Baofeng – Amateurfunkgeräte aus China, nicht unumstritten, aber günstig

Letzte Aktualisierung am 16. Januar 2018

Da schrieb ich noch vor einigen Tagen, dass ich dem Amateurfunk eine vorläufige Pause gönnen will und prompt ergibt sich die Möglichkeit zum Experimentieren. So erhielt ich von einem Freund zwei Baofeng UV-5R Handsprechfunkgeräte, die er vor einigen Jahren bekam und mit denen er sich gar nicht wirklich auseinandergesetzt hat. Nun packte mich die Neugier und ich recherchierte etwas und kaufte mir im Ergebnis selbst ein neueres Modell, das es in vielen Punkten mit teuren Handfunkgeräten aufnehmen kann. Ganz ehrlich, auch wenn die japanischen Hersteller sicher gute Geräte produzieren, die teilweise sogar über 10 Jahre erhältlich sind, lohnt sich die Investition vielleicht nicht mehr. Grund zum Einen die fortschreitende Umstellung auf digitale Funkdienste, zum Anderen aber auch die Tatsache, dass Geräte mit Weitbereichsempfänger heute gar keinen wirklichen Nutzen mehr haben. Wer früher (wenn auch rechtlich unzulässig) Funkdienste, wie Telefone oder Fernsehton empfangen hat, braucht danach gar nicht mehr zu suchen. Fernsehübertragungen und viele Funkdienste sind digital, analoge Schnurlostelefone inzwischen verboten und auch nicht mehr erhältlich und die Kurzwelle war bei keines der mir bekannten Geräte wirklich sinnvoll zu nutzen. Mit dem Kenwood TH-F7E, den es heute noch gibt, aber auch mit dem Yaesu VX-5R und VX-3E, konnte ich die Deutsche Welle auf 6.075 MHz empfangen, aber der Sendebetrieb wurde eingestellt. DW habe ich unterwegs gerne gehört, darauf muss ich künftig verzichten oder digital empfangen. Und das ist schon ungewohnt, wenn man die Kurzwellenübertragung gewöhnt war.

Teure Handfunkgeräte lohnen sich also vorwiegend für moderne Funktionen, wie GPS oder Digitalfunk. Nur darin investiere ich höchstens, wenn es einen firmenübergreifenden, offenen Standard gibt und die Vereine endlich aufhören, japanische Hersteller in ihrer wirtschaftlichen Aggression zu unterstützen. Da muss ich mir eingestehen, dass ich Trotz vielleicht schlechterer Modulation und Sendequalität dann lieber einen chinesischen Hersteller vorziehe, der mir sogar für unter 100 Euro gleich das komplette Zubehör in den Karton packt. Ein japanisches Lautsprechermikrofon oder Datenkabel ist für knapp die Hälfte zu kriegen, die ich für das Komplettpaket ausgeben muss. Einsteiger, die vielleicht noch gar nicht wissen, wie intensiv sie das Hobby betreiben, dürften sich ebenso über diese Entwicklung freuen und ich denke nicht, dass das den Markt wirklich nachhaltig schädigen wird. Viel mehr zwingt das vielleicht die Hersteller zum Umdenken und das passiert spätestens dann, wenn ein gutes Funkgerät mit digitalen Betriebsarten aus China kommt. Im Video könnt Ihr Euch selbst einen Eindruck verschaffen, ob sich die chinesischen Geräte gegen die japanische Konkurrenz behaupten können.

5 Comments

  1. dubo said:

    hi Stephan klasse Beitrag.
    ich wollte mir eins von denen kaufen – Baofeng GT-3 TP Mark III HandFunkgerät 3800mAh oder Baofeng UV-5R Plus.
    was würdest Du mir empfehlen – 20 EUR unterschied.

    danke und beste grüsse duo

    23. November 2016
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    • Stephan said:

      Hallo, also das kann ich Dir leider nicht konkret beantworten. Aber so viel kann ich schon dazu schreiben, dass die Baofeng-Geräte sich sehr ähneln. Das GT-3 TP Mark III sieht optisch fast so aus wie das UV-5R, auch die interne Software verhält sich gleich. Ich würde darauf achten, welche Features wichtig sind, beispielsweise Sendeleistung, und welches Gerät neuerer Entwicklung entspricht. Die betreiben da ein sehr großes Durcheinander, dass ich zumindest auch heute noch nicht so ganz durchsteige. Ich kann Dir im Vergleich sagen, dass das TP-3 was ich habe den getesteten UV-5R-Geräten überlegen ist, auch von der Modulation und Verarbeitung her. Ich denke auch, dass die Geräte alle nicht exakt abgeglichen werden, so dass es auch ein Glücksspiel ist, generell ein gutes Gerät zu haben. Ich hatte wohl Glück, denn in bekannten Umgebungen macht es was es soll. Man liest auch unterschiedliches, manche schreiben, es seien stets identische Chips verbaut und der Aufbau sei fast immer gleich, andere schreiben von messtechnischen Unterschieden, die aber auch gerätespezifisch sein können. Man muss dabei stets beachten, dass es sich um wirklich preisgünstige Geräte handelt und so wird dem Interessenten schon ein hohes Maß an Toleranz abverlangt, dafür hat man dann auch für wenig Geld recht viel Funktechnik oder halt Pech, wenn man ein Gerät erwischt hat, das eben nicht so gut spielt.

      23. November 2016
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  2. Jürgen said:

    Ich bin auch gerade am überlegen welches Gerät von Baofeng ich nehme.
    Bin gerade dabei die E Lizenz zu machen und wollte es erstmal nur dazu nutzen die örtlichen Relais zu hören und später dann sobald ich die Lizenz habe damit zu funken.

    Sind bei mir die meisten Relais auf dem 70 cm Band und die schafft mein alter Scanner nicht.

    Das UV-5R+ wäre da meine erste Wahl, da sehr verbreitet. Das GT-3 soll besser sein, aber irgendwie sagt mir mein Bauchgefühl, dass ich eher das UV 5R+ nehmen sollte.

    Im inneren soll fast alles identisch sein, jedenfalls steht das überall. Nur die neueren Modelle die aktuell gekauft werden können sind halt teilweise von der Technik verbessert worden. Angeblich auch die UV-5R Modelle.

    Was mich stutzig macht ist, dass auf der Baofeng Seite u.a. die UV-5R Serie nicht mehr produziert werden soll und auch nicht mehr vertrieben wird. Trotzdem schreiben die Händler, dass dies spezielle neue Versionen sind und exklusiv auf Ebay oder Amazon noch vertrieben werden. Preislich um die 28 Euro ein Schnäppchen.

    Nun überlege ich das UV 5R + zu kaufen für meinen Zweck, den es erfüllen mag. Nur hab ich Angst einen Fehler zu machen und ob ich doch lieber ein anderes Boafeng Gerät nehmen sollte. Wobei ich das später nach der Prüfung ja immer noch machen könnte.

    Vielleicht könnt ihr mir ja aus meiner Unsicherheit raus helfen.

    25. Dezember 2016
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    • Stephan said:

      Hallo Jürgen, einen Tipp kann ich Dir da leider nicht geben. Ich hatte einiger dieser Geräte hier, die Unterschiede waren marginal. Wenn Unterschiede auftreten mag dies an den Fertigungstoleranzen liegen, ein ordentlicher Abgleich bei diesem Preis ist wohl nicht drin. Ich hatte mit meinem GT-3 Glück, es tut was es soll, das UV-5R hat mich in der Modulation nicht überzeugt. Die Frage ist auch, woran das liegt. Denn auch wenn dieselben Chips zum Einsatz kommen gibt es immer noch andere Kapseln und Gehäuseunterschiede, selbst zwei UV-5R klingen vom Lautsprecher nicht exakt gleich. Einen Fehler wirst Du in diesem Preisbereich sicher nicht machen. Anders gesagt ist das schon kurios wenn ich bedenke, dass mein erster Alinco DJ-C5 rund 350 Mark und mein Yaesu FT-50 um 650 Mark gekostet hat. Wenn Du bei 50 Euro was falsch machst, kauf Dir halt noch eins oder eben beide, dann kannst Du auch auf zwei Frequenzen arbeiten und hast dann auch einen Dual-Bander. Es gibt zu viele Meinungen und am Besten sind eigene Erfahrungswerte. Wenn Dich Größe nicht stört würde ich Dir dann sogar zum Pofung GT-5 raten, weil das den besten Klang aufgrund der Größe hat. Subjektiv klingt das GT-3 besser als das UV-5R, wobei ich die Plus-Version nicht kenne, diese ist aber wohl länger auf dem Markt als das neuere GT-3. Die Informationen von Baofeng sind in der Tat sehr reduziert, das fiel mir damals auch auf, so war auch mein GT-3 seinerzeit nicht erwähnt.

      25. Dezember 2016
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  3. ทางเข้า sbo said:

    Das ist ja mal ein informativer, sorgfältig mit Liebe zum Detail geschriebener Artikel. Vielen Dank! 🙂

    8. Januar 2018
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