Bowers & Wilkins P9 Signature, jetzt auch mit Lihgtning-Kabel

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Als Carsten im Technik-Talk Ende 2016 erwähnte, dass Bowers & Wilkins einen neuen Premium-Kopfhörer im Sortiment hat, wurde ich neugierig. Ich schaute im Internet nach und bei einem sehr günstigen Preis, deutlich unter dem ursprünglichen UVP von 899 Euro, konnte ich nicht widerstehen und schlug im größten Buchladen zu. Eigentlich war er nicht vorrätig und über Nacht dachte ich nochmal drüber nach, weil ich ihn eigentlich nicht brauchte und dieser Spontankauf eher meiner Neugier geschuldet war. Am nächsten Morgen erhielt ich bereits die Versandmitteilung und kurze Zeit später erreichte mich das Paket. Ein Lockmittel war auch das angekündigte Lightning-Kabel, das im Jahre 2017 kostenlos nachgereicht werden sollte. Daraus wurde zwar Anfang 2018, doch nun ist es hier und ich war sehr gespannt auf das klangliche Ergebnis. Während es registrierte Käufer des P9 Signature kostenlos erhalten, ist es mit einem günstigen Verkaufspreis von 45 Euro im Shop des Herstellers gelistet.

Als ich den P9 Signature auspackte, war ich zunächst beeindruckt. Tolle Materialwahl, guter Sitz und eine luxuriöse Verpackung. Als Erstes am Sony PCM-D100 angeschlossen und mit dem Sony MDR-1A verglichen, stellte sich allerdings keine wirkliche Begeisterung ein. Immerhin sollte sich der Kopfhörer laut Hersteller auch 100 Stunden einspielen, die Zeit gab ich ihm. Und in der Tat legte das Klangbild etwas zu, die Bässe wirkten kontrollierter und die Bühne hat sich doch zum Vorteil verändert und ist für einen geschlossenen Kopfhörer schon wirklich gut. Weil es aber ein HiFi-Kopfhörer ist, hat man ihn entsprechend der Wohlfühl-Generation eingefärbt. In den oberen Bässen findet sich eine leichte Kuppe im Frequenzverlauf, auch hat man die Höhen etwas dezimiert. Insgesamt musikalisch, aber nicht analytisch. Besonders der Hochtonbereich war aber für mich ein Grund, den P5 Series 2 aufgrund seiner harschen Höhen abzugeben. Das ist im Übrigen der gewöhnliche Unterschied zwischen Studiotechnik und HiFi, der mir natürlich bewusst ist und der Kopfhörer kann schließlich nichts dafür, dass ich den analytischen Charakter lieber mag. B&W hat somit wie jeder Hersteller im HiFi-Segment eine vom Stammkunden erwartete Klangsignatur, diesem Anspruch wird der P9 Signature jedenfalls gerecht.

Interessant ist aber, dass je nach Zuspieler das Klangbild etwas unterschiedlich wirkt. Das ist ebenfalls nicht ungewöhnlich, weil ein Kopfhörer eine elektrische Last darstellt und wie ein Lautsprecher auch vom Verstärker kontrolliert werden muss. Die geringe Impedanz macht ihn tauglich für Mobilgeräte und somit braucht er auch nicht viel Dampf am Kopfhörerausgang. Am Korg DS-DAC100m, einem hochklassigen D/A-Wandler für den Mobilbetrieb, verglich ich ihn schließlich mit dem Sennheiser HD 800. Dieser stellt mit seinem Innenwiderstand von 300 Ohm eine deutliche Nutzlast dar, weshalb ihn der Korg auch nicht wirklich laut antreiben kann. Die Überraschung ist, dass der Sennheiser trotzdem deutlich detailtreuer als der zum damaligen Zeitpunkt nur 100 Euro günstigere P9 Signature aufspielt. Natürlich lässt sich ein offener Kopfhörer nicht mit einem geschlossenen vergleichen, so wählte ich ergänzend den Beyerdynamic T 5 p und auch hier zeigte sich ein ähnliches Bild. Im Gegensatz zum Sennheiser ist der Beyerdynamic ähnlich wie der P9 Signature geschlossen konstruiert und spielt auch in derselben Preisliga, vor Allem auch detailgetreuer als der P9 Signature. Unabhängig von der klanglichen Abstimmung sollte man von einem Kopfhörer in dieser Preisklasse mehr erwarten dürfen. Immerhin überzeugt die Verarbeitung aus handgemachtem Leder, Aluminium und modernem Finish.

Bowers & Wilkins verspricht beim Lightning-Kabel ein Klangerlebnis der besonderen Art, aktuell konnte ich noch keine genaueren Spezifikationen über den verbauten Wandler herausfinden. Immerhin scheint er etwas Besonderes zu sein, wenn die Entwicklung diesbezüglich sehr lange dauert. Daher hatte ich mich gut vorbereitet und hochauflösende Alben in das Abspielprogramm Korg AudioGate kopiert, die als Testmaterial dienen sollten. Die eckige Kabelfernbedienung wirkt wie ein Stilbruch, das konnte B&W beim originalen Klinkenkabel besser. Sie verfügt über drei Tasten und ein Mikrofon, so dass man sie auch als Freisprecheinrichtung nutzen kann. Am iPhone scheint die Auflösung von 48KHz nicht überschritten zu werden, vermutlich hat er eine Wortbreite von 24 Bit. Immerhin rauscht er nicht und scheint einen hohen Dynamikbereich abzubilden. Bei der Wiedergabe hört man direkt, dass man den integrierten Verstärker schon auf den P9 Signature abgestimmt hat. Im Gegensatz zu meinen Erfahrungen am DS-DAC100m klingt er nämlich aufgeräumter, etwas frischer und nicht so muffig. Während die Darbietung breit abgebildet wird, fehlt es allerdings an Details. Dieser Eindruck ist vermutlich auch dadurch geschuldet, dass die DSD-Alben in PCM umgerechnet werden, so dass die Auflösung natürlich darunter leidet. Das spezielle Problem in meinem Fall relativiert sich bei Streaming mit komprimierter Musik allerdings wieder, so dass das Konzept bezogen auf die Zielgruppe aufgeht.

Manche könnte stören, dass die Maximallautstärke begrenzt ist. Der DAC wird vom iPhone mit Energie versorgt, das ist vermutlich die Ursache dafür. Die Lautstärkeregelung wird vom iPhone übernommen, so dass anzunehmen ist, dass bei geringem Pegel Dynamikstufen wegfallen. Auch das ist Angesichts der Zielgruppe aber kein wirkliches Problem, widerspricht dennoch dem audiophilen Grundgedanken. Ab diesem Punkt bin ich hin- und hergerissen, denn eigentlich erwarte ich von einem Verkaufspreis von rund 900 Euro ein Produkt mit einem hohen Qualitätsanspruch abseits der Materialwahl. Doch scheinen sich die Entwicklungen nicht mehr auf die Wurzeln des Unternehmens zu beziehen, die man aber gerne für das Marketing klar herausstellt. Made in China ist hier das Stichwort, Beyerdynamic fertigt den ähnlich teuren T 5 p und T 1 in Deutschland.

Vergleichbar gibt es die Protagonisten mit Bluetooth, die aber ohne AAC Direct Stream nicht das volle Potential beim iPhone herausholen können. Der Bowers & Wilkins PX wäre hier ein moderner Vertreter, deutlich günstiger und klanglich sicherlich kaum schlechter. Der Beyerdynamic T 5 p allerdings, der mit dem Impacto Universal auch per Lightning am iPhone Anschluss finden kann, ist aufgrund des wesentlich besseren D/A-Wandlers kein ebenbürtiger Vergleich. Dieser ist in allen Belangen technisch überlegen, beginnend vom Wandler, über die separate Kabelführung je Muschel bis hin zu den hocheffizienten Tesla-Treibern. Während das Heilbronner Gespann im Set rund 1.300 Euro kostet, ist aber auch dieses zu Angebotszeiten gelegentlich unter 1.000 Euro zu haben und rückt dann gefährlich nahe an den Preis des P9 Signature heran. Abgesehen von den persönlichen Präferenzen beim Klang liefert Beyerdynamic aus meiner Sicht und für meine Ansprüche das bessere Endergebnis. Von der Ergonomie des zusammenlegbaren P9 Signature, der flachen Tasche und der deutlich kleineren Kabelfernbedienung kann ich ihm jedoch seine Qualitäten nicht absprechen. Wer ihn in die engere Wahl zieht, sollte sich unbedingt Zeit zum Probehören nehmen und darauf achten, ein eingespieltes Exemplar zu testen. Denn frisch aus dem Karton ist er ohne Zweifel klanglich unterlegen. Abschließend bleibt der bittere Beigeschmack, dass sich B&W zumindest bei den mobilen Produkten mehr auf die Marke, als auf die Klangversprechen besinnt und diese Produkte kaum etwas mit den in England gefertigten Lautsprechern der 800D-Serie gemeinsam haben.

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