Krups Nespresso VertuoPlus XN9031, ein Test ohne Test

Letzte Aktualisierung am 18. August 2019

Seit über 30 Jahren gibt es schon Kapselmaschinen, vorne weg Nespresso aus der Schweiz. Das Unternehmen hat allerdings ein Problem, denn nicht nur die Konkurrenz drängt auf dem Markt, sondern auch das Umweltbewusstsein nimmt zu und viele kaufen vermehrt Nachahmerprodukte. Das ist bei den Preisen von über 50 Cent pro Tasse nicht verwunderlich, Aluminiumkapseln sind für die Umwelt zudem auch nicht gut und erhitztes Aluminium birgt außerdem Gesundheitsgefahren. Ganz unabhängig davon, dass der Geschmack von Nespresso großartig ist, die Handhabung extrem einfach und die Kapseln vergleichsweise wenig Müll erzeugen, als wollte man mit Tassimo einen Milchkaffee zubereiten. Dieses System, ursprünglich von Braun und später an Bosch verkauft, kenne ich aus der Praxis gut, Nespresso allerdings auch. So hat die Maschine von Krups neben dem elektronischen Öffner und Schließer nur eine einzige Bedientaste, selbst ein mechanischer Einschalter fehlt. Krups ist übrigens einer von Lizenznehmern, die Nespressomaschinen herstellen dürfen. So gibt es die VertuoPlus auch von DeLonghi, die sich in Technik und Funktion kaum unterscheiden dürfte. Die Modellnamen folgen dabei dem entsprechenden Nespresso-Design, wie PIXiE, Inissia oder Essenza Mini, diese kleinen Maschinen findet man auch häufig in Hotelzimmern.

Bei eBay machte ich nun einen günstigen Schnapper einer Krups VertuoPlus, da konnte ich nicht widerstehen und mein Umweltbewusstsein wollte es so, dass ich mir zugleich biologische Kapseln von My-CoffeeCup gekauft habe. In der Rolle als Konsument recherchiere ich natürlich auch weniger als in meiner journalistischen Eigenschaft und nahm die Maschine in Betrieb. Nicht wissend, auf was für einen Geniestreich ich mich eingelassen habe. Klar hätte ich jetzt das Probierpaket bestellen können, das einigen Maschinen beiliegt, dies kennt man auch von Tassimo. Ich wollte jedoch etwas anderes und so wurde es eine DeLonghi PIXiE EN 125.S Diese hat auch einen mechanischen Ausschalter, der auch bei der automatischen Abschaltung betätigt wird und sie daher vollständig vom Netz trennt. Das bietet nicht jede Maschine und ist auch vom Sicherheitsaspekt ein Vorteil. Aber weil man derzeit das Vertuo-System in den Markt drücken will, ist diese Maschine mit rund 99 Euro relativ teuer. Aktuell bekommt man einen Gutschein für 100 Kapseln gratis, was den Kaufpreis deutlich relativiert.

Nespresso und Vertuo, zwei verschiedene Kapselsysteme

Das große Problem ist die Inkompatibilität zwischen dem alten Nespresso-System und den neuen Vertuo-Kapseln mit größerer Füllmenge. Dass man im Jahre 2018 das neue System eingeführt hat, liegt vermutlich auch am stetigen Rückgang der Verkaufszahlen. Längst konsumieren die Kunden nicht nur Nespresso, sondern auch Kapseln vom Discounter, Jacobs oder Dallmeier, die zum Teil günstiger sind. Viele meinen, das Original sei geschmacklich besser, was ich mir jedoch nicht vorstellen kann, denn beispielsweise schmeckt der nachhaltige Kaffee von My-Cups auch sehr gut. Weiterhin gibt es sogar nachfüllbare Kapseln aus Edelstahl, die inzwischen auch für das Vertuo-System erhältlich sind. Nebenbei deutet übrigens schon der Name darauf hin, dass Nespresso zum Schweizer Nestlé-Konzern gehört und es mit Nescafé Dolce Gusto ein zweites Kapselsystem des Herstellers gibt. Das Besondere bei den Kapseln von My-Cups, welche auch für Dolce Gusto erhältlich sind und sich in My-CoffeeCup und My-TeeCup aufteilen, ist die vollständige Kompostierbarkeit. Nach 180 Tagen sind die Kapseln laut Hersteller aufgelöst, eine Nespresso-Kapsel aus Aluminium kann 200 Jahre überdauern.

Das ursprüngliche Marketing von Nespresso orientierte sich an Espressotrinker, mit Lungo wird eine große Tasse von rund 120 Millilitern bezeichnet. Dies hat sich mit Vertuo nun geändert, so dass auch große Mengen mit 250 Millilitern befüllt werden können. Dabei verhilft die Zentrifugalkraft, Nespresso nennt das Centrifusion, den Kaffee besser mit dem Wasser zu binden, rund 7.000 Umdrehungen schafft die Maschine. Der Clou und zugleich das Problem: Die Kapseln arbeiten mit einem seitlichen Strichcode, der Füllmenge und Wasserdruck entsprechend reguliert, so dass jede Tasse auch gut schmeckt. Das bestätigen viele Tester in Rezensionen, Mangels passender Kapsel war mir ein Nachweis jedoch nicht möglich. Kompatibel sind kleinere Nespresso-Kapseln wie erwähnt nicht, so dass die Biokapsel freundlich mit einem roten Blinken abgelehnt wurde. Dabei ist auch das Handbuch wenig auskunftsfreudig, dass man jetzt nicht das erhält, was man mit Nespresso eigentlich verbindet. Das Ganze ist vielleicht auch gar nicht mal so innovativ, denn Strichcode und rotierende Kapseln sind auch zentrales Merkmal des Tassimo-Systems.

Was praktisch klingt, lässt mich aufhorchen, denn so ein Ident-Code ist eine hervorragende Methode, echte von nachgemachten Kapseln zu unterscheiden. Ob das immer so sein wird, bleibt abzuwarten, jedenfalls hatte ich etwas anderes gesucht, denn auch mein Plan war es, nicht stets originale Kapseln einzusetzen. Dabei macht die zweifarbige Maschine von ihrer Verarbeitung trotz reinem Kunststoff einen sehr ordentlichen Eindruck, der Wassertank fasst 1,1 Liter und ist schwenkbar, so dass er seitlich links oder rechts positioniert werden kann. Der elektronische Öffnungsmechanismus erinnert an einen CD-Player, der rückseitige, magnetisch haftende Restmüllbehälter ist ebenfalls einfach zu leeren. Bei der Selbstreinigung zeigt sich eine leise Pumpe, die von der Zentrifuge übertönt wird, , die Tassenabstellung lässt sich auf vier Höhen einhängen oder ganz weglassen. Dass die unverbindliche Preisempfehlung von 199 Euro selbst im Nespresso-Shop nicht eingehalten wird und man im Durchschnitt um 100 Euro zahlt, lässt auf einen geringeren Wert der Maschine schließen und das ist ein Punkt, der mir nicht sonderlich gefällt. Die edel anmutende Verpackung kann mich da auch nicht wirklich überzeugen.

Vor- und Nachteile der Kaffeepatrone

Unweigerlich erinnert das System an Tintenstrahldrucker, obgleich es schon Vorteile für Originaltinte gibt. Nicht selten habe ich im Kundenkreis Drucker vorzeitig enden sehen, die über lange Zeit mit Nachfüllpatronen genutzt wurden. Was dann im engen Schlauchsystem passiert, ist einfaches Verkleben und der Druck wird schwächer oder bleibt aus. Kapselmaschinen sind anders aufgebaut, sie lassen Kaffee je Tasse durch den Auslauf, der sich reinigen lässt, auch wird selten etwas vermischt. Tatsächlich gäbe es wenig nachvollziehbare Gründe, bis auf die Qualität, dass nicht originaler Kaffee schlechter sein könnte. Mir reicht das aber nicht aus, denn die Kosten und Flexibilität von Kapselmaschinen unterliegen dem Kaffeevollautomaten. Sicher würde es einige Zeit dauern, bis man dem hohen Preis etwas durch Kapseln entgegen gesetzt hat, aber bis dahin muss man erst einmal wissen, welchen Kaffee man bevorzugt. Für manche Systeme gibt es Nachfüllkapseln, das kann möglicherweise eine Alternative sein und die Kosten bei Kapselmaschinen senken.

Was beim Vertuo-System als Vorteil herausgestellt wird, nämlich die verschiedenen Tassengrößen, ist zugleich auch ein Nachteil. So muss ich für jede Tassengröße ebenfalls die passende Kapsel vorhalten, während ich am Espressoautomaten einfach die Füllmenge reguliere. Dabei bietet Nespresso den Vorteil, dass sich jeder seinen individuellen Kaffee zubereiten kann, ohne dass man das ganze Bohnenfach ausleeren muss. Wer jedoch viel Kaffee trinkt, legt in jedem Fall mit einer Kapselmaschine drauf, das gilt auch für den Müll beim täglichen Familienfrühstück.

Fazit

Persönlich mag ich den Nespressoo-Geschmack und war nun soweit, das System in der Praxis zu testen. Die gelieferte Maschine ist qualitativ auch wunderbar, obgleich ich sie nie für 199 Euro gekauft hätte. Was mich allerdings gewaltig stört ist die fehlende Abwärtskompatibilität, was technisch sicher begründbar ist, noch mehr aber der Laser zur Erkennung der Kapsel. Sorry, aber als denkender Verbraucher vermute ich, was man damit im Schilde führt und ziehe dann lieber gleich die Notbremse. Die Zeiten, in denen sich Nutzer vermehrt abhängig von Großkonzernen machen, ist zwar nicht vorbei, aber freiheitsliebend kann ich gewisse Einschränkungen vorab vermeiden. Jetzt habe ich die PIXiE, aber die Biokapseln lassen sich auch öffnen und in das Pulverfach der Espressomaschine einfüllen. Grundsätzlich kann ich vom Kauf weder zu- noch abraten, denn das System ist leicht zu handhaben und die Maschine macht einen sehr guten Eindruck. Schlussendlich sind es die individuellen Anforderungen, die für oder gegen eine Entscheidung sprechen. Im Büro sind Kapselmaschinen generell ein Vorteil, auch was die Reinigung betrifft. Zuhause allerdings ist die Frage, wie viele Personen die Maschine nutzen und wie viel Kaffee getrunken wird. Bei drei Tassen original Nespresso pro Tag sind das jeweils 1,50 Euro. My-Cups und das alte Nespresso-System sind für mich ein sehr gutes Gespann, unter my-cups.de bekommt man auch Pakete inklusive der Krups Essenza Mini. Dabei kostet eine Tasse Tee oder Kaffee, wobei Nespresso selbst kein Tee anbietet, mit rund 35 Cent vergleichsweise wenig.

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