Letzte Aktualisierung am 13. März 2026
Dieser Text ergänzt meine Autobiographie, entstand um die Jahrtausendwende, wurde komplett umgestaltet und reicht jetzt bis in die Neuzeit. In diesem Zusammenhang gibt es viele Beispiele, die ich zum Teil in diesem Artikel beschreibe und zum Download anbiete.
Mein Musikverständnis
Musik ist für mich eine Art „Lebenselixier“. Ich würde nicht behaupten, dass ich nicht ohne sie auskommen könnte, dennoch hat mich die Musik bislang sehr geprägt. Damit meine ich nicht in erster Linie das Reproduzieren und Genießen der Musik, das gehört natürlich auch dazu. Ich würde mich aber nie als Fan irgendeiner Band oder eines Künstlers oder Stilrichtung bezeichnen, weil Musik so individuell ist wie das Leben. Viele Menschen mögen bestimmte Stile, das ist absolut okay. Ich mag alles, was mir gefällt. Einzige Einschränkung, es sollte ein gewisser Standard an die Musikalität erfüllt werden, der mich anspricht. Welcher das genau ist, lässt sich schwer definieren. Allerdings gibt es Tendenzen sowohl beim Hören als auch Machen. Beim Hören sind es organische Komponenten, ich mag komplexe Harmonie- und Klangstrukturen. Jazz mit überraschenden Akkordwechseln, Klassik mit spannend gegenläufigen Melodien, gewaltige Klangkörper wie Orgeln und Klaviere, sowie mich ansprechende Stimmen.
Schaut man sich in meinem Archiv um, sieht das zunächst absolut Mainstream aus. The Beatles, Kraftwerk, Michael Jackson, Pet Shop Boys um nur einige der Bekannten zu nennen. Gräbt man jedoch weiter finden sich wahrscheinlich für viele total unbekannte Künstler, die aber irgendwas an sich haben, das mir gefällt. Als Sammler ist darunter natürlich sehr viel mehr und ich mache mir die Mühe nicht, alle Medien zu zählen. Es sind viele, Platten, Kassetten, CDs. Und nichts wird entsorgt, weil alles irgendwann vielleicht mal benötigt wird. Wahrscheinlich zwar nie, aber so ist das mit den Leidenschaften.
Beim Musikmachen geht es bei mir absolut in die elektronische Richtung. Das liegt vielleicht daran, dass ich akustische Instrumente zwar verstehe, aber mir wohl wie beim Stricken irgendwie die Koordination oder wahrscheinlich eher die Geduld fehlt. Eine liebe Freundin hat mal versucht mich an die Gitarre heranzuführen, was auch in Ansätzen gelang. Aber nur eine Klangfarbe, umständlich zu halten, das ist irgendwie nichts für mich. Blasinstrumente interessieren mich auch sehr, hier dasgleiche Problem, zumal Soloinstrumente auch nur monophon spielbar sind. Ich habe außer in der Schule nie im Bandkontext gespielt, das war für mich nie erstrebenswert. Wie ich in meiner Autobiographie schon schrieb, ich bin kein Freund des Rampenlichts. Das nicht wegen möglicher Versagensängste, aber es würde mich nicht erfüllen. Musik ist eher eine intime Unterhaltung zwischen mir und den Instrumenten. Vertrauliche Gespräche gehen schließlich keinen was an und dennoch werde ich einige Dialoge im Folgenden präsentieren.
Kindheit und Schule
Setzen wir zunächst ganz früh an und ich gehe davon aus, dass meine Biographie grob bekannt ist, so kann ich mich auf musikalische Erlebnisse konzentrieren. In meiner frühsten Kindheit war Musik für mich immer eine Art Marker. Das bedeutet, sie verbindet sich mit irgendwas. Manchmal mit Erlebnissen, aber sogar mit Geschmäckern oder Gerüche. Musik ist in gewissem Sinn für mich eine Art Informationsträger und multipliziert sich mit anderen Eindrücken. Das ist gar nicht so ungewöhnlich, wie viele verbinden Musik mit gewissen Menschen oder Situationen, aber bei mir geht das eben noch ein Schritt weiter. Ich weiß beispielsweise, dass bei meiner Kinderärztin im Wartezimmer Heart of Glass lief und höre ich Debby Harry oder die eingängige Roland CR-78 zu Beginn, fällt mir sofort das Spielzeug mit den Kugeln ein, die man durch Löcher bringen musste und damit spielte ich in jenem Wartezimmer. Rivers on Babylon von Boney M katapultiert mich gedanklich in eine Raupenbahn. Bei Lost in France von Bonny Tyler verbinde ich dies mit Löffelbiskuit, Trans Europe Express des US Remix Album verbinde ich mit dem Vollmond. Als ich 1990 auf der Fensterbank meines Zimmers in meiner Wohngruppe am Weinberg 13 in Marburg saß, genoss ich freie Sicht in die Nacht. Geschmack ist Cola, denn manchmal gönnte ich mir typischerweise eine Dose. Dieses entstehende Hungergefühl bei manchen Musikstücken ist verschwunden, das konnte ich noch bis Anfang der Nullerjahre an bestimmten Titeln benennen.
Bei den in der Biographie erwähnten Holzhackerbub’n stellt sich direkt ein Geruch mit Pommes, Currywurst und abgestandenem Bier verbunden mit einer rauchigen Kneipe ein – wohl kein Zufall. Diese Verknüpfungen aus meiner Kindheit setzten sich im jungen Erwachsenenalter nicht fort, vielleicht weil man die Dinge als Kleinkind anders wahrnimmt. Hätte man mich in den 80er Jahren zu bestimmten Bands gefragt, könnte ich nie etwas dazu sagen, ich war diesbezüglich eine Null. Klar wusste ich, wer Elvis Presley, The Beatles, Kraftwerk oder Howard Carpendale ist, viele Stars traten schließlich auch im Fernsehen auf. Aber eine Verknüpfung zwischen Lied und Künstler bestand erst später. Viele hatten mir Kassetten aufgenommen, das war damals die Zeit und ich wusste, dass ich Musik mag, aber nicht wer der Künstler ist. Beispiel Equinoxe von Jean-Michel Jarre. Ich weiß, das lief bei einem Karussell in Munster auf dem Schützenfest. Ich höre das Stück und sehe mich direkt vor dem Fahrgeschäft stehen, aber ich wusste nie, wer das komponiert hat. Selbst wenn mir jemand was von Jarre erzählte, keine Ahnung, was der für Titel macht. Das änderte sich langsam Ende der 80er Jahre, als mein Fokus weg von Hörspielkassetten ging. Carsten Bohn, ich kannte die Musik von EUROPA, sollte mir auch knapp 10 Jahre später als solcher bekannt werden. Die erste zugeordnete Kassette war übrigens Bad von Michael Jackson, die besitze ich heute noch. Viel später waren die Tauschbörsen eine super Möglichkeit, dieses Wissen relativ spät aufzustocken. Durch Fragmente, auditives Gedächtnis mit Refrain-Lines oder Melodiefragmente reichten aus, um mir diese ganzen Defizite abzugewöhnen. Heute verliere ich zwar die Verknüpfungen, kann dafür jetzt die Künstler zur Musik meist eindeutig zuordnen und kenne viele Geschichten dazu.
In den 1970er Jahren gab es dennoch Musikstücke, die mich magisch anzogen und die ich nicht kannte. Initialzündungen in verschiedener Weise, beispielsweise Die Roboter von Kraftwerk. Ich sehe mich dann auf dem Rücksitz unseres Audi 100 zwischen den Blaupunkt-Lautsprecher kniend, wenn das Stück im Radio lief. Fade to Grey von Visage ist ebenso ein Ding, die Roland CR-78 fasziniert mich bis heute ob des so vollkommen nicht nach Schlagzeuger klingenden Charakters. Siehe obige Begebenheit mit Equinoxe, es waren damals eher die unnatürlichen Klänge, die mich faszinierten und von denen ich mehr wissen wollte. Synthesizer, Rhythmuscomputer, irgendwie digital klingend und doch analog. Blue Monday von New Order beispielsweise, faszinierend im Intro und kreationstechnisch total langweilig. Aber Lied für einen Freund von Maxi und Chris Garden – heute Meike Garden – fand ich unglaublich schön, aber ich hatte es bis auf die Melodie vergessen. Erst als Meike bei Massengeschmack.tv zu Gast war, fiel mir das Original sofort wieder ein und ist somit ein Beispiel für meinen Klangspeicher ohne Künstlerbezug. Das Lied hätte ich erkannt, aber damals nie zuordnen können. Dabei war der Grand Prix seinerzeit in aller Munde, aber ich mochte die Veranstaltung bis heute nicht leiden, meistens ist das Musik, die voll an meinem Geschmack vorbeizieht – Ausnahmen gibt es natürlich.
Der Weg zur Orgel
Eines der ersten Tasteninstrumente war ein grünes Stylophon, dass wir in den 1970er Jahren hatten. Ich glaube es gehörte nicht uns, ich weiß aber noch, wir schlossen es an die Musikanlage meiner Eltern an. Das gibt es von Dubreq immer noch und ist ein einfacher Synthesizer. Lautstärkeregler, Vibratoschalter und ein Stift, mit dem man den Kontakt auf der Tastfläche schloss. Ganz einfach und oft zu hören in vielen Musikstücken. Das Zweite war ein Harmonium von Hohner. Das stand in Oerrel bei meinen Großeltern. Einmanualig, ich meine sogar mit 61 Tasten und mit Hebel zur Veränderung der Lautstärke. Hier gleich wieder der Forschungsdrang: Die Lüftergeschwindigkeit veränderte sich beim Bewegen des Reglers, also muss sich der Luftstrom ändern. Heute weiß ich, dass ein Ventil für den Druckausgleich sorgt. Öffnet man es, verringert sich der Luftstrom an den Plättchen und das Instrument ist leiser. Lustig war es, wenn man die Tasten nur halb drückte, dann gab es witzige Laute. Später in Blomberg konnte ich zum ersten Mal eine Kirchenorgel hören und spielen. Das war schon gewaltig, diese Instrumente faszinieren mich natürlich genauso. in Hannover bekam ich dann eine orangene Bontempi-Orgel. Es musste eine gewesen sein, aber sicher weiß ich das nicht mehr. Die funktionierte ähnlich wie das Harmonium. Mir waren diese Instrumente allerdings zu laut und Kopfhörer anschließen ging natürlich nicht. Mich faszinierten Geräusche generell. Lüfter oder ähnliches, alles was Harmonische erzeugte fand ich spannend. Ich hatte natürlich Kassettenrekorder als Kind, aber deren Aufnahmequalität war im Vergleich zu heute vollkommen unbrauchbar. Hätte ich seinerzeit einen Digitalrekorder gehabt, ich könnte heute die Aufnahmen gar nicht mehr überblicken.
Dann waren da noch Klaus Wunderlich und die Orgel von Onkel Horst. Ich war so um fünf Jahre alt, dass ich zum ersten Mal bei irgendwem an einer Orgel saß. Ich drückte eine Taste und das Ding war höllisch laut, da war erst einmal vorbei. Das war zwar eine ganz andere Richtung, volkstümlich, schlagerartig, gefällt mir aber bis heute sehr. Horst hatte zunächst eine Orgel, die er zu Gunsten einer defekten WERSI Comet verkaufte. Klar behauptete er, ich habe sie kaputtgemacht, aber das Problem war wohl eine Verschaltung in der Klangerzeugung, den Fehler hat nie jemand gefunden. Die einzige Lösung war, den Main-Volume-Regler auf der Rückseite reduzieren und dafür den Schweller etwas aufdrehen. Wehe man stieß leicht mit dem Knie dagegen, dann tat es einen höllenlauten Schlag – die Hallfeder. Von dieser Orgel existieren keine Aufnahmen mehr, aber sie war fantastisch. Umfangreich mit WERSI-MATIC-artiger Begleitsektion, vielen Zugriegeln, analog und mit entsprechend klingenden Instrumenten. Ich beherrschte sie natürlich schnell, Horst eher nicht. Ich glaube ins Geheim war er froh, dass ich so oft kam und so hatte sein Traum mit der Heimorgel wenigstens einen Sinn erfüllt. Es kam übrigens nie zur richtigen Hausmusik, aber als Oma Herta mich heimlich mit dem Telefonhörer belauschte um einer Freundin zu zeigen, wie schön ich spielen könnte, war vorbei. Seitdem habe ich niemandem mehr etwas vorgespielt und das mache ich bis heute nicht. Ich kenne den Grund dafür nicht, entweder war es mir nicht perfekt genug oder es waren die stetigen Provokationen meiner Eltern, ich könne ja eh nicht spielen. Das meinten sie natürlich genau gegenteilig und wollten mich so herausfordern, aber es manifestierte sich vermutlich unterbewusst genau ins Gegenteil. Siehe Biographie, ich war schließlich immer für Überraschungen gut und verhalte mich meist gegenteilig, als man es vermutet.
In der Schule fiel mir das aber leichter, wenn ich kein Solo abliefern musste. Das ging und im Kontext mit anderen war ich nicht alleine und gab mein Bestes. Später am Synthesizer und Schlagzeug war ich zwar mehr gehört, aber irgendwie noch akzeptabel. Nur wenn es um Orgel ging, war ich raus und wusste mich auch zu drücken. Ich war froh, wenn Herr Waldherr mich nach hinten setzte, bei Theateraufführungen habe ich mich stets gedrückt. Siehe oben, vermutlich hat das gut gemeinte Verhalten meiner Eltern ungewollt irgendwas in mir verklärt. Ich durfte 1988 die Technik machen und Herr Waldherr kam auf eine Idee, von der ich ihm wohl eher abgeraten hätte. Wir sollten einen Stern aufgehen lassen und hatten zwei Bühnenstrahler auf der Empore unserer Aula. Er meinte, dass man einen Jutesack darüber ziehen könne und wenn der Stern aufgeht, könne man ihn runterziehen – das war meine Aufgabe. Doch kam es etwas anders, ein mit schnellen Schritten heranrauschender Dr. Drechsler, der übrigens die Funk-AG durchführte, riss den Sack vom Strahler und trat ihn aus, das passierte Gotts ei Dank bei der Generalprobe. So schnell konnte ich gar nicht reagieren, nur wunderte ich mich über den heißen Sack auf der Vorderseite. Klug genug war ich um zu wissen, dass dieser massive Strahler mit hoher Leistung etwas Unheil anrichten könnte, aber das Feuer hat er von unten gesehen. Mehr ist nicht passiert, doch zog ich es bei der Feier vor, lieber den Stecker zu ziehen.
Trotz Schlagzeug- und Orgelunterricht war es für mich schwierig. Bei Herrn Bierwisch bekam ich 1984 Unterricht auf einer kleinen Farfisa-Orgel, wie sie bei uns häufig in den Wohngruppen standen. Ich brach ihn nach einigen Wochen ab, um es 1986 auf der Yamaha FE-41 mit ihm nochmal zu versuchen. Das war eine große Orgel mit FM-Synthese, PCM-Rhythmen und Stereo-System, die FE-40 war etwas kleiner und hatte weniger Features und einen Mono-Ausgang. Schlagzeug kam 1988 hinzu und habe ich auch nicht lange durchgehalten. Doro war eine Musikstudentin und eine ganz liebe, geduldig und kompetent mit gutem Einfühlungsvermögen. Was aus ihr wurde weiß ich leider nicht. Aufgehört habe ich aber aus anderen Gründen. in der Mietswohnung wäre Üben schwierig und E-Drums waren noch teuer und selten. Bei Orgel störten mich die ausgewählten Musikstücke, das mit dem Fingersatz ist ja schön und gut, aber ich wollte doch einfach nur Klänge ausprobieren und experimentieren, so etwas lässt der Musikunterricht nicht zu. Die Synthesizer-AG war später was anderes, den im Jahr 1985 von der Schule erstandenen Korg DW-8000 könnte ich auch heute noch zielsicher bedienen. Parametrierung über klare Tasten und Einstellen der Werte mit Regler und Taster, Arpeggiator und viele spannende Sounds, das wollte ich. Zuhause bekam ich zu Weihnachten 1982 ein Casio PT-30 geschenkt, ein kleines Keyboard mit 31 Tasten, Rhythmussektion und ansatzweiser Begleitautomatik.
Zu Weihnachten 1986 kam eine Heimorgel dazu, aber ein sehr günstiges Modell, keine wirkliche Marke. Rein analog, eher mäßige Rhythmus-Sektion, ein Instrument was mir leider nicht so viel Freude bereitet hat. Da nützte auch der Hauslehrer nicht viel, ein Herr Wimmer sollte das 1987 mit mir machen. Eine Probestunde war zwar okay, obwohl er etwas unsicher wirkte, aber ich mochte diese Orgel nicht leiden. Keine Zugriegel, analoge Pseudo-Klänge, das war kein Instrument für mich, obwohl meine Eltern es auch hier gut gemeint hatten. Vielleicht hätten sie mich in die Auswahl mit einbeziehen sollen, weil ich ja der Experte war und meine Familie nicht wirklich musikalisch. Zur Orgel kam ein Korg DDM-110 hinzu, den ich wohl auch nicht gekauft hätte. Er besaß neun Schlaginstrumente, war aber ziemlich einfach zu programmieren. Ich nutzte den Drumcomputer mit Batterien eigenständig und nahm ihn überall mit hin, somit beschränkte ich mich einfach auf das Schlagzeug und nutzte die Orgel hauptsächlich als Verstärker für das Kofferradio. mein Cousin Carsten besaß eine Solina P-256 Heimorgel und einen Roland TR-505 Drumcomputer, das war eine etwas andere Klasse. Das Casio MT-400 V als Keyboard hatte er außerdem, mit diesem ist er sogar auf dem Schiff auf der Weser aufgetreten. Carsten war damals richtig gut und hat auch Preise bei Wettbewerben abgeräumt. Mit Dirk Bahl, den wir schon in diesem Podcast hatten, nahm er Unterricht im Orgelstudio Hopp in Holzminden. Carsten konnte außerdem Noten lesen und somit war er mir voraus. Notenschrift beherrsche ich bis heute nicht, lediglich eine von Herrn Waldherr entwickelte Pseudo-Notenschrift mit einer verständlichen Systematik. Als Carstens Familie zu uns nach Hannover zog sollte er 1988 auf einer von meiner Mutter organisierten Weihnachtsfeier Orgelspielen. Herr Waldherr war natürlich dabei, ich bekam die Schlüssel und rollte zu diesem Zweck die riesigen Aktivlautsprecher und den Stahlschrank mit dem Mischpult über das Gelände um alles auf der Bühne aufzubauen. Für meinen Cousin ist mir das Beste natürlich nicht gut genug und ich organisierte ein neues Instrument, was die Schule für eine Wohngruppe bekam. Eine Technics sx-EX50L PCM-Heimorgel. Zwar nicht Stereo, aber das Beste das ich ihm bieten konnte. Ich weiß noch, es war eine schöne Feier und er hat die Bude natürlich gerockt. Herr Waldherr besaß übrigens einen Casio VL-80 aus Taschenrechner von Kraftwerk. Mit dem konnte er blind rechnen alleine durch Rückmeldung der Töne, denn jeder Ton war eine Zahl. Der VL-1 war das gegensätzliche Keyboard dazu, siehe Trio. Den besaß Holger, ein Sohn einer Erzieherin und Kommunionsfreundin, die mir das Instrument mal auslieh.
Ergänzend zu den Orgeln, in Hannover genoss ich eine gewisse Freizügigkeit. Nach der Schule, während meine Mutter noch in der Großküche arbeitete, zog ich meine Runden und entdeckte hier und da in manchem Keller eines Hauses ein Instrument. Ganz früh war es eine Orgel im Speisesaal auf der Bühne. Hinter dem Vorhang setzte ich sie in Gang und wunderte mich, warum eine Orgel ein Ventilator hatte. Zwei Schalter aktivierten ihn und veränderten die Geschwindigkeit. Erst viel später wusste ich, dass es im Prinzip eine Form eines Rotary-Cabinet gewesen ist. Man hatte aus Budget- und Platzgründen vor die Lautsprecher in Orgeln Windräder eingebaut, mit denen man den Klang etwas formen konnte. So eine Schwebung ist etwas vollkommen anderes als ein vom Schallpunkt abgestrahlter Digitaleffekt, weil er die Luft im Raum tatsächlich bewegen kann. Das hat mich stark beeindruckt und man konnte ja auch einen Kopfhörer am Kabel festhalten und durch die Luft drehen. Somit war meine Mission genau dieses Ergründen, warum Klänge und vor Allem wie sie entstehen. Im Treppenhaus unter der Aula fand ich dann vermutlich einen Roland SH-1000, ein Synthesizer, der als drittes Manual für Orgeln konzipiert war. Nur leider war eine Steckdose nicht in Reichweite, aber irgendwann klappte es und er stand an anderer Stelle. Ich war ja stets vorsichtig und wollte ja nichts kaputt machen. Mit Kopfhörer bewaffnet und einem Kabel zur Hand entlockte ich ihm einige Klänge, aber die Zeit reichte für mehr nicht aus. Wer auch immer die Instrumente wann gekauft hat und wo sie verschwunden sind ist unklar. Die Yamaha FE-41 begegnete mir in den 90ern in einem Zustand, dass man sie wohl inzwischen entsorgen konnte. Das ist eben der Nachteil an Schulen, die Instrumente werden oft durch zu viele Hände gereicht. Das sah man auch an den Orgeln, die von Jahr zu Jahr immer furchtbarer aussahen.
Die Marburger Kreativzeit
Der Rest kommt die Tage.


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