützt vor Allem der Soundprogrammierung, der Sequenzer ist dagegen etwas umständlich. Den A-01K gab es zuletzt recht günstig im Paket, ohne Tastatur im Abverkauf sogar für unter 100 Euro, dadurch war er natürlich schnell vergriffen.
Hier geht es zum Test des A-01 und hier zum Test des K-25m.
Roland VP-03
Unter der Überschrift „The Next Chapter“ präsentierte Roland nach dem A-01 die drei folgenden Modelle in einem eindrucksvollen Video. Dabei hat das erste Instrument zunächst gar nichts mit der Techno-Szene zu tun und das Original erschien bereits einige Jahre früher als TR-09 und TB-03. Trotzdem fügt er sich gut in neue Musikstile ein.
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Der String-Synthesizer und Vocoder Roland VP-330 erschien als Keyboard im Jahr 1979 mit acht Stimmen, Carrier-eingang für externe Quellen und mischbaren Streicher- und Chor-Sektionen. Mit dem VP-03 brachte Roland diesen in die Gegenwart mit einigen Abstrichen, die ebenfalls für Diskussionsstoff sorgten. Wegen des mitgelieferten Schwanenhalsmikrofons befindet sich der Eingang als XLR-Buchse auf der Oberseite. Dieser kann auch für andere Modulationsquellen genutzt werden, wenn man die Speisespannung abschaltet. Ein Carrier-Eingang steht aber nur virtuell über das USB-Interface zur Verfügung. Pro Stimme sind zwei Chortypen (männlich/weiblich), Streicher und Vocoder stufenlos mischbar, wobei der Chorus für jede Sektion einzeln aktiviert werden kann. Zwei Brilliance-Regler für Streicher und Vocoder verändern den Sound und erhöhen die Sprachverständlichkeit, wobei sich auch der Originalton beimischen lässt. Die Hüllkurven wirken sich auf alle Parts aus, dem Voices ist auch ein Vibrato mit variablem Attack zugewiesen. Der Sequenzer ist sechsstimmig polyphon und bietet mit seinen 16 Steps sogar eine Art Granularsampler für den Vocoder. Ohne Display erfolgt die Rückmeldung über LEDs und wie bei anderen Boutiques sind auch hier alle Fader beleuchtet, somit ist er auch nahezu komplett blind bedienbar. Ist keine Tastatur angeschlossen, lässt sich mit dem Touchstrip C1 rudimentär spielen, das ist für den Vocoder nützlich, der ohne Tastenbetätigung nichts erklingen lässt. Mit C2 kann man sich durch die verschiedenen Oktaven hangeln.
Hier geht es zum Test des VP-03 und hier zum Vintage-Artikel zum VP-330.
Roland TR-09
Der Roland TR-909 Rhythm Composer von 1984 folgte als TR-09, jene Techno-, Dance- und House-Maschine, die später in unzähligen Samples zu hören war. TR steht übrigens für Transistor Rhythm und Weil die meisten der elf Sounds analog sind, fehlt es bei Samples an den Manipulationsmöglichkeiten des Originals und somit auch der TR-09. Becken und Hi-Hat sind 6-Bit-Samples und klingen von daher etwas steif. Die Drehregler sitzen recht beengt auf dem Panel, trotzdem wird die Funktionalität des Originals geboten mit übersichtlicher Bedienstruktur, zusätzlich lässt sich das Panorama der Instrumente einstellen. Alle TR-Modelle können nach einem Update auch mit Serato DJ genutzt werden, interne Effekte gibt es jedoch nicht. Während es in den 90er Jahren viele dem Original nacheifernde Drumcomputer gab, beispielsweise Jomox Xbase 09, hat sich das Ganze etwas verändert. Roland selbst hat mit der TR-8S oder der neuen TR-1000 Rhythm Creator Instrumente am Start, die deutlich mehr als nur TR-909 und TR-808 können, so dass sich der heutige Trend weg vom Grundsound verlagert. Das ist gut so, denn das fördert die musikalische Eigenständigkeit. Dennoch hat die TR-909 bis heute Geschichte geschrieben und es ist fraglich, wie sich die Clubszene ohne TR-909 und TB-303 entwickelt hätte.
Hier geht es zum Test der TR-09 und hier zum Vintage-Artikel der TR-909.
Roland TB-03
Folgerichtig hat Roland mit der TB-03 auch die TB-303 Bassline wieder aufleben lassen und die mit Touchscreen ausgestattete TB-3 der AIRA-Serie abgelöst. Mit ACB ist der Grundsound ähnlich, die Optik und Bedienung orientiert sich ebenso am Vorbild wie auch die umständliche Programmierung. Erschienen ist die TB-303 im Jahr 1981 zusammen mit der TR-606 und wurde von Tadao Kikumoto entwickelt, dynamischer Accent und Glissando sollten einen echten Bassisten imitieren. Dass dies auf ganzer Linie misslang, habe ich im ersten Teil schon erwähnt. Die TB-03 ähnelt in der Größe wie die TR-06 ihrem analogen Vorbild und wirkt dadurch besonders authentisch. Weil die Programmierung damals ohne MIDI und stattdessen mit DIN Sync etwas schwierig war, fügte man der TB-03 einen dem TR-Modus entsprechende Programmierung hinzu. Monophon und mit knarzigem Sound mit resonanzfähigem Filter, zwei Schwingungsformen und mit Effekten ergänzt sie somit die TR-909 und prägte Techno und die Clubszene gleichermaßen. Ihr gelang die Beachtung auch erst Jahre später, als sie 1985von zwei DJs aus Chicago entdeckt wurde und damals den Acid-Stil prägte und später aus Techno kaum noch wegzudenken war. Die Besonderheit der TB-303 war die Echtzeitmanipulation wie bei den TR-Modellen, so dass man live während einer Sequenz den Klangcharakter manipulieren konnte. In den 90er Jahren wurde sie ebenfalls oft kopiert, das Original aber kaum erreicht. Grund dafür sind die analogen Abweichungen, die eine TB-303-Sequenz nie exakt gleich klingen lassen.
Hier geht es zum Test der TB-03 und hier zum Vintage-Artikel der TB-303.
Roland D-05
In den Jahren 2017 bis 2020 erschienen weitere Synthesizer und Drumcomputer, die teilweise jedoch mehr können als ihre originalen Vorbilder. Den Anfang macht der Roland D-05 zum 30jährigen Geburtstag des D-50 von 1987, gleichzeitig erschien das D-50 Plug-In. Bleibt zu erwähnen, dass die Plug-Ins der Roland Cloud optisch mehr an ihre originalen Vorbilder erinnern als die kompakten Boutique-Versionen. Mit DCB hat man der Emulation des D-05 einen digitalen Namen gegeben, zwischenzeitlich gab es den D-50 lediglich 2003 als Erweiterung für den V-Synth, in der XT-Version wurde er sogar werkseitig integriert. Mit 16 Stimmen Polyphonie, zweizeiligem Display und einer wenn auch verkleinerten aber exakten Bedienoberfläche selbst mit Joystick ist er dem Original absolut ebenbürtig, ein Retro-Modus im Menü soll ihn sogar klanglich annähern, das gelingt jedoch nicht so authentisch. Die Tasten sind wie beim Original mehrfachbelegt und man ging nicht den Weg der analog anmutenden Programmierung der Boutiques JX-03 und JX-08.
Damals gab es von Roland auch einen optionalen Programmer mit der Bezeichnung PG-1000, der allerdings vom niederländischen Unternehmen Dtronics in Boutique-Größe nachgebaut wurde. Mit dem DT-01 lässt sich auch ein D-50, D-550 und ebenso der D-05 oder das Plug-In mit dedizierten Controllern programmieren. Das Gerät hat aber keine Fader wie das Original, sondern unzählige Drehregler, USB und MIDI lassen sich durchschleifen und so verliert man keinen wertvollen Anschluss. Die Besonderheit des D-50 sind seine vier Tones pro Patch und die Linear Arithmetic Synthesis, die sich auch in weiteren Instrumenten wie dem beliebten Klangerzeuger MT-32 für PC-Spiele oder einfachen Keyboards wie E-15 und E-16 aus gleichem Hause finden. Weil Speicher seinerzeit teuer war, suchte man einen Weg zum Nachbilden organischer Instrumente. Weil das Gehör innerhalb der ersten Millisekunden ein Instrument zuordnen kann, finden sich bei der LA-Synthese kurze Attack-Samples in 16-Bit-PCM-Form entsprechend mit Rauschfahne, die zur Klanggestaltung beitragen und aus damaliger Sicht zu verblüffenden Ergebnissen führen. Trotz Super-LA-Synthese beim D-70 oder den erwähnten Keyboards kommen diese aufgrund anderer Samples nicht an den Grundsound eines D-50 heran, das schafft neben D-550 und V-Synth höchstens noch der MT-32 und jetzt eben auch der D-05.
Hier geht es zum Test des Roland D-05 und hier zum Vintage-Artikel des D-50 und hier zum Test des Dtronics DT-01.
Roland SE-02
Mit dem Roland SE-02 kommen wir wieder zu einem Ausnahmetalent, jedoch in absolutem Vintage-Look, ein monophoner Analogsynthesizer mit drei Oszillatoren. Der SE-02 wurde gemeinsam mit Studio Electronics entwickelt und ist somit auch kein Nachbau eines Klassikers. Angetrieben mit einem Steckernetzteil benötigt er so viel Energie, so dass er als Einziger über kein Batteriefach verfügt. Ein Sequenzer mit 16 Steps und eine digitale Effektsektion und USB-Audio sind weitere Features, die ihn grundsätzlich sehr interessant machen.
Hier geht es zum Test des SE-02.
Roland SH-1A
Im Jahr 1982 kam der batteriebetriebene und monophone SH-101 auf den Markt, den es in grau, schickem Rot und blau gab und der zum Umhängen konzipiert war (Keytar). Wie auch andere Roland-Synthesizer sollte auch die SH-Serie im Stande sein, organische Instrumente nachzuahmen, was ihm genauso misslang und er somit ebenfalls erst im nächsten Jahrzehnt von DJs und der Techno-Szene entdeckt wurde. Sein klassisches VCO/VCF/VCA-Prinzip ist ebenso simpel wie die TB-303, die jedoch über keine Klaviatur verfügt und nicht live gespielt wurde. Mit dem SH-01A rettete Roland ihn in die Boutique-Welt und dies gleich in drei Farbvarianten, streng limitiert in rot und blau, aber auch in grau und in dieser Version ist er noch erhältlich. Man kann ihn sehr gut blind bedienen, denn er verfügt nur über ein rudimentäres Systemmenü und die meisten Funktionen sind mit klaren Tastenfolgen erreichbar, das gilt auch für den Sequenzer. Der SH-01A ist dem Original technisch überlegen, so kann er vierstimmig und optional anschlagdynamisch gespielt werden, es gibt einen Chord-Modus und der 64-Step-Sequenzer ist ebenfalls vierstimmig polyphon. Man hat hier sehr viel richtig gemacht und es bleibt die Frage, warum diese Vorteile nicht auch anderen Boutiques zugestanden wurden, siehe A-01. Touchstrips und Display hat er außerdem, sowie eine Oktavumschaltung für die Tastatur. Dadurch ist er ein tolles Paket in Zusammenhang mit dem K-25m. Will man ihn so wie den A-01 als Controller oder Sequenzer für andere Geräte per MIDI nutzen, sollte man die Anschlagdynamik aktivieren, die ansonsten nicht durchgereicht wird. Als weitere positive Abweichung lässt sich die LFO-Frequenz deutlich erhöhen, was dem Sounddesign weiterhin zuträglich ist und beim originalen SH-101 entsprechend modifiziert werden kann. Effekte gibt es übrigens nicht, der Synthesizer ist somit durchweg mono, der Eingang jedoch stereo. CV und Gate zur Ansteuerung durch einen analogen Sequenzer sind ebenfalls vorhanden, so auch ein Trigger-Eingang.
Hier geht es zum Test des Roland SH-01A, hier zum ersten Vintage-Artikel des SH-101, von dem gleich zwei erschienen sind.
Roland TR-08
Mit dem TR-08 Rhythm Composer kam die lang erwartete Reinkarnation der legendären Roland TR-808 von 1981 als erster voll programmierbarer Drumcomputer hinzu. Kritiker bemerken zurecht, dass der Preis von TR-08 und TR-09 die Kosten einer TR-8S übersteigen, die mit 11 Stimmen alle TR-Modelle mit ACB modellieren kann und zudem über FM-Synthese und Sample-Import verfügt. Dafür bietet sie einen komplett anderen Workflow, weshalb man die TR-08 eher mit dem TR-808 Plug-In mit originaler Bedienstruktur vergleichen muss. Damals klopfte man die Sounds nämlich nicht direkt ein, sondern setzte die Steps einzeln für jedes Instrument, auch als TR- oder Lauflichtprogrammierung bezeichnet. Bei der TR-08 kann man Sounds und Accent zwar einklopfen, die man aber über das Wahlrad zunächst auswählen muss, weshalb auch dies nur nacheinander geht. Bei der TR-909 wurde dies geändert, so dass sich Rhythmen direkt einspielen lassen. Wie bei den anderen Boutiques orientiert sich Roland bei der Haptik, Farbgebung und Bedienstruktur am oriinalen Vorbild, was für die TR-08 als eigenständiges Instrument spricht. Effekte gibt es nicht, aber die markante Cowbell, die man in unzähligen 80er-Hits hören kann.
Hier geht es zum Test der TR-08 und hier zum Vintage-Artikel der TR-808.
Roland JU-06A
Als Nächstes wurde im Jahr 2018 der JU-06A nachgeschoben, den man als verbesserten JU-06 mit schönerer Optik anlehnend an die TR-08 bezeichnen kann. Eigentlich soll er einen Juno-60 emulieren, lässt sich in der Klangerzeugung aber auf Juno-106 umschalten. Das ist insofern spannend, als dass man in einem Instrument zwei verschiedene Klangerzeuger hat und somit nachvollziehen kann, dass zwei Synthesizer sich zwar ähnlich, aber nicht gleich anhören. Das gilt ebenso für den JX-3P und JX-8P, Jupiter-4, Jupiter-6 und Jupiter-8 und eben auch für Juno-6, Juno-60 und Juno-106. Bei der SH-Serie sind diese Unterschiede noch krasser, ein Gaia SH-1 hat nichts mit einem SH-101 oder SH-2 zu tun. Seit dem JU-06A hat man die Touchstrips weggelassen, das ist zwar blöd für das K-25m, dafür gibt es Tasten für Arpeggiator, Chord-Funktion und die Möglichkeit, den Synthesizer über die Tastenreihe zu spielen inklusive Oktavumschaltung, eine sinnvolle Entscheidung. Dank ACB hat man auch hier den legendären Chorus nachempfunden, der ähnlich rauscht wie das original. Es gibt außerdem einen analogen Sync-Eingang, den man mit den Sync-Ausgängen der TR-Boutiques verbinden kann. So lässt sich der Arpeggiator einen Schritt weiterschalten, wenn am Ausgang ein Impuls anliegt, dies können alle TR-Boutiques übernehmen und der TR-08 hat hierfür einen eigenen Kanal. Bemängelt wurden übrigens bei den meisten Boutiques die recht kurzen Faderwege, das ist natürlich ein Tribut der Miniaturisierung und liegt nicht jedem.
Hier geht es zum Test des JU-06A und hier zum Vintage-Artikel des Juno-60.
Roland TR-06
Im fast exakten Design zur TB-03 jedoch mit anderer Farbgebung erschien 2020 die TR-06 Drumatix. Die TR-606 kam zeitgleich mit der TB-303 im Jahr 1981 heraus, dies hatte ich im ersten Teil schon erwähnt. Ursprünglich hat sie einen Mono-Ausgang und ihre sieben Instrumente sind nur in der Lautstärke regelbar, die TR-06 hat man diesbezüglich aufgebohrt. Die Sounds lassen sich in ihren Parametern teilweise verändern und im Stereobild verteilen, wie bei der TB-03 gibt es auch bei der TR-06 eine Effektsektion mit wahlweise Overdrive (Verzerrer), Bandpassfilter und weiteren Hall- und Delay-Effekten. Einstellen lassen sie sich im Menü, drei Regler rechts oben erlauben den direkten Zugriff. Weiterhin gibt es Trigger-Ausgänge für jedes Instrument und außerdem einen Sync-Eingang. Da könnte man sich fragen, ob man sie braucht, wenn man schon eine TR-08 oder TR-09 sein Eigen nennt. Die Antwort heißt ja, denn besonders mit einer TB-03 hat man einen ähnlichen Mitspieler mit mehr Möglichkeiten als nur Klopfgeist zu sein. Durch die Trigger-Ausgänge könnte man die Schritte von fünf Instrumenten anstoßen und dadurch lebendige Sequenzen erzeugen. Oder man mischt die Drumsounds aller TR-Modelle und bildet so ein neues Drum-Ensemble. Schade ist, dass der Effektweg nicht von den extern angeschlossenen Instrumenten durchlaufen werden kann, das würde die Möglichkeiten noch erweitern. Leider lässt sich das Echo zumindest nach meinen Experimenten nicht zur Clock synchronisieren, hier ist Fingerspitzengefühl gefragt.
Hier geht es zum Test der TR-06 und hier zum Vintage-Artikel der TR-606.
Roland JX-08
Im Jahr 2022 wurden die derzeit letzten Boutique-Synthesizer vorgestellt, Mit AMB heißt es nun Analog Modeling behaviour und ist im Gegensatz zu ACB ein Teil von ZEN-Core. Ob der Prozessor identisch ist, ließ sich nicht feststellen, aber die LEDs und Display sind heller und die Stimmenanzahl wurde drastisch erhöht. Beide verfügen über polyphone Sequenzer mit zwei Parts und vier Stimmen, so dass sie über zwei MIDI-Kanäle auch multitimbral nutzbar sind. Wie beim JU-06A fehlen auch hier die Touchstrips und gespielt werden sie ebenfalls über die Tastenreihe, dann aber ohne Anschlagdynamik. Der Roland JX-08 bietet 20 anstelle der sechs Stimmen des JX-8P von 1985. Neben den zwei Chorusvarianten gibt es außerdem einen Effektprozessor und eine ähnliche Klangstruktur wie beim Original. Der JX-8P wurde als ein Nachfolger des Jupiter-8 gehandelt, jetzt mit Anschlagdynamik und sogar Aftertouch. Die digitale Programmierung über Folientasten ist umständlich, der Programmer PG-800 war als Zubehör seinerzeit erhältlich. Wie auch schon beim JX-03 hat man sich beim JX-08 an diesem orientiert und fast alle Bedienelemente nachgebildet. Er klingt weniger brachial als der SH-101 und weicher als die Juno-Serie und eignet sich eher für Flächensounds.
Hier geht es zum Test des JX-08 und hier zum Vintage-Artikel des JX-8P.
Roland JD-08
Im Jahr 1991 kam der JD-800 auf den Markt, der sich optisch wieder an die analogen Instrumente der 70er und frühen 80er Jahre orientiert, aber mit digitalem Charme. Gefragt war er zunächst nicht, denn man war inzwischen Samples gewohnt. Während die Presets nach Klavier, Streicher und Bläser klangen, wirkten die über 120 Bedienelemente dadurch etwas überflüssig, Klangschrauben war damals noch out. Wie auch der D-50 bietet er vier Tones, hier Layer genannt, die mit 108 Oszillatormodellen aufwarten und getrennt voneinander manipuliert werden können. Dadurch bietet er durchaus eigenständige Syntheseklänge und sehr flexible Programmiermöglichkeiten. Die Schwingungsformen erinnern etwas an die DWGS-Modelle des Korg DW-8000 und können sogar zeitversetzt moduliert werden. Das erlaubt lebendige, sequenzielle Klänge wie bei der Korg WAVESTATION. Der JD-800 ist somit recht eigenständig und vielseitig programmierbar und verfügt pro Patch über vier Tones oder Layer. Der JD-800 ist 24stimmig polyphon, wenn man nur einen Layer aktiviert. Bei vier Layer reduziert sich die Polyphonie rechnerisch auf nur sechs Stimmen. Der JD-08 bietet etwas mehr und ist 128 Stimmen polyphon, so dass sich die Anzahl bei vier aktivierten Layer auf rechnerisch 32 reduziert. Weil er ähnlich zum JX-08 multitimbral spielbar ist, halbiert sich die Anzahl auf 16 pro Part, das ist immer noch deutlich mehr als der JD-800 bietet. Der JD-990 verfügte später über noch viel mehr Klangmaterial und Erweiterungskarten, die es jedoch nicht in den JD-08 geschafft haben. Die Patches können wie beim JX-08 auf einem großen Keyboard aufgeteilt oder mit dem integrierten Sequenzer gespielt werden. Während er technisch viel bietet, wird die Mehrfachbelegung der Bedienelemente kritisiert. Blind bedienbar ist er schwer, weil man nie wirklich weiß, was welcher Regler tut. Da ist der JX-08 besser bedienbar, aber schlechter als der JU-06A und vom SH-01A weit entfernt. Grundfunktionen wie Patchauswahl und einfache Programmierung sind bei allen irgendwie möglich, so dass man schon mit den Presets viel anstellen kann.
Hier geht es zum Test des JD-08 und hier zum Vintage-Artikel des JD-800.
Fazit
Egal ob man sie mag oder nicht, die Boutique-Synthesizer ergänzen das Roland-Portfolio angemessen. Alle braucht man sicher nicht, aber je nach Anwendung kann ein Boutique sinnvoller als ein Plug-In sein. DJs mögen sich über die TR-Modelle freuen, die auch als Controller für die Softwarevarianten herhalten können und die Synthesizer laden zum Experimentieren ein. Von der Bedienbarkeit ist der D-05 haptisch und optisch dem Original am nächsten, dadurch genauso für blinde Nutzer ohne Programmer weitgehend ungeeignet. Bei den TR-Modellen ist das etwas anders, denn hier kann man im Systemlaufwerk die Daten auslesen und Patterns mit etwas Übung sogar im Editor am Rechner programmieren. Aber, das gehört ebenfalls zur Wahrheit, sind die Kosten so hoch, dass man sehr viel Geld in diese Serie stecken kann. Will man diese nicht sammeln oder legt nicht unbedingt Wert darauf, jedes Instrument eigenständig nutzen zu wollen, ist einer der ZEN-Core-Synthesizer oder komplexeres ACB-Instrument günstiger und vielseitiger. Ich hätte sie nicht gesammelt, wenn ich pro Stück die ursprünglichen rund 480 Euro plus Zubehör hätte aufbringen müssen. Trotzdem bin ich froh, dass ich sie jetzt habe und vielleicht kommt von Roland noch ein JP-08A heraus, der die Schwächen des JP-08 beseitigt. Weiterhin fehlt eine TR-07 mit den Sounds der TR-707 und TR-727, hierfür müsste man sich eine TR-6S oder TR-8S zulegen.
Oder greift eben zur Cloud.















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