Die Interviews von der SightCity 2018

Wie üblich findet auch im Jahr 2026 die SightCity Ende Mai statt, allerdings seit einigen Jahren schon im Kap Europa und nicht mehr im Sheraton Frankfurt Airport Hotel am Flughafen. Die Fachmesse für Low-Vision und Blindenhilfsmittel gibt es nun über 20 Jahre und hat sich längst europaweit etabliert. Die Geschichte ist so ähnlich wie die der SuperBooth, eine Ausstellung in einer Messe (damals RehaCare) wird zur eigenen Veranstaltung. Nicht kritiklos, denn das „Rattenfänger-Phänomen“ der großen Hilfsmittelanbieter hat funktioniert: Man gründete den Bundesverband für elektronische Hilfsmittel BEH e.V., lockte alle kleineren zur SightCity und reduzierte somit die Konkurrenz auf der RehaCare., denn die großen stellen dort jetzt alleine aus. Trotzdem hat die SightCity GmbH gut gearbeitet und konnte die SightCity nun seit über 20 Jahre etablieren. Immer mit frischen Themen, Vorträgen und seit der Pandemi auch online, allerdings mit technischen Schwächen.

Nichts geht ohne Kritik

Trotzdem geht es der Branche nicht sonderlich gut. Die flächendeckende Barrierefreiheit stellt Speziallösungen mehr und mehr in Frage, die unklare Rollenaufteilung zwischen Produktion, Handel und Endkundenvertrieb ist undurchschaubar und Startups mit neuen Produkten verschwinden meist schneller als sie den Markt erreichen konnte. Die Geschichte der OrCam und das Desaster mit den Ally Solos Glasses sind nur zwei dieser Beispiele garniert mit einigen Insolvenzen der letzten Jahre. Erwähnung muss auch das NOA von biped finden, das es entsprechend meiner Prognosen ebenfalls nicht mehr gibt. Ich sollte das NOA übrigens im Jahr 2025 für die Matapo Distribution auf der SightCity vorstellen und lehnte ab. Nach meiner Einschätzung muss auch die SightCity ums Überleben kämpfen, weshalb die Veranstaltung solch einem Wandel unterlegen ist.

Viele auf der SightCity präsentierten Neuheiten sind inzwischen nur noch halbfertig oder unausgereift, versprechen mehr als sie können und definieren Trends, die bereits abseits der Branche gesetzt wurden. Die META Glasses sind dabei ein wenn auch nicht so rühmliches Beispiel. Während man vergangenes Jahr einen Haufen von eher weniger als mehr smarten Brillen fand, gibt es inzwischen mehr und mehr Apps, die einfach auf Smart Glasses aus dem Mainstream-Bereich setzen. Trotzdem gibt es weiterhin Hilfsmittel, die nicht so leicht ersetzt werden können, als Beispiel seien elektronische Handlupen angeführt. Keine einzige Smartphone-App kann so überzeugend mit geringer Latenz und ohne Nachziehen den Text in der Qualität vergrößern und kontrastreich darstellen. Braillezeilen, Brailledrucker und Haushaltsprodukte werden ebenfalls noch lange gebraucht werden. Ebenso Bildschirmlesegeräte, bei Vorlesegeräten bin ich allerdings skeptisch. Da hat die OrCam und der Wunsch nach Bildbeschreibung Bedürfnisse geweckt, die nicht jedes Produkt auf diese Weise erfüllen kann. Vieles geschieht übrigens abseits der Fachmesse, NV Access feiert das 20jährige Bestehen von NVDA, RTFC von Wolfgang Hubert wird 30 Jahre alt.

Die SightCity verwandelt sich seit mehreren Jahren in eine Veranstaltung rund um die Augenheilkunde und bezieht bewusst andere Zielgruppen mit ein, so dass sie auch nicht mit regionalen Hilfsmittelausstellungen der Blindenverbände konkurriert. Auf diesen findet man Übrigens ausschließlich marktreife Produkte, die keine Bedürfnisse wecken, sondern aktiv unterstützen und verkauft werden. Für Endanwender mit wenig technischem Interesse oder für Angehörige, die sich über dieses Thema informieren möchten, sind das ohne Zweifel die übersichtlicheren Veranstaltungen. Davon abgesehen reicht die Zeit an den Messeständen oft nicht für eine individuelle Fachberratung aus, weil hier eben auch Händlerkontakte untereinander geknüpft werden sollen.

SightCity-Report 2018 (Community-Edition)

In den Jahren 2016 bis 2019 hatte ich viele Interviews geführt und dies sehr umfangreich im Jahr 2018. Eigentlich auf Zuruf des ISCB e.V., die meine schon am Samstag nach der Messe fertigen Beiträge dann doch nicht abnehmen wollte. Kein Problem, denn ich habe sie damals zu einem Stückpreis von 30 Euro verkauft und meine erwarteten Produktionskosten somit decken können, hier der zugehörige Podcast. Immerhin hatte ich bei diesen 22 Interviews etwas mehr Aufwand und das sind schon einige Stunden. Diese könnt Ihr im Folgenden herunterladen und vielleicht gerade bei dieser SightCity vergleichen, ob und was sich alles verändert hat. Heute muss ich mir diesen Aufwand nicht mehr machen, denn Christian Stahlberg macht das in seinen SightViews hervorragend. Alle Informationen zur diesjährigen SightCity findet Ihr natürlich direkt aif der SightCity Homepage.

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