Aus für Firefox OS

Letzte Aktualisierung am 23. November 2017

Vor Kurzem hatte ich das Alcatel OneTouch Fire E testweise auf dem Tisch liegen, das hätte ich mir auch sparen können. Denn wie Teltarif.de diese Woche berichtet, hat Mozilla das Aus für Firefox OS verkündet, trotz dass einige Monate zuvor noch vollmundig der Einsatz auf hochpreisigen Smartphones angedacht war. Auf der Produktseite allerdings bewegte sich nicht viel, außer der Werbung für Unabhängigkeit und der von Vielen erwartete Befreiungsschlag des Kontrollzwangs der großen Hersteller. Doch, so der zuständige Firefox-Mitarbeiter, konnte man sich nicht gegen die Konkurrenz durchsetzen.

Zugegeben, etwas ambivalent ist die Version 1.3 von Firefox OS schon. Da spricht man von Unabhängigkeit und knallt prompt die Widgets von Facebook und Twitter drauf. Dass dies auf mich Trotz Vertrauen in Mozilla mehr als unglaubwürdig wirkt, versteht sich und von Linientreue ist da sicher nicht zu reden, auch wenn sich die Widgets entfernen lassen. Dafür ist der Screen Reader gar nicht mal von schlechten Eltern. Klar, die langsame Hardware des Fire E sorgt für Ruckler. Viel schlimmer ist jedoch, dass der Bildschirmleser Trotz deutscher Prompts und installierter deutscher Stimme diese nicht nutzt. Das heißt, dass die aktivierte Sprachausgabe deutsche Meldungen mit der englischen Stimme vorliest, so auch Mitteilungen und alle anderen Inhalte. Ändern lässt sich dieser Umstand übrigens nicht. Nun gut, es war immerhin ein Versuch, ein Einfach-Handy durch ein simples Smartphone nur zum Telefonieren zu ersetzen, das war zumindest der Plan. Aber zurück zu Firefox OS; das eigentlich für Schwellenländer konzipiert war. Ein zwar guter Gedanke, der aber vernachlässigt, dass Microsoft und Google mit Geräten in gleicher Preisregion seit Jahren eine feste Größe sind, Apple ist aufgrund der teureren Smartphones zu vernachlässigen. Diese Geräte nutzen etablierte Bedienkonzepte. Das ist genauso die Archillisverse von Firefox OS, wie auch das geringe App-Angebot. Selbst Microsoft liegt hier um Längen vorne, dass gängige Apps auch für Windows 10 Mobile zur Verfügung stehen. Bei Firefox OS liest man hingegen an allen Ecken, dass man Apps hierfür nicht entwickeln wolle.

Betrachtet man aber den Kern von Firefox OS; ist dieser besonders aus Sicht der Barrierefreiheit sehr vielversprechend. Genau genommen handelt es sich um einen HTML5 basierenden Browser, auf dem die meisten Apps und Funktionen aufsetzen. Das heißt, dass sich die Oberfläche in vielen Punkten gleicht, was für die Zugänglichkeit ein Vorteil sein kann. Betrachten wir als Vergleich Symbian, war der QT-Aufsatz jedenfalls unzugänglich und blinde Benutzer wurden bei entsprechenden Apps ausgesperrt. Das führte bei den letzten Versionen Symbian Anna und Belle dazu, dass nicht mal der Nokia Store mit Sprachausgabe zugänglich war. Kein Wunder also, dass sich technokratisch orientierte Nutzer dann ohnehin für Google oder Apple als Basis entschieden. Microsoft stünde auch zur Wahl, sofern Windows Phone 10 endlich über einen deutschen Narrator verfügt.

Die Entscheidung der Mozilla Foundation finde ich grundsätzlich bedauerlich. Vor Allem auch deshalb, weil dieser Umstand auch Käufer von Smart-TVs von Panasonic trifft, die jüngst auf Firefox OS als Konkurrenz zu WebOS (LG) und Tizen (Samsung) einsteigen. Auch hier ist fraglich, wie lange es dauern wird, bis sich Android für Fernsehgeräte durchgesetzt hat. Trautes Heim ist eine Basis, das hat Microsoft vor 25 Jahren schon mit Windows bewiesen. Allerdings hat sich die Zeit auch etwas verändert und mobile Betriebssysteme laufen den herkömmlichen Computern den Rang ab. So wäre eine dritte Macht im Kampf der Marktherrschaft sicherlich sehr begrüßenswert gewesen.

Ein Kommentar

  1. Eric said:

    Vermutlich hätten die Meisten Appentwickler eine Verknüpfung zur entsprechenden Webseite in den Store geschmissen.
    Ich kenne Android-geräte, die stürzen bei Talkback im schlimmsten Falle ab. Da ist der Firefox-os Screenreader noch lange nichts gegen! Hab mir mal ein Youtube-video dazu angeschaut.

    7. April 2017
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