Günstige Bluetooth-Headsets im Vergleich

Während sich noch Mitte der 90er Jahre manch einer darüber wunderte, wenn jemand auf der Straße mit sich selbst spricht, laufen heute viele mit Kopfhörern rum, die teils größer kaum sein könnten. Das monaurale Headset zur reinen Sprachkommunikation ist ein Bisschen ins Hintertreffen geraten, der Markt wird von Stereo-Modellen mit aktuellen Features geradezu überschwemmt. Hier die Übersicht zu behalten ist schwer, weil die Daten und Fakten oft ähnlich klingen und fast täglich neue Varianten hinzukommen. Dann wäre da noch die mangelhafte Übersetzung vieler Anbieter und selbst die Optik ist vom Prinzip bis auf die Farbgebung sehr ähnlich. Um 15 bis 30 Euro findet man viele Produkte von Anbietern, die man gar nicht kennt und deren Produkte zumeist alle aus derselben Fertigung stammen. Bekannte Hersteller, wie Jabra und Plantronics, steigen etwas später ein, die HiFi-Hersteller siedeln sich am oberen Ende der Preisskala an. Bei der großen Preisspanne sollte die Frage berechtigt sein, ob sich der finanzielle Mehraufwand tatsächlich lohnt. Betrachtet man die Tatsache, dass die Preise teils das Fünffache der Einstiegsmodelle betragen, ist diese Frage nicht abwegig.

Seit es Bluetooth als drahtlosen Übertragungsstandard gibt, bin ich mit dabei und habe bis heute die Suche nach dem perfekten Headset nicht aufgegeben. Auch hat sich der Anspruch inzwischen verändert, denn früher war ein Headset zum Telefonieren da, heute erledigt man mit ihm bis hin zur Sprachsteuerung eine Vielzahl an Aufgaben. Besonders für blinde Menschen kann ein Headset effektiver sein, als eine Smart Watch, hier bleibt aktuell die Apple Watch das einzige wirklich zugängliche Gerät. Während Siri in der Watch mit Ausnahme der series 3 GPS + Cellular eingeschränkt ist und ohnehin stets auf das iPhone verweist, macht ein Headset offenbar mehr Sinn. Auch unter Android ist die Sprachassistentin erreichbar und erledigt Aufgaben auf Zuruf. Hier kann der Funktionsumfang sogar durch Drittanbieter-Apps noch erweitert werden. Man steuert über das Headset also direkt das Smartphone, hat die Hände frei und greift auf den gesamten Funktionsumfang zu. Geht ein Anruf ein, klingelt es und sagt im Optimalfall den Namen an. Es reagiert auch auf Sprachbefehle und so wachsen mit der Zeit auch die Ansprüche. Mein erstes Headset, das ich mir einige Jahre nach der Jahrtausendwende kaufte, sollte noch mit einer normalen Batterie betrieben werden, um nicht auf eine Lademöglichkeit angewiesen zu sein. B-Speech lieferte einige Modelle, die keine 20 Euro kosteten und somit ein Drittel eines Marken-Headsets. Denn falls ein Headset verlustig geht, ist das Potential zum Ärgern auch entsprechend geringer. Das B-Speech war allerdings etwas schwerer und der Ohrhörer ragt weit heraus, nicht gut für Hemdentaschen. Problematisch waren die stets abgebrochenen Ohrbügel. Damals war es noch nicht selbstverständlich, dass ein Headset wahlweise links oder rechts getragen werden konnte, der “Knopf im Ohr” mit Kabel war für mich immer die bessere Lösung und im Gegensatz zu den damaligen Bluetooth-Headsets auch für Musik geeignet. Im Jahre 2008 brachte Nokia das BH-903 heraus, das wie ein Band um den Hals getragen wird, die Ohrteile hängen an stoffummantelten Kabeln am Halsband. Im rechten Band sind das Mikrofon und Tasten zur Rufannahme eingearbeitet, so dass sich das Mikro nah am Mund befindet. Geleinsätze verhindern das Herausrutschen und die Zentraleinheit mit Touch-Bedienung für die Lautstärke enthält sogar ein FM-Radio. Die grüne OLED-Anzeige ist recht hell und zeigt nette Piktogramme. Dieses Headset kostete laut Nokia rund 280 Euro, war allerdings für deutlich günstiger zu haben und vom Prinzip das von mir am Längsten genutzte. Durch die Halskordel kann man das Headset auch am Körper lassen, so dass man auch nur ein oder kein Ohrteil tragen muss. Ein ähnliches Konzept begegnete mir von LG mit dem HBS900 Tone Infinium, das mit Know-How von Harman Kardon entwickelt wurde. Es besteht aus Kunststoff, hat eine C-Form und legt sich entsprechend wie ein Halbkreis um den Hals, die In-Ears werden an unverwüstlichen Kabeln aus dem vorderen Teil herausgeführt und lassen sich über einen Rückzugsmechanismus auch schnell verstauen. Gesteuert wird es über einige Tasten beidseitig am Bügel. Es bietet kein Display, dafür eine englische Sprachausgabe und sogar Vibrationsalarm, so dass Anrufer auch ohne Körperkontakt zum Handy erkannt werden. Dieses wurde mit einem unverbindlichen Verkaufspreis von um 170 Euro angeboten, ist aber neu bereits für ein Drittel des Preises erhältlich. Kein Wunder, denn Trotz Werbetrommel konnte man ihm die HiFi-Leidenschaft kaum anhören. Und wie üblich macht sich LG durch das Heraushauen von Nachfolgemodellen die Preise selbst kaputt.

Für welche Headset-Form man sich entscheiden sollte, hängt im Wesentlichen von den Ansprüchen ab. Das beginnt beim Tragen. Es gibt sowohl Kopfhörer, als auch In-Ear-Varianten. Auch gibt es kleine Bluetooth-Übertrager, an die man gewöhnliche Ohr- oder Kopfhörer und sogar eine HiFi-Anlage anschließen kann. Wenn man nur telefonieren will, reicht ein monaurales Headset, das einseitig zu tragen ist. Auch diese unterstützen heute Bluetooth-Standards zum Musikhören, das ist allerdings einseitig kein Vergnügen. Wenn Ihr über ein Smartphone mit HD-Voice verfügt, solltet Ihr auf dieses Feature achten, das von den Herstellern nicht immer als Solches ausgezeichnet wird. Auch Sprachsteuerung kann ganz nett sein, wird allerdings durch die Sprachassistenten in Smartphones inzwischen übertroffen. Die Tasten sollten daher gut fühlbar und zugänglich sein, Sensortasten sind kontraproduktiv. Nach diesem groben Überblick gehen wir ins Detail und betrachten einzelne Faktoren genauer, beziehen uns aber im Wesentlichen auf In-Ear-Headsets, da diese am Markt klar dominieren. Am Ende folgen auch konkrete Produktempfehlungen. Vorweg sei noch auf die Apple EarPods und Google Pixel Buds hingewiesen, die im folgenden Artikel keine Rolle spielen sollen. Beide kosten rund 180 Euro und versprechen eine ausnahmslos gute Ergonomie, abgestimmt auf die jeweils zugehörigen Smartphones und Tablets. Betrachtet man lediglich die Klangqualität, ist der Preis einerseits sehr hoch und auch günstige Ohrhörer können hier locker mithalten. Andererseits aber sind die EarPods beispiellos, da sie keine In-Ears sind und die Umgebung entsprechend nicht abschirmen, auch lassen sie sich nur einseitig verwenden. Da iDevices von Apple auch kein aptX unterstützen, sind die AirPods klanglich die besseren Spielpartner. Auch darf man nicht vergessen, dass die bekannten HiFi-Hersteller noch wesentlich teurere Bluetooth-Headsets jenseits der 250 Euro anbieten.

Das Nadelöhr Bluetooth

Auch wenn uns HiFi-Hersteller glaubhaft machen wollen, dass ihre High-End-Kopfhörer mit Bluetooth viel besser klingen würden, ist dies ein Trugschluss. Denn bei der Bluetooth-Übertragung für Musik werden Kompressionsverfahren eingesetzt, welche das Signal dadurch verschlechtern. Je nach Bluetooth-Version steht hierfür mehr oder weniger Bandbreite zur Verfügung, der Bluetooth Audio-Standard für die Stereo-Musikwiedergabe heißt A2DP. Der üblich eingesetzte SBC-Codec ist klanglich mittel gut komprimierten MP3-Dateien unterlegen, weshalb die drahtlos übertragene Musik meist schlechter klingt, als das Original. Er liegt in Etwa klanglich auf der Höhe von Radioqualität und ist auch im oberen Frequenzbereich auf 16 KHz beschnitten. Der SBC-Codec verändert dynamisch die Bitrate entsprechend der Übertragungsqualität, so dass es seltener zu kompletten Abbrüchen kommt. Erst mit dem eigentlich schon über 30 Jahre alten aptX-Codec, der fixe 352 kbit/s an Bandbreite nutzt, werden zumindest gut komprimierte Dateien nicht mit weiteren Verlusten versehen, für hochauflösende Musik reicht dies dennoch nicht aus. Aufgrund der fixen Bitrate reißt das Signal bei Funkstörungen komplett ab und es gibt hörbare Aussetzer. Zudem müssen sowohl Smartphone, Tablet oder Computer, als auch Headset oder Lautsprecher entsprechend aptX anbieten, da ansonsten der SBC-Codec ausgehandelt wird. Die Bluetooth-Version selbst sagt nichts darüber aus, ob aptX genutzt wird, dieser Codec muss gesondert lizenziert werden und als Protokoll wird stets A2DP angezeigt. Bei Apple-Produkten mit iOS ist er nicht enthalten, bei MacBooks allerdings schon, gute Smartphones bieten ihn häufig an. Damit man ein Bluetooth-Gerät mit Headset oder Lautsprecher steuern kann, wird das AVRCP-Protokoll verwendet, so dass Steuerbefehle über spezielle Tasten an den Zuspieler weitergeleitet werden können. Während Stereo-Bluetooth mit SBC schon schlimm ist, wird es bei den Profilen für die Sprachübertragung Headset Profile (HSP) und Handsfree Profile (HFP noch schlimmer). Diese übertragen teils sogar noch analog und sind dadurch leicht mithörbar. Bluetooth 4.1 und 4.2 sind noch aktuell, verbraucht wie auch schon Bluetooth 4.0 sehr wenig Energie und deutet auf neueste Chips hin. Bluetooth 5.0 und hochauflösendes Streaming ist noch nicht in allen Geräteklassen angekommen, wird aber zunehmend die Probleme bei der Klangqualität beseitigen. Bei Lautsprechern findet man diese seltener, aptX wird oft nur bei teuren Produkten angeboten. Das macht aber nichts, da der Qualitätsabfall bei Lautsprechern faktisch aufgrund der engen Stereobreite und den eingeschränkten Frequenzgang nur schwer wahrnehmbar ist. Headsets und Lautsprecher klingen nicht so wie das Quellgerät, denn sie bringen eigene Verstärker und D/A-Wandler mit. Diese könnten bei hochwertigen Produkten besser sein, aber es ist und bleibt Bluetooth, so dass die Vorteile nur durch ein Kabel und einen guten Zuspieler hörbar werden. Lautsprecher, die mit dickem Bass werben, arbeiten mit Signalprozessoren, welche den Klang an die physikalischen Gegebenheiten des Chassis anpassen und ein volles Klangbild suggerieren. Je nach Produkt gelingt dies besser oder schlechter, eine naturgetreue Musikwiedergabe ist hier nicht zu erwarten. Verwirrend ist, dass die Bluetooth-Version auch keinen Hinweis über hochauflösende Telefonqualität (HD-Voice) gibt, Das ist schade und verwirrt die Konsumenten, wenn die Hersteller nicht explizit auf diese Fähigkeiten hinweisen. Von daher bleibt der Bluetooth-Standard selbst schon ein Verwirrspiel und man ist darauf angewiesen, dass die Anbieter ihre Produkte gut kennen. Es ist auch nicht so, dass nur ein Übertragungsprotokoll zum Einsatz kommt. Je nach Modus wechseln diese und die Geräte stimmen sich automatisch ab. AVRCP ist ein weiteres sinnvolles Protokoll, dass es dem Headset oder Lautsprecher ermöglicht, Mediensteuerungssignale an das Quellgerät zu senden. Es gibt inzwischen auch Bluetooth-Fernbedienungen, die zusätzlich reine AVRCP-Kommandos übergeben, das macht im Auto als Fernbedienung Sinn.

Kopfhörer oder Ohrhörer?

Ob man zu einem In-Ear-Headset oder Kopfhörer greifen sollte, hängt vom persönlichen Geschmack und der erwarteten Qualität ab. In-Ears sind beliebt und überzeugen vor Allem im Bassbereich, denn kleine Membranen bilden einen linearen und weiten Frequenzbereich ab, zudem arbeiten sie impulstreuer, der Ohrkanal dient als Resonanzraum. Nicht zuletzt sind sie auch kleiner und erlauben das bessere Verstauen. Sie reichen einige Zentimeter in den Ohrkanal hinein, die Gummistopfen dämpfen Außengeräusche effektiv ab. CVC 6.0 wird oft als Merkmal angeführt und beschreibt eine Technik zur guten Geräuschdämmung. Gegenphasiges Auslöschen durch eine Elektronik, wie sie bei manchen Kopfhörern zum Einsatz kommt, entfällt dadurch. Nicht jeder verträgt oder mag In-Ears, trotz dass fast alle Headsets über ausreichende Ohrpassstücke verfügen. Viele sind auch nicht immer von guter Qualität, allerdings gibt es im Zubehörhandel alternative Passstücke, welche den Tragekomfort eines Headsets deutlich verbessern können. Auch Memory-Schaum wird teilweise eingesetzt, dieser passt sich entsprechend dem Ohrkanal an. Je nach Konstruktion können die Verbindungskabel verkürzt werden oder es sind Halterungen eingearbeitet, die das Befestigen an der Kleidung erlauben. An diesem Kabel kann das Headset bei Nichtgebrauch um den Hals getragen werden, manche Versionen erleichtern das Fixieren der Ohrteile Mittels Magneten. Bei einigen Ausführungen ist das Verbindungskabel als steifes Nackenband ausgelegt, welches das Headset besser am Kopf und in den Ohren fixiert. Die üblichen am Ohrkanal aufliegenden “Knopfhörer”, wie man sie von vielen tragbaren Audiogeräten her kennt, sind verschwunden. In-Ears haben eine geringe Energieaufnahme, da weniger Leistung zum Anregen der Membranen notwendig ist. Allerdings können aufgrund des hohen Schalldrucks auch leichter Hörschäden bei unsachgemäßer Handhabung entstehen, für Kinder sind sie daher absolut nicht zu empfehlen. Der Betrieb im Straßenverkehr ist als höchst problematisch anzusehen, da man die Umwelt faktisch nicht mehr wahrnimmt und dadurch das Risiko zu verunfallen ansteigt. Aus meiner Sicht gehören In-Ears im Straßenverkehr sogar strikt verboten. Ein weiterer Punkt ist die Hautverträglichkeit, diese ließe sich jedoch nur in einem Labor testen, weshalb ich diese vernachlässige. Ganz wohl ist mir allerdings nicht, die günstigen China-Stopfen in den Ohren zu tragen. Einige fangen an zu jucken, ungesunde Weichmacher wären also nicht unwahrscheinlich.

Kopfhörer bieten einen etwas indirekteren Klang, auch Kabelgeräusche werden nicht so deutlich übertragen, wie bei In-Ears. In den 80er Jahren waren sie beliebt, in den 90ern verschwunden. Heute gehören sie zum urbanen Lifestyle und so sieht man sie in unzähligen Farben, Formen und Größen. Fast jeder Hersteller bietet sie drahtlos und drahtgebunden an, wobei sich die drahtlosen selten von denen mit Kabel unterscheiden. Natürlich haben sie einen Akku und integrierte Wandler mit Verstärkereinheit, sind aber auch meist teurer als die reinen Kabelversionen. Auch spezielle Modelle mit Lightning-Stecker gibt es, welche direkt am iPhone oder iPad angeschlossen werden können. Geschlossene Modelle schirmen Umweltgeräusche gut ab, einige setzen auf aktive Geräuschunterdrückung. Hierbei wird der Schall durch ein Mikrofon aufgenommen und durch den Kopfhörer parallel zur Musik als Antischall abgegeben. Die Phasenauslöschung sorgt dann für Ruhe und stellt die Musik in den Vordergrund. Allerdings ist dieses eher unnatürliche Gefühl auch nicht für jeden etwas, weshalb geschlossene Kopfhörer ein guter Kompromiss sein können. Aufgrund oben beschriebener Limitierungen, macht ein hochwertiger Bluetooth-Kopfhörer daher wenig Sinn. Das scheinen auch die Hersteller zu wissen, denn teure Modelle verfügen gelegentlich über einen zusätzlichen Klinkenanschluss. Einen kabelgebundenen Kopfhörer mit Bluetooth-Empfänger einzusetzen, ist aufgrund der oftmals zu geringen Verstärkungsleistung mitunter problematisch und der Kopfhörer wird nicht gut kontrolliert. Wenn man zudem ein Kabel verwendet, lässt sich dieses auch direkt in das Smartphone stecken. Ein externer D/A-Wandler hingegen kann den Klang deutlich verbessern und liefert durch eine bessere Verstärkung auch genügend Leistungsreserve. Wer hochwertigen Klang bevorzugt, findet hier eine Reihe von möglichen Lösungen, auch In-Ears mit Kabel und spezielle hochauflösende Musikplayer gehören dazu. Dabei haben die Hersteller den Trend erkannt und bieten teils sehr hochpreisige Produkte an, wobei die Anzweiflung aufgrund des technischen Gegenwerts absolut berechtigt ist. Das ist aber nicht Thema dieses Artikels, weshalb wir uns wieder den Bluetooth-Headsets widmen wollen, die nicht diesem Anspruch entsprechen und dennoch gut zu gebrauchen sind.

Sprache, Musik und Videos

HD-Voice als Feature wurde schon erwähnt, das zunehmend an Bedeutung gewinnen wird. VoIP-Kunden der Deutschen Telekom telefonieren zu allen Telekom Mobilfunkanschlüssen in hochauflösender Sprachqualität, wenn die Endgeräte diese Technologie unterstützen, so auch Smartphones. Das ist allerdings für Gewöhnlich der Fall, ab dem iPhone 5 ist HD-Voice integriert, schon die Nokia-Modelle E72 und E6, E7 und N8 verfügen bereits über dieses Merkmal. In einem Podcast hatte ich bereits 2011 HD-Voice vorgestellt. Aktuelle Geräte nutzen diesen Codec und dies auch per Bluetooth. Allerdings sind Gespräche derzeit nur innerhalb der Netze in HD möglich, netzübergreifend gibt es noch einige Hürden zu bewältigen. Die Qualität hört sich ähnlich an, wie einfache MP3-komprimierte Dateien, weshalb HD-Voice vor Allem bei Stereo-Headsets Spaß machen kann. Während es bei der Musikübertragung neben der Nutzung von aptX nichts zu beachten gibt, kann das Betrachten von Videos mitunter wenig Freude bereiten. Das Headset sollte möglichst ohne Verzögerungen arbeiten, so dass der Ton synchron zum Bild übertragen wird. Das funktioniert je nach Hardware-Kombination besser oder schlechter, heute ist dies aber auch selten noch ein Problem. Besonders für blinde Nutzer ist ein latenzfreies Headset wichtig, so dass auch Gesten auf dem Touchscreen sofort akustisch vermittelt werden. Eine Verzögerung kann die flüssige Bedienung einschränken. Klanglich gibt es wenig zu beachten, der Equalizer im Audio-Player kann hier notfalls aushelfen. Headsets werden übrigens als Verbrauchsgüter angesehen und können aus hygienischen Gründen nicht zurückgegeben werden, ein gewisses Restrisiko gibt es folglich. Die Rücknahme von Kopfhörern ist dagegen kein Problem.

Sprachqualität, Akkulaufzeit und Tragekomfort

Trotz dass sich viele In-Ears heute gleichen, unterscheiden sich die Produkte schon voneinander. Befindet sich die Elektronik im Ohrteil, zieht das Gewicht an den Ohren. Besonders Jogger nervt die Schwungmasse, das Headset bleibt dann selten im Ohr. Wird eine Kabelfernbedienung verwendet, bietet dies gleich mehrere Vorteile. Die Elektronik wird teils ausgelagert und das Mikrofon befindet sich näher am Mund, als wenn es seitlich im Headset eingebaut ist. Ohne Kabelmikrofon sind Ohrbügel sinnvoll, um ein höheres Gewicht abzufangen, sie fixieren das Headset besser und es kann nicht herausfallen. Einige setzen zusätzlich oder alternativ auf Gummilaschen, die sich in der Ohrmuschel verhaken. Das ist zwar eine Hilfe, aber je nach Ohrgröße und Headset ein Geduldsspiel. Man muss viel probieren, um die beste Passform für sich zu finden. Das gilt auch für die Ohrstücke, deren Wechsel nicht immer einfach ist. Die günstigen Musik-Headsets sind keine Meister in Sachen Sprachqualität, hier punkten klar die großen Hersteller mit ihrer jahrelangen Erfahrung und den Patenten zur Sprachoptimierung. Trotzdem kann der Verzicht auf Geräuschreduktion durch digitale Signalprozessoren angenehm wirken und erst in Extremsituationen sorgen solche Techniken für einen besseren Klang. Leider begegnete mir noch kein Headset mit Geräuschreduktion, dass sowohl in leiser und lauter Umgebung eine gleichermaßen gute Sprachqualität bietet. Wohl aber hatte ich vor längerer Zeit in einem Podcast demonstriert, wie gut diese wirken kann, um die Stimme bei laufendem Staubsauger abgrenzen zu können.

Musikgenuss

Betrachtet man die monauralen Headsets, fällt spätestens bei der Musikwiedergabe ein im Präsenzbereich betonter Klang auf. Das liegt oft daran, dass der Grundsound auf Sprache und weniger auf Musik abgestimmt ist und trägt auch zu einer guten Verständlichkeit bei. Das kann man auch an Rezensionen gut erkennen, die monauralen Headsets oft einen mitten- oder hochtonlastigen Klang bei der Musikwiedergabe nachsagen. Ganz anders die günstigen Stereo-Headsets, deren Credo eine gute Musikwiedergabe ist und die Sprachverständlichkeit eher als Nebeneffekt gesehen werden sollte. Das gilt auch für Stereo-Kopfhörer, bei denen sich das Mikrofon seitlich in der Ohrmuschel befindet. Ein Problem wird dies allerdings häufig erst in besonders unruhiger Umgebung oder dann, wenn man leise spricht. Hier gelten physikalische Grundsätze: Desto weiter weg das Mikrofon vom Mund ist, umso weniger Schall erreicht es. Spreche ich leise, wird dieser Effekt naturgemäß verschlimmert. Will man gut Musik hören (nicht audiophil), sind viele der günstigen Headsets daher die bessere Wahl. Die wenigsten Modelle unterstützen HD Voice, sind aber trotzdem mit aktuellen Bluetooth-Chips mit aptX ausgestattet. Dies darf man allerdings auch nicht überbewerten, da die nachgeschaltete Elektronik auch nicht präzise genug ist, um diesen Klangvorteil wirklich klar herausstellen zu können. Wer ohnehin Streaming und Podcasts hört, muss auf aptX nicht zwingend achten. Dennoch ist der Klang natürlich das Hauptkriterium, aber genauso auch die Passform. Dabei drückt der Preis nur selten die Qualität aus, auch von angeblichen Preisempfehlungen darf man sich nicht täuschen lassen. So kommt es vor, dass ein Headset um 40 Euro baugleich mit einem um 25 Euro ist. Achtet bei Rezensionen mehr darauf, ob die Nutzer mit dem Sitz zufrieden sind, als auf Klangbeschreibungen. Hier ist stets unklar, welche Erfahrung die Nutzer mitbringen und der Geschmack ist schließlich verschieden. Von den Headsets, die ich zum Test erhielt, waren es nur ganz wenige, die wirklich mit Abstand schlecht klingen. Eigenrauschen und Störgeräusche der Elektronik sind da eher ein Problem, diese treten auch bei Headsets mit gutem Klang auf.

Weitere Kriterien

Neben Klang und Passform, sowie der Bluetooth-Version, ist auch die Akkulaufzeit nicht zu vernachlässigen. So ein Headset sollte schon acht Stunden am Stück laufen, zumal der Ladevorgang auch zwei Stunden dauern kann. Moderne Bluetooth 4-Chips sind sehr sparsam und erlauben eine lange Standby-Zeit. Weiterhin macht es Sinn, wenn das Headset mit den Lautstärketasten das Telefon regelt und nicht eine eigene Lautstärkeregelung hat. In diesem Fall muss der Pegel am Telefon und Headset getrennt eingestellt werden. Beim iPhone und iPad wird der Akkustand im Status angezeigt, dies ist unter Android nur mit speziellen Apps möglich. Die Mediensteuerung mit AVRCP ist praktisch, dabei wird der Titelsprung durch entweder langen oder kurzen Druck der Lautstärketasten realisiert, langes Drücken für den Titelwechsel ist ergonomisch besser. Akustische Hinweise über den Zustand der Verbindung Mittels Sprachausgabe ist heute üblich, zumeist aber mit einer englischen Stimme. Einige bieten auch die Sprachsteuerung an, so dass man einen Anruf Mittels Sprache annehmen oder abweisen kann. Das ist vielleicht in manchen Situationen ganz nett, aber erscheint mir nicht als Killer-Feature. Sinnvoll ist viel mehr, ob der Klingelton über das Headset und somit auch die Sprachausgabe des Screenreaders übertragen wird oder ob das Headset einen eigenen Rufton nutzt. Dann nämlich bleiben Informationen über den Anrufer verborgen. Headsets mit vollständiger Sprachsynthese können das Telefonbuch auslesen und den Namen oder die übertragene Rufnummer ansagen, dieses Feature bieten aber nur die besseren Headsets an. Die Anordnung der Tasten kann problematisch sein, wenn man diese häufig braucht. Am Ohrteil übertragen sich die Betätigungen mitunter auf das Gehör, eine Kabelfernbedienung ist besser zu erreichen. Übrigens sind fast alle Headsets in der Regel schweißabweisend und teilweise spritzwassergeschützt. Das ist auch gut so, denn Ohrenschmalz – so eklig das klingt – bleibt bei diesen Dinger nicht aus. Unter fließend Wasser kann man die Silikonstopfen reinigen, auch ein Wattestäbchen ist hilfreich (nicht zu tief einführen, das kann die Membran beschädigen). Bei den spritzgeschützten Modellen kann auch das Reinigen unter fließend Wasser helfen.

Konkrete Modelle

Viele Headsets sind baugleich und ich durfte eine Vielzahl dieser Produkte testen. Alle haben ihre Stärken und Schwächen, das wirklich optimale Produkt ist mir noch nicht begegnet. Gut sitzende Headsets regeln nicht die Lautstärke des Smartphones und haben kein HD-Voice, ein Produkt mit guter Sprachübertragung sitzt nicht perfekt im Ohr. Das Nackenmodell sitzt gut, rauscht wenig, hat aber ebenso kein HD-Voice und einen geringeren Hochtonanteil und etwas überzeichnete Basswiedergabe. Dies wäre der Querschnitt der aktuellen Favoriten, die ich im Folgenden einzeln vorstellen möchte. Alle unten angegebenen Modelle sind schweißabweisend und bis zu einem bestimmten Grad spritzwassergeschützt.

  • QY7: Dieses Modell ist von vielen Anbietern erhältlich und ist schon etwas älter. Die Klangqualität bewegt sich auf gutem Niveau, preislich ist es mit unter 20 Euro sehr günstig. Über aptX verfügt es vermutlich nicht, aber mit Bluetooth 4.0 wird schon eine überarbeitete Audioversion angeboten. Lautstärke- und Anruftaste sitzen im rechten Ohrteil, das flache Verbindungskabel verknotet sich nicht.
  • QY8: Das Nachfolgemodell wurde überarbeitet, aptX, Sprachausgabe und Bluetooth 4.1 stehen zur Verfügung. Allerdings sind die Ohrteile etwas schwerer, das stört manche Nutzer. Der Sitz und Klang (auch die Hochtonauflösung) spielen in einem guten Bereich. HD-Voice bietet es ebenfalls nicht an, dafür ist wie beim QY7 das Eigenrauschen extrem niedrig. Die Lautstärke des Smartphones kann nicht gesteuert werden.
  • TaoTronics TT-BH09: Dieses Nackenmodell kommt inklusive Schutztasche, in welcher auch Zubehör Platz findet. Es sitzt durch das Nackenband sicher in den Ohren und drückt nicht, die Bedientasten befinden sich wie bei QY7 und QY8 am Ohrteil selbst. Auch die Bedienung mit drei Tasten ist bei diesen und den anderen Modellen ähnlich, Lautstärke, Titelsprung und Pause-Funktion sowie Wahlwiederholung stehen zur Verfügung. Die Spracherkennung lässt sich nicht immer zuverlässig aktivieren. Das TT-BH09 hat ein ausgeprägtes Bassfundament und untertreibt es etwas im Hochtonbereich. Das mag für Menschen mit Lust auf viele Bässe erfreulich wirken, für mich ist das aber etwas zu viel des Guten. Die Verarbeitung ist robust und vertrauenserweckend.
  • TaoTronics TT-BH11: Dieses Headset spielt technisch ganz vorne mit, es regelt die iPhone-Lautstärke, hat HD-Voice und Ohrbügel, selbst Siri lässt sich nutzen. Mikrofon und Steuerung sitzen in der Kabelfernbedienung des runden Kabels, in das auch eine Halteklemme eingearbeitet ist. Der Hersteller bewirbt Keramikanteile, diese sorgen offenbar dafür, dass der Hochtonbereich etwas besser durchgezeichnet wirkt als bei manch anderen. Nur leider hat es auch ein höheres Eigenrauschen, im rechten Ohrteil sind zudem Prozessorgeräusche zu hören – das stört aber nur bei leiser Musik. Es rutscht bei mir öfters aus den Ohren, weil die Ohrbügel sich öfters verdrehen. Die quadratische Form erinnert eher an Eiswürfel und macht ebenfalls einen sehr guten Eindruck.
  • Mixcder ZeroSport: Am Headset ist nicht viel auszusetzen, jedoch frage ich mich, wieso man sich einen solch unaussprechlichen Herstellernamen ausdenken kann. Das Ohrbügel-Headset bewegt sich klanglich im oberen Bereich, sitzt angenehm und überzeugt durch Funktionalität und Sprachausgabe. HD-Voice zählt auch nicht zu seinen Stärken, dafür ist es aber auch günstig. Von diesem Hersteller gibt es ebenfalls mehrere Produkte im Angebot, die sich hauptsächlich durch Design und Trageform unterscheiden.
  • Mpow Cheetah: Ein gutes Bluetooth-Headset, das dem TT-BH09 recht ähnlich ist und somit auch einen guten Klang und Tragekomfort hat. Allerdings wirkt die Materialanmutung nicht ganz so hochwertig, eine Transporttasche ist nicht im Lieferumfang enthalten. Die Tasten sitzen entsprechend im Ohrteil.
  • Mpow Wolverine: Ein günstiges Headset unter 20 Euro, erinnert an das QY7 mit neuerem Chip. Der Klang ist zwar recht mittenlastig, dafür sieht es mit den Metallapplikationen edel aus und ist zudem sehr günstig. Die Kabelfernbedienung erlaubt eine gute Steuerung, Bluetooth 4.1 ist auch mit an Bord. Auch Mpow bietet eine Vielzahl weiterer Headsets an.
  • Etekcity S1: Dieses erinnert von Gewicht und Optik an das Mpow Wolverine, sitzt bei mir aber auf Anhieb am besten. Es verrutscht nicht und auch der Klang ist sehr rauscharm und ausgewogen, der Hochtonanteil ist zumindest zu diesem Preis gut. Trotz Bluetooth 4.1 ist es technisch auf der Höhe des QY8, also kein HD-Voice und auch die Lautstärkesteuerung regelt nicht die iPhone-Lautstärke. Es hätte meine erste Wahl sein können, wären da nicht diese softwareseitigen Abstriche. Mit etwa 25 Euro zählt es schon zu den teureren, das ist es gesehen am Klang und Verarbeitung auch wert. Auch hier gehört eine Transporttasche und ein dickes Handbuch zum Lieferumfang. Während die meisten extrem kurze USB-Ladekabel mitbringen befindet sich hier sogar ein längeres im Lieferumfang.

Wie Euch sicher auffällt, gibt es Trotz der Ähnlichkeiten auch einige gravierende Unterschiede. Wie erwähnt ist mir das Optimum abseits der Apple AirPods noch nicht begegnet, auch wenn das S1 sehr nahe dran kommt. Das TT-BH11 von TaoTronics ist technisch und von der Verarbeitung sehr weit vorne, wäre da nicht der bei mir etwas problematische Sitz und das Eigenrauschen. Das QY8 war mein Favorit, das TT-BH09 wäre vom Sitz auch bei mir perfekt. Hier allerdings stört mich das leicht muffige Klangbild. Ich bin auf künftige Versionen gespannt, denn es gibt sicher noch manches an der Produktpflege zu tun.

Fazit

Viele sind sich ähnlich, unterscheiden sich aber doch geringfügig. Tragekomfort, Klangqualität und Ausstattung weichen geringfügig voneinander ab, auch die Bluetooth-Version. Das richtige Headset zu finden ist leider auch deshalb schwierig, weil sie zurecht als Hygieneartikel vom Umtausch ausgeschlossen sind. Rezensionen sind je nach Glaubwürdigkeit auch nicht immer ein Indikator, dem man vertrauen kann. Ein geringer Preis minimiert das Risiko und so muss man sie leider als zum Teil sehr gute Wegwerfartikel sehen. Ob die Silikonstopfen hautverträglich sind und keine schädlichen Weichmacher enthalten, kann der Endverbraucher kaum beurteilen und so bleibt zumindest bei unbekannten Herstellern aus China ein Restrisiko bestehen.

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