Test: HumanWare Prodigi, Bildschirmlesegerät als Software mit vielen Funktionen

Es war um die SightCity 2025 herum, da hatte ich die Software Prodigi von HumanWare in einem Video kurz vorgestellt, zu finden im Testbericht über die HumanWare Braillezeilen. Inzwischen ist Version 1.5.0 verfügbar und es hat sich einiges getan, darüber hinaus hat mir HumanWare eine Testversion zur Verfügung gestellt. Ich war seinerzeit schon ziemlich angetan. Eigentlich wollte ich einen ausführlichen Artikel darüber schreiben, weil ich aber für einen anderen Zweck einen HDMI-Videorecorder benötigte, entschied ich mich für ein Testvideo. Der auvisio GC-500 von PEARL leistete mir gute Dienste, obwohl der ansonsten praktische Headset-Eingang zumindest an meinem Hauptrechner Störgeräusche produzierte. Daher musste ich den Ton vom Pult über den Rechner in den HDMI-Ausgang durchleiten, was wiederum zu Verzögerungen führte. Der Vorteil dieser Lösung ist, dass man auf diese Weise nicht mit Software wie OBS oder ähnlichen arbeiten muss und beim Einsatz von Vergrößerungen und ähnlichen Anwendungen mitschneidet, was man aktuell auf dem Bildschirm sieht. Der auvisio GC-500 kann zudem Fotos machen, so dass man auch Screenshots von jeder HDMI-Quelle ohne HDCP-Verschlüsselung erstellen kann. Ein A/V-Eingang gibt es auch und somit steht auch dem Digitalisieren von VHS-Kassetten nichts im Weg.

Über HumanWare Prodigi

Seit einigen Jahren gibt es tragbare Vorlesegeräte in Form von Tablets, die mit entsprechender Software oder in Spezialgehäusen das Lesen und Vorlesen ermöglichen. Gerade beim Vorlesen eignen sich Standard-Betriebssysteme, denn Software und Sprachausgaben müssen irgendwie funktionieren. HumanWare hat mit dem Prodigi 12 ein Android-basiertes Tablet als Lese- und Vorlesegerät im Angebot, dessen Software nun auch für Windows zur Verfügung steht, eine ältere Version hatte ich in einem YouTube-Video schon mal vorgestellt. Jetzt ist Version 1.5 erhältlich und nicht nur deutlich verbessert worden, sondern auch in der Funktionsvielfalt erweitert worden. Schauen wir doch mal, für wen sich Prodigi eignet und ob die rund 1.000 Euro für die Software eine gute Anlage sind.

Was bietet HumanWare Prodigi?

Zusammengefasst handelt es sich bei Prodigi um eine Software, die Lesegerät, Vorlesegerät, Tafelkamera mit Bildteilung, DAISY- und eBook-Reader und Dateimanager in Form eines geschlossenen Ökosystems unter Windows bereitstellt. Prodigi benötigt keinen Screenreader und spricht selbst mit bis zu vier wählbaren Acapela-Stimmen aus 63 Sprachen und nimmt direkten Kontakt mit Hörbüchereien auf. Neu ist ein KI-Assistent, der Fragen zu Bildern beantwortet oder als eigenständiger Assistent zur Verfügung steht.

Neben Prodigi als Windows-Software für die Verwendung mit eigener Hardware sind drei weitere Editionen erhältlich, aber nicht überall. Das Starter Kit enthält eine Dokumentenkamera des Typs HoverCam SOLO‑8+ mit Tragetasche, das Complete Kit ist mit einem Microsoft Surface Pro und Zubehör ausgestattet und für Nordamerika ist auch eine Version mit All-in-One-PC verfügbar, das erinnert mich doch sehr an die Lösung von Deininger Vision mit EasyBig (nicht mehr erhältlich). In Deutschland ist neben dem bekannten Prodigi 12 nur die Software oder das Starter Kit erhältlich. Optional wird eine Kamera von Kodak mit dediziertem Wi-Fi-Adapter für die Fernsicht angeboten, Prodigi verfügt hierfür über zwei Modi und sogar Bildteilung.

Ohnehin werden die Computer laut Handbuch nur ausgeliefert, einrichten muss sie der Anwender selbst. Für Händler könnte es daher interessanter sein, Prodigi mit eigenen Dokumentenkameras auszustatten. Für die HoverCam SOLO‑8+ spricht, dass die Tasten der Kamera an Prodigi direkt durchgereicht werden. Ganz nebenbei bewirbt HoverCam die SOLO‑8+ als meist verkaufte Dokumentenkamera in den USA, die hierzulande über 600 Euro kostet. Weil mir diese nicht vorliegt, nutze ich im Video meine IPEVO V4K Pro, eine mit rund 150 Euro deutlich günstigere Kamera.

Ergänzungen zum Video

Im Nachgang fand ich heraus, dass im Menü „Bücher“ oben rechts ein großes Zahnradsymbol für Einstellungen angezeigt wird, das sich mit F5 nicht öffnen lässt. Hier lassen sich dann alle Büchern löschen und eine Import-Funktion hier erlaubt dann auch das Hinzufügen von ungeschützten EPUB-Dateien. Ich muss HumanWare diesbezüglich mal einige Verbesserungen zusenden, wie ich im Video sagte, ist an Prodigi sicher hier und da noch was zu tun.

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