To do things with words, ein Kommentar über Gender, Rassismus, Behindertenfeindlichkeit und was soziale Medien damit u tun haben

Letzte Aktualisierung am 13. September 2020

Dieser Artikel fällt aus der Rolle, hat er doch nichts mit Technik zu tun und ist vielleicht einer der wenigen Blogbeiträge auf merkst.de. So stelle ich üblicherweise das Thema Behinderung als Behinderter nicht in den Fokus, das machen schon genug. Ich verzichte diesmal bewusst auf ein Beitragsbild, denn meine Stärke sind die richtigen Worte. Außerdem wird jeder, der diesen Text versteht und wichtig findet, ihn von sich aus teilen oder eben nicht. Sicher gibt es dazu auch andere Meinungen, dafür ist die Kommentarfunktion gedacht. “To do things with words”, also Taten durch Worte vollbringen, nicht umgekehrt, darum soll es gehen. Dies meint folglich nicht, einfach zu machen, sondern das Denken durch Worte positiv zu beeinflussen. Manche sprechen von der Notwendigkeit zur Abschaffung des Patriarchats, andere sehen darin eine Selbstbestätigung und es sind meist Interessenverbände, die mitunter ohne Rücksprache mit den Betroffenen Aktivität zeigen. Ist auch logisch, denn das Thema ist aktuell und jede Aktion in diese Richtung werbewirksam.

Dieser Text knüpft an zwei Artikel an. Zum einen über den Weltfrauentag, zum anderen über eine Speisekarte mit einem Zigeunerschnitzel. Beide befassen sich mit demselben Thema aus verschiedenen Perspektiven, aber auch mit Diskriminierung und Bevormundung. Meiner Ansicht nach überwiegt diese in der gesamten Diskussion, weil getrennte Sprache natürlich diskriminiert. Auf all das möchte ich im Folgenden eingehen und bin der festen Überzeugung, dass politisch korrekte Sprache das Denken nicht verändert. Im Gegenteil sollte man soziologisch vielleicht untersuchen, ob das Schwarz und Weiß des wenig differenzierten Denkes, das nach meinem Gefühl immer mehr zunimmt, nicht ein Nebeneffekt dieser Sprachverirrungen sein könnte.

Jeder Mensch ist anders

In der Bibel steht es schon, man solle die Menschen nicht an Worten, sondern an ihren Taten messen. Doch sind Worte wirklich der Grund für das Denken der Menschen? Die Antwort ist sicher nicht eindeutig, so werden sie vermutlich zu einem Teil das Denken beeinflussen. In der Antike war das Lesen nur den Gelehrten vorbehalten, heute ist es Allgemeingut. Schaut man sich diverse Coaching-Videos an, scheinen Worte inzwischen aber nicht nur im Zentrum zu stehen. Zwar wirken manch formulierte Thesen recht wortgewaltig, aber viel mehr begeistert das Auftreten, die Ausstrahlung und der Kontext, in welchem die Sprache und vor Allem von wem genutzt wird. Gerade der amtierende amerikanische Präsident zeigt eindrucksvoll, dass er nicht durch Worte überzeugt, sondern sich als Gesamtkonzept in Szene setzt. Genau deshalb wäre eine Gesangsausbildung nicht maßgeblich, um ein erfolgreicher Künstler zu werden, sondern es kommt aufs Ganze an. Jeder Mensch ist anders, das gilt somit auch für das Positive und ist sicher das Argument, warum nicht immer die schlausten Gedanken zum Erfolg führen. Das sehe ich an meiner Arbeit, so erhalte ich eher positives Feedback, schaue aber nie auf Follower und Statistiken. Mich interessiert hingegen der Einzelne, der von meiner Arbeit profitieren kann und nicht die Besucherzahl als Kollektiv. Was nützt ein tausendfach geteiltes Video, wenn ich die Motive des Betrachtens gar nicht kenne? Ganz davon ab, dass Texte ohnehin ins Hintertreffen geraten, wie man an der Popularität von Videoplattformen sieht.

Im Umkehrschluss bedeutet Anderssein aber auch, nicht hübsch oder erfolgreich sein zu müssen. Doch gilt schon für den Zyklus der Befruchtung, dass der Stärkere gewinnt, dies lässt sich evolutionär kaum wegdiskutieren. “Wer schreit hat Unrecht”, ist ein schöner Spruch der im Umkehrschluss bedeutet, dass auch stille, zurückhaltende Menschen kluge Dinge vollbringen. Nur werden sie weniger wahrgenommen, weil sie ihr Wesen nicht extrovertiert in den Fokus rücken. Dass diese klugen Köpfe es kaum in die Politik oder auf die Weltbühnen schaffen, versteht sich. Wer dann aber noch anders ist, weil behindert oder von der Natur optisch nicht bevorteiligt, wird dazu gedrängt, besser zu werden – ein Effekt der Leistungsgesellschaft. Körperbehinderungen lassen sich kaum verstecken, die Sprache gehörloser Menschen ist meist schwer verständlich, blinde Menschen agieren nicht mit Gesten und Blicken. An dieser Stelle könnte man ansetzen, dass ein starkes Auftreten und Selbstbewusstsein helfen kann,das ist sicher richtig. Aber genau in den Randgruppen gibt es Menschen, ob blinde Bergsteiger oder behinderte Sportler, die von sich ausgehen und der Überzeugung sind, jeder könnte etwas bewegen. Dies entspricht nach meiner Ansicht nicht der Realität. Klar kann eine Behinderung üblicherweise begrenzen und es ist an Jedem, diese Grenzen zu überwinden. Aber es ist eben nicht nur die Behinderung alleine, die einen Menschen ausmacht. Würde man aufhören, Menschen an ihren Schwächen zu bewerten, wäre allen geholfen. Jeder ist eben anders und hat andere Möglichkeiten, die sich allerdings auch durch die individuelle Lebensgeschichte definieren. Das betrifft genauso Menschen, die eben manche Chancen nicht hatten und reduziert sich keinesfalls nur auf Behinderte.

Jedem ist das schon mal passiert, dass man eben nicht so einfach aus der eigenen Haut kann und gerade wer optisch eher negativ auffällt hat das Problem, sich schwerer durchsetzen zu können oder vielleicht braucht man auch nur länger, um zu reagieren. Im Strom des Kollektiven fällt das Andersartige natürlich auf. Vergleiche dies mit einem Glaskolben, der 100 Kugeln enthält. Sind fünf davon nur geringfügig unterschiedlich, sieht man dies nicht mal aus nächster Nähe auf den ersten Blick. Würde man die Oberflächenstruktur mikroskopisch betrachten und Bakterien mit in die Optik einschließen, wären es 100 unterschiedliche Kugeln, die Gemeinsamkeiten aufweisen. Von diesem Ansatz her zeigt sich, dass Begriffe von Rassen und Grenzen rein dem menschlichen Denken entsprechen, denn die Natur wollte es schon immer anders.

Dabei könnte eine banale Lebensweisheit das westliche Denken mehr verbessern, als die richtige Ausdrucksweise: Jeder Mensch ist einzigartig und gut so, wie er ist.Diese Weisheit ist nicht neu, wird sie im Religionsunterricht, in Geschichten und Kinderbüchern vermittelt, doch im Zuge des Alltags gerne wieder vergessen. Nehmen wir ein Bewerbungsverfahren in einer Personalabteilung, wie sollte man in einer begrenzten Zeit 500 Bewerber aussortieren? Klar sind dabei die ersten drei Sätze des Anschreibens und das Foto entscheidend, den Mitarbeitern lässt sich kaum eine gewisse Oberflächlichkeit unterstellen. So begründet sich unser Denken sicher durch unseren Alltag und das Kollektiv, in dem sich jeder von uns irgendwie einfügen muss. Dem einen gelingt das einfacher, dem anderen schwieriger und natürlich trägt jeder für sich selbst Verantwortung, ist aber sicher nicht verantwortlich für seinen Werdegang. Ausnahmen gibt es bei denen, die aus Prinzip anders sein wollen und Abgrenzung als Eigenschaft für sich erkennen. Oftmals funktioniert dies nur marginal und man muss darauf achten, keinen falschen Stolz zu entwickeln. Bei dieser Erkenntnis stellt sich die Frage, was genau Sprache an diesem Gesellschaftsmechanismus verändern könnte. Ist sie wirklich verantwortlich für unser Handeln, kann sie unser Denken beeinflussen?

Über Neger, Zigeuner und Mohren

Ganz schlimme Begriffe so heißt es, Mohrenapotheken gehören umbenannt, Negerküsse heißen Schaumküsse und Zigeunerschnitzel sind nun Spezialitäten nach Balkanart. Im Kindergarten spielt man “wer hat Angst vorm grünen Bär” und spannend ist die Frage, ob “Blinde Kuh” noch erlaubt sein darf. Für meine Begriffe ja, denn als Kind der 70er Jahre habe ich mit obigen Begriffen nie etwas mit der betroffenen Gesellschaft verbunden. Neger kommt von Negrow, Mohren von den Mauren und Zigeuner sind ursprünglich das Volk der Athinganen, ein griechischer Stamm, und haben vielleicht ansatzweise was mit den Roma zu tun. So kann man durchaus hinterfragen, warum sich die Interessenvertretung der Sinti und Roma gerade hier mit Hilfe kostspieliger Klagen auseinandersetzt und Integration nicht anders organisiert. Auf mich wirkt das eher, als wollte man sich als Teil von dieser Gesellschaft abgrenzen, als sich aktiv zu integrieren. Man okkupiert ein Wort für eine Gesellschaftsgruppe und bekämpft dieses, anstatt sich öffentlich zu dieser Gesellschaft zu bekennen. Während für mich Menschen mit Migrationshintergrund, das Wort könnte man auch abwertend definieren, für mich zum Alltag gehören, begegneten mir noch nie Sinti und Roma. Wäre man daran interessiert, sich als Teil dieser Gesellschaft zu sehen,würde man sich in dieser auch aktiv integrieren und aufklären, davon ist mir zumindest bislang noch nichts begegnet. Ich denke gerne an das Lied “Zigeunerjunge” der viel zu früh verstorbenen Sängerin Alexandra. Hier wird die Faszination des Fremden sehr schön beschrieben, wie zugleich anziehend, aber doch fremdartig der Mann mit der Gitarre und seinen schwarzen Augen am Wegesrand sitzt. Lehren wir unseren Kindern nicht gerade, sei vorsichtig bei Fremden, wobei wir nicht einmal die Herkunft differenzieren und im Grunde vermitteln, dass jeder fremde Mensch per se böse ist? Wäre es nicht denkbar, dass auch in Minderheiten in unserem Land vermittelt wird, sei vorsichtig mit den Deutschen? Ist das nicht dann auch rassistisch?

Der Begriff der fremden Kultur müsste somit als nächstes aus dem Wortschatz gestrichen werden, denn Fremdartigkeit grenzt ab. Genau wie das Wort Behinderung. Und doch bin ich behindert, weil es die Evolution so wollte und ein Teil meines Körpers nicht vernünftig funktioniert. Das ist Tatsache und stellt mich unter Anderem aus der Masse heraus und grenzt mich natürlich ab und dies sogar in doppelter Hinsicht. Ob man nun “der Blinde” oder “der blinde Mensch” sagt, zumal meine Restsicht diese Formulierung als unzutreffend darstellt, spielt für mich überhaupt keine Rolle. Ein Vergleich zu finden ist sehr einfach, das Dating: “Gefalle ich dir nicht?” – “Doch, du bist echt ganz nett, ehrlich. Aber ich denke – lass uns doch einfach Freunde bleiben”. Dabei versteht das Gegenüber doch ganz klar die Message: “Du bist nicht sexy und ich habe keinen Bock auf dich”. Wie naheliegend es ist zu zeigen, dass Worte zwar in umgestellter Form mehr Respekt bedeuten können, aber den Sinn des Ganzen und vor Allem das Denken nicht verändern.

Schauen wir 50 Jahre zurück und in die Zeit des Struwwelpeters, als die Bösen in Kinderbüchern grundsätzlich die Fremden waren und es kaum ausländische Namen in Büchern gab. In den 80er Jahren änderte sich das, plötzlich wurden Ausländerfeindlichkeit, Ökologie und andere Themen in den Vordergrund gestellt, Benjamin Blümchen darf man fast als linksextrem oder anarchisch betrachten. Heute hat man hingegen den Eindruck, dass von fünf Namen aus Prinzip mindestens einer aus einer anderen Kultur stammen müsste, aber bloß kein Kind dunkelhäutig sein darf. Im Umkehrschluss müsste dies bedeuten, dass die Effekte heutiger Generationen darauf beruhen und dies ist sicher nicht so. Hingegen fällt uns als Eltern die umgestellte Literatur auf und wir bemerken es, stellen durch unser kritisches Verhalten diese Dinge in Frage, wobei mich als 10jähriger die überzeichneten politischen Themen in Kindergeschichten wirklich aufgeregt haben. Ich wollte lediglich unterhalten werden und keine moralischen Lehrstunden erhalten. An dieser Stelle darf man aber auch nicht vernachlässigen, dass wir in einer freien Welt leben, so dass Politik, Religion und Kunst immer getrennt wurden. IN Zeiten des Nationalsozialismus war das anders, ähnliches konnten wir auch in der DDR beobachten und auch heute noch in manchen Ländern, in denen es wichtig ist, Kinder entsprechend zu “programmieren”. Dies gelingt jedoch nur dann, wenn alle Bereiche konsequent dieselben Inhalte vermitteln und somit die Kunst, Politik, Lehre und Religion dieselbe Sprache sprechen. Sich frei entfalten gelingt hier also nur aufgrund der vorhandenen Vielfalt.

Vielfalt oder Ansammlung von Minderheiten?

Wenn Worte nicht das Denken verändern, tun es dann Demonstrationen, oder wie sollte man als Minderheiten seine Bedürfnisse in der Gesellschaft ausdrücken? Das ist eine schwierige Frage, die ich mir schon 30 Jahre stelle, als ich das erste Mal zwangsweise auf einer Demo der Busfahrer teilnehmen musste, die auf unserem Schulgelände stattfand. Heute weiß ich, dass Streik und Demonstrationen als letztes Mittel sicher notwendig sind, um Arbeitgeberinteressen durchzusetzen. Sicher nicht in allen Fällen und auch nicht immer auf Kosten der Allgemeinheit, aber dies als grundsätzlich verankertes Recht ist ein hohes und wichtiges Gut. Die frage ist allerdings, ob ich dies in allen Fällen muss oder tatsächlich das gewünschte Ziel erreichen kann. Fridays for Future wäre ein aktuelles Beispiel, das Demonstrieren für den Umweltschutz ist sicher gut und richtig. Aber ist es wirklich so, dass alle Demonstrationsteilnehmer wirklich wegen der Umwelt auf die Straße gehen und nicht deshalb, um Schulfrei zu bekommen? Ich bin mir da nicht sicher, denn ich war selbst mal jung. Ich weiß mit absoluter Sicherheit, dass ich mit 14 oder 15 Jahren garantiert nicht für die Umwelt demonstriert hätte. Um Umkehrschluss heißt das aber auch nicht, dass mir die Umwelt damals egal gewesen sei, im Gegenteil habe ich nie Müll auf die Straße geworfen und es wäre für mich selbstverständlich, den Müll bei einer Demo nicht an Ort und Stelle zu belassen. Man sollte also das Mikro- und Makrokosmische nicht vermengen, denn nicht jeder Umweltdemonstrant ist auch zugleich ein Umweltschützer und nicht jeder, der nicht demonstrieren geht, ist eine Umweltsau.

Sprache differenziert, wenn von der Demonstrantin oder dem Demonstranten geschrieben wird, werden diverse Menschen und Behinderte nicht erwähnt. Man grenzt also ab, obwohl man einschließen wollte und hier besteht das Problem. Die Demonstrierenden, die Journalistischen, die Studierenden wäre somit die einzige Formulierungsmöglichkeit, die nicht ausschließt. Aber was macht das mit den Menschen, die Demonstrationen nicht mögen, Behinderte verachten, Ausländer grundsätzlich ablehnen und gleichgeschlechtliche Liebe als krank und abnormal verurteilen? Gar nichts, denn sie interessieren die Inhalte, nicht die Worte. Eine Meinung kann sich durch Argumente verändern, wenn man offen dafür ist. Ob man das ist, könnte man wiederum an der Sprache erkennen und diese wird man nicht an Genderkonfektionen anpassen.

Männlein oder Weiblein?

Wenn Lesben und Schwule für ihre Rechte und ihre sexuelle Freiheit demonstrieren, sehe ich dies als etwas kritisch. Nicht nur deshalb, weil Transsexuelle lange Zeit außen vor blieben und die eigene sexuelle Identität doch etwas sehr persönliches ist, sondern weil man sich automatisch von allen abgrenzt, für die ihre Sexualität etwas intimes und vertrauliches ist. Natürlich kann man erreichen, dass man durch das Gesehen werden dies als etwas ganz normales darstellt. Aber man erreicht sicher auch, dass man sich bewusst als Minderheit und somit abgegrenzt von der Gesellschaft bestätigt. “Wir sind unter euch” einerseits, aber auch “wir sind kein Teil von euch”, denn ansonsten müsste man sich auch nicht versammeln, Szenekneipen gründen und ähnliches. Ich habe hierzu eine sehr differenzierte Meinung und denke nicht, dass diese Abgrenzung der richtige Weg ist. Überhaupt erreichen wir gerade bei der geschlechtlichen Identität wieder den Versuch, diese in Worte zu definieren: MTF oder FTM, transsexuell, Transgender, divers, was auch immer. Ich selbst könnte das nicht definieren und will das auch nicht. Denn hier gilt ebenfalls, jeder Mensch ist anders und jeder Mensch verbindet sicher Anteile beider Geschlechter.

Nehme ich mich als Beispiel, habe ich heute und früher nie Probleme damit gehabt, mich an den Frauentisch zu setzen, spreche mit Männern ungern über Frauen, bin Zuhause und betreue unser Kind, gehe auch gerne shoppen und manche Freundinnen erzählen mir Dinge, die man Männern üblicherweise nicht so schnell erzählt. Im Umkehrschluss stehe ich nachweislich auf Frauen und wäre somit eine lesbische Frau, wäre da nicht mein männliches Erscheinungsbild, das mich nicht im Geringsten stört. Wer sich allerdings als Frau oder Mann in seinem Körper unwohl fühlt, wird dafür Gründe haben und muss für sich selbst entscheiden, wie sie oder er und vor Allem als was leben möchte. Hier lauert jedoch ebenso die Gefahr, sich selbst als zu wichtig zu nehmen, was dem ganzen Prozess auch im Wege stehen kann. Für mich wäre der erste Gedanke, mich als das anzunehmen, was ich bin und weil das funktioniert, bin ich wohl doch eher ein heterosexueller Mann. In meinem Fall verschwende ich nicht meine Zeit damit, mir über meine Identität Gedanken zu machen, denn ich bin ein Mensch, eben nicht wie jeder andere, sondern einzigartig. Diese Erkenntnis bringt mir Zufriedenheit, egal ob man mich als Blinder, Behinderter oder sogar Mensch bezeichnet, selbst dieses Attribut ist in der heutigen Zeit sicher nicht unbedingt ein Lob.

Die Moral dieser Geschichte ist vielleicht nicht eindeutig. Aber für mich persönlich sind es die Gründe, warum man seine Zeit nicht vorzugsweise mit identitären Fragen verschwenden sollte. Viel wichtiger ist es zu lernen, dass jeder Mensch einzigartig und anders ist, man Menschen zunächst unabhängig von seinen Attributen eine Chance geben sollte. Ob Ausländer, Behinderte, Lesbe oder Schwule, nicht jedes Attribut sorgt für Schwierigkeiten im Umgang miteinander. Allerdings bedeutet das für Minderheiten genauso, ihr Anderssein im Umgang mit der Gesellschaft nicht allzu herauszustellen, wenn es nicht notwendig ist. Was spielt die sexuelle Orientierung oder das Geschlecht für eine Rolle, wenn man sich bewirbt? Wenn ich aber als Frau der Ansicht bin, mich als Möbelpackerin bewerben zu müssen, sollte ich dann allerdings auch über die körperlichen Voraussetzungen verfügen, was gleichermaßen für männliche Bewerber gilt. Eine Analogie zum Schluss: Würde Gleichstellung nicht auch bedeuten, dass ich als behinderter Taxibetreiber einen Assistenten vom Land bezahlt bekomme, der für mich als Taxifahrer tätig wäre?

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