Microsoft Office 2016 und die Sache mit der Zwangsregistrierung

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Im Büro habe ich längst auf OpenOffice und LibreOffice umgestellt, das reicht mir für meine Arbeit aus. Aktuelle Erfahrungen bei einem Kunden sind für mich sogar ein Grund, vor den Risiken und Nebenwirkungen aktueller Office-Versionen etwas zu warnen. Zumindest dann, wenn man sich, aus welchen Gründen auch immer, bewusst gegen ein Microsoft-Konto entscheidet und glaubt, eine “Boxed-Version” könnte die Alternative sein. Mit Nichten, wie sich leider in der Praxis zeigt, so ist die Zwangsregistrierung bei den meisten Office-Versionen ab 2013 unausweichlich. Dass der Support hier uneingeschränkt hilfreich wäre, kann ich nach meinen Erfahrungen leider nicht behaupten. Während mein erster Anruf und das Gespräch mit dem Mitarbeiter mit osteuropäischem Akzent an die Verhörtaktiken des kalten Krieges erinnerte, konnte ich erst im zweiten Anlauf tatsächlich Hilfe erhalten. Es sei vorausgeschickt, dass die Lösung nur mit einem Microsoft-Konto realisiert werden konnte.

Was war passiert?
Im Oktober 2015 erhielt eine Kundin von mir ein PC-System. Als Freiberuflerin benötigte sie zudem ein Microsoft Office 2016 Home&Business, dass als kleinstes Paket gewerblich genutzt werden darf. Sie hat es bewusst offline erworben, um die Registrierung bei Microsoft zu umgehen. Aus Gewohnheit war dies auch meine Empfehlung, weil ein Produkt-Key (COA) als Lizenz gilt und dieser auch die Nachinstallation erlaubt, falls dem Computer einmal etwas zustoßen sollte. Ich hatte allerdings falsch gedacht, denn Microsoft erzwingt bei Office 2016 die Online-anmeldung und entwertet dadurch den Produkt-Key. Konkret offenbarte sich diese Falle nach eineinhalb Jahren. Als ich ihren Rechner damals eingerichtet habe, verlangte Office tatsächlich auch das Anmelden an einem Microsoft-Konto. Weil das Abbrechen nicht zum Ziel führte, verwendete ich ein von mir nicht mehr genutztes Hotmail-Konto als Übergang, von dem ich mich direkt wieder abgemeldet habe und das auch inzwischen gelöscht wurde. Als ich aktuell bei einer Neuinstallation denselben Lizenzcode wiederverwenden wollte, erhielt ich die knappe Meldung, dieser Code sei mit einem Microsoft-Konto verknüpft und daher ungültig. Weder ein Hinweis, was nun zu tun sei, noch ein direkter Ansprechpartner wurde mir genannt. Erst die Suche in der Microsoft-Community offenbarte, dass ich bei Leibe nicht der einzige mit diesem Problem bin und der Microsoft-Support diese Kunden schnell abfertigte. Kritik unerwünscht, kauf halt eine neue Version. Diese kostet allerdings rund 200 Euro und die Motivation dahinter scheint offensichtlich, die Kunden in ein Abonnement von Office 365 zu zwingen. Ich möchte ein Abo nicht grundsätzlich kritisieren, auch lässt sich damit ohne Weiteres sogar Geld sparen. Dennoch muss akzeptiert werden, dass auch gute Gründe dagegen sprechen und diese sollte Microsoft akzeptieren.

Eine Ausnahme stellt übrigens Office 2016 Professional Plus dar. Diese Version steht nur Geschäftskunden zur Verfügung, Ausnahmen sind Privatpersonen im „Home Use Program“. Damit können Unternehmen und Behörden sehr günstig Office-Lizenzen für Mitarbeiter zur Verfügung stellen, die allerdings zum Einen nur privat genutzt werden dürfen, zum Anderen erlischt das Nutzungsrecht bei Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis. Diese Produkt-Keys werden nicht an Microsoft-Konten geknüpft und können bei Neuinstallation wie gewohnt über die Aktivierungs-Hotline 0800 2848283 erneut freigeschaltet werden. Zudem kann man sehr günstig bei eBay Lizenzen für Office 2016 Professional Plus erwerben, die allerdings zumeist nur einmal funktionieren. Im Prinzip eine Grauzone, denn die Quellen dieser Lizenzschlüssel sind nicht eindeutig. Unzulässig ist der Verkauf nicht generell, denn der Europäische Gerichtshof hat unmissverständlich erklärt, dass bereits genutzte Software und auch so genannte OEM-Versionen (gebunden an bestimmte Hardware) weiterverkauft werden darf. Mit dem Aktivierungszwang der Office-Pakete und auch Windows 10, die im Laden mit einem Aktivierungs-Code verkauft werden, verstößt Microsoft meiner Ansicht nach eindeutig gegen Europäisches Recht. Denn die Personenbindung eines im Geschäft erworbenen Software-Produkts macht nämlich auch das Weiterverkaufen unmöglich.

Lesen, Akzeptieren, aber bitte nicht mitdenken
Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. In der Verkaufsverpackung findet man auf der Product Key Card (PKC) vermerkt, dass man sich zu registrieren hat und alles später im Konto erledigt. Für den gewöhnlichen Anwender ist das einfach, zumal man direkt auf die Download-Seite geleitet wird und direkt loslegen kann. Ein ausdrücklicher Hinweis aber, dass im Gegenzug der Schlüssel nach einmaliger Verwendung entwertet und fest ans Konto verknüpft wird, hätte mir persönlich besser gefallen. Dann hätte ich nämlich die Kundin anders beraten und sie über die Risiken und Nebenwirkungen informiert. Ohne Entsiegeln kommt man im Übrigen nicht an diese Informationen und das macht die Rückgabe nach dem Ablehnen der Nutzungsbestimmungen kompliziert. Bei Windows 10 ist das nicht anders, die Nutzungsbedingungen werden nach dem initialen Einrichten angezeigt und erschweren bei neuen Computern ebenfalls die Rückgabe. Nachdem der Aktivierungs-Zwang bei Windows 8 auf große Kritik gestoßen ist, lässt man bei Windows 10 die lokale Anmeldung wieder zu, versteckt diese aber hinter einem kleinen Hinweis.

Microsoft erschwert dadurch wesentlich das Handeln von Computerdienstleistern, welche die für Kunden konfektionierten Maschinen ohne deren Anwesenheit vorbereiten sollen. Das ist inzwischen ohne eine Armada von persönlichen Daten, Kennwörtern und dem Abfragen, welche Datenschutzfunktionen überhaupt gewünscht werden, kaum möglich. Immerhin muss ich in ihrem Namen die Lizenzbestimmungen, die der Kunde nur schwer vor der Zustimmung einsehen kann, akzeptieren. Als Konsequenz mache ich in diesen Fällen für Gewöhnlich das, was den Konzernen aber nicht gefallen wird: Was nicht explizit sein muss, wird auch explizit nicht angegeben. Wer aktuell Windows erstmalig einrichtet, erlebt eine Überrumpelungs-Taktik von Cortana, die Microsoft bei mir als sehr unsympathisches Unternehmen darstellt. Es scheint geradewegs so, als dass man bewusst sehr viel erzählt und fragt, um den Endanwender zu irritieren. Das ist eigentlich ein Fall für den Verbraucherschutz und macht auch die Zusammenarbeit mit Freiberuflern schwierig, die als Geheimnisträger ihre Daten vor Dritten schützen müssen.

Dass sich diese Taktik am Kunden rächen kann, erlebe ich im Alltag häufiger. So kam jemand mit einem Smartphone und Tablet zu mir, die beide mit demselben Google-Konto eingerichtet wurden. Die auf dem Smartphone gespeicherten Fotos wähnte man als sicher und war doch ziemlich geschockt, dass das Kind uneingeschränkt am Tablet die automatisch verknüpfte Galerie betrachten konnte. Dem Anwender war nicht bewusst, dass jedes erstellte Foto direkt bei Google werkseitig gespeichert wird. Geht es um Datenschutz, liest man in Foren an dieser Stelle gerade von technisch versierten Nutzern Kommentare, dass das Verhalten dieser Anwender einfältig sei und sie doch wissen müssten, was ihre Geräte machen. Auch legt man Wert auf die Freiheit, Entscheidungen dem Nutzer zu überlassen. So einfach ist das aber nicht, weil nicht jeder über das notwendige Fachwissen verfügt.

Dass vieles nicht ohne Akzeptanz von Regeln und Datenangaben funktioniert, lähmt auch die Vorsicht. Man ist das ja gewohnt und passieren kann schließlich nicht viel. Zum Nachvollziehen ist ein Vergleich mit dem Autofahren sinnvoll. So lernt man in Fahrschulen natürlich auch Grundlagen des Fahrzeugs kennen. Wer allerdings die Fahrerlaubnis erteilt bekommt, ist kein ausgebildeter Kfz-Mechatroniker und lernt nicht, welche komplexen Daten in einem aktuellen Fahrzeug erfasst und genutzt werden. Heutige Computer und Smartphones sind komplex und man verschleiert die Absicht gerne hinter langen Texten, die auch nicht jeder inhaltlich versteht. Im Servicefall ist es für die Hersteller recht einfach, dem Kunden das Nichtlesen vorzuhalten, immerhin hätte das Verweigern die Nutzung nicht ermöglicht. Hier treffen zwei Interessen aufeinander. Der Servicemitarbeiter ist an Weisungen gebunden, der Kunde sieht eine für sich logische Selbstverständlichkeit als nicht erfüllt. Die fehlende Handlungsfähigkeit durch eingeschränkte Befugnisse macht es im Dialog nicht einfach, Probleme unbürokratisch zu lösen. Hier fallen die Weltkonzerne deutlich hinter kleineren Softwareanbietern zurück, die aufgrund einer übersichtlicheren Struktur flexibel handeln. Geht es um digitale Software-Stores, kehrt sich das Bild allerdings um, hier spielt die Kundenzufriedenheit auch bei Rückerstattungen eine wichtige Rolle. Dafür aber wird auch der Wettbewerb ausgehebelt, ein Microsoft Office hat im Gegensatz zum stationären Handel online stets denselben Preis.

Kreuzverhör
Die Begründung, warum sich Microsoft zum Kontozwang entschieden hat, verrät mir der freundliche Hotline-Mitarbeiter im zweiten Anruf und das wirkt fast schon wie ein schlechter Marketing-Trick. Viele Anwender haben sich darüber beschwert, dass ihre Produkt-Keys missbraucht wurden und die Software daher nicht aktivierbar sei. Dabei weiß ich aus Erfahrung, dass man durchaus mehrmals die Aktivierungs-Hotline im automatischen Modus zur Generierung eines Freischaltcodes bemühen kann. Lediglich die über eBay verschacherten Lizenzen erlauben meist nur einen Freischuss. Hier wäre es tatsächlich denkbar, dass dieselben Schlüssel mehrfach verjubelt werden, das geht natürlich nicht und irgendwann ist auch die Anzahl an Versuchen aufgebraucht. Meine Kritik war an dieser Stelle, dass allerdings auch Microsoft-Konten kompromittiert werden könnten und das Stehlen einer Online-Lizenz doch wesentlich effektiver sei, als wenn man seine Lizenzkarte zuhause an einem sicheren Ort verwahrt. Immerhin widerfuhr mir genau dies mit meinem Hotmail-Konto und Recherchen im Netz zeigten, dass ich hier bei Leibe nicht der einzige bin. So sind gesperrte Konten keine Seltenheit, weshalb man neuerdings auch die Zwei-Faktor-Authentifizierung erzwingt, sobald eine alternative E-Mail-Adresse oder Telefonnummer vorliegt. Was mir an der Microsoft-Hotline überhaupt nicht gefällt und was ich von Apple durchaus anders gewohnt bin ist die Tatsache, dass man sich stets als Bittsteller fühlt. Auch erreicht man selten direkt den Zuständigen Ansprechpartner, wird häufig weitervermittelt und nicht immer wirkt das auch selten fließend deutsch sprechende Personal kompetent. Immerhin hatte ich schon öfters das Vergnügen mit dieser Hotline und nie ein wirklich positives Gefühl, dass der Mitarbeiter mich ernst nimmt. Genau genommen fühlt es sich an, als riefe man bei einer Behörde an, die einem bewusst unterstellt, dass man den Anruf durch stetig richtiges Handeln hätte vermeiden können. Wie es richtig geht, zeigen Apple und Amazon. Hier wird zu Gunsten des Kunden entschieden, natürlich nur dann, wenn das Anliegen begründet ist. Freundlichkeit und der Wille, sich um das Anliegen zu kümmern, sind üblich und das vermisse ich bei Microsoft. Dies sind aber nur meine subjektiven Erfahrungen, die flächendeckend natürlich anders ausfallen können.

Hilfe im Unsinn des Kunden
“Sie haben einen Fehler gemacht”, erklärte mir der erste Support-Mitarbeiter, “und sie haben gelernt, dass sie diesen nicht wiederholen”, sachlich falsch. Ich habe gelernt, noch mehr denn je LibreOffice zu empfehlen und wer nicht sehbehindert ist, sollte sich zudem mit aktuellen Linux-Distributionen auseinandersetzen. Diese bringen mit Browser, Mailprogramm und Office alles Notwendige für den Alltag ohne Aktivierung oder Zwangsregistrierung mit. Wer sich fragt, wo denn das Problem liegt, weil Apple schließlich auch ein Benutzerkonto erfordert, muss hier zwischen etwas Grundlegendem unterscheiden. So ist es ein gravierender Unterschied, ob jemand privat oder beruflich einen Computer nutzt. Wer freiberuflich oder gewerblich tätig ist, verzichtet mitunter bewusst auf Online-Konten, auch um sich der sammelwütigen Softwareriesen zu entziehen. Während man sich bei Apple nicht gegen ein Konto entscheiden kann und dies bereits bei der Einrichtung lernt, verkauft Microsoft seine Pakete noch als Box und ohne Abo. Zurecht darf ein Kunde eines zeitlich unbefristeten Softwareprodukts erwarten, dass er dieses innerhalb der Richtlinien frei nutzen kann. Die Online-Aktivierung, so lange die Server bestehen, ist zwar unliebsam, beschränkt aber nicht den Nutzer. Eine Online-Registrierung hingegen schon, weil ihm die Option fehlt, auf die Dateneingabe zu verzichten. Anders ist es, wenn Software über den Store verkauft wird. Hier weiß ich bereits vor der Bestellung, dass ein Kaufvertrag ohne Konto nicht möglich ist. Schlimm finde ich, dass der ehrliche Anwender durch seinen Kauf dieses System noch finanziert und für diejenigen bezahlt, die sich ihre Software anderweitig organisieren. Im Microsoft-Store erst recht, denn hier liegen die Preise deutlich höher, als im freien Handel. Darüber hinaus bedient sich Microsoft weiterer Methoden, dem Kunden das erneute Aktivieren seiner alten Office-Version zu erschweren. Wählt man bei der telefonischen Aktivierung das Land aus, steht hier nicht selten, dass es die zugehörige Hotline nicht mehr gibt. Ruft man bei der oben im Text erwähnten Nummer an, ist allerdings das Reaktivieren problemlos möglich. Auch hier liegt die Vermutung nahe, dass es dem Kunden einfacher erscheinen soll, auf Office 365 umzusteigen. Für Nutzer von Office 2010 und älter macht dies mitunter Sinn. Geld sparen lässt sich übrigens auch hier, wenn man jährlich eine zum Produkt passende Box im Handel kauft und zudem auf Angebote achtet, denn ein bestehendes Abo lässt sich mit dem Code jährlich verlängern.

Fazit
Eigentlich möchte Microsoft die Softwarepiraterie und den Missbrauch von Lizenzen vermeiden und suggeriert dem Anwender eine nutzerfreundliche Alternative. In der Tat aber ist ein Computer kein Smartphone und wird nach wie vor anders genutzt, vor Allem im Geschäftsumfeld. Große Konzerne können allerdings mit zentralisierten Lizenzen die Administration vereinfachen, im kleinen Büro fehlt allerdings oftmals die Kompetenz. Bei Linux und in der Open-Source-Welt gibt es diese Probleme nicht, weshalb ein Blick in diese Richtung durchaus lohnt. Der Nachteil ist allerdings, dass die Dokumentation oftmals nicht ausführlich ist und man mitunter auf externe Dienstleister zurückgreifen muss. Tragisch ist das aber nicht, denn Microsoft bietet bei OEM-Lizenzen ebenfalls nur kostenpflichtigen Support an. Apple ist hier ein Positivbeispiel, denn mit AppleCare besteht ein Rundum-Service für die aufeinander abgestimmte Hard- und Software. Die Hotline ist kompetent und freundlich, zudem wird man zielorientiert bedient. Dies bezahlt man aber mit einem hohen Preis und erkauft sich mit dem MacBook Pro ein Notebook, dass man weder selbst erweitern, noch warten kann und reicht der Arbeitsspeicher nicht aus, muss man ein neues Gerät kaufen. Hier zeigt sich wieder sehr schön, dass es kein Angebot ohne Kompromisse gibt. Wer sich für ein Produkt jedoch entscheidet, sollte die Chance haben, alle Vor- und Nachteile zu kennen. Um das zu erreichen, müssen die Hersteller noch einige Hausaufgaben erledigen.

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