Deutsche Glasfaser: Was ist dran am Run auf das schnelle Netz?

Letzte Aktualisierung am 5. April 2021

Bei uns im Mittelhessischen Fronhausen geht es hoch her. Glasfaser soll verlegt werden, doch die Geister scheiden sich. Die einen finden das gut und unterstützen das Projekt, andere sind dagegen und befürchten sogar Mauscheleien mit der Bürgermeisterin. Den Eindruck kann man durchaus gewinnen, zumal das Marketing alles andere als glücklich und überzeugend verlaufen ist. Das weiß auch die Deutsche Glasfaser, die derzeit einen Krisenmanager nach Fronhausen entsandt hat, der sich über die örtliche Lage informieren soll. Das ist Grund genug, das Thema erneut anzupacken und dem zuständigen FTTH-Verkaufsmanager Lennart Götte auf den Zahn zu fühlen, der mir im Folgenden Rede und Antwort steht.

 

In diesem Artikel fasse ich alle Grundlagen zusammen und nicht zuletzt auch das, was in Fronhausen schief gelaufen ist. So haben Fronhäuser die Möglichkeit, sich umfassend zu informieren, aber genauso alle anderen, bei denen der Glasfaserausbau vor der Tür steht.

Hinweis: Der folgende Link führt auf die Projektseite der Deutschen Glasfaser. Um die journalistischen Grundsätze der Objektivität und Neutralität zu wahren, wird auf ein Affiliate-Programm verzichtet.

Glasfaser in Fronhausen – Informationen und Tarif buchen

Wer ist die Deutsche Glasfaser?

Das recht junge Unternehmen ist ein Netzbetreiber mit Sitz im westfälischen Borken und hat niederländische Wurzeln, dessen Investoren allerdings auch in anderen Ländern beheimatet sind. Man bezeichnet sich als Marktführer und hat natürlich Mitbewerber, wie beispielsweise Nordischnet aus Kiel. Das große Unternehmensziel lässt sich bereits im Namen ableiten, der flächendeckende Glasfaserausbau in Deutschland, hierbei arbeitet man allerdings Hand in Hand mit anderen Unternehmen und Gemeinden zusammen. Diese können sich mit Unterstützung von Fördermitteln des Bundes und der Länder ein Glasfasernetz ausbauen lassen, sofern ein Teil der Einwohner bereit ist, das Netz zu nutzen. Das ist wWeltweit betrachtet ein längst überfälliges Vorhaben, denn selbst in Europa liegen wir bei der Internetversorgung nicht wirklich vorne. In anderen Ländern hat man direkt auf Glasfaser gesetzt und bei jeder Baustelle Leerrohre mit verlegt, um für künftige Netzinfrastrukturen gerüstet zu sein. Hierzulande hat die Deutsche Telekom trotz Fall der Monopolstellung seit Januar 1998 nach wie vor die Hoheit über das Kupfernetz bis auf wenige Ausnahmen und somit Gründe, den Glasfaserausbau bis jetzt nicht zu forcieren und lieber die technischen Möglichkeiten auszureizen. Die Kabelnetze hat die Deutsche Telekom damals abgeben müssen, die Bundesnetzagentur als oberste Aufsichtsbehörde (vormals Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation, RegTP) wurde als Kontrollinstanz installiert. Sie sollte auch die Marktmacht der Deutschen Telekom begrenzen. Dies geschah mit dem Effekt, dass sich der Konzern in anderen Ländern stärker engagiert hat, Beispielsweise in den USA. Auch an die Börse ging man, was jedoch rückblickend nicht langfristig erfolgreich verlief. Viele werden sich wohl noch gut an die omnipräsente Werbebotschaft von Manfred Krug zur T-Aktie erinnern.

Das bisherige Vorhaben der Deutschen Glasfaser zur schnellen Breitbandversorgung verlief jedoch nicht in allen Fällen glücklich. Im Netz finden sich zahlreiche Artikel deutscher Tageszeitungen, in denen von schlampigen Tiefbauarbeiten, Baustopps und maroder Netzqualität berichtet wird. Hinzu kommen einige Blogbeiträge, welche Probleme benennen, aber durchaus auch über die Vorteile berichten, sofern das Netz erst einmal läuft. Das lässt den Konzern umdenken und so setzt man künftig auf Qualität, denn Regress- und Gewährleistungsansprüche können bei mangelnden Arbeiten die Kosten in die Höhe treiben und folglich auch Gewinne reduzieren. Das weiß jeder Unternehmer, denn arbeitet man gleich sorgfältig, muss man weniger nacharbeiten und spart Zeit und Kosten. Laut Deutscher Glasfaser wurde mit einem Vorstandswechsel ein neues Zeitalter eingeläutet, so ist kein geringerer als Thorsten Dirks mit an Bord, der über lange Jahre den Vorsitz bei e-plus inne hatte. Ein Mann, der gut vernetzt ist, die hiesige Branche lange kennt und auch mit dem Netzausbau vertraut ist. Das lässt hoffen und in der Tat sind die negativen Berichterstattungen bei den jüngsten Projekten deutlich rückläufig und die Karten wurden neu gemischt. Um allerdings Glasfaser in Dörfern zu installieren und dafür die Fördergelder des Bundes zu nutzen, tritt die Deutsche Glasfaser als Service-Provider auf und muss direkte Endkundenverträge generieren. Diese laufen über 24 Monate, danach ist per Open Access das Glasfasernetz auch für andere Anbieter offen. Dies hat den faden Beigeschmack, dass man seinen Telekommunikationsanbieter wechseln muss oder man zwei Anbieter parallel nutzt, im Ergebnis bekommt man für ab etwa 550 Euro die Glasfaser direkt bis ins Haus verlegt und zahlt bedeutend weniger, als wenn man später den Glasfaseranschluss nachrüstet. Das wird jeder nachvollziehen können, wenn ansonsten Baumaschinen mehrfach individuell anrücken und die Gehwege aufreißen müssen. Würde man das Netz eigeninitiativ bauen, was ich grundsätzlich auch für eine gute Lösung halte, wären jedoch Steuergelder von Nöten, welche schlussendlich den Kommunalhaushalt belasten. Im Ergebnis wird Glasfaser so oder so kommen, die Frage ist nur, wer sie wann verlegt und wer es bezahlt. Entscheidet man sich als Mieter für einen Vertrag bei der Deutschen Glasfaser, muss zwingend mit dem Hauseigentümer Rücksprache genommen werden, weil bauliche Maßnahmen unumgänglich sind. Darüber hinaus vermarktet die Deutsche Glasfaser auch Telefonie- und TV-Dienste unter der Marke BrightBlue, die Bestandteil des Vertrags sein können.

Ob man Glasfaser heutzutage braucht oder nicht, hängt von den jeweiligen Gegebenheiten ab. Würden wir annehmen, dass jeder Haushalt in einem Dorf konsequent mit 50 Mbit/s Bandbreite versorgt wäre, könnte diese bei normaler Nutzung noch viele Jahre ausreichen. Das Kupfernetz ist technisch jedoch begrenzt und manch einer kennt das Phänomen: Der Nachbar zwei Häuser weiter bekommt eine hohe Bandbreite, man selbst auf Nachfrage allerdings nicht. Das liegt an der Begrenztheit des Kupfernetzes, darauf gehe ich weiter unten noch konkreter ein. So kommt auch die Bundesregierung in Bedrängnis, weshalb Gesetzesänderungen den Netzausbau beschleunigen sollen. Während sich die Telekom vorzugsweise auf Ballungsräume konzentriert, beschränken sich Deutsche Glasfaser, Nordischnet und andere Anbieter eher auf den ländlichen Raum. Man arbeitet allerdings nicht gegeneinander, sondern mit Absprache, denn technisch würde es keinen Sinn ergeben, Parallelnetze zu installieren. Was dies konkret bedeutet, lässt sich gut an unseren Mobilfunknetzen erklären. Wenn man beispielsweise mit seinem Handy im Telekom-Netz unterwegs ist, funktioniert dies nur, wenn sich eine Telekom-Funkzelle in Reichweite befindet, andernfalls hätte man kein Netz. Ähnliches gilt für die anderen Netzbetreiber, so haben zwei Kunden verschiedener Anbieter eine abweichende Netzabdeckung, Ausbreitungsbedingungen und verschiedene Frequenzbänder außen vor. Als einzige Ausnahme konnten o2-Kunden über lange Zeit das Netz von T-Mobile per National Roaming mit nutzen, heute wurde es mit dem ehemaligen Netz von e-plus zusammen gelegt. Im Ausland verhält sich das Ganze anders, per International Roaming kann man sich quasi mit seinem deutschen Handyvertrag in jedes Mobilfunknetz einbuchen und hat somit dadurch schon eine bessere Netzversorgung. Diese Absurdität gibt es im 5G- und Glasfaserausbau nicht mehr, so installiert ein Anbieter das Netz, welches andere Provider gegen Entgelte (letzte Meile) mit nutzen. Wer also nach dem Ausbau durch die Deutsche Glasfaser in Fronhausen bei der Telekom bleibt, wird somit latenter Kunde der Deutschen Glasfaser werden.

Vom Modem zum schnellen Internet

Beginnen wir etwas technisch und blicken 30 Jahre zurück. Eine Zeit, in der es das Internet und selbst Glasfaser längst gab, jedoch noch nicht das World-Wide-Web, kurz WWW, wie wir es heute kennen. Im Hochschulrechenzentrum der Philipps-Universität Marburg konnte ich 1994 an einer Solaris-Workstation von Sun Microsystems bereits ein Foto aus den USA direkt im Netscape-Browser bestaunen. Das war schon sensationell, kannten wir bis Dato doch nur das “Polling” von Mailboxen, die sich zweimal täglich mit dem Netz austauschten. Eine E-Mail brauchte damals drei Tage mindestens, bis sie den Empfänger erreichte und die Antwort war nach einer Woche noch nicht da. An dieser Stelle ein Video, welches auch eindrucksvoll zeigt, wie wenig sich in den Schulen in den letzten 25 Jahren bedauerlicherweise getan hat. Kurz zusammen gefasst, iPads kaufen reicht einfach nicht, wenn kein Konzept dahinter steht.

Die Geschichte wurde fortgeschrieben. Schnellere Modems kamen und manche werden sich noch an die Flut der AOL-CDs im Briefkasten erinnern, welche neben Compuserve und T-Online (ehemals Datex-J bzw. BTX der damaligen Bundespost) den einfachen Netzzugang versprachen. Das Internet würde schon wieder weggehen, dachten die einen. Andere waren sicher, dass es in den Alltag einfließt. Um die Jahrtausendwende war Internet kein Fremdwort, auch wenn es vielerorts noch keines gab. Einen Zugang per Handy gab es ebenso, war jedoch vergleichsweise teuer und langsam. Ich erinnere mich noch an Verbindungen mit dem Laptop über das Nokia Card Phone 2.0, 39 Pfennig je Minute bei 9.600 Baud, also 9.600 Zeichen, die in einer Sekunde maximal übertragen wurden. Stellt man sich das mal bildlich vor, konnte man quasi mitlesen, mit GPRS wurde die Bandbreite etwas erhöht. Per Modem über das Telefonnetz waren damals 56 Kbit/s möglich, per ISDN 64 bzw. 128 Kbit/s mit Kanalbündelung. Wer eine ISDN-Leitung für Daten genutzt hat, war telefonisch wenigstens noch erreichbar, hingegen blockierte die Modemverbindung den Telefonanschluss. Mit MoD (Music on Demand) bot die Telekom Ende der 90er Jahre ein tolles Musik-Kaufmodell an, so ließen sich mit 128 Kbit/s verschlüsselt komprimierte MP3-Dateien in Echtzeit per ISDN-Kanalbündelung übertragen.

Von DSL zu Super-Vectoring

Mit der Digital Subscriber Line, kurz DSL, gab es einen regelrechten Quantensprung. Ganze 768 Kbit/s waren nun möglich und ISDN nicht mehr notwendig. Allerdings war auch damals die Leitungslänge entscheidend, DSL-Lite mit immerhin 384 Kbit/s konnten alternativ gebucht werden. Während vorige Technologien auf dem Telefonsystem aufbauten, wurden die Daten per DSL parallel übertragen und am Netzabschlusspunkt mit Filtern aufgetrennt. Somit konnte man einen analogen Telefonanschluss mit schneller Datenübertragung koppeln und gleichzeitig surfen und telefonieren. ADSL steht für asynchron, also einen unterschiedlich schnellen Down- und Upstream. Darunter versteht man die Daten, die aus dem Netz kommen und jene, welche vom Computer in das Netz geschickt werden, beispielsweise für Anfragen zum Aufruf einer Internet-Seite. Die Technik nutzt das vorhandene Kupfernetz und leistet aktuell maximal rund 250 Mbit/s, also 250.000 Baud, mit hybridem LTE lässt sich dies noch etwas steigern. Das sind Geschwindigkeiten, die man damals nicht für möglich hielt.

VDSL bzw. Super-Vectoring heißt das Stichwort, welches die physikalischen Grenzen der Kupferleitungen technisch ausschöpft. Dazu sind heute schon Glasfaserverbindungen zwischen den Kanalverzweigern (die grauen Kästen an den Straßen) und möglichst kurze Leitungswege nötig, ansonsten könnten hohe Bandbreiten nicht in die Häuser gelangen. Davon profitieren aber nicht alle Kunden, denn die Ports sind begrenzt und so kommt es vor, dass ein schneller Breitbandanschluss nicht angeboten werden kann, weil die Kapazitäten erschöpft sind. Die Abschaltung des ISDN-Netzes zum Leidwesen einiger Geschäftsleute wirkt dem zwar etwas entgegen, reicht jedoch in der Praxis nicht aus. Grundsätzlich ist man sich in zwei Punkten in der Fachwelt einig: Für einen durchschnittlichen Haushalt sind rund 25 Mbit/s durchaus genug, sofern nicht mehrere Familienmitglieder parallel hochauflösende Videostreams gleichzeitig betrachten wollen. Künftig wird es jedoch mehr Geräte im Heimnetz geben und neue Dienste, die wir uns heute noch nicht vorstellen können, diese werden sich nur mit leistungsfähigen Internet-Zugängen nutzen lassen. Neben Cloud-Gaming sind dies beispielsweise virtuelle Anwendungen auf entfernten Rechnern, die aber nicht für jeden Anwender nützlich sind. So wird man sich für alltägliche Office-Anwendungen beispielsweise keinen Gaming-PC mit leistungsstarker Hardware kaufen, genauso muss man nicht die höchstmögliche Bandbreite aus Prinzip buchen. Mit NGN (Next Generation Network) werden heute die verschiedenen Bereiche Telefonie, Fernsehen und Internet über dieselbe Leitung geführt und teilen sich entsprechend die verfügbare Bandbreite. Wer hochauflösendes Streaming bevorzugt, benötigt also mehr Netzkapazität, als zum reinen Telefonieren nötig ist.

Der Weg zur Glasfaser

Technisch befinden wir uns heute an der maximalen Belastungsgrenze des Kupfernetzes und wollte man jedem Haushalt schnelles Internet bieten, müsste man die Leitungswege drastisch verkürzen und die Kanalverzweiger näher zu den Häusern bringen. Das wäre auch umwelttechnisch schwierig, denn der Energiebedarf würde signifikant steigen. Die erwähnte Glasfaserverbindungen der Kanalverzweiger erlauben zwar begrenzt schnellere Breitbandanschlüsse, zumal alle Daten am Netzübergabepunkt gebündelt werden. Vergleichen lässt sich das gut mit einem Gartenschlauch, den viele nutzen. Mehrere Abzweige würden den Wasserdruck deutlich mindern. Im Internet verlängern sich die Antwortzeiten, so genannte Pings, es dauert also länger, bis eine Anfrage beantwortet wird. Dies merkt man konkret beispielsweise beim Spulen in Online-Videos oder bei Spielen und Applikationen, die auf entfernten Servern laufen.

Werfen wir kurz einen Seitenblick auf Kabelnetze in Städten, die technisch anders aufgebaut sind. Hierbei handelt es sich um ein verteiltes System und die anliegenden Bandbreiten können durchaus 1 Gbit/s erreichen, allerdings verteilt sich die Gesamtleistung auf alle angeschlossenen Teilnehmer. Je schlechter das Leitungsnetz aufgebaut ist und parallel genutzt wird, umso langsamer ist die Nettodatenrate. Techniken, wie DOCSIS 3.1, optimieren dieses Verhalten und so sind Kabelnetze in Städten mit hoher Bebauungsdichte eine gute Übergangslösung, im ländlichen Raum findet man sie höchstens am Stadtrand. Internet per Satellit überspringe ich an dieser Stelle, ein relativ teures und aufwendiges Unterfangen. Auch dies konnte ich schon in einem Unternehmen Anfang der Nullerjahre über Strato testen, was ebenso ziemlich beeindruckend, wie teuer und aufwendig  war.

Zurück zum Telefonnetz, Die üblicherweise verlegten Kupferleitungen verbinden mehrere Nachteile. Die Leitungslänge zur Basis, die damit verbundene Kabeldämpfung und Erhöhung des Rauschabstandes, aber auch fehlende Schirmung und damit entstehende Interferenzen mit elektromagnetischen Störfeldern. All das führt dazu, dass die Übertragung erschwert und die tatsächlich verfügbare Bandbreite beeinträchtigt wird. Hingegen handelt es sich bei Glasfaserkabeln oder Fiberleitungen um Hohlleiter, welche Lichtimpulse übertragen. Die Geschwindigkeit hängt somit nicht primär vom Material, Querschnitt oder Leitungsweg ab, sondern von optischen Übertragern an den Endpunkten und deren Wellenbereich. Die Technik gibt es schon sehr lange, ist ausentwickelt, zukunftssicher und man findet sie schon lange bei der Audioübertragung. Aktiv in Berührung kam ich mit dem Glasfasernetz in der Verwaltung der J.-W.-Goethe-Universität in Frankfurt, das allerdings mit geringen Bandbreiten auskam. Sofern dieses noch existiert, würde also ein Austausch der Netzwerkkomponenten genügen, während damalige Koaxialverbindungen komplett getauscht werden müssten. Aktuell verwendet man Glasfaser auch in Rechenzentren und bei der Entwicklung der nächsten Evolutionsstufe, den Quantencomputern.

Lichtwellen kann man sich grob wie Funkwellen in einem hohen Spektrum vorstellen, die physikalisch rund 300.000 km/s überwinden können. Im Umkehrschluss ergeben sich hieraus einige Vorteile, zum einen vernachlässigbare Latenzen durch die Lichtgeschwindigkeit, zum anderen in der deutlich geringeren Verlustleistung (Reibung, Mantelwellen, Induktion). Zudem ist eine besonders hohe Bandbreite möglich und Lichtwellen sind nicht anfällig gegenüber elektromagnetischen Störfeldern. Im Gegensatz zu Kabelnetzen stören sie mich im Gegenzug auch als Funkamateur nicht. Die Leitungen selbst sind sehr filigran und arbeiten nur in eine Richtung, so dass insgesamt zwei Anschlussleitungen verlegt werden müssen. In der Praxis natürlich deutlich mehr solcher Fasern, um späteren Ausfällen vorzubeugen. Werfen wir doch mal einen Blick in ein Verteilzentrum der Deutschen Glasfaser.

Die Nachteile bei Glasfaseranschlüssen bestehen darin, dass man direkt ans Haus muss, es geht also nicht ohne Erdarbeiten. FTTH, also Fiber To The Home, heißt das Stichwort. Es wäre allerdings auch denkbar, dass man auf 5G-Netze setzt, welche die Daten von einem Übergabepunkt von der Straße in die Häuser verteilen (FTTB, Fiber To The Building). Derzeit ist so eine Technik denkbar, wäre aus meiner Sicht aber nur dann sinnvoll, wenn keine Verlegung von Glasfaserleitungen erwünscht oder möglich ist. Mit Erdraketen ist es allerdings möglich, diesen Vorgang recht schonend für das Grundstück minimalinvasiv auszuführen. Zu diesem Zweck erfolgt eine Begehung der Örtlichkeit und Vermessung, so dass geklärt wird, an welchem Punkt die Leitung ins Haus gelangen soll. Am Übergabepunkt werden die Daten abgenommen und in das vorhandene Heimnetz eingespeist. Bei mindestens 300 Mbit/s im kleinsten Tarif sind kaum Maßnahmen nötig, bei 1 Gbit/s und mehr kommt man nur in den Genuss der hohen Bandbreite, wenn auch die heimische Netzinfrastruktur ausreichend dimensioniert ist. Per Wi-Fi mit aktuellen Standards bei üblicher Dämpfung in Gebäuden wird man die hohen Bandbreiten ebenfalls nicht erreichen, das ist mit dem aktuellen Standard Wi-Fi 6 anders. Allerdings müssen dann alle Komponenten über diesen Modus verfügen.

Mythen und Märchen

Geht es um Glasfaser, sind Verkäufer nicht selten kreativ. Es werden Argumente und Mythen gestreut, ,die es genau zu überprüfen gilt. Im Folgenden möchte ich einige Punkte kurz zusammenfassen und persönlich bewerten, denn auch diese sind für eine objektive Betrachtung wichtig.

Das Haus gewinnt mit Glasfaser deutlich an Wert: Diese Aussage ist so alt, wie die DSL-Technik und begründet sich in dem Umstand, dass schon damals die Dörfer im Netzausbau nicht bevorzugt wurden. Wer womöglich noch mit seinem Gewerbe aufs Land zog, erlebte seinerzeit nicht selten die Überraschung, dass das vorhandene Internet zu langsam oder gar nicht vorhanden war. Dies sorgte für Klagen, die auch in Teilen zu Gunsten des Kunden ausfielen. Allerdings hat sich das geändert, die Deutsche Telekom bietet selten weniger als 16 Mbit/s an, zwar nicht die Welt, aber ausreichend und benennt selbst eine flächendeckende DSL-Versorgung. Super-Vectoring wird aktiv ausgebaut und das spürt man inzwischen auch im ländlichen Raum. Falls hohe Bandbreiten dennoch nicht möglich sind, gibt es durchaus Alternativen per 5G und LTE. Das bedeutet, dass man heutzutage selbst in abgelegenen Bereichen von schnellem Internet ausgehen kann. Wer sich alleine mit der Bausituation nicht nur in Fronhausen auseinander setzt, wird schnell erkennen, dass alleine bei der begrenzten Verfügbarkeit an Bauplätzen Glasfaser sicher kaum eine Entscheidungsgrundlage bieten wird.

Man braucht hohe Bandbreiten: Hier wäre zunächst zu klären, ab wann man von schnellem Internet spricht. Ich behaupte, dass die Leistungsfähigkeit eines Internet-Zugangs nicht an der maximalen, sondern der benötigten Bandbreite zu bemessen ist. Wer heutzutage bei 16 MBit/s mit Computer, Smartphone, Smart Speakern und Smartem Fernsehgerät unterwegs ist und sich gelegentlich ein paar YouTube-Videos anschaut, wäre selbst mit 6 MBit/s ausreichend bedient, wie ich im Familienumfeld auch heute noch feststellen kann. Das reicht selbst für Homeoffice und Videokonferenzen noch aus. Als Standard sehe ich 25 Mbit/s als sinnvolles Mittel an, hierbei können schon mehrere Personen im Haushalt 4K-Videos parallel streamen. Für Gamer ist hingegen eine kurze Antwortzeit wichtig, nicht unbedingt ein hoher Downstream, viel mehr geht es auch um hochgeladene Daten. Das gilt ebenso für die Arbeit mit entfernten Servern, so dass sich ein größerer Tarif rechnet, man spart einfach Wartezeit und das ist bequem. In meinem Fall habe ich von 25 Mbit/s nur deshalb zunächst auf 100 Mbit/s upgegradet, weil mir die Zeit zum Upload von Medien als zu lang erschien. Jetzt mit 250 Mbit/s Downstream stehen mir erfreulich schnelle 40 Mbit/s Upstream zur Verfügung, was mir durchaus genügt. Bei Glasfaser gibt es neben kürzeren Antwortzeiten den Vorteil, dass das Verhältnis Down- und Upstream etwas günstiger ausfällt und die Daten parallel übertragen werden. Zumindest theoretisch, wenn man das Nadelör des lokalen Netzwerk vernachlässigt. Wer will, kann natürlich die In-Haus-Verkabelung ebenfalls auf Glasfaser aufbauen, das ist problemlos möglich. Preis-Leistung spielt allerdings auch eine Rolle, so bin ich persönlich nicht bereit, mehr als 50 Euro im Monat für schnelles Internet zu bezahlen. Wer sich für große Tarife interessiert, sollte sich primär Gedanken über das eigene Nutzungsverhalten machen. Bei Glasfaser besteht jedoch der grundsätzliche Vorteil, dass ein Upgrade nicht abhängig von der Netzinfrastruktur ist und theoretisch jeder Nutzer hohe Bandbreiten erhalten kann.

Smart Home erfordert hohe Bandbreiten: Das ist ein Kalauer, den man ganz einfach mit dem Stichwort Datenschutz widerlegen kann. Ein gutes Heimnetz soll komfortabel sein, aber zugleich auch autark arbeiten können, also offline. Immerhin sollte das Licht an der Kellertreppe auch dann automatisch aktiviert werden, wenn keine Internet-Verbindung besteht. Datensparsamkeit ist hier das Motto, zumal selbst viele Komponenten hoffentlich sehr wenig Daten ins Netz schicken. Derzeit arbeitet man daran, viele Komponenten direkt mit fest verdrahteten 5G-Modulen auszurüsten, so dass diese gar nicht auf die Heimvernetzung angewiesen sind. Smart Home ist also kein Grund für schnelles Internet, es sei denn, man möchte aus der Ferne 10 4K-Videos gleichzeitig betrachten und aufzeichnen können.

Die Deutsche Telekom baut das Netz schon aus: Dessen bin ich mir absolut sicher, Dies trifft vor Allem im Hinblick auf die künftigen Vorgaben im Telekommunikationsgesetz zu. Sollte es nicht zum Netzausbau in Fronhausen durch die Deutsche Glasfaser kommen, bedeutet dies nicht, dass Glasfaser überhaupt nicht kommt. Sollte der Ausbau allerdings gelingen, wird die Deutsche Telekom und kein anderer Anbieter erneut ausbauen, wo sich bereits ein Glasfasernetz befindet. Man wird den Kunden aufschalten, wie oben beschrieben. Die Frage ist nur, wer die Kosten für die Hausinstallation tragen wird, im Zweifel wäre die Förderung durch die KfW denkbar. In Coronazeiten gehe ich persönlich nicht von einem baldigen Wachstum aus, so dass man über den Anschluss durchaus heute nachdenken kann. Wer sich allerdings dagegen entscheidet, wird weder sein Dorf in Gedeih und Verderb stürzen, noch die Mitschuld an einer düsteren Zukunft tragen. Allenfalls könnte es etwas teurer werden, wenn man sein Haus später nachrüsten will.

Das Glasfasernetz gehört der Deutschen Glasfaser: Das ist richtig und sie ist auch Ansprechpartner bei Problemen. Allerdings ist das ähnlich, als würde man im ländlichen Raum einen Internet-Anschluss bei 1&1 oder Vodafone buchen. Selten gehört das Netz den gewünschten Anbietern aus obigen Gründen, so dass sich der ISP (Internet Service Provider) lokal “einmietet” und die festgeschriebenen Durchleitungskosten entrichtet. Das ist gängige Praxis und immer ein Ärgernis, wenn die Störung bei 1&1 gemeldet und von der Telekom behoben werden soll. Für den Glasfaserausbau bedeutet dies, dass wenn ein Anbieter ausgebaut hat, ist es dessen Netz, egal bei wem man einen Vertrag abschließt.

5G als Alternative

Die Frage, ob sich Glasfaser lohnen könnte, lässt sich mit dem 5G-Netz etwas relativieren. Das Hochgeschwindigkeits-Mobilfunknetz erlaubt schon jetzt über 1 Gbit/s an Bandbreite und ist im Ausbau. Das 3G- bzw. UMTS-Netz wird zu Gunsten von LTE (4G) und 5G abgebaut, um Frequenzen freizugeben. Viele befürchten eine höhere Strahlung, was jedoch in der Praxis nur bedingt richtig ist. Hohe Frequenzen jenseits von 5 GHz eignen sich lediglich für Kurzstreckenübertragungen per Richtfunk, damit ließe sich beispielsweise ein 5G-Signal von der Straße ins Haus schicken. Interessant ist dieser Frequenzbereich für absoluten Nahbereichsfunk, also für Industrieanwendungen. Die typischen Sendeanlagen arbeiten in deutlich niedrigeren, üblichen Frequenzbändern, wie sie heute schon genutzt werden und stellen somit keine praktisch höhere Strahlenbelastung dar. Dennoch kann 5G eine Alternative sein, beispielsweise für Singlehaushalte, die keinen oder nur selten einen Computer benutzen. Für Familien, Notfallsysteme, Hausgemeinschaften und vor Allem für Unternehmen ist der Verzicht auf ein terrestrisches Leitungsnetz ungeeignet. Kleiner Fun Fact am Rande, die Mobilfunk-Basisstationen mit hohen Bandbreiten sind übrigens unlängst mit Glasfaser vernetzt, ansonsten könnte das hohe Datenvolumen gar nicht bewältigt werden.

GigaCube im Betrieb

Hohe Geschwindigkeiten sind quasi überall möglich, wenn das Netz ausgebaut ist und so bleibt man unabhängig vom Wohnort, was sich beim Umzug ebenso positiv bemerkbar macht. Ein Beispiel ist der Vodafone GigaCube, den ich hier getestet habe. In der 5G-Version kann er durchaus eine Alternative zum Festnetz und auch für Glasfaser sein, zumindest wenn hohe Bandbreiten nicht im Vordergrund stehen. Normalnutzer können hierin also durchaus eine Alternative finden und nicht nur für den Zweitwohnsitz.

Was lief in Fronhausen schief?

Nachdem wir nun die technischen Grundlagen behandelt haben, die hoffentlich bei der Entscheidungsfindung unterstützen, werfen wir nun ein Schlaglicht auf das bislang missglückte Marketing. Während in manchen Ortsteilen wie Sichertshausen offenbar Einigkeit herrscht, begründet sich die Skepsis gegenüber der Deutschen Glasfaser im Ortsteil Fronhausen aufgrund einiger Vorkommnisse. Angefangen beim ausgewählten Multiplikator, welcher wiederholt Kritik in der speziell eingerichteten Facebook-Gruppe nicht dulden wollte und widersinnige Postings wiederholt gelöscht hat. In der Folge hat er dem Marketing nachhaltig geschadet und musste als Konsequenz die Gruppe abgeben. Aus diesem Grund richtete ich eine alternative Gruppe ein, in der ich Beiträge pro und kontra Deutsche Glasfaser geteilt habe, um der einseitigen Information entgegen zu wirken. Die Nachfrage war ebenso groß, wie die Kritik jener, welche die positiven Beiträge offenbar absichtlich überlesen wollten. Auch das Vermarktungs-Team im Auftrag der Deutschen Glasfaser trat nach den Angaben einiger Bürger nicht vertrauenswürdig auf und wurde als aufdringlich beschrieben. Gleichwohl wurde von anderen Bürgern deren ausführliche Beratung als positiv wahrgenommen und sie unterzeichneten einen Vorvertrag. Es entstanden absurde und logisch nicht nachvollziehbare Grabenkämpfe, die mir mit “so etwas haben wir noch nie erlebt” als einzigartig von der Deutschen Glasfaser beschrieben wurden. Ein schönes Beispiel, wie soziale Netzwerke in unserer Gesellschaft wirken und sie nicht immer das beste Mittel im Diskurs sind.

Als Weiteres wurden von der Gemeinde Gutscheine des inzwischen aufgelösten Gewerbevereins an Kunden in Aussicht gestellt, welche den Vorvertrag bis zum 1. August 2020 unterzeichnen würden. Dies erfolgte ohne Absprache mit dem Vereinsvorstand, zugleich war die Deutsche Glasfaser nach eigenen Angaben nicht über dies informiert worden und entschuldigte sich ausdrücklich dafür. Man ging von einer kooperativen Zusammenarbeit in Fronhausen aus und hätte den Gewerbeverein gerne mit am Verhandlungstisch gesehen, warum dies nicht passiert ist, bleibt ungeklärt und ist heute auch nicht mehr wichtig. Etwas unglücklich verhielt sich auch die Bürgermeisterin, die zwar aus politischer Sicht natürlich den Glasfaserausbau unterstützt, sich jedoch nicht nur nach meiner Einschätzung in die Rolle einer Glasfaserverkäuferin begeben hat. Die Gradwanderung ist natürlich schwierig und fortwährende Ansprachen in diversen Mitteilungsblättern waren wenig fachlich, teilweise unbedacht und dafür sehr emotional. Es wäre besser gewesen, Menschen mit ins Boot zu holen, die auf fachlicher Ebene überzeugen und etwas von der Thematik verstehen. Dann bin ich mir sicher, hätte man die Minimalanforderungen spielend erfüllen können.

Fazit

Eine objektive Beurteilung ist in diesem Fall schwierig, weil ich als Betroffener eine Entscheidung zu treffen habe. Hierbei wäge ich ab zwischen dem, was mir die Deutsche Telekom auch in Verbindung mit meinem Mobilfunkvertrag anbietet, dagegen ist die Deutsche Glasfaser für mich wenig attraktiv. Alleine der Umstand, dass sich dieser ohne Festnetz um 10 Euro verteuern würde und ich derzeit für Magenta XXL nur 45 Euro im Aktionstarif mit 250 Mbit/s bezahle, ist nicht von der Hand zu weisen. So gibt es auch einen Magenta-Tarif, welcher für rund 80 Euro Festnetz und Mobilfunk bündelt. Aber dann ist da noch der technische Aspekt und die journalistische Neugier. Ich weiß, dass wir langfristig nicht um Glasfaser herum kommen, sofern es zwischenzeitlich keine andere Lösung per Funk oder Satellit geben wird. So wäre es nicht undenkbar, dass feste Internetzugänge irgendwann ein Nischendasein führen könnten, wenn man unterwegs und im selbstfahrenden Auto über mobile Zugänge verfügt, das vielleicht im Parkmodus als Internetzugang für die Wohnung dient. Das wissen wir heute nicht und so ist aktuell Glasfaser eine sinnvolle Option.

Rechnen wir das einmal durch: Bei 24 Monaten Laufzeit bei der Deutschen Glasfaser bezahle ich erst im zweiten Jahr und komme insgesamt beim kleinsten Tarif mit 300 Mbit/s auf rund 550 Euro Gesamtkosten, das ist deutlich weniger, als mich der reine Anschluss mit rund 750 Euro ohne Tarif kosten würde. Ich sehe es für mich daher als Investition, ohne konkrete Wechselabsicht, aber mit der Option, über Glasfaser langfristig zu verfügen und gegebenenfalls meinen Tarif bei der Deutschen Telekom später aufzuwerten. Vorausgesetzt, die Preise rutschen irgendwann auf ein annehmbares Niveau, denn ich bin nicht bereit, für Festnetz und Mobilfunk insgesamt viel mehr als 90 Euro monatlich auszugeben. Die Frage ist natürlich, was ist mit der Deutschen Glasfaser in der Zukunft, deren Kapital weniger die Kunden, dafür jedoch die Infrastruktur ist. Vielleicht entscheide ich mich in einigen Jahren anders, dafür aber mit FTTH.

Würde ich mich wie ursprünglich gegen die Deutsche Glasfaser entscheiden und die Veränderungen außer Acht lassen, bin ich mir allerdings sicher, irgendwann an einen Glasfaseranschluss zu kommen. Durch wen, wann und zu welchen Konditionen ist heute natürlich fraglich. Die Aussage, dass man künftig auf verlässlichere Bauunternehmen setzt und nicht zuletzt Thorsten Dirks als Geschäftsführer, lassen das Unternehmen in einem etwas anderen Licht erstrahlen. Bleibt nur zu Hoffen, dass es sich nicht nur um leere Versprechen handelt, da stelle ich mich gerne als Versuchskaninchen zur Verfügung. Sollte es zum Glasfaserausbau kommen, werde ich das Thema kontinuierlich verfolgen und darüber weiter berichten.

4 Comments

  1. Michael Moos said:

    Gefällt mir sehr gut!

    19. Februar 2021
    Reply
  2. Christian Ohrens said:

    Auch bei meinen Eltern geht es ebenso hoch her, Hausbesuche, Infobroschüren, erneute Hausbesuche, alles verbunden mit den von dir bereits genannten, hohen Versprechen. Wertegewinn für das Eigenheim, sollte man es mal verkaufen, schnelles Internet von bis zu 1000 MBit/S (für sage und schreibe 99 Euro) und natürlich das Köderangebot der gesenkten Anschlussgebür im – ich glaube – ersten Jahr nicht zu vergessen.
    Auch in Wolfsburg scheiden sich die Geister am Glasfaserausbau. Und wer dafür ist, lässt sich ein Fähnchen in den Vorgarten stellen, sodass jeder vorbeilaufende oder -fahrende Nachbar sofort weiß: Ich bin dabei!

    Eine einerseits scheußliche, andererseits jedoch auch funktionierende Marketingstrategie und Kundenacquise. Irgendwie scheint man ja zu hoffen, dass viele der Befürworter die Anderen am Ende doch noch überzeugen und mitreißen können.

    Aber solch komische Geschäftsgebahren findet man auch hier in Hamburg, wo ein großes, hier ansässiges Telekommunikationsunternehmen sich bei Hauseigentümern und Großvermietern einkauft und du als potenzieller Mieter somit die Klausel im Mietvertrag liest, dass du deinen Internetanschluss bitteschön somit auch bei XY beziehen musst.

    22. Februar 2021
    Reply
  3. Stephan Merk said:

    Es ist ja nichts dagegen zu sagen, dass der Wirtschaftlichkeit wegen der Anbieter natürlich versuchen muss, möglichst viele Kunden zu gewinnen. Das macht ja auch Sinn, wenn Du einen meinetwegen großen Neubau errichtest und die Wohneinheiten möglichst effizient vernetzen willst. In Deutschland haben wir historisch das Problem, dass Netzbetreiber und ISP identisch sind. Daraus folgt, dass Du natürlich nur das Netz vom Anbieter nutzen kannst, was man ja zumindest seit Januar 1998 geöffnet hat. Die Telekom ist aber dennoch der Eigner und höchstens Arcor hatte in Städten eigene ISDN-Netze, bei Kabelversorgern hatte man dann viele Regionale gebildet, um Marktmachten zu verhindern. Heute geht das dann wieder, UnityMedia, Kabel-BW, Kabel-Deutschland ist alles Vodafone. Mir fällt jetzt nicht ein, welches Kabelnetz noch unabhängig wäre.

    Heute denkt man immerhin anders, schau Dir die Open-RAN-Architektur der Mobilfunknetze an. Endlich entkoppelt man die Technik vom Anbieter, so dass es jetzt wie bei Energieversorgern das Netz getrennt vom Anbieter gibt. Okay, ich finde den virtuellen Stromverkauf zwar auch etwas seltsam, aber vergleiche ich das mal mit dem Glasfaserausbau, wird das für mich nachvollziehbar. Es macht ja durchaus Sinn, wenn sich Anbieter absprechen, genau wie bei der Mobilfunkversorgung, als drei Masten ein zwei Orten aufzubauen, wo einer ausreicht. Demnach ist das Vorgehen grundsätzlich nachvollziehbar, sofern natürlich die Qualität von Netz und Ausbau keine bösen Überraschungen bieten.

    Bezogen auf das Marketing ist das allerdings eine schwierige Sache. Einerseits ist es ein recht neues Unternehmen, das natürlich in einer bestimmten Zeit Vorverträge generieren muss, um den Bedarf abzuklären. Das machen die ja nicht nur in einer Gemeinde und so müssen die natürlich etwas Druck ausüben, damit sie im Zweifel auch weiterziehen können. Von dem Aspekt kann ich das also verstehen, aber am Ende ist es eine Vertrauensfrage. Nehmen wir die Analogie, ein Versicherungskonzern käme jetzt hier ins Dorf und würde versprechen, neue Bürgerhäuser zu bauen, natürlich kostenlos. Jedoch nur dann, wenn 40 % aller Haushalte dort Verträge abschließen. Hier ist es an den Gemeinden, die Gradwanderung zu finden und Vertrauen aufzubauen. Das gelingt eben nicht mit Druck, auch nicht mit Emotionen und Politiker sollten sich eher effizient zurückhalten, ist zumindest meine Einschätzung.

    23. Februar 2021
    Reply
  4. West89 said:

    Der Zweite Anlauf für Fronhausen
    Viel Glück

    28. Februar 2021
    Reply

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