Amateurfunk – Vorläufiges Ende eines Hobbys?

Letzte Aktualisierung am 25. Januar 2018

Nun ist es passiert: Nachdem meine Kurzwellenantenne auf dem Dach Probleme macht, habe ich meinen Transceiver weggegeben und kann die Kurzwelle nur noch mit einem Weltempfänger hören. Einerseits ist das für mich zwar nicht dramatisch, immerhin habe ich mein letztes QSO – also Funkgespräch – bestimmt vor bald fünf Jahren geführt. Andererseits aber war mir immer klar, dass wenn ich das Gerät abgebe, es das Ende dieses an sich schönen Hobbys bedeuten würde. Und das habe ich nun getan und bereue diese Entscheidung nicht. Warum das so ist, möchte ich im Folgenden erläutern.

Schon Mitte der 80er Jahre, als wir in der Schule die Funk-AG besuchten, war mir klar, irgendwann eine Amateurfunklizenz zu besitzen. Bis dahin sollte aber noch knapp ein Jahrzehnt vergehen und während dieser Zeit nutzte ich den CB-Funk und knüpfte Freundschaften außerhalt unseres Schulinternats. Das war eine schöne Zeit und Querelen mit teils etwas seltsamen Menschen waren zu verschmerzen. Im Jahr 1997 erreichte ich das Ziel und wollte fortan den Amateurfunk als Kommunikationsdienst mit gleichgesinnten Freunden einsetzen. Handygespräche waren damals noch teuer und das Funkgerät war somit die willkommene Alternative. Verabredungen oder abendliche Runden waren unkompliziert möglich, später in der Fachhochschule war auch eine ständige Verbindung mit Kommilitonen sinnvoll. Die Kurzwelle, die mich schon früher begeisterte, ergänzte dies und so waren Direktverbindungen in ferne Länder möglich.

Die Faszination im Hobby Amateurfunk liegt genau darin, dass man –ohne Kommunikationsunternehmen und –Netze – Verbindungen miteinander aufbauen KANN. Genau genommen ist der Amateurfunk das erste multimediale und soziale Netzwerk der Welt. Ein Funkfreund formulierte es einmal so: “Du rufst und irgendwo antwortet jemand, der dich hört und du weißt nicht, wer es ist“. Dabei kann dieser Mensch auch in einem ganz anderen Teil der Erde leben. Besonders Silvester kann man über die Datumsgrenze hinweg Glückwünsche in das für manche bereits begonnene Neujahr aussenden. Die Vielfältigkeit der Frequenzbereiche und Techniken ergänzt das Ganze, so sind Verbindungen über den Mond als Reflektor möglich oder ein Ruf um die ganze Welt, den man selbst nach einer Verzögerung wieder hören kann. Kommunikation mit der internationalen Raumstation, Satellitenfunk, Amateurfernsehen und digitale Betriebsarten ergänzen das Angebot und so ist für jeden Geschmack etwas dabei. Der Amateurfunk setzt übrigens Maßstäbe für Technologien, die wir im Alltag nutzen. Telefax, mobiles Internet mit paketvermittelter Datenübertragung, überhaupt die drahtlose Übertragung digitaler Informationen, beruhen auf Erfahrungen im Amateurfunk. Die Telegraphie, auch als Morse bekannt, ist nicht nur inzwischen immaterielles Weltkulturerbe, sondern auch die erste digitale Datenübertragung überhaupt. So gibt es Nullen und Einsen, in kurze und lange Töne unterteilt, sowie Pausen und ein Endsignal. Auch wenn es anders scheint, gibt es noch viele Funkamateure und die Begeisterung besonders bei jungen Menschen nimmt scheinbar wieder zu.

Wo viel Licht ist, ist allerdings auch viel Schatten und die Zeiten haben sich geändert. Dreht man heute über die Kurzwelle, so hört man deutlich weniger Stationen, als es noch vor 15 Jahren der Fall war. Gespräche reduzieren sich auf Verbindungsdaten und Funkwettbewerbe dominieren die Kommunikation. Werden diese ausgetragen, ist das Band voll, der Informationsgehalt allerdings entsprechend reduziert und hektisch. Hinzu kommt, dass digitale Techniken im Vormarsch sind, das Internet in Form des HamNet ein Teil des Funkbetriebs ist, auch werden digitale Übertragungsverfahren von manchen Herstellern exzessiv vorangetrieben. Und hier hört der Spaß für mich auf, denn eigentlich ist von einer offenen Sprache die Rede. Das bedeutet eine Kommunikationsform, die öffentlich von Jedermann empfangen und mitgehört werden kann. Verschlüsselungen sind nicht gestattet, ebenso das Verbreiten politischer Inhalte. Kurios ist es daher, wenn Firmen eigene Techniken nur für eigene Geräte etablieren und ebenso erstaunlich ist, wie das Internet Einzug in den Funkbetrieb hält. So tauschen sich Funkamateure jetzt nicht nur in Runden per Funk oder Packet Radio aus, sondern auch in Internet-Foren, das eigentlich dem Hobby total entgegen steht. In den 80er Jahren war es noch gesetzlich verboten, ein PhonePatch-Modul zu betreiben, das eine Amateurfunkstelle mit einem Telefon verbindet. Denn die Bundespost wollte natürlich nicht, dass Funkamateure Nachrichten übermitteln, die Privatpersonen über das Telefon kostenpflichtig austauschen könnten. Weiterhin zählt in oben erwähntem Contest-Betrieb – den Wettbewerben – die Leistung und entsprechende Antennen. Wenn viele Stationen auf einen Ruf antworten, hat man mit einer einfachen Antenne ohnehin keine Chance, ebenso wenig mit geringer Sendeleistung.

Weitere Kritik muss ich auch am deutschen Amateurfunkverband üben, der ohnehin bei Funkamateuren nicht zu den beliebtesten Instanzen gehört. Denn auch hier werden Veränderungen deutlich, die weg von einem Interessenverband gehen. Stattdessen wird, wie bei anderen Vereinen üblich, mit kommerziellen Angeboten gelockt, das passt nicht zu diesem ansonsten schönen Hobby. Damit könnte man allerdings noch leben, wenn da noch Leute wären, die weiterhin Interesse am Funkbetrieb hätten. In meinem Bekannten- und Freundeskreis ist das nicht mehr so. Lizenzinhaber telefonieren miteinander, weil es nichts kostet und zudem noch viel bequemer ist. Die Tonqualität ist besser, man spricht Voll-Duplex und nicht im Wechsel und muss auch keine Verbindungsstörungen hinnehmen. Mit einem Smartphone ist die ganze Welt erreichbar, mit Echolink sogar die Amateurfunk-Welt und das ohne Funkgerät. Zudem erreiche ich alle Menschen und nicht nur reduziert auf lizenzierte Funkamateure. Somit spricht aus Sicht der einfachen Kommunikation nicht mehr viel für den klassischen Funkbetrieb.

Allerdings ist wie erwähnt der Amateurfunk eine Möglichkeit, direkt zu kommunizieren, das ist im Katastrophenfall eine wichtige Sache. Wenn beispielsweise bei Naturkatastrophen die Energieversorgung und somit auch das Kommunikationsnetz ausfällt, können Funkamateure sich in Windeseile über große Distanzen und ohne Drittmittel in Echtzeit verständigen. Und auch die kommerzielle Frequenznutzung, mögliche Beeinträchtigung durch elektromagnetische Störungen oder Einsatz des technischen Wissen in der Industrie machen den Amateurfunk wiederum sehr sinnvoll. Doch scheint der Einfluss von Funkamateuren inzwischen nicht mehr so groß zu sein, wie er noch vor Jahrzehnten war. Powerline, auch als PLC bekannt (Datenübertragung über das Stromnetz), wurde Trotz einstimmiger Bedenken eingeführt und vermasselt nun dem Funkamateur den Kurzwellenempfang. Vielleicht ist das auch ein Grund für die Funkstille.

Warum dieses Hobby für mich an Bedeutung verloren hat, führe ich auf die Veränderungen zurück, die bislang einzug hielten und noch kommen werden. Analoger Rundfunk wird immer mehr abgeschaltet, die Aussendungen von Amateurfunkstellen erfolgen zunehmend digital und das in unterschiedlichen Formaten, Geräte sind somit nicht immer miteinander kompatibel und an Contesten habe ich persönlich kein Interesse. Was da noch bleibt, ist ein bisschen Drehen über die Kurzwelle, so wie ich es als Kind auch schon gemacht habe. Und wenn hier nichts mehr kommt, bleibt als Ersatz noch das Internet.

16 Comments

  1. Funkfreun said:

    Das liest sich alles ganz doll….
    Es liegt an jedem selber was er aus dem Hobby macht. War da nicht noch was mit Eigenbau?
    Also ich habe mehrere Projekte dich ich bis zu meinem eventuellen Alzheimerbefall
    noch machen möchte . Das ganz alleine für mich und meinem Technischen Interesse.
    Dazu benötige ich weder Digitalen Umsetzteverkehr noch Internet. Eigentlich auch keinen DARC der wieder mal die Beiträge erhöht für was? Für eine Zeitung die vollgepackt ist mit
    Werbung. Einem Privatanzeigenteil bei dem die Schnäppchen schon weg sind bevor ich die Zeitung im Briefkasten hatte. Was bleibt ist meine Technikbegeisterung und die legale Möglichkeit das eine Oder andere Gerät selber bauen und benutzen / testen zu dürfen.
    Das ist für mich ” Amateurfunk” und wird es auch noch eine Weile bleiben.

    55 73

    21. November 2015
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    • Stephan said:

      Hallo Funkfreund,

      danke für die Ergänzung, die Möglichkeiten des Eigenbaus habe ich Mangels meiner Fähigkeiten ganz außer Acht gelassen. Einfach deshalb, weil das nie für mich in Frage kam und bei mir die Kommunikation an sich im Vordergrund steht. Hier las ich heute im Netz irgendwo die gegenteilige Bemerkung, dass die Kommunikation eben für viele im Hintergrund stünde. Das nenne ich mal Fluch und Segen zugleich. Und es ist unbestritten, dass dieses Hobby sehr vielfältig ist und natürlich jeder was draus machen kann. Nur wenn keiner mehr vordergründig kommunizieren will, dann nimmt auch das Interesse ab.

      Auch habe ich mich heute mal mit den Flaggschiffen der großen japanischen Hersteller befasst und beschlossen, dass ich von diesen sicher kein Gerät mehr kaufen werde. Jeder kocht sein eigenes Süppchen, jeder schreibt von der massiven Verbreitung seines Digital-Standards, obwohl es offenbar mit DMR sogar einen offenen Standard gäbe. Da will man lieber versuchen, den Vereinen die Digital-Umsetzer zu verschachern, weil das ja nach dem Schneeballprinzip dann für Kunden sorgt. Sorry, aber das ist weder nichtkommerziell, noch offener Standard, das ist einfach unglaublich, wie das noch vom Vereinswesen sogar unterstützt wird. Und da bliebe dann der Eigenbau als tatsächlich einzige und logische Konsequenz.

      Viele Grüße und 73!

      21. November 2015
      Reply
  2. Bruno said:

    Leider muss ich dem Schreiber des langen Artikels recht geben. Es ist immer mehr so, dass der Amateurfunk zum neuen CB-funk wird. Leider haben die Leute allgemein verlernt zu Kommunizieren, es läuft alles nur noch über die Mobiltelefone. Wer spricht noch mit seinem Gegenüber, selbst am Mittagstisch, können die meisten nicht auf das Handy verzichten. Das ist für mich Dauerstress und ganz klar eine Sucht in die viele verfallen und es nicht einmal merken. Vor ca. 10 Jahren hat man den Amateurfunk zu Tode getragen als man versuchte mit vereinfachten Lizenz Prüfungen Funk-Freunde anzulocken. Nur, wenn man heute so über die Bänder dreht, hört man fast nichts und wenn, nur sinnloses gefasel aber keine interessannten Gespräche mehr über Technik, Wissen und anderes. Nein, nur noch wie gehts, ja du kommst gut an bei mir und damit hat sich das schon wieder. Können die Leute überhaupt noch miteinander Kommunizieren? Nein, und genau das ist der springende Punkt. An der Intelligenz liegt es sicherlich nicht, aber an was dann. Vielleicht ,dass viele nicht mehr nach links oder rechts schaeuen. Egoismuss? Ja, das wäre eine Erklährung für das Phänomen welches sich in den letzten Jahren aufgetan hat, nicht nur auf dem Amateurfunk, nein ganz besonders bei den Jungen Leuten. Nun für micht sieht es nicht anders aus als beim vorgehenden Artikel. Auch ich werde meine Geräte versorgen und eventuell in 10 Jahren wieder einmal hervornehmen. Was ich noch betonen muss, vor 20 Jahren, gab es noch Freundschaften unter den Amateuren, aber heute ist es meist ein Konkurenzkampf ohne gleichen, jeder ist der Bessere. Bei den Amateufunk verbänden geht es heute nicht mehr um zusammenhalt oder einfahc zusammen sitzen. Nein es wurde vollkommen Komerzionalisiert, es zählt nur noch die Kohle welceh eingenommen wird.
    Für mich bedeutet diese Entwicklung den Untergang des ansonsten schon vom Mitglieder- schwund betroeffenen Amateurfunks.
    Best 73
    Versucht es neu anzupacken. bevor es 12 Uhr ist. Es ist 5 vor 12 Uhr. Beeilt euch.

    23. November 2015
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    • Stephan said:

      … und da muss ich jetzt widersprechen:

      Als ich meine Lizenz ein halbes Jahr vor der Klasse 1 bestand, war das auch eine Klasse 3 Lizenz. Wir waren drei Leute und machten diese eben wegen der Kommunikation, weil CB-Handfunkgeräte aufgrund des KW-Bandes umständlicher zu nutzen waren. Die Handygesprächsminute war damals noch recht teuer. Im Laufe des Funkbetriebs stellte ich allerdings fest, dass sich DO-Neulinge wesentlich disziplinierter und freundlicher verhielten, als die alteingesessenen Hasen. Diese nämlich konterten durch Ignoranz, Störung oder einfach dadurch, dass sie bewusst technisch hoch qualifizierte Themen ansprachen, um die Zuhörer zu langweilen. Das passierte allerdings nicht in Marburg. Als dann die KW-Zulassung für die dritte Klasse erfolgte, wurde dieser Unmut lauter und Störbaken wurden nicht von den Einsteigern gesetzt. Ob es Neid war, weil weder die Mindestaltersgrenze von 14 Jahren, noch ein Führungszeugnis mehr verlangt wurde, weiß ich nicht. Ich habe mich auch darüber ziemlich geärgert, dass CW-Prüfungen abgeschafft wurden und inzwischen ohne weiteres Zutun die Kurzwelle genutzt werden kann. Vielleicht hat man diese Entscheidung getroffen, um der drohenden Überalterung der Funkamateure entgegen zu wirken. Aber trotzdem respektiere ich die Einsteiger genauso, wie alle anderen, die sich vernünftig benehmen können. Ob der CB-Funk niveauloser ist, kann ich nicht allgemein sagen. Aber es waren Funkamateure, die sich ganz bewusst in CB-Runden einschalteten und ihre 2m-QSO’s und technische Umbauarbeiten an den Antennen besprachen oder das Relais lautstark im Hintergrund mitlaufen ließen. Und das waren auch nicht nur Einsteiger, zudem mit einer für CB-Verhältnisse außerordentlich guten Modulation.

      Vielleicht sorgten eben jene Diskussionen und obig erwähntes Verhalten der Funkamateure zu dieser Veränderung. Genau genommen müssten jene Amateure dankbar dafür sein, dass es mobiles Internet, Smartphones und das entsprechende Suchtpotential gibt. So werden diese Menschen sich wohl nicht mehr für den Amateurfunk begeistern lassen. Auch ist es ihnen egal, wie sie die Verbindungen in Echtzeit um die ganze Welt erschließen können. In dieser verbreiteten Sucht und Oberflächlichkeit wird dann ausgeblendet, dass man sich abhängig von Providern und Diensten macht, ständig von der Industrie manipuliert wird und sich von massenhaft Fotos, Videos und Texten überreizen lässt. Das hat nicht nur das Denken, sondern auch die Form der Kommunikation verändert, ganz klar. Aber das ist sicher nicht der Grund dafür, warum sich der Amateurfunk verändert hat und weiter verändern wird. Auch hier hat die Industrie ein zu großes Mitspracherecht, siehe digitale Betriebsarten. Denn hier wird auch viel manipuliert und beschönt. Die Werbeprospekte lesen sich ja geradewegs so, als dass der Hersteller schon für mich sorgt, dass ich auch ja in der richtigen, natürlich zukunftsweisenden und ohnehin immer verbreitenderen Betriebsart sende. Und wenn hier kein Ruf aus der Amateurfunkgemeinde ertönt, sind diese auch nicht besser, als die sprachlosen Smartphone-Nerds. Für mich ist klar, ich werde bei FM, AM und SSB bleiben. Wenn dann da keiner mehr spricht, hört auch keiner mehr zu und es gibt endlich eine nicht abhörgefährdete Kommunikationsart.

      23. November 2015
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  3. OE5BFM said:

    Sehr gut geschrieben! Und mir aus der Seele gesprochen. Ich bin seit 1980 AFU, mal mehr, mal weniger, und kann deine Beobachtungen gut nachvollziehen. Bei mir war es wie bei Dir, der Wunsch nach Kommunikation mit Menschen in fernen Ländern! Als junger Bursche hatte ich schrecklich Fernweh! Und 1980 gab es ja weder Internet noch Satellitenfernsehen.

    Schon damals waren auf KW QSO´s mit Inhalt zwar nicht immer möglich, aber dennoch wesentlich häufiger als heutzutage. Und auf 2m musste man sich bei manchen Repeatern regelrecht anstellen. Auch mir ist die Faszination, Sinn und intelligenzmäßige Herausforderung schleierhaft, stundenlang five-nine in ein Mikrofon zu brüllen. Ein Kollege, der die gleiche Sinnkrise wie ich mitmachte, erzählte mir kurz vor seinem geplanten AFU-Exodus (seine Geräte waren schon verkauft), dass er – gottseidank noch rechtzeitig – eine QRP-Gruppe (ich glaube es ist sogar ein Club) gefunden hat, wo er jetzt mit aus Bausätzen zusammengestellten Geräten CW macht, wo im Club rege Kommunikation unter Gleichgesinnten mit viel Ham-Spirit stattfindet und er so seine Freude am AFU wiedergefunden hat.
    Ich denke, ich werde auch diesen Weg beschreiten. Alternativ fasziniert mich UKW-DX in allen Variationen, allerdings ist das doch recht aufwändig und oft wenig ergiebig.
    Hoffentlich wirkts! Denn letztendlich existiert (angeblich) auch eine Welt außerhalb des AFU 🙂

    5. Juli 2016
    Reply
  4. Karl Käfer said:

    Im wesentlichen zutreffend beschrieben. Hinsichtlich des Fortbestands des Amateurfunks würde ich es allerdings nicht so kritisch sehen. Ich selbst bin primär auf KW tätig und sehe für mich nach wie vor die Spielwiesen CW, QRP, digitale Betriebsarten und Antennen (obwohl ich keinen technischen Beruf ausübe). Und so kann ich Amateurfunk als technisches Hobby durchaus auch Unbeteiligten auch im 21. Jahrhundert vermitteln (und nicht zuletzt deswegen habe ich in den letzten Jahren auch so einige Leute zur AFu-Genehmigung geführt). Dem CB-Funk fehlen diese technischen Möglichkeiten de jure weitestgehend; das, was er früher an Kommunikationsmöglichkeiten bot, ermöglicht heutzutage das Internet in wesentlich weiterem Umfang. Deswegen sehe ich für den Amateurfunk weiterhin Existenzmöglichkeiten als technisches Hobby; der CB-Funk ist dagegen meines Erachtens durch das Internet substituiert.

    25. Februar 2017
    Reply
  5. DLKE said:

    Die Welt aendert sich und natuerlich auch der Amateurfunk. ABER: wer will kann sich immer noch den Betriebarten widmen die er von “kleinauf” im Afu kennengelernt hat: SSB / FM Sprechfunk, Telegrafie und Funkfernschreiben. Man muss sich nicht unbedingt denen anschlieszen die gerne ihr Logbuch vollschreiben oder nur Jagd auf einzelne Rufzeichen machen. JEDER kann wie er will. Ueber die Jahrzehnte sind sogar Frequenzen hinzugekommen und gerade erst wieder ein neues Band, 5Mhz mit interessanten Ausbreitungsregeln. Obwohl sehr schmal, gibt immer Platz fuer eine gepflegte Telegraphie-Verbindung. Das geht sogar mit ganz kurzen Antennen vom Auto aus. Allein das Lauschen auf der Kurzwelle ist allen Unkenrufen zum Trotz immer noch spannend ! – Und auch die Radiostationen kommen wieder – scheinbar hat man doch erkannt dass ein wirklich anonymes Hoeren koennen – ohne IP-Adressen-Verfolgung fuer den freien Informationszugang eine nicht zu vernachlaessigende Bedeutung hat. Bitte ueberlegt nur mal wie sich die Welt veraendert hat nachdem bspw. die meisten KW-Sprachdienste der Deutschen Welle eingestellt wurden und wie in ganz naher Nachbarschaft mit Leuten umgegangen wird die ggf. im Internet nur eine nicht regierungsgenehme Seite aufrufen !
    Da ist der Schritt zu solchen Zetteln schon erfolgt, auch wenn es jetzt bits und bytes sind:
    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/af/Paper_tag_on_Volksempfaenger_radios_german.gif/220px-Paper_tag_on_Volksempfaenger_radios_german.gif
    Wehret den Anfaengen !

    15. Oktober 2017
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    • Stephan said:

      Danke für diesen tollen Beitrag, den ich inhaltlich so unterstreichen kann. Allerdings möchte ich etwas differenzieren, für mich mag auch die Motivation zum Erwerb der Amateurfunklizenz eine andere gewesen sein. Hobby natürlich auch, aber für mich war es eine Kommunikationsform von vielen, die mich zugegeben heute nicht mehr so fasziniert. Es ist bezogen auf die Kurzwelle ein teures und aufwendiges Hobby geworden, deren Hürden größer sind, als der subjektiv daraus zu ziehende Nutzen. Und daher ist es die Konsequenz gewesen, mich vom Amateurfunk zumindest vorläufig zu verabschieden. Während beispielsweise das Fax und GPRS sicher ohne den Amateurfunk nicht oder kaum denkbar gewesen wären, adaptiert man kommerziell verfügbare Technik in den Amateurfunk. Das fasziniert mich nicht wirklich und hat sicher auch wenig mit direkter Kommunikation zu tun. Auch denke ich, dass man die Informationsverbreitung, wie Radio, nicht mit dem Hobby Amateurfunk gleichsetzen kann. Hier stehen kommerzielle Interessen im Vordergrund, die schlussendlich durch den Amateurfunk auch nicht aufgehalten werden und das finde ich natürlich ebenso problematisch.

      15. Oktober 2017
      Reply
  6. Jörg Wernicke said:

    Als “oller” OM habe ich in letzter Zeit auch so meine Erfahrungen gesammelt. Mein erste Afu-Prüfung hatte ich 1970 in Ostberlin gemacht, wo die meisten nur bei so genannten Clubstatioen funken dürften. Es gab auch DM-2-Lizensen, die auch Zuhause eigene Stationen betreiben konnten, aber das waren hauptsächlich Menschen, die als regierungstreu galten…
    Nun, nach der Wende machte ich sofort meine DL-Prüfung und machte mit großem Spaß Afu, auch schon SSTV und andere digitale Betriebsarten.
    Habe dann wegen beruflicher Aktivitäten in den letzten 25 Jahren privat ausgesetzt, da ich u.a. Redakteur bei den Zeitschriften “Funkamateur” und später bei der “CQ DL” war.
    Und vor ein paar Jahren, als ich Rentner wurde, dachte ich, jetzt machst Du wieder dein altes Hobby zum Mittelpunkt. Es war enttäuschend in meinem Mietshaus. Der neue Yaesu FT-990 brachte fast nur Störsignale trotz Magnetantenne auf dem Balkon. Kaum QSOs und kaum Rundfunksignale mehr. Ich war sehr enttäuscht.
    Auf den UKW-Relais hörte ich nur die alten (!) bekannten Stimmen, mit denen man nur die üblichen Flausen bespricht bzw. erzählt. Den Lötkolben nehme ich aber noch sehr gern in die Hand für die Richtung Audio und Gitarre. Ich werde meine Genehmigung dieses Jahr abgeben, weil es mich ja unnütze Gebühren kostet. Wenn man keine PTT-Taste mehr drückt, muss man der Bundesnetzagentur kein Geld mehr schenken. Ich denke, dass der Amateurfunk mit uns Alten sterben wird. Die Jahre des DARC sind gezählt.
    Sorry für diese Quintessenz…
    73 aus Berlin, Jörg (66 Jahre), DL7UJW

    7. Januar 2018
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    • Stephan said:

      Hallo Jörg, fand ich sehr spannend zu lesen. Die Veränderungen auf den Bändern ist natürlich gerade in Deiner Situation sicher problematisch, einhergehend mit den anstehenden Störungen durch digitalisiertes Kabelfernsehen und zunehmende Anwendungen im Bereich Smart Home. Allerdings liegt dieser Artikel ja schon etwas zurück und wie ich zumindest in meiner Region erfahre, bekommt der DARC doch einigen Zulauf. Schaue ich mir die Zahl neuer Zuteilungen an, wundere ich mich fast schon über den Boom, der aber vielleicht auch nicht ewig anhalten wird. Neben der Erkenntnis, dass das Hobby natürlich viele Facetten hat und somit auch moderne Technologien ebenfalls Einzug erhalten, muss man auch den starken Boom kommerzieller Dienste zur Kommunikation mit in die Überlegungen mit einbeziehen, für die man nicht mal Geld ausgeben muss. Während für mich vorwiegend die Kommunikationsmöglichkeit ein Grund war, die Lizenz zu machen, würde ich das aus heutiger Sicht anders sehen. Meine Lizenz zurückgeben möchte ich aber nicht. Natürlich kostet sie Gebühren, aber dafür habe ich schließlich auch was geleistet. Ich weiß nicht, ob ich zukünftig nicht doch mal wieder aktiver werde. Was ich aber weiß ist, dass wenn ich sie morgen abgebe, sie wohl niemals mehr wieder erhalten kann. Gibt man ein Rufzeichen zurück, muss man die Prüfung neu durchlaufen und bei den ganzen Änderungen bedeutet dies auch, alles erneut lernen zu müssen.

      7. Januar 2018
      Reply
  7. Jupp said:

    Falsch!!!
    Ich hatte meine C-Lizenz 1994 nach 13 Jahren zurückgegeben und hatte letzte Woche ein Gespräch mit der BNetzAg zwecks neuer Lizenz.
    Ich kann sie jederzeit wieder erhalten, da ich mir damals entsprechende Nachweise ausstellen ließ.
    Ohne neue Prüfung! Ich bekomme sogar die höchste Lizenzstufe, da ich damals trotz nur C-Lizenz die Technik für die damalige Klasse B erfüllt habe.
    Kostet nur einmalig 70 € für das Rufzeichen.

    3. September 2018
    Reply
  8. Thomas said:

    Wandel ist ganz normal. Ich betreibe auch nicht mehr die Hobbys meiner Jugend (bin jetzt 66). Dass manche sich enttäuscht abwenden, auch das verstehe ich nur zu gut. Jedoch — das Amateurfunkhobby ist so vielfältig, da kann man seine Nische finden. Und wenn man, lach, nur ein neues Log-Format nebst zugehörigem Log-Programm bastelt … das nun “entgültig verbindliche” u.s.w.

    Wenn ich mehr Zeit hätte und nicht so viel andere Programmieraufträge, dann würde ich ein Programm basteln, dass selbstständig mit modernen digitalen Betriebarbeiten rödelt, bis dann mein Drucker ein DXCC-Zertifikat ausspuckt! DAS ist die Zukunft!

    Also: Lasset doch jedem seine Freude! Der eine macht dies, der andere jenes. Doch.stören(!) tun uns Funkfreunde andere: PLC-Nutzer, auch dann und wann klimaschonende Leuchtmittel, CE-fake-Aufkleber, strahlenangstgeschädigte Antennenerkenner, eine nur wenig technikgebildete Legislative und dergleichen mehr.

    4. Februar 2019
    Reply
    • Stephan said:

      Vielleicht zur Erklärung, ich bin weder enttäuscht, noch frustriert. Es sind ganz rationale Beobachtungen, die mich zu einer Entscheidung haben kommen lassen und mich auch wundern würden, wenn ich damit nicht der Einzige wäre. Ich denke, dass die Gründe nicht nur technische, sondern auch gesellschaftliche sind. Heute kommuniziert man anders, eindimensionaler, weniger empathisch. Warum sollte der Amateurfunk davon nicht verschont bleiben? Die Auswahl ist aber ungleich eingeschränkter, als in anderen sozialen Medien, die Auflagen für große Antennenanlagen ebenfalls komplex. Nehmen wir den Begriff Wandel, hat sich in 50 Jahren weniger verändert, als die letzten 10 Jahre.

      7. Februar 2019
      Reply
  9. Juergen said:

    Eine Hobby-Pause machen viele. Manchmal ueber Jahre und Jahrzehte. MICH hat die Faszination Kurzwelle nie verlassen. Und: jetzt wo die Telegraphie nicht mehr behoerdlich geprueft wird, sondern die Funkfreunde nach Herzenslust morsen DUERFEN tun sie es auch. Ich habe den Eindruck mehr als jemals zuvor. In allen Auspraegungen, langsam schnell, im Conteststil oder auch in ausgedehnten fingertalks. Es gibt auch Sparten die mir persoenlich weniger zusagen. Aber insgesamt ist das Schoene an dem Hobby: jeder kann nach seinem Geschmack. Die Kurzwelle lebt ! – Und inzwischen erkennen das immer mehr, auch aus Kreisen die frueher alles belaechelt haben.

    22. Juni 2019
    Reply
    • Stephan Merk said:

      Hallo Jürgen, einerseits hast Du sicherlich Recht, andererseits denke ich schon, dass sich einiges verändert hat. Zunächst ist das, wie auch der Artikel, nur meine bescheidene Sicht der Dinge. Damals hatte ich noch den Yaesu FT-897D und ich wusste, dass wenn ich ihn verkaufen würde, das Thema für mich erledigt sei. Einen getauschten Weltempfänger habe ich nach einigen Monaten der Nichtnutzung ebenfalls weggegeben. Es mag auch etwas anderes sein, wenn man löten und Antennen selbst aufstellen und vermessen kann. Ich wäre diesbezüglich stets auf Hilfe angewiesen und Dank der neuen Normen wäre es hier auch nicht möglich, hohe Leistungen zu fahren. Dazu kommt noch der Anschaffungswiderstand, denn bevor ich einige Tausend Euro in eine gute Funkausrüstung samt Antennenpläne investiere, was vor 20 Jahren übrigens mein größter Traum war, würde ich mir stattdessen ein tolles Modularsystem kaufen. Das quietscht auch schön und erhält mir wenigstens meine Kreativität. Die Kommunikation hat sich bei mir ins Netz verlagert und ich wüsste auch nicht mehr, worüber ich mich auf einem Relais unterhalten sollte. Perspektivisch aus heutiger Sicht haben mich früher schon diese seichten Unterhaltungen und Fahrtbegleitungen genervt, bei denen ich mich, nach heutigem Stand, als “Alexa-Ersatz” gefühlt habe. Die Themen liefen dann immer in den Konsens, wir sind ja Funkfreunde und haben uns irgendwas zu erzählen und falls nicht, kommt irgendwann ein dritter und lockert das festgefahrene Gespräch auf. Wie oft habe ich diese dann vorzeitig mit “ich habe 600” oder “ich muss noch weg” beendet, weil das einfach nichts für mich ist. Klar hatten wir auch Runden, das ist auch was anderes und war auch immer nett und lustig, aber heute telefoniere ich mit diesen Leuten. Vor Allem schon deshalb, weil ich mit meinem noch vorhandenen Handgerät immer einen fixen Standort einnehmen müsste, damit ich die Relais überhaupt erreiche. Natürlich freut es mich, wenn Menschen Spaß an der Sache finden und es gibt auch viele Neuzugänge, was auch schön ist. Nur ich bin für mich aus dem Thema raus und mit einigem Abstand zu diesem Artikel hat sich meine Einstellung dazu noch gefestigt. Ich befasse mich mit anderen Dingen, die mir alle ungleich mehr Freude bereiten, als mich durch die Lattenzäune der LED-Glühlampen und sonstigen Störfelder mit halbgaren Mitteln über die Kurzwelle zu fräsen. Daher habe ich den Transceiver auch verkauft, weil es unverhältnismäßig wäre, die Haussicherungen der Nachbarhäuser zu Funkzeiten abzuschalten.

      22. Juni 2019
      Reply

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