Mackie HM-4, HM-400 und HM-800, Kopfhörerverstärker im Test

Der Traditionshersteller Mackie hat vor längerer Zeit schon sein Produktportfolio ausgebaut und auf der NAMM 2018 vorgestellt, ich berichtete. Während ich das gesamte Line-Up schon auf dem Tisch hatte, folgen jetzt die Kopfhörerverstärker der HM-Serie. Dabei ist der HM-4 ein günstiges und portables Gerät für vier Kopfhörer, HM-400 und HM-800 passen in ein Rack und benötigen je eine Höheneinheit. Dabei unterscheidet sich die Ausstattung, so dass für jede Anwendung etwas dabei ist, notfalls lassen sich HM-400 und HM-800 auch kaskadieren. Warum das mitunter Sinn macht, erfahrt Ihr in diesem Artikel. Die Abkürzung HM steht übrigens für Headphone Monitor und ist eigentlich selbsterklärend.

Klar sollte sein, dass sich diese Geräte an den professionellen Bereich und nicht an HiFi-Enthusiasten richten. Von daher steht die Ergonomie im Vordergrund, das anliegende Signal wird nahezu unverändert verstärkt und an die Kopfhörer durchgereicht, damit den Bandkollegen im Proberaum nicht die Ohren abfallen oder man sich beim Recording selbst mithören kann. Auch fürs Podcasting eignet sich beispielsweise der HM-4, wenn mehrere Interviewpartner die Show und Einspieler mithören sollen.

Allgemeines zur HM-Serie

Mir liegen die Modelle HM-4 und HM-800 vor, der HM-400 dürfte weitgehend dem HM-800 entsprechen. Er bietet im Gegensatz zum größeren Modell zwar nur vier Kopfhörerausgänge, dafür aber mehr Einstellmöglichkeiten. Vermutlich war es Mackie wichtig, beide Modelle als eine Höheneinheit im gleichen Gehäuse anzubieten, bei acht Ausgängen mit acht eigenen Operationsverstärkern ist im Inneren auch weniger Platz vorhanden. Für die Geräte gilt, dass sie solide verarbeitet und ansprechend verpackt sind, eine Anleitung und Netzkabel (externes Netzteil beim HM-4) gehören zum Lieferumfang. Alle Ein- und Ausgänge sind als große Klinke mit 6,35 mm Durchmesser ausgeführt. Wichtig bei Kopfhörerverstärkern dieser Art ist, dass jeder seinen eigenen Hörer individuell einstellen kann, von daher wird jeder Ausgang separat geregelt.

Mackie HM-4

Mackie HM-4

Der kleinste Vertreter ist richtig kompakt, gerade einmal 200 Gramm wiegt er und ist 10,9 cm breit, 5,8 cm tief und 5,1 cm hoch, dabei werden die nach Oben herausstehenden Drehregler mitgerechnet. Das ist auch etwas der Schwachpunkt, einfach in eine Kabelkiste würde ich ihn nicht unbedingt werfen. Das leichte Schaltnetzteil kenne ich von anderen Gelegenheiten, es ist solide und auch schmal genug, dass es in der Steckerleiste nicht dick aufträgt. Über vier zumindest ausreichend solide Drehregler wird das Ausgangssignal für jeden Kopfhörer geregelt, eine blaue LED signalisiert die anliegende Stromversorgung und auf einen Netzschalter muss man verzichten. An der Drehknopfnase kann man gut die Position erfühlen und alle Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite. Das kann bei vier Kopfhörern schon für Kabelgewirr sorgen und die vier Gummifüße verhelfen nicht ganz zu einem sicheren Stand. Die Buchsen sind zwar solide auf der Platine befestigt, aber bei Vollanschluss sollte man dennoch für eine ausreichende Zugentlastung sorgen. Besonders dicke Vollmetallstecker könnten hier problematisch sein, zumal die Buchsen auch recht eng beieinanderliegen. Im Normalfall wird man wohl keine mächtigen Magnetostaten anschließen, das wäre den kleinen Operationsverstärkern auch zu viel. Die Drehregler schleifen in Teilen, was ich bei dem niedrigen Preis tolerieren kann. Die Bauform ist mir übrigens nicht unbekannt, so bietet Thomann unter der Hausmarke Millennium ein ähnliches Gerät an, welches jedoch von der Verarbeitung nicht mit dem HM-4 mithält, die griffigeren Drehregler und nicht zuletzt die Optik sprechen klar für den Mackie.

Mackie HM-4 im Betrieb

Klanglich bietet der HM-4 eine solide Qualität, die Regelwiderstände wurden nach dem Operationsverstärker eingebaut. Das ist auch gut so, denn bei hoher Lautstärke ist ein Eigenrauschen vernehmbar. Dies ist allerdings nicht störend, weil das Signal eines anliegenden Kopfhörerausgangs auf Maximum gedreht werden kann und einem dann ohnehin schon bei der Hälfte die Ohren abfallen würden. Weiterhin ist zu bedenken, dass auch das Eigenrauschen des Quellsignals mitverstärkt wird. Da fällt eher auf, dass die anderen Ausgänge übersprechen und dies abhängig von der Impedanz der angeschlossenen Kopfhörer. Diesen Effekt hört man auf jedem abgedrehten Kanal und scheint je nach Impedanz des anderen Kopfhörers unterschiedlich stark zu sein, vermutlich erfolgt dieses Übersprechen durch die gemeinsame Masse. Da jedoch alle Kopfhörer das gleiche Signal erhalten, stört auch dies nicht wirklich. Dafür ist der Klang selbst ausgewogen mit einem leichten Abfall bei tiefen Frequenzen oder perspektivisch etwas mehr Hochtonanteil. Zum Test wählte ich den Kopfhörer Mackie MC-250 und di In-Ears MP-240 sowie den AKG K812, die sich alle in ihrer Form und Leistungsklasse unterscheiden. Immerhin klingt das anliegende Signal an allen Kopfhörern ausreichend gut. Beim aktuellen Preis von 39 Euro kann man wirklich nicht meckern.

Mackie HM-800

Mackie HM-800

Deutlich wuchtiger kommt der große Kopfhörerverstärker daher und lässt sich in ein Rack einbauen. Dabei wirkt die Rückseite zunächst mit Anschlüssen überfrachtet, denn hier gibt es ganze 24 Klinkenbuchsen. Diese sind alle solide mit dem Gehäuse verschraubt. und entlasten dadurch die Hauptplatine. Die rastenden Drehregler sind zwar griffig und lassen sich gut bedienen, jedoch haben sie zum Teil etwas spiel. Die Drucktasten wirken dafür hochwertig und solide verarbeitet, das bin ich von Mackie so gewohnt.

Mackie HM-800 im Betrieb

Betrachten wir zunächst die Frontseite des Mackie HM-800. Links befinden sich die beiden Main-Regler für die Haupteingänge, ein Levelmeter je Eingang zeigt die Signalintensität mit acht Leuchtdioden an. Sechs leuchten grün, 0 dB gelb und Übersteuerungen werden rot gekennzeichnet. Diese LED-Kette findet sich auch an jeder der acht Kopfhörersektionen, hier allerdings zeigt diese die Ausgangslautstärke an und der Toningenieur sieht sofort, ob ein Kopfhörer zu laut eingestellt ist. Je Sektion gibt es neben dem Lautstärkeregler zwei Tasten. Die eine schaltet konsequent das Signal auf Mono um, die andere wählt den ersten oder zweiten Eingang. Die gedrückten Tasten werden durch LEDs angezeigt, gut für dunkle Arbeitsumgebungen. Ganz rechts findet sich noch der Netzschalter mit zugehöriger Power-LED.

Mackie HM-800 Rückseite

Auf der Rückseite geht es von links nach rechts mit der Kaltgerätebuchse und zugehöriger Feinsicherung los. Während für den Convenience-Konsumenten alles fernbedienbar sein muss und die Geräte daher alle einen Standby-Modus haben, erfreut mich immer wieder, dass man Studiogeräte einfach abschaltet und sie keine Energie aus dem Netz mehr ziehen. Als Weiteres folgen zwei Reihen mit Klinkenbuchsen. Hier lassen sich ergänzend acht weitere Kopfhörer anschließen, so dass man sogar insgesamt 16 betreiben könnte. Diese Buchsen sind mit den frontseitigen parallel geschaltet und entsprechend geregelt. Die zweite Reihe bietet acht zusätzliche Aux-Eingänge. Schließt man hier einen Stereo-Klinkenstecker an, wird der zugehörige Kopfhörer nur mit diesem Signal unabhängig vom gewählten Eingang bespielt. Das erhöht den Einsatz, denn so lassen sich je nach Anwendung bestimmte Kanäle mit alternativen Signalen versorgen. Vielleicht hätte man frontseitig drei statt zwei Wahlmöglichkeiten anbieten können, denn im Rack wird man die rückseitige Verkabelung so schnell nicht verändern. Rechts daneben befinden sich die vier Ausgangsbuchsen, jeweils links und rechts pro Kanal, sowie die zugehörigen Eingangsbuchsen. Damit lässt sich der HM-800 auch zwischen Audio-Interface und Studiomonitore anschließen, wobei das ungeregelte Signal auch bei ausgeschaltetem Gerät durchgereicht wird, hier hat man mitgedacht. Weil die acht Verstärker unabhängig voneinander arbeiten, gibt es hier kein Übersprechen wie beim HM-4.

Klanglich spielt der HM-800 auf einem hohen Niveau, die Regelwiderstände wurden auch hier nach der Verstärkung eingesetzt und dadurch wird bei geringen Pegeln das Rauschen minimiert. Bei maximaler Einstellung bleibt dies absolut im Rahmen, zumal der HM-800 auch Line-Pegel mit den Vorverstärkern ausreichend anhebt. Dafür sind die Aux-Eingänge leiser, denn diese durchlaufen nicht die Vorverstärkersektion. Alles in Allem ist der HM-800 ein durchdachter und vielseitiger Kopfhörerverstärker, dessen Preis von 199 Euro mehr als angemessen ist.

Mackie HM-400

Mackie HM-400

Rund 50 Euro günstiger ist der kleine Bruder des HM-800, der vier Ausgangskanäle anbietet und einen Stereo-Klinkeneingang auf dem Frontpanel. Den jeweiligen Kopfhörerausgängen steht ein dreibandiger Equalizer und ein Balance-Regler zur Verfügung, auch lassen sich rückseitig neben dem Aux-Weg gleich zwei weitere Kopfhörer je Kanal anschließen, so dass insgesamt 12 Kopfhörer bedient werden können.

Mackie HM-400 Rückseite

Dafür gibt es hier nur einen symmetrischen Klinkeneingang mit zwei Mono-Buchsen, der ebenfalls an Studiomonitore weitergereicht werden kann. Optisch scheinen die Regler und Taster identisch zu sein, so dass davon auszugehen ist, dass er sich ebenfalls keine Blöße gibt. Die Klangregelung je Kanal ist nicht nur für unterschiedliche Kopfhörer interessant, sondern auch für verschiedene Anwendungsbereiche. Während der Keyboarder oder Gitarrist sein Spiel neutral mithören möchte, will der Sänger vielleicht etwas mehr Präsenz hören. Da verwundert fast ein Wenig der günstigere Preis, zumal die Ausstattung an sich keine Wünsche offen lässt. Anstatt des HM-800 wären zwei kaskadierte HM-400 möglicherweise ein effizienteres Gespann.

Fazit

Alles in Allem hat Mackie das Line-Up seiner Kopfhörerverstärker HM-4, HM-400 und HM-800 gut aufgestellt. Alle drei sind ihren Preis wert und decken verschiedene Einsatzbereiche ab. Für reine Sprachaufnahmen oder wenn man nur einen Ausgang auf vier Kopfhörer routen möchte, ist der HM-4 ausreichend. Der HM-800 und HM-400 spielen auch klanglich in einer höheren Liga und je nach Einsatzzweck bieten sie mal mehr, mal weniger. Der HM-400 mit insgesamt 12 Kopfhöreranschlüssen und Kanalregelung ist vielseitiger ausgestattet, der HM-800 kann dafür 16 Kopfhörer versorgen und bietet zwei symmetrische Eingänge auf der Rückseite. Mehr zu den Kopfhörerverstärkern findet Ihr auf der Produktseite bei Mackie.

Sei der Erste, der das kommentiert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.