Olympus DM-770, der neue Sprachrekorder

Was unterscheidet einen Audio- von einem Sprachrekorder? Nicht viel, außer dass man mit letzterem vermutlich mehr Sprache aufnehmen wird. Zumindest ist das die Theorie, denn Olympus zeigt seit Jahren mit der DM-Serie, dass man beides sehr gut kombinieren kann. Der neue DM-770, den wir in einigen Wochen auch im Podcast vorstellen werden, weicht von dieser Linie etwas ab und ist so ganz anders als alle anderen DM-Modelle. Ihm steht als günstiger Vertreter der DM-720 zur Seite, der in Funktion und Lieferumfang abgespeckt ist. Wo genau die Unterschiede liegen, erfahrt Ihr demnächst auf audiotranskription.de. David Georgi berät für Olympus und steht vor Allem blinden und sehbehinderten Nutzern bei allen Fragen zur Seite, dort könnt Ihr das Gerät natürlich auch erwerben.

Der DM-770 ist so etwas wie eine einfache “akustische Digitalkamera”. Es wurden eine Reihe Funktionen weggelassen, so dass faktisch keine Aufnahme misslingen kann. Selbst wenn man sich die Sprachführung im Menü versehentlich ausschaltet, lässt sich diese auf Tastendruck wieder aktivieren. “Voice Guidance Advance” nennt Olympus die erweiterten Sprachfunktionen, die deutlich mehr akustische Rückmeldungen geben als zuvor. So werden nicht nur Aufnahmedatum und -Uhrzeit angesagt, sondern auch Hilfetexte zu den meisten Menüs unaufgefordert gesprochen. Auf eine manuelle Aussteuerung wurde verzichtet, die Aufnahmesituationen sind, wie die Motivprogramme bei Digitalkameras, direkt vorne im Menü anzutreffen. Auch wurde die Anordnung vieler Menüeinträge umgestaltet und essenzielle Punkte nach oben verlagert. Das Einstellungs-Menü wurde reduziert, selbst die Geräteversion und Seriennummer werden vorgelesen.

Beim DM-770 handelt es sich nicht um einen neuen DM-7, der gemeinsam mit dem DM-5 eine Text-to-Speech-Funktion anbietet und so auch Dateinamen vorlesen kann. Denn das kann der DM-770 nicht und orientiert sich optisch und farblich am LS-P1 bzw. LS-P2. Das tut er auch preislich, genau wie der LS-P2 liegt er bei um 199 Euro. Dies scheint im ersten Moment hoch zu sein, wenn man vernachlässigt, dass der DM-770 bereits mit einer Armada an Zubehör daherkommt, wie Trageschlaufe, Bereitschaftstasche, USB-Verlängerungskabel und Sonority-Software. Letztere ist zu vernachlässigen, da sie für blinde Menschen nicht wirklich gut bedienbar ist. Berücksichtigt man weiterhin, dass der DM-770 eine bestimmte Zielgruppe avisiert, die sich nicht für andere Rekorder entscheiden würde, ist das auch absolut angemessen. Wer mehr möchte, greift ohnehin zum DM-7 oder LS-P2.

Auch vom Gehäuse steht er dem LS-P2 in nichts nach, ein Metallchassis mit gut fühlbaren Tasten und angenehmem Druckpunkt. Einzig die Navigationstaste in der Mitte ist rund und subjektiv sogar noch schöner ausgeführt. Die parallel ausgerichteten Mikrofonkapseln erinnern von der Anordnung an den DM-670. Neu sind hier zwei Kerben, die das Besprechen von der Vorderseite erlauben. Die Aufnahmequalität orientiert sich am Gewohnten, er ist nach meiner Ansicht nach aber weniger windempfindlich als der LS-P2. Olympus bietet den optionalen Windschutz WJ-2 an, mit dem sich das Verhalten bei stärkeren Lüftchen noch verbessern lässt. Der wohl markanteste Unterschied ist die Menüführung, in den Audioeinstellungen stößt man direkt auf die Aufnahmesituationen. Unter dem Punkt “Manuell” lassen sich dann, wie bei einer frei belegbaren Einstellung, Präferenzen festlegen und abrufen. Die automatische Aussteuerung hat Olympus, genau wie die Zoom-Einstellungen, für das Mikrofon deutlich verbessert, davon profitiert auch der LS-P2 bereits. Im Direktvergleich habe ich den Eindruck, dass sich der DM-770 von der klanglichen Abstimmung eher am DM-670 orientiert, das trifft auch den angesprochenen Kundenkreis. Denn auch wenn der DM-770 natürlich auch gut für Musikaufnahmen verwendet werden kann, liegt seine Hauptanwendung klar im Bereich Diktieren. Und das wird auch an der Ordnerstruktur deutlich, so gibt es nur den Recorder- mit fünf Unterordnern. Wer Hörbücher hören möchte, muss diese also in den Ordner A bis E kopieren, Unterordner werden ignoriert. Das kann für geübte Nutzer von Audiorekordern ungewöhnlich sein, genau wie der Umstand, dass die Micro-SD-Karte nach dem Einstecken direkt genutzt wird. Will man den 8 GB großen internen Speicher verwenden, muss man die Speicherkarte (max. 32 GB) wieder entfernen, eine Umschaltfunktion im Menü gibt es dafür derzeit nicht.

Mit dem DM-770 spricht Olympus eine Zielgruppe an, die sowohl Wert auf einfachste Handhabung, als auch auf gute Aufnahmequalität legt. Das ist mit dem DM-770 gelungen, der nur das an Funktionen anbietet, was gebraucht wird und auch wichtig ist. Manuelle Aussteuerung und erweiterte Bearbeitungsfunktionen sucht man vergebens. Der Preis ist angesichts der gebotenen Leistung attraktiv, hier ist die erweiterte Sprachführung mit integrierten Hilfstexten und das Zubehör zu erwähnen. Mechanisch steht er dem LS-P2 jedenfalls in nichts nach. Wie er funktioniert, erfahrt Ihr im dazu erscheinenden Podcast und im angefügten Video. Der Olympus DM-770 ist ab Herbst 2016 erhältlich.

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