Letzte Aktualisierung am 7. März 2026
Die Manufaktur Beyerdynamic aus dem schwäbischen Heilbronn, jetzt zu Cosonic gehörend, fertigt seit vielen Jahren Kopfhörer für verschiedene Einsatzbereiche sowie Mikrofone und Headsets. Während Kopfhörer anderer Marken teils deutlich vierstellige Beträge aufrufen, liegen die in Deutschland gefertigten Flaggschiffe des Herstellers selten über der Tausend-Euro-Marke. So ist der relativ günstige DT 990 Pro und seine geschlossenen Derivate aus kaum einem Radiostudio wegzudenken und bei der hohen Nutzerzufriedenheit fragt man sich zurecht, was geht da denn noch besser? Wie üblich gehe ich auf technische Hintergründe ein verbunden mit einigen Klangbeispielen. Nicht eingehen möchte ich auf das Plug-In Headphone Lab, das Beyerdynamic für Nutzer der Studiokopfhörer kostenlos zur Verfügung stellt und die Virtualisierung von Lautsprechern ermöglicht. falls man überhaupt etwas an Beyerdynamic kritisieren könnte, ist es die kaum barrierefreie Webseite.
Nachdem Beyerdynamic mit STELLAR.45 eine neue Treibergeneration für die Pro X Serie zum hundertjährigen Firmenjubiläum eingeführt hat, bleibt TESLA – in der aktuellen Generation jetzt TESLA.45 – den teureren Studiokopfhörern vorbehalten. Diese Schwingspulen mit hoher Flussdichte von bis über einem Tesla, der Name ist eine Homage an Nicola Tesla (Erfinder der Wechselspannung). Diese finden sich auch in der langen Tradition der T-Serie für das HiFi-Segment wieder, den T1 und T5 der dritten Generation habe ich hier getestet. Den DT 1990 Pro bestellte ich damals zum Vergleich mit und behielt ihn aufgrund des neutralen Klangcharakters als Arbeitstier, trotz oder vielleicht wegen der prägnanten Hochtonwiedergabe – dazu später mehr. Nun liegt der 2024 erschienene DT 1990 Pro MKII vor mir, mit 539 Euro ist er derzeit etwas teurer als sein Vorgänger. Den DT 1770 Pro MKII gibt es auch, ähnlicher Aufbau, gleiches Zubehör, aber geschlossene Bauweise. Beyerdynamic hat den älteren Modellen nun den Zusatz MKI zur besseren Unterscheidung verpasst. Als Vergleich beziehe ich den AKG K812 und den planarmagnetischen Audeze MM-100 mit ein, wobei der AKG in einer etwas anderen Preisliga spielt. Um geschlossene Modelle nicht zu vernachlässigen, dient mir der Beyerdynamic T5 3rd Generation. Ob sich ein Umstieg auf den Nachfolger lohnt, das will ich erörtern. Wer mich übrigens unterstützen möchte, kann die Kopfhörer gerne direkt bei Thomann bestellen und alles andere natürlich auch. Das kostet Euch nicht mehr, bringt mir aber eine kleine Provision.
Was ist neu am Beyerdynamic DT 1990 Pro MKII?
Gutes muss man nicht verbessern, das dachte man sich wohl in Heilbronn, damit meine ich zunächst den üppigen Lieferumfang. Zwei Kabel mit Mini-XLR-Stecker, ein gerades mit drei Meter Länge, das andere ein fünf Meter langes Spiralkabel jeweils mit aufgestecktem Adapter auf große Klinke und zwei Velours-Ohrpolsterpaare liegen in der Transportbox aus Kunststoff.
Die Pads fühlen sich weicher an als beim Vorgänger – das kann aber auch altersbedingt sein. Die werkseitig montierten Balanced Pads mit mehr Löchern heben Tiefen und untere Mitten um geschätzte 5 dB an und formen den Klang in Richtung Fülle. Die alternativen Analytical Pads mit weniger Löchern (bringen die Abstimmung in Richtung neutralität – eine Art mechanisches Hochpassfilter. Der Austausch ist ganz leicht, wenn man den Dreh ihm wahrsten Sinne des Wortes raushat. Man könnte den Haltering sicher auch abnehmen, leichter geht aber das Einfädeln. Man zieht zunächst die Polster vorsichtig ab und schiebt die Lippe der anderen unter die Öffnung im Ring und dreht das Pad einfach im Uhrzeigersinn auf die Muschel, bis die Lippe vollständig die Nut zwischen Gehäuse und Ring umschließt. Das wirkt von der Konstruktion übrigens recht stabil und dürfte auch bei häufigerem Wechsel langlebig sein.
Die technischen Unterschiede sind gering, aber entscheidend. Der Beyerdynamic DT 1990 Pro MKI ist als 250-Ohm-Variante ausgelegt, während der MKII mit 30 Ohm arbeitet und die neueren TESLA.45-Treiber nutzt – eine hochohmige Variante entfällt also in dieser Klasse. Der MKI wiegt rund 370 Gramm ohne Kabel, der MKII laut Hersteller sechs Gramm mehr, mit Spiralkabel bringt er etwa 446 Gramm auf die Waage. Beide Modelle decken einen Übertragungsbereich von 5 Hz bis 40 kHz ab, das ist ohne dynamische Bezugspunkte wenig aussagekräftig.
Der DT 1990 Pro MKII erreicht laut Beyerdynamic einen Kennschalldruck von 110 dB SPL bei 1 mW/500 Hz, für den MKI gelten durchschnittlich 102 dB. Das ist konstruktionsbedingt und führt dazu, dass der MKII bei gleichem Pegel rund 10 dB lauter spielen kann. Bei Smartphones und anderen mobilgeräten ist die Ausgangsspannung aus Akkuschutzgründen begrenzt. Am DT 1990 Pro MKI fließt bei dieser Spannung aufgrund seiner hohen Impedanz nur wenig Strom, wobei die abgegebene Leistung gering bleibt und er leiser spielt. Der MKII mit 30 Ohm nimmt bei gleicher Spannung deutlich mehr Strom auf, erhält dadurch mehr Leistung und erreicht an schwächeren Ausgängen einen höheren Schalldruck. Zum Vergleich wirkt der Audeze MM-100 mit 18 Ohm auf dem Papier noch lauter, was aufgrund seines Treiberkonzepts jedoch nicht zutrifft. Am Korg Pa1000 ist er zwar ausreichend laut, dafür bleibt das Grundrauschen im Gegensatz zum DT 1990 Pro MKII kaum hörbar. Die niedrigere Empfindlichkeit in dB/mW wirkt zunächst gegenteilig, ist in der Praxis jedoch unerheblich, da die verfügbare Spannung der limitierende Faktor ist. Ob ein Kopfhörer lauter oder leiser spielt, hängt daher auch von der Strombegrenzung des Verstärkers ab und nicht ausschließlich von der Impedanz. Grob gilt dennoch: geringere Impedanz ermöglicht höhere Pegel und wer auf zusätzliche Kopfhörerverstärker verzichten will, sollte darauf achten.
Die Außenkappen des Beyerdynamic DT 1990 Pro MKII sind jetzt geschwungen und moderner gestaltet. Insgesamt orientiert sich das Design mehr am Amiron home aus gleichem Hause und wirkt dadurch zeitgemäß und weniger wie ein technisches Arbeitstier im Industrial-Style.Unterschiede gibt es außerdem beim Kopfband, beim DT 1990 Pro MKII gibt es jetzt eine Fontanellenaussparung. Das soll den Druck entlasten, davon merke ich zumindest nichts in der Praxis. Wer auf dem Kopf solch einen Hubbel hat, könnte davon allerdings profitieren. Geblieben ist der linksseitige Mini-XLR-Anschluss und erlaubt die einseitige Kabelführung. Die rechte Muschel ist über ein beidseitig sichtbares Kabel verbunden, welches durch das Kopfband verläuft, das ist beim Vorgänger identisch und praktisch im Studioeinsatz. So könnte man den DT 1990 Pro auch symmetrisch verkabeln, was allerdings messtechnisch bei den kurzen Leitungswegen keine Vorteile bringt. Genauso wie das aktuell mit den abnormal angegebenen Frequenzverläufen ist, kam irgendwann jemand auf diese 4,4 mm Klinkenstecker und alle wollen sie haben und vertrauen der Werbung mehr als der Praxis. Dabei haben vor Allem Mobilgeräte technisch bedingt keine getrennte Masseführung, so dass die Auftrennung im Stecker faktisch keinen Sinn ergibt.
Ein wichtiger Punkt ist die Optimierung der Hochtonabbildung. Obwohl der Frequenzgang grundsätzlich mit den analytischen Pads recht neutral ist, werden die Höhen von manchen als überbetont empfunden. Ich sehe das eher als Vorteil, weil man besonders bei der Sprachbearbeitung Schnittfehler und Schmatzer besser wahrnimmt und optimieren kann, das Klangbild könnte man als sehr offen beschreiben. Während mir die Höhen des Sennheiser HD 800 ein Stück zu viel des Guten waren, wirken sie auf mich beim DT 1990 Pro MKI weder unangenehm noch harsch. Allerdings fallen Details gegenüber des AKG K812 etwas zurück, dessen Höhen deutlich seidiger klingen, er bewegt sich aber auch in einer höheren Preisklasse. Ich habe versucht diesen Unterschied mit den SonicPresence SP15C und der App Field Recorder für Android einzufangen, die übrigens Dank des Entwicklers Pfitzinger Design mit TalkBack inzwischen weitgehend bedienbar ist und nativ bis 192 kHz auflöst. Bei der hochauflösenden Aufnahme kann man keine tatsächlichen Klangunterschiede der beiden Kopfhörer ausmachen, aber man hört deutlich die Verschiebung des Hochtonbereichs um ein paar Kilohertz nach oben. In Natura klingt der Beyerdynamic DT 1990 Pro MKII dadurch etwas gefälliger und in den Höhen etwas zurückgenommen, ohne die bekannte Schärfe einzubüßen, manche hätten sich wohl noch mehr Zurückhaltung gewünscht.
Im Vergleich dazu wirkt die Hochtonabbildung des Beyerdynamic T5 3rd Generation etwas gezähmter, wenn auch tendenziell ähnlich ausgeprägt. Er entfernt sich im Gegensatz zum Vorgänger mit der leichten Präsenzanhebung von der Neutralität und ist im Bassbereich mit den Balanced Pads vergleichbar. Das ist alles okay, denn die T-Serie ist schließlich auch für das HiFi-Segment ausgelegt. Dafür löst er feiner auf und liegt preislich auf dem Level des AKG K812, der wiederum eine Spur ehrlicher klingt.
Ein Seitenblick auf die Treiber und Bauweisen
Kopfhörer können verdammt teuer sein, Elektrostaten mit kräftigen Zusatzverstärkern sowieso. Dennoch gibt es selbst im oberen Preisbereich nicht den perfekten Kopfhörer, vor Allem zum Arbeiten. Planarmagnetostaten haben den Ruf, dass sie sehr impulsgenau sind und Transienten besonders gut darstellen. Das liegt an der großen magnetischen Antriebsfläche und führt zu einer hohen Abbildungsgenauigkeit. Die Treiberflächen des Audeze MM-100 sind mit 90 mm immerhin doppelt so groß. Magnetostaten sind tendenziell schwerer, beim Audeze MM-100 macht das rund 100 Gramm mehr als beim DT 1990 Pro. Darüber hinaus brauchen sie mehr Leistung und sind eher schwierig zu kontrollieren. Das gilt aber nicht immer, wie man Am Beispiel des MM-100 mit 18 Ohm Impedanz ableiten kann. Genauso hat sich die Qualität gewöhnlicher Schwingspulen deutlich verbessert und Materialmixe der Membranen tun ihr übriges dazu. Als Beispiel seien die von Adam Audio eingeführte AMT-Technologie erwähnt (Air Motion Transformer), das sind wie eine Ziehharmonika gefaltete Membranen mit einem dadurch optimierten Impulsverhalten. Ebenso sorgen jene aus Aluminium, anders gelagerte Schwingspulen, Waveguides für einen optimierten Signalfluss oder koaxiale Treiberkonzepte für neuartige Ansätze, die mitunter gleichwertig oder gar besser sein können. So hat jedes System Vor- und Nachteile, am Ende zählen technische Abstimmung und persönlicher Geschmack. In diesem Zusammenhang noch ein Wort zum Einspielen, denn dies wird gerne als Argument herangeführt, warum Kopfhörer und Lautsprecher im Neuzustand noch nicht richtig klingen würden. Faktisch ist zwar was dran, die Materialien verändern sich bei kontinuierlicher Bewegung, das trifft aber auf die gesamte Nutzungszeit zu. Im Werk werden gute Kopfhörer getestet und aufeinander abgestimmt, dazu müssen sie eingespielt sein. Bei Transport und langer Lagerung könnten Materialien versteifen und so kann sich der Klang verändern. Dies ist mir bei den meisten Kopfhörern praktisch nicht aufgefallen, der DT 1990 Pro MKII klang direkt nach dem Auspacken gut und das hat sich auch nicht geändert. Beim frisch ausgepackten Audeze MM-100 war das jedoch anders, nach dem ersten Aufsetzen war ich zunächst enttäuscht und dachte, was hast du damals für einen Mist bei AMAZONA geschrieben, aber nach wenigen Stunden hat sich das gelegt. Anfangs etwas kreischend und steif im Bassbereich hat er jetzt das Niveau des damals getesteten und schon eingespielten Exemplars erreicht. Ich konnte das eher zufällig akustisch einfangen, denn eine Aufnahme habe ich kurz nach dem Auspacken erstellt und die andere nach der Einspielzeit. und wahrhaftig klingt es so, als handele es sich um zwei völlig verschiedene Kopfhörer und das bei derselben Aufnahmetechnik. Zu Beginn der Zustand nach dem Auspacken, dann der Klang am Folgetag. Das ist keine Referenz des tatsächlichen Klangcharakters, stellt aber durchaus einen signifikanten Unterschied gegenüber. Die Aufnahmetechnik beschreibe ich im nächsten Kapitel.
Ein wichtiger Punkt bei der Kaufentscheidung sollte jedoch berücksichtigt werden. Offene oder geschlossene Konstruktionen, auch als Open und Closed Back bezeichnet. Offene Kopfhörer sind tendenziell luftiger und verhalten sich zumindest ansatzweise wie Lautsprecher, wobei der rückwärtige Schall an die Außenwelt abgeleitet wird. Hieraus ergeben sich zwei tendenzielle Nachteile, einerseits ein eher zurückhaltender Bass, andererseits können Sitznachbarn gut mithören. Fürs Recording sind solche Kopfhörer ungeeignet, weil der austretende Schall in das Mikrofon einkoppeln kann. Für DT 1990 Pro MKI und MKII gilt, dass sie zwar als offen bezeichnet werden, aber eher in Richtung halboffen tendieren. Das bedeutet, dass sie zwar Schall nach Außen abgeben, aber deutlich weniger als ein AKG K812 oder Sennheiser HD 800. Offene Konstruktionen haben den Vorteil, dass durch die teilweise Einbeziehung der Umgebung die so genannte Bühne, also die Breite des Stereobildes, etwas besser realisiert werden kann. Das Gehör wird immerhin nicht komplett abgeschottet und das Übersprechen sorgt für eine bessere Räumlichkeit. Hersteller versuchen die Treiber schräg einzubauen und etwas nach vorne zu versetzen, damit hat ULTRASONE mit dem S-Logic-Prinzip angefangen, aber das gehört mehr in den Bereich der Psychoakustik. Bei offenen Kopfhörern wie dem AKG K812 und auch beim Sennheiser HD 800 funktioniert das zwar einigermaßen, aber es ist und bleibt trotzdem ein Kopfhörer und so werden die für unser Gehirn wichtigen Komponenten wie Außenohr, Kopfform und Schulterblätter stets nicht mit einbezogen. Nach meiner Erfahrung gab es zwar hin und wieder Modelle, bei denen ich eine Vorneortung vermutet habe, aber im Prinzip verhält sich das genauso wie mit Surround-Systemen und einem Subwoofer. Ist die Grenzfrequenz aufgrund zu kleiner Satellitenboxen zu hoch, kann uns der Händler alles erzählen und wir können uns einreden, man könne die Quelle nicht orten – genau genommen mehr Einbildung als Realität.
Bei geschlossenen Kopfhörern sind schräg stehende Treiber noch weniger wirksam, weil die Schallkammer viel zu klein ist, um das Außenohr bei der Klanggestaltung mit einzubeziehen. Theoretisch kommt der Schall auch hier eher frontal, wird aber so verwirbelt, dass wir es glauben, wenn wir die Anordnung der Treiber kennen. Faktisch sind geschlossene Kopfhörer in der Konstruktion komplexer, weil die Schallkammer und Materialien gut abgestimmt sein müssen, damit übermäßige Resonanzen, Auslöschungen und ähnliches verhindert werden. Vorteil ist neben der kaum vorhandenen Störung nach außen auch die präzisere und tendenziell stärkere Basswiedergabe. Genau wie obige Theorien bei den Wandlern hat sich aber auch das in der Praxis inzwischen geändert, digitale Messverfahren und Konstruktionslösungen vollbringen schon einige Wunder. Am Ende heißt es ausprobieren und wenn ein Kopfhörer gefällt und nicht anstrengt– sowohl beim Tragen als auch Hören – ist er der richtige. Kurz zwei Leitlinien, fürs Musikhören sind offene meist besser aufgrund der Räumlichkeit, wer empfindlich gegenüber äußeren Störgeräuschen ist oder eine stärkere Basswiedergabe bevorzugt, könnte mit geschlossenen glücklicher werden. Wenn Körperschall und Kabelgeräusche stören, sind offene Modelle wiederum im Vorteil. In-Ears sind übrigens immer geschlossen und das Außenohr wird umgangen und die Musik spielt sich konstruktionsbedingt nur im Kopf ab. Im folgenden Beispiel habe ich die Kopfhörer an der Korg Pa1000 Entertainer-Workstation angeschlossen und die Emissionen miteinander verglichen.
Wie klingt der Beyerdynamic DT 1990 Pro MKII?
Kurz geschrieben, richtig gut und das Upgrade ist gelungen. Ausführlicher ist es nicht ganz so einfach, denn die Unterschiede sind vergleichsweise marginal und die geringere Impedanz bringt wie erwähnt nicht immer Vorteile mit sich. Wer einen DT 1770 Pro oder 1990 Pro der ersten Generation sein Eigen nennt, muss sich keinesfalls grämen. Wer nicht oder wem diese zu leise sind, macht mit dem Kauf des Nachfolgers absolut alles richtig. Im Folgenden stelle ich eine kurze Teststrecke zur Verfügung, die ich mit dem Kopfmikrofon Ohrwurm 3 am Zoom H4n Pro aufgezeichnet habe. Als Beispiel dient mir ein Synthesizer-Demoausschnitt des Access Virus Indigo, das gleichermaßen über Tiefbässe und ausgeprägte Höhen verfügt. Als Referenz kommt zunächst das Original, dann von verschiedenen Kopfhörern abgenommen. Dabei könnt Ihr auch einen Vergleich zwischen beiden Earpad-Varianten hören. Wichtig ist, dass die Aufnahmen lediglich Tendenzen aufzeigen und nicht die realistischen Klangcharakter wiederspiegeln, daher sollten sie nicht maßgeblich für die Kaufentscheidung sein. Die Messmikrofone des Ohrwurm 3 reagieren aufgrund der kleinen Kapsel empfindlich auf Höhen, so dass sich diese etwas in den Vordergrund drängen. Trotzdem kann man grundsätzliche Tendenzen ableiten, aber selbst ausprobieren ist immer der Maßstab. Jeder hört anders und hat eigene Präferenzen, weshalb Kopfhörervergleiche generell schwierig sind.
Alle getesteten Kopfhörer klingen grundsätzlich auf ihre Art und Weise gut, wobei dem Anspruch an eine neutrale Wiedergabe vom Beyerdynamic T5 3rd Generation und vom Audeze MM-100 nicht ganz erreicht werden. Beide sind im Präsenzbereich angehoben, aber unterschiedlich. Der MM-100 fokussiert sich leicht auf die oberen Mitten, der T5 3rd Generation ist ein Wohlfühlhörer mit erhöhtem Tiefgang und leicht herausgestelltem Präsenzbereich. Dabei kommt die Tendenz der Höhen den beiden DT 1990 Pro recht nahe, im Zusammenhang mit dem Bassbereich in Richtung MKII mit Balanced Pads. Obwohl der T5 3rd Generation leicht einfärbt, liefert er doch etwas mehr Details auf der Höhe des AKG K812. Als geschlossener Kopfhörer bringt er vergleichsweise mehr Räumlichkeit mit, die sich durchaus mit DT 1990 Pro MKI und MKII vergleichen lässt. Allerdings unterliegen alle der Offenheit des Audeze MM-100 und AKG K812. Mit Analytic Pads bewegt sich der DT 1990 Pro in Richtung Audeze MM-100 und lässt Raum für die Mitten, die Höhen überstrahlen diese leicht beim MKI, hier zahlt sich die geänderte Abstimmung des MKII etwas aus. Mit Balanced Pads bleibt er zwar neutral, allerdings mit einer leichten Tendenz in Richtung HiFi und Wohlfühl-Sound. Das ist kein Nachteil und positioniert den Beyerdynamic DT 1990 Pro MKII als absoluten Allrounder, dem wohl viele einiges abgewinnen werden.
Fazit
Beyerdynamic hat beim DT 1990 Pro MKII alles richtig gemacht. Gefälliger Gesamtklang, schönere Optik, gleiches Zubehör mit weicheren Pads. Allerdings sind die Unterschiede nicht so gravierend als dass man den Vorgänger in Rente schicken müsste, sofern man nicht zu empfindlich auf die Höhen reagiert. Ist dies der Fall oder am vorhandenen Gear zu leise, könnte ein Wechsel zum Nachfolger durchaus Sinn ergeben. All das gilt gleichermaßen für den geschlossenen Beyerdynamic DT 1770 Pro MKII mit gleichem Treiberkonzept und ähnlichen Klangcharakter. Allerdings könnten sich im Tiefbassbereich aufgrund der geschlossenen Konstruktion Unterschiede zum Testmodell ergeben. Wer weniger Geld ausgeben möchte, findet im DT 700 Pro X und DT 900 Pro X günstigere Alternativen mit STELLAR.45-Treiber, weniger Beilagen und ähnlichem Grundsound.










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