Es stimmt: Glücklicher ohne Facebook…

Letzte Aktualisierung am 16. Januar 2018

Heute las ich im Teltarif-Newsletter, dass laut einer Studie der Verzicht auf soziale Netzwerke glücklicher machen soll bzw. Facebook, so der Artikel, eher ein asoziales als soziales Netzwerk sei. Zusammengefasst heißt es, dass Likes beispielsweise auch aus Neid und Missgunst erfolgen, weil man auf das vermehrt schauen würde, was man nicht hat. Dieser Neid, beispielsweise nicht am Ort des geklickten Fotos zu sein, mache unglücklich.

Als Facebook seine Nutzungsbedingungen wieder einmal ungefragt im Januar 2015 änderte, war für uns klar, dass wir das nicht wollen. Unsere Facebook-Accounts haben wir gelöscht, ich zudem auch mein WhatsApp-Profil. Wohl wissend, nicht mehr alles mitzubekommen. Threema als Messenger ist zwar besser, aber nicht bei jedem installiert. Und das, obwohl es kostengünstiger ist und sogar den Akku weniger belastet – von den Verschlüsselungen und Serverstandort in Europa ganz zu schweigen. WhatsApp ist einfach beliebter und der Herdentrieb entscheidet. Das Phänomen der Masse ist an sozialen Netzwerken ohnehin gut zu erkennen, als zu Gunsten Facebook andere Netzwerke plötzlich in die Bedeutungslosigkeit verschwanden. Ich bin hier vielleicht ein Sonderfall, denn die Masse interessierte mich schon immer herzlich wenig. So habe ich ohnehin nur ganz wenig Beiträge markiert oder überhaupt etwas geteilt. Es gab vor sechs Jahren eine Zeit, da nutzte ich diese Netzwerke intensiver und auch aus technischer Neugier, diese war allerdings auch schnell befriedigt. Während mein Umfeld quasi eine Social-Sucht entwickelte, steuerte ich gegen und nutzte meine Kapazitäten darin, mir Wissen anzueignen, was mich persönlich weiter brachte. Auch wenn es gelegentlich nett ist, unnützes Wissen zu erfahren oder kurzweilige Videos anzuschauen, wehrt sich mein Gehirn zu häufig mit dem Signal der Langeweile.

An meinem Umfeld, gerade auch hier in meiner lokalen Umgebung, kann ich beobachten, wie sich eine Quasi-Parallelwelt über die Jahre aufgebaut hat. So kennen sich Menschen virtuell, die real nicht ein Wort miteinander wechselten, ja nicht mal wissen, dass sie sich bereits im Netz angefreundet haben. Schaut man dann auf die dreistelligen Kontaktlisten, wird schnell der Unterschied zur Realität deutlich. Denn hier geht es nach Masse und einer scheinbaren Anerkennung, nicht um wahre Freundschaften, die selbst das Internet überdauern könnten.

Und mir erging es in sozialen Netzwerken nicht anders. Meine Freundesliste überstieg locker 150 Kontakte und sogar weitaus mehr, wenn ich alle Anfragen akzeptiert hätte. Von diesen Kontakten kannte ich so etwa 40% nur vom Namen her. Trotzdem wusste ich auch von denen viele Details, konnte sogar über manche durch bloße Beobachtung eine Art Lebensprofil erstellen. Und aufmerksames Lesen, Beobachtungen der Freundeslisten oder Kontakte bzw. Gästebucheinträge geben viel Aufschluss über die Person, die Einstellung und was diese in der Freizeit tut. Amerikanische Forscher hatten dies vor Jahren schon einmal an Facebook-Profilen abgebildet, was diese über einen Menschen aussagen können. Umso erschreckender, dass es dafür nicht mal ein Forschungszentrum braucht.

Wäre nur noch die Frage offen, was mir nun fehlt. Kurze Antwort: Fast gar nichts. Fast deshalb, weil gerade Facebook zumindest einen für mich sinnvollen Nutzen hatte, das ist die Fronhäuser Gruppe. Läuft etwas im Dorf schief, wurde das gleich gepostet: Hausierer oder Falschparker, Sachbeschädigung oder Gesuche. Selbst mir gelang es mit der Hilfe von Facebook, die Mütze unserer Tochter und eine Haushaltshilfe zu finden. Nur relativieren diese Erfolgserlebnisse die grundsätzliche Haltung zu den Dingen? Ich denke nicht. Ohne Facebook mit seinen zumeist überflüssigen Informationen, auch ohne WhatsApp mit den zuweilen belanglosen und überhaupt nicht zielführenden Unterhaltungen, fühle ich mich besser. Glücklicher wäre vielleicht übertrieben, da ich ohnehin von den Folgen sozialer Netze nicht betroffen war. Aber vielleicht kommt ja auch mal eine Zeit nach Facebook oder zumindest ein soziales Netzwerk ohne Risiken und Nebenwirkungen, ohne exzessiv wirtschaftliches Interesse und vor Allem ohne Suchtpotential. Denn das Internet 2.0 bietet im Prinzip viele Vorteile, wären da nicht die bekannten Risiken und Nebenwirkungen, über die Online-Dienste allerdings im Gegensatz zu Arzneimitteln nicht informieren müssen.

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