Stephan Merk – Die Autobiographie

Letzte Aktualisierung am 17. April 2026

Anmerkung der Redaktion: Die folgenden Links zeigen auf zugehörige Beiträge:

Prolog

Als in den 1990er Jahren die ersten Internetseiten aufkamen, konnte sich nahezu jeder im Netz präsentieren. Sei es privat oder mit einem Hobby, die Anbieter wie T-Online förderten dies massiv mit kostenlosem Speicherplatz und Baukastensystemen. Eine eigene Domain konnte man werbefinanziert bei manchen Anbietern wie FreeCity sogar kostenlos bekommen, das war der Beginn von merkonline.de. Alles andere wäre damals nicht finanzierbar und so zeigte Die Domain zunächst auf meinen Webspace. Das änderte sich erst mit dem Providerwechsel und mit mehr Speicherplatz ergaben sich mehr Möglichkeiten. Ich begann mit Microsoft FrontPage Express, einem visuellen HTML-Editor. Dieser wurde als erweiterte Version in Microsoft Office integriert und so nutzte ich ihn viele Jahre, zuletzt Microsoft SharePoint 2007.

Zunächst begann ich mit der Veröffentlichung einiger Texte zum Thema Blindenhilfsmittel. Ein für mich unschätzbarer Vorteil bis heute ist, dass sich die Texte sofort auf den aktuellen Stand bringen konnte – ein Buch ist geduldiger. Später kamen weitere Themen und sogar Gastbeiträge hinzu. Dann gab es noch die Geschichten über mich, meine Hobbys und Interessen, das gehörte zum guten Ton. Im Gästebuch konnten sich Besucher verewigen, davon machten viele Gebrauch. Die eigene Webseite war das Tor zur Welt, sehr statisch, ein paar Bilder, sonst nichts. Später ging ich zu Audio über, Tests sollten hörbar werden und MP3 war die Lösung für handliche Dateien, der Rest ist Geschichte. Heute scheint es üblich, dass viele ihren Alltag fast lückenlos in sozialen Medien abbilden. Davon war ich nie ein Freund und während ich mich früher sehr fürs Fotografieren und Filmen interessierte, wurde diese Leidenschaft vielleicht auch deshalb zurückgedrängt. Schon Mitte der 2000er Jahre veränderte sich meine Einstellung, Gästebücher wurden zunehmend kolportiert, das Internet rückte immer mehr in den Fokus und man wurde plötzlich angreifbar, ich entfernte somit alles Private aus dem Netz.

In der Lebensmitte angekommen liegt einiges hinter mir und die Erkenntnis, dass viele sich offenbar für das Leben anderer interessieren, das ergeht mir schließlich ähnlich. Obwohl wir alle gleichzeitig leben, durchlebt jeder einen anderen Zeitabschnitt. So mochte ich besonders die Gespräche mit der Kriegs- und Nachkriegsgeneration, die alleine durch Gespräche die Vergangenheit aufrecht erhalten. Als ich nun die alten Beiträge aus der Wayback Machine für merkst.de rekonstruierte, fielen mir auch die privaten Texte zu. Sollte ich sie rekonstruieren oder nicht, ich entschied mich dafür. Herausgekommen ist keine Rekonstruktion, sondern eine Autobiographie, die sich an den alten Inhalten orientiert und sehr viel mehr erzählt. Dabei habe ich manches ausgelagert und in andere Beiträge verschoben, die Musik wird im zweiten Teil behandelt. Die Einträge des originalen Gästebuchs finden sich am Schluss, Kommentare können gerne unter diesem Artikel hinzugefügt werden – quasi als modernes Gästebuch. Nun wünsche ich allen interessierten Lesern viel Freude mit dieser Lektüre.

Meine Kindheit

Ende Juli 1975 erblickte ich laut Angabe meiner Eltern das Licht der Welt – oder umgekehrt. Es war um 07:35 Uhr im Kreißsaal des Kreiskrankenhauses Soltau in der Lüneburger Heide, als ich an einem heißen Sommertag nach einer nicht unkomplizierten Schwangerschaft entschlüpfte, die Sommerzeit gab es damals nicht. Eine häufige Frage beantworte ich direkt mit einem Nein, denn ich bin nicht im Heide Park geboren, der entstand erst drei Jahre später. Recht schnell zeigte sich, dass ich gesetzlich als blind gelten würde, dies soll laut Überlieferungen Oma Henni aus Blomberg als erstes aufgefallen sein. Es gibt selbst heute noch einen ausreichenden Sehrest trotz Tunnelblick, der mir später noch sehr nützlich sein würde. Tests ergaben teils einen Visus von 0,1 rechts und 0,05 links bei 0,5 Grad Sichtfeld. Laut Untersuchungen sollte ich mit Anfang 20 erblindet sein, dies trat jedoch nicht ein. Eine seltene Augenerkrankung, die der Retinitis Pigmentosa zugerechnet wird, eine degenerierte Netzhaut inklusive Ablösung, die hält sich allerdings noch wacker. Altersbedingte Fehlsichtigkeit bei nunmehr um Visus 0,02 würde wohl stimmen und ist heute nicht anders messbar. Durch das so genannte Augenflattern versagen bei mir alle elektronischen Messgeräte und ich kenne das nicht anders. „Willst du nicht mal richtig sehen können“, eine mir oft gestellte Frage mit klarer Antwort: Nein, weil ich kenne es nicht anders und geht man gerade heute durch die Welt, ist es ein Geschenk, nicht alles sehen zu müssen. Klar ist meine Körpersprache anders entwickelt, aber man bemüht sich. Trotzdem sehe ich die Behinderung als gegeben an und rücke sie ganz geziehlt in den Hintergrund.

Die ersten fünf Jahre meines Lebens verbrachte ich in der Ernst-Pernol-Straße im rund 20 km entfernten Munster des heutigen Heidekreises. Wir bewohnten damals eine 3-Zimmer-Wohnung mit schöner Wiese und Sandkasten, hinter der Hecke war außerdem ein Spielplatz. Ich mochte die Gegend und fühlte mich dort sehr wohl. Meine Mutter Ille (eigentlich Ilsemarie) arbeitete vor meiner Geburt im Drogeriemarkt Reimann, der sich später nicht gegen Rossmann behaupten konnte. Sie begründete mein späteres technisches Interesse auch für Registrierkassen damit, dass wohl während ihrer Schwangerschaft die Kassenschublade gelegentlich gegen ihren Bauch knallte – natürlich nicht ernsthaft. Nach meiner Geburt kümmerte sie sich vorzugsweise um mich, obwohl sie trotzdem nebenbei noch arbeiten musste. Mein Vater Heinz war seinerzeit Panzerprüfer bei der Bundeswehr und war zuvor einige Jahre auf dem Schnellboot Nerz bei der Marine in Kiel verpflichtet. Mit drei Jahren kam ich in den katholischen Kindergarten und lernte so den Umgang mit Nichtbehinderten, Kinder gab es auch in der Nachbarschaft. Für mich war das unproblematisch, weil ich meinen Sehrest zur Orientierung und zum Spielen sehr gut einsetzen konnte. Ob allerdings die Kinder dies verstanden, weiß ich nicht wirklich. Kurze Zeit später kam ich in einen evangelischen Kindergarten, wohl aus dem Grund, weil unsere Nachbarin Ulrike dort als Kindergärtnerin arbeitete und mich mitnehmen konnte. Dort war es allerdings nicht ganz so schön wie im ersten, zumindest nach meiner Erinnerung. Ich hatte einige sehende Freundinnen, weil ausschließlich Mädchen. Meine Kindergartenfreundin hießen Maike, Tina und da gab es noch eine, aber ich habe sie nie wieder gesehen und kenne die Nachnamen leider nicht. Für die war meine Fast-Blindheit kein Problem und ich lief ganz normal mit. Übrigens ein Effekt, den ich genauso bei unserer Tochter im Kindergarten beobachtete. Behinderte Kindder, wenn man sie nicht aus der Gruppe zieht und freistellt, können ganz normal integriert werden. Die Kinder verstehen schon, wenn etwas nicht stimmt. Das aktive Benennen allerdings führt zum Gegenteil, damit erzeugt man Spaltung und dann wird bewusst gemacht, hier stimmt was nicht. Es gab aber auch andere Kinder, die sich unseres Sandkastens bemächtigen. Einige ärgerten mich, bewarfen mich mit Sand und es stand zur Disposition, dass mein Sandkasten eingezäunt werden sollte.

Das Mietshaus gehörte der Bundeswehr und die waren uns offenbar sehr zugetan, ich war auch der Einzige, der den Sandkasten nutzte. Mit den Nachbarn hatten wir ein gutes Verhältnis, eine ältere Dame über uns hat sich zeitweise um mich gekümmert und meine Mutter ihr regelmäßig die Haare gemacht – das war noch gelebte Nachbarschaft. Fisher-Price dominierte neben Lego und Playmobil mein Kinderzimmer. Eine Schule mit Buchstaben und Zahlen, eine Uhr zum Lernen mit viel Mechanik, ein Hubschrauber, der fuhr und leuchtende Rotorblätter hatte. Die Kasse mit den Plastikmünzen, die ich in ähnlicher Bauform über 30 Jahre später für unsere Tochter noch neu kaufen konnte, hatte es mir besonders angetan. Vermutlich war ein gewisser Geschäftssinn neben meinem sozialen Gespür in mir schon angelegt. Ich erinnere mich noch an den Besuch von Dr. Herbert Garbe, damaliger Direktor des Landesbildungszentrums für Blinde in Hannover. Eigentlich wollte ich aus Munster nicht weg, war aber zugleich neugierig auf Hannover. Einige Besuche ließen die Stadt als spannend erscheinen und ich freute mich sogar darauf. Meinen damaligen Vogel Tobi nahmen wir natürlich mit, den bekam ich von Onkel Paul zum Geburtstag. Das war ein total lieber Wellensittich und er hat mich geliebt, ich ihn aber nicht. Ich hatte panische Angst vor ihm aufgrund seiner dreidimensionalen Bewegungen. Er kam später in die Volliere meines Opas nach Blomberg und ist dann daraus entflogen.

Weniger Angst hatte ich vor Strafen und so habe ich meine Mutter gelegentlich in den Wahnsinn getrieben. Wohl weniger damit, wenn ich die ganzen Schüsseln in der Küche ausräumte und mit Kochlöffel bewaffnet erste Schlagzeugversuche unternahm. Stets mit dabei waren „Moing Moing“ und „Nusch Nusch“, Schnuller und Tuch, wobei ich ersteres kaum brauchte. Viel wichtiger war ein Stoffhund mit langen Schlappohren von Onkel Eberhard, der könnte sich heute noch auf dem Dachboden befinden. So passte meine Mutter gelegentlich auf meine Kindergartenfreundin auf. Sie hieß Meike und war nach Angaben meiner Mutter ein „Satansbraten“ mit langen dunkelbraunen Haaren. Ich füge dies hinzu, denn unterstellend war das Folgende nicht meine Idee. So haben wir Äpfel aus er Küche geholt und fröhlich an meinen Kleiderschrank geworfen. Zugegeben war das lustig, denn die Äpfel platschten hörbar an den Schrank. Allerdings waren sie mehlig und mein Zimmer hatte einen grünlichen Teppichboden. Da kann man sich vorstellen, was danach passiert ist. Überhaupt kam ich schon immer mit Mädchen besser klar. Tina aus dem Kindergarten mochte mich wohl und lief mir immer hinterher. Heute sehe ich das anders, aber damals ging sie mir regelrecht auf die Nerven. Ich habe ihr es immer und immer wieder versucht erfolglos klarzumachen, es heißt „Jacke“ und nicht „Gacke“!

Trotz aller Neugier hatte ich Respekt oder sogar etwas Angst vor Strom, allem Lauten und Staubsaugern. Weil man in den ersten Kindheitsjahren stark geprägt wird, gab es hier einige unbeabsichtigte „Programmierfehler“. So saß ich als Kind eines Tages in einem Leopard 1, der nach dem Anlassen so laut war, dass man mich schreiend aus dem Panzer heben musste. Bei Strom kam der Respekt von Alleine, ich fasste schon mal in eine offene Sicherung, manchmal gab es schlecht isolierte Stecker oder eine offene Lampenfassung, ich wollte als Kleinkind schließlich im wahrsten Sinne des Wortes alles begreifen. So waren wir in Munster auf irgendeinem Fest und aus einem Papphaus kamen wie von Geisterhand Lutscher geschoben, nachdem man oben einen Groschen einwarf. Natürlich schob ich den Lutscher wieder zurück, aus Neugier was denn da eigentlich passierte. Die Hand, welche den Lutscher schob, brachte schließlich Klarheit. Vielleicht war dieses Erlebnis sogar die Grundlage für folgende Idee. Als nämlich meine Laterne bei einem Umzug abfackelte, wollte ich etwas, das nicht brennt. Ein Haus sollte es sein mit Fenstern und Beleuchtung. Was heutzutage selbstverständlich ist, erschuf mein Vater in den 1970er Jahren aus Pappe, bunter Folie und Birnchen, die durch vier Batterien auf der Unterseite angetrieben wurden, Schalter inklusive. Das Haus war so schwer, dass sich der Holzstab gefährlich nach Unten bog und das hat mich noch bis nach Hannover begleitet. Wichtig war mir immer Perfektion, es sollte schon irgendwie realitätsnah sein.

Licht war für mich wie ein Magnet, aber lautes mochte ich hingegen überhaupt nicht. Bei Bohrmaschinen, Sägen oder ähnliches zog ich mich meistens zurück. Feuerwerk war mir früher unheimlich, in Herrenhausen gab es damals schon den Feuerwerkswettbewerb. Die Knalleffekte und großen Bomben am Himmel wirkten auf mich mit fünf Jahren bedrohlich, Silvester habe ich meist nur durchs Fenster zugeschaut. Angst war das nicht, eher ein Selbstschutzreflex. Luftballons konnte ich überhaupt nicht leiden, das unvorhersehbare Rumfliegen, Quietschen, Platzen und den Geruch mochte ich überhaupt nicht, wenn Kinder damit spielten. Immerhin sind heutige Materialien strapazierfähiger und so platzen sie nicht mehr so leicht. Mit Staubsaugern hat man mich öfters geärgert und so waren die lauten Dinger ein rotes Tuch. Wenn wir später in der Schule unsere Fächer mit dem AEG Vampyrette Handstaubsauger aussaugen sollten, musste ich zufällig länger aufs Klo. Kam der Vorwerk-Vertreter, war das Bad ebenso ein toller Aufenthaltsort. Es war aber schon eine Mischung aus Furcht und Neugier und Wenn ich zu neugierig war, konnte so mancher Scherz diese zügeln. Lothar wohnte mit seiner Familie ein paar Häuser weiter und in der Küche hatten sie eine Dunstabzugshaube. Das Geräusch fand ich interessant und natürlich wollte ich wissen, wie diese funktioniert. Somit musste er mich immer hochheben und meinte dann irgendwann, ich müsse aufpassen, denn die könnte mich einsaugen, das wäre Kindern schon passiert – da war vorbei. Zuvor soll ich beim Betreten unbekannter Wohnungen gefragt haben, ob es nicht eine Abzugshaube gäbe, diese habe ich mir später verkniffen.

Weitere Anekdoten sollen nicht unerwähnt bleiben. So besuchten wir einst das Grab meiner Uroma auf dem Friedhof. Für gewöhnlich hat man derer zwei, was mir im Alter von knapp drei Jahren wohl nicht bewusst war. „Wer ist denn alles hier“, fragte ich Heiligabend und meine Mutter zählte alle auf, inklusive der anderen Uroma. „Wieso Uroma, wir waren doch gestern bei dir auf dem Friedhof!“ Eine weitere Geschichte begab sich eines Freitagmorgens, als Tante Irene zu Besuch war und mit meiner Mutter in der Küche saß. Es gab einen riesigen Schlag und die Beiden erschraken zunächst. Im Schlafzimmer angekommen sahen sie die große weiße Schranktür auf dem Boden liegen. Vollkommen geschickt hoben sie die Tür an und sahen mich dann schnell ins Zimmer flitzen. eine weitere Geschichte spielte sich damals in unserem Keller ab. Von Onkel Marius bekam ich mit vier Jahren einen ausrangierten Spielautomaten. „Ich kaufe mir eben ein Eis“, sagte ich, nahm zehn Groschen aus dem Münzfach und verließ das Haus, um eigenständig die wenigen hundert Meter zum Kiosk der Familie John zurückzulegen. Die zehn Wassereise konnte ich kaum tragen, wobei ein Groschen noch hinter die Kühltruhe fiel. Wie selbstverständlich kam ich zurück in den Keller und mein Vater traf fast der Schlag: „Wo kommst du denn her“, fragte er. Seine Version ist allerdings etwas anders, so wird von ihm behauptet, er sei mir hinterhergeschlichen. Die letzte Geschichte ist etwas unschön und spielte sich auf der Kellertreppe ab. Angeblich in Munster, könnte aber auch schon Hannover gewesen sein. Dort saß ich mit meinem kleinen Koffer voller Spielzeugautos. nachdem ich mich mit meiner Mutter gestritten hatte: „Ich gehe zum Jugendamt“, wie auch immer ich auf so etwas kam und verließ die Wohnung nur um abzuwarten, was passieren würde. Überhaupt war ich stets neugierig und auf Entdeckungsreise. Das Parkhaus von Fisher-Price, das ich auf unserem überdachten Balkon im Karton gefunden hatte, „ist für ein anderes Kind“, wie meine Mutter behauptete. Das hatte ich mir doch gewünscht und natürlich war es für mich bestimmt. Dann waren da noch die Verbote, über die ich mich gerne hinwegsetzte. Ich durfte nicht an die Stereoanlage meines Vaters und konnte es als Kind nicht lassen. Somit griff meine Mutter zu einer List: Sie föhnte sich die Haare und ich wusste, dass wenn der Föhn läuft, mich keiner beobachtet – weit gefehlt. Als ich dann wieder an der Anlage stand, erschreckte sie mich mit: „Was machst du da!“, und ich war weg.

Familiär hatte meine Mutter mehr Verwandtschaft, jene meines Vaters beschränkte sich auf Oma, Opa, deren Geschwister und Cousins. Mein Vater hat einen Bruder, meine Mutter dafür sieben Geschwister und ich somit viele Cousins. Ihr Vater ist unbekannt, der Stiefvater kam ursprünglich aus dem Osten und so gab es auch Besuche in die damalige DDR. Die Grenze war mir unheimlich und Kontrollen gruselig, zweimal war ich in den 1980er Jahren mit drüben. Meine Kindheit spielte sich somit auch in Oerrel bei Munster, Blomberg und Schieder ab, Hannover lag quasi in der Mitte. Tante Otti war die Schwester meines Opas Otto – eigentlich hieß sie Ottilie – und sie hat früher in Oerrel neben meiner Oma auf mich aufgepasst, wenn die Eltern feierten oder Opa in der Kneipe aushalfen. Oerrel ist ein Ortsteil von Munster und an der kleinen Örtze gelegen. Nach dem zweiten Weltkrieg errichtete man dort eine Siedlung für Flüchtlinge. Es entstanden verklinkerte Häuser mit zwei Etagen und zwei Wohneinheiten, die man gemeinsam oder getrennt nutzen konnte. Jedes Haus sah aus wie das nächste, aber die Eigentümer bauten mit der Zeit vieles um und so unterschieden sich Anbau, Gartenzaun und Bepflanzung. Dort gab es damals ein Kreiskrankenhaus und eine Grundschule, mehrere Kneipen, Feuerwehrverein, Sportplatz und ein kleiner Lebensmittelladen. Familie Helms betrieb daneben auch die lokale Volksbankfiliale und er stieg zum Ortsvorsteher auf. Die Feuerwehr machte Laternenumzüge und so war es in Oerrel für mich immer schön. Pilze suchen mit Tante Otti und Onkel Fritz, am Spielautomaten bei Opa in der Kneipe, im Wohnhaus stöbern bei Oma und wenn sie auf mich aufpassten, reichten sie mich immer rum. Otti und Fritz hatten eine Dachterrasse, die sich über dem Anbau befand. Man öffnete die Tür in der Küche und schon war man draußen. Als Tante Otti auf jener Terrasse war, wollte ich mal versuchen, ob man so eine Balkontür mit dem Hebel auch wieder verschließen könnte – es gelang mir. Sie klopfte von Außen und wollte wieder rein, ich aber wollte mir lieber den Balkon im Schlafzimmer anschauen. Als sie von unten gesehen wurde, hat man sie befreit und später haben alle darüber gelacht. In Munster hatten wir direkt keine Verwandtschaft, die Eltern von Ulrikes Hartmut wohnten allerdings auch in Oerrel. Hartmut war ein leidenschaftlicher Modellbauer und er wollte den ersten Probeflug seines Modellfliegers auf dem Grundstück seiner Eltern vollziehen. Das gelang ihm, bis das Flugzeug gegen den Zaun flog und er war danach völlig fertig – das fand ich furchtbar.

Die „Lönsklause“ war die Kneipe meines Opas mit einem riesigen Festsaal, später kaufte er die „Alte Wache“ und baute sie um zur neuen Kneipe. Oben hatte er dann fünf Fremdenzimmer und als Kind war es dort immer spannend. In der „Lönsklause“ stand ich mit vier Jahren schon vor dem Spielautomaten, während „Die lustigen Holzhackerbub’n“ von Heino aus der Musikbox dröhnten. Die Gäste kannten uns und von daher war das immer lustig. Ob Tante Ursel, die mit mir auf dem Schoß ein halbes Hähnchen aß oder der alte Herr Görlitz mit seinen Zigarren – der vorige Wirt – und natürlich dieter Ebert. „Na, Spezi“, sagte er und ich nannte ihn auch Spezi. Ich dachte, der hieß so. Dass er einen Lottoladen in Munster hatte und wie der richtig hieß, erfuhr ich erst viel später. Eines Tages saß ich an der Theke und bestellte bei Opa ein Bier, da konnte ich noch keine fünf Jahre alt gewesen sein. „Das wird aber ausgetrunken“, war die Anweisung des Herrn Ober. Das Bier kam und ich nahm einen größeren Schluck und ich verzog das Gesicht. Glücklicherweise erbarmte sich ein Thekennachbar und er tat dies sicher nicht ungern. Als ich größer wurde, gab es die „Alte Wache“ und hier habe ich mehr Erinnerungen. Ich saß häufig in der Küche und spielte mit den Schirmchen, die man üblicherweise auf Eisbechern findet. Ich machte sie auf und wieder zu, weil ich den Mechanismus dahinter verstehen wollte. Mit Opas Ford Taunus waren wir gelegentlich im Großmarkt. Damals durften nur zwei Personen rein, Kinder waren wohl ausgenommen. Ich fand das beeindruckend, die großen Packungen kannte ich so nicht. So fand ich mich hin und wieder auch im Vorratsraum der Großküche in der Blindenschule wieder, die Gerüche und unfassbar vielen Flaschen, Zuckerstückchen und großen Milchbeutel im Kühlraum, das ist schließlich nicht so alltäglich. Ich half in der Kneipe auch hin und wieder mit, Getränkeflaschen oder Zigaretten ausgeben, Bier zapfen und Süßigkeiten gab es auch. Tagsüber, wenn keine Gäste da waren, habe ich mich hier bedienen dürfen. Das war ein Bisschen wie Schlaraffenland. Wollte ich Koketten mit Currywurst oder Pommes, bekam ich sie. Wollte ich ein Eis, durfte ich mir eins nehmen. Einst wollte ich eine Schüssel Amarena-Kirschen und ich bekam sie – dann war mir etwas übel. Opa hatte damals auch Flipper, später nach dem Umzug in die „Alte Wache“ zunächst noch einige Jahre. Ende 1984 bekam er einen Galaga-Automaten von Namco, bis auf die Spielautomaten waren das Leihgeräte. Ich durfte die Münzen aus seiner Kasse nehmen und in die Automaten stecken. Meine Oma musste den Kassettenrekorder halten während ich spielte, ich konnte ihn nicht wie beim Flipper darunter stellen. Leider habe ich diese Aufnahmen überspielt, ansonsten hätte ich die Stimmen meiner Großeltern konserviert, vorhandene Super-8-Filme haben keinen Originalton. Mein Vater hat Musik über das Mikrofon des Projektors aufgezeichnet und konnte die Filme so nachvertonen.

Die Fahrt nach Blomberg dauerte von Munster aus somit länger und dort war es früher auch sehr schön. Hansi, Klaus-Dieter und Horst lebten damals noch zuhause und mein Cousin Michael wurde von Oma halb mit großgezogen, somit war in Borkhausen viel los. Sie bewohnten dort ein Reihenhaus direkt zwischen Bahnlinie und Bauernhof, später in einer Siedlung mitten in Blomberg. Meine Oma putzte bei einer Arztfamilie, dort spielte ich mit den Töchtern. Als die Brüder mit der Zeit auszogen, wurde es etwas langweiliger und es war für mich nicht mehr so spannend, sofern nicht eine Feier und meine Cousins da waren. Opa hatte einen Garten und einen Spielplatz gab es in der Berliner Straße auch, heute ist daraus ein Kindergarten geworden. Mein Opa rauchte Roth-Händle und das Besondere waren die zwei Groschen, die sich in der Folie um die Schachtel befanden. Holten wir ihm eine Schachtel aus dem Automaten, durften wir das Geld behalten – das wäre heute völlig undenkbar. In Blomberg lebten viele Gastarbeiter, hauptsächlich Italiener und Türken, aber auch Holländer wegen er Kaserne. Zwei Geschwister meiner Mutter waren mit Holländern verheiratet, Tante Elli mit Marius und Tante Anita mit Henk, beide werden uns im Verlauf noch begegnen, von Onkel Henk kam mein erster Homecomputer – die hatten gefühlt alles und noch viel mehr von Philips. So bekam ich schon früh Niederländisch von klein auf mit und die Sprache hat für mich was heimisches. Tante Anita war darin richtig gut und sprach mit Denni und Benjamin holländisch. „Denni, Afblijve – Afblijve!“ sagte sie oft und ich überlegte, was könnte das denn heißen, versuchte es nachzusprechen aber kam nicht drauf. „Finger weg“ meinte sie und so bekam ich lautmalerisch die Sprache mit. Die niederländischen Verwandten kamen somit öfters zu Besuch und sprachen kein oder nur „een beetje“ deutsch, trotzdem hat die Verständigung immer gut geklappt. Wie Onkel Henk einst meinte: „Die Deutsche is eh nur eine holländische Dialekt“, vielleicht ist da was dran. Ich mochte Pindakaas, Hagelslag und appelstroop (Erdnussbutter, Schokostreusel und Apfelsirup) total gerne und in Blomberg gab es auch einen holländischen Supermarkt. Später auf der Segelfreizeit auf dem Ijsselmeer war meine Gelegenheit und ich kaufte mir in den 1990ern unter Anderem zwei Becher Apfelsirup. Ich weiß nicht warum, aber das Zeug klebte und schmeckte mir überhaupt nicht mehr, ich warf die Becher weg.

Die Grundschulzeit

Aufgrund meiner Fast-Blindheit entschieden sich meine Eltern mit um die 30 und mir im September 1980 nach Hannover zu ziehen und vermieden, dass ich ins Internat musste. Mein Vater konnte bei der Polizei anfangen und meine Mutter im Landesbildungszentrum für Blinde Offiziell als Näherin, faktisch als Beiköchin. Im September kam ich direkt in den Schulkindergarten und wurde von Frau Mensching betreut, während meine Mutter arbeitete. So etwas ging früher ganz unkompliziert, heute wäre das bürokratisch bestimmt schwieriger. Mit den Kindern auf dem Gelände der teils dort wohnenden Mitarbeiter spielte ich viel, ohnehin lieber mit Sehenden. Claudia war die Tochter von Frau Koch, einer jungen Erzieherin, und sie hatte ein Indianerzelt, so dass wir überhaupt viel draußen spielten. Vermutlich war ich tendenziell etwas aktiver als die anderen blinden Kinder, aber das lässt sich nur mutmaßen. Vormittags war ich im Schulkindergarten, später dann in der Schule und nachmittags in der so genannten Vorschule und anderen Internatsgruppen. Dass das überhaupt so ging, lag sicher auch daran, dass wir sehr beliebt waren. Meine Mutter kannte alle und alle kanten mich. Daher wurde ich auch von allen Mitarbeitern stets beobachtet und am Ende bekam sie alles mit. Damals standen auf dem Schulgelände noch die alten Baracken, das Schulgebäude wurde komplett neu gebaut. Seinerzeit wie üblich mit Aluminiumplatten verkleidet, heute sieht die Front aus wie Sau, wenn man nicht inzwischen was daran gemacht hat. Den Schulkindergarten hatten wir damals mit umgezogen, das war kurz vor den Ferien, überall lagen Kabel herum, es wurde gebaut und ich erwischte einige Kinder, die mit dem Kettcar im renovierten Gebäude herumfuhren. Ich hinterher mit dem Fahrrad und scheuchte sie raus – das nennt man wohl den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Bei der Einschulung waren wir die erste Klasse im neuen Schulgebäude. Im Zentralbau waren die Turnhalle und Aula mit Pfeifenorgel, die Anschlussgebäude wurden als West- und Ostflügel bezeichnet und hatten konstruktionsbedingt zwei Innenhöfe. Das Gelände war schön gelegen direkt an der Eilenriede, Hannover verfügt über den größten Stadtwald. Ein Blindenlehrpfad wurde später gebaut und man konnte ihn betreten und ihn auch nicht verlassen, am Ende kam man wieder zurück aufs Gelände. Leider blieb Vandalismus nicht aus und die Tafeln wurden beschädigt. Nachdem der Musikraum eingeräumt war, gab es kurz darauf einen Einbruch und man hat alles ausgeräumt, eine Alarmanlage war die Folge. Die zu entschärfen hat man mir auch gezeigt, aber sie ging häufig ohne Grund los und heulte über das ganze Gelände. Die Klassenräume waren gut ausgestattet mit Wandschränken, Tafel und Kassettenrekorder und Verstärker, je zwei Kugellautsprecher von Grundig hingen an den Decken. Die Schreibtische wurden in der hauseigenen Behindertenwerkstatt gefertigt, bekamen links Schubfächer und rechts ein Ordnerfach sowie eine Randleiste, damit die ungeschickten Blinden nicht ihre Punktschriftmaschine auf den Boden pfeffern konnten. Jährlich gab es Messungen, wie groß man ist und wie hoch die Tische und Stühle sein müssten, darauf hat man sehr geachtet.

Zurück in den Schulkindergarten, es war eine Art Vorbereitungsjahr auf die eigentliche Schulzeit. Sinn und Zweck war es, den jeweiligen Behinderungsgrad und die Schuleignung zu überprüfen und die „Vorschüler“ auf ein gemeinsames Level zu bringen. Dieses Jahr war aber nicht verpflichtend, ähnlich wie heute an vielen Grundschulen, in meinem Fall diente es wohl nur der Aufsicht. Weil ich ohnehin schon in Munster die Buchstaben und Zahlen unterscheiden und auch Farben konnte – meine Eltern haben sich früher viel um mich bemüht – war dieses Jahr für mich nicht unbedingt nötig. Wochentage lernen, Schleife binden und Basteln war nützlich für mich. Außerdem hatten wir Sport und Religionsunterricht, somit war es schon ein Bisschen wie Schule. Doch stellte ich mir diese irgendwie anders vor, viel mehr Kinder, ich bekam das ja von anderen mit. Im September 1981 wurde ich in die erste Klasse mit sechs Jahren recht früh eingeschult und blieb bis 1989 am LBZ. Früher hieß diese NLBS – Niedersächsische Landesblindenschule. Zunächst waren wir um 12 Schüler in der ersten Klasse, die sich bis zur siebten auf fünf dezimierten. Dafür gab es mehrere Gründe, meist weil einige nicht im Unterricht mitkamen. Zugegeben hatte ich zunächst einige Schwierigkeiten mit den teils lernbehinderten Schülern, ich kannte blinde Kinder schließlich kaum und so erinnere ich mich noch an meinen Sitznachbarn Oliver. Dieser bekam offenbar mit, dass ich noch was sehen konnte und fragte mich: „Welche Farbe hat der Schrank?“ und ähnliches, Bereitwillig gab ich Auskunft, braun natürlich. Offensichtlich konnte er sich dies nicht so richtig merken und wiederholte seine Fragen, Schlussendlich nannte ich ihm grün und immer wieder andere Farben – ich war sichtlich genervt. „Wer bist du“, war auch so eine typische Frage, „darf ich dich mal anfassen?“, „wo soll ich hin“ – ich müsste lügen würde ich behaupten, ich hätte mich nicht als Kind darüber lustig gemacht. Natürlich waren Spott und Häme die Folge und wer ehrlich bleibt weiß, das ist unter Kindern ganz normal und verwächst sich üblicherweise. Daher schäme ich mich heute dafür nicht, das war eben so und ich bin mir sicher, über mich hat man vermutlich genauso gelacht. Abgesehen davon hat mir die Schulzeit an sich viel Spaß gemacht, obgleich es so einige Differenzen mit den Lehrern gab. Einer Erzählung meiner Mutter zur Folge soll ich eines Tages in der dritten Klasse zu ihr gekommen sein. ich wollte eine Mathearbeit nicht mitschreiben, weil es sich meiner Auffassung nach um eine Doktorarbeit handeln würde. Dies hatte zur Folge, dass meine Mutter mich zurück in den Klassenraum brachte und Wolfgang Hoffmann, meinen damaligen Klassenlehrer fragte, was denn eigentlich los sei. Er meinte, ich hätte die Arbeit für zu schwer empfunden und mich geweigert, diese mitzuschreiben. Und wollte mich bei meiner Mutter darüber beschweren. Ich solle ruhig machen meinte er. Meine Mutter vertrat die Ansicht, dass er mir eine Sechs geben sollte, jedoch schrieb ich diese letztendlich nun doch mit und bekam dafür sogar trotz Zeitverlust eine Drei oder noch bessere Note, ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Ich war irgendwie immer schnell in meiner Auffassungsgabe und um mich nicht zu langweilen, habe ich nicht selten vorgeblättert oder mehr als nötig gemacht, wenn auch gelegentlich anders als erwartet.

Diese Geschichte beschreibt gut meinen Charakter. Ich war meist fleißig, wenn die Aufgaben für mich einen Sinn ergaben. Genauso war ich hilfsbereit, wenn Mitschüler nicht zurechtkamen. Ein akribisches Arbeiten war mir zwar wichtig, aber nur, wenn ich Lust darauf hatte und so, wie ich es wollte. Das spiegelt sich exakt so in meinen Zeugnissen wider, einerseits hilfsbereit und engagiert mit starkem Gerechtigkeitsempfinden und technischer Neugier, andererseits auch faul und gelangweilt. Als Herr Hoffmann eines Tages dachte, ich würde schlafen, schmiss er mir wütend seinen Schlüssel vor die Nase, ich erschrak. „Wiederhole mal, was ich erzählt habe“, Sein Pech, ich wiederholte und er verlor fast die Nerven. Wenn ich etwas nicht sofort verstand, verlor ich schnell die Lust und Geduld. Ein Bisschen ist davon noch übrig, aber mein Geduldsfaden ist heute deutlich länger. Erreicht man bei mir jedoch den Kipppunkt, kann es aber auch gefährlich werden. Einerseits bin ich gutmütig und war ein guter Schüler, andererseits stand ich genauso öfters in der Ecke und vor der Tür. Ich sollte einmal „Klassenkeile“ kriegen, weil ich aus so einer Unüberlegtheit heraus unsere Blumen so intensiv goss, dass sie nahezu ersoffen sind. Als wir in der siebten Klasse Maschinenschreiben bekamen, fragte ich unseren damaligen Lehrer, warum ich das bräuchte, ich könne das ja schon. „Na dann erzähl doch mal“, meinte Herr Kuhfahl daraufhin und tatsächlich bekam er eine Antwort. Nicht, weil ich damals schon besonders gut tippen konnte, sondern weil ich an alten Schreibmaschinen für mich die Logik einer sinnvollen Handhaltung abgeleitet habe. Wieso jedoch die Buchstaben so kreuz und quer angeordnet sind, verstand ich erst später. Ich denke rückblickend, dass ich meine Lehrer mit dieser konsequenten Art schon in den Wahnsinn getrieben habe, viele meiner Mitschüler zumindest in der Grundschule waren eher unsicher und meist zurückhaltender. Ich vermute darin meine Sozialisierung, die mich einfach anders hat werden lassen und auch ein Stück Charakter. Zeitweise hatte ich auch ein schlechtes Gewissen und bis heute betrachte ich mich von Außen und hinterfrage rückblickend mein Verhalten. Vielleicht hat mich das über die Jahre nachgeschärft, wobei ich früher deutlich impulsiver war. Manchmal vermute ich darin ein Stück Hochbegabung, ich hatte mich darüber vor einigen Jahren zufällig mit einem ausgewiesenen Experten unterhalten, dieser hat meine Eindrücke bestätigt. Hochbegabung bedeutet nämlich nicht, alle Aufgaben mit einer Eins abzuschließen, sondern genau dieses querschlagen der Gedanken, eben eine Anweisung nicht stupide ausführen, sondern zu hinterfragen oder auch abwandeln. Gewissheit brauche ich darüber nicht, aber ich suchte immer Erklärungen für das, was ich erlebt habe.

In der vierten Klasse löste Renate Herkenrath Herrn Hoffman ab. Sie und ihre Kollegin Renate Lorenz kamen auf eine wahnwitzige Idee: Warum nicht eine Zusatzklasse einführen, die englische Kurzschrift und die damit verbundenen Hürden könnten dies erfordern. Wir waren der zweite Klassenzug, der die Klasse 4Z aufgedrückt bekam, nachfolgend war das Zusatzjahr die 3Z. Gebracht hat es wenig, außer viel Zeit für regionale Geschichtserfahrungen, Klassenfahrten, Kennenlernen von Celle und Hannover, aber für die Bildung ein vollkommen unnötiges Vorgehen. Das zweite Jahr verlor ich dann beim Schulwechsel nach Marburg, das ergab wenigstens einen Sinn. Was mich durch Frau Herkenrath nachhaltig beeindruckt hat, ist das Zeichnen mit Blindenschrift auf der Punktschriftmaschine und hat meine Kreativität beflügelt. Als ich einst für den Deutschunterricht einen Aufsatz schreiben sollte, war es ein skizzierter Alptraum, den ich durch Punktbilder ergänzte, das hat sie regelrecht gefeiert. Wahrscheinlich ist die Fantasie Grundlage für mein Realitätsverständnis, obwohl ich mir schlecht was Ausdenken kann. In der neunten Klasse war es ein Aufsatz, der sollte in der Zukunft spielen und ich schrieb eine Utopie am Stephan-Merk-Gymnasium, das gibt es bis heute nicht. Mir war es aber immer wichtig, dass irgendein Realitätsbezug vorhanden war. So mochte ich Science-Fiction wegen der Technik schon, aber Fantasy wegen unrealistischer Figuren bis heute nicht. Das Schreiben von Aufsätzen fand ich toll, wenn es sich um erlebte Situationen handeln sollte. Ich orientierte mich stets an Erinnerungen und schmückte nichts aus, was auch nur ansatzweise daran vorbeilief. Computer gab es noch nicht und so schrieben wir auf der Punktschriftmaschine und war was falsch, kam das Blatt raus und nochmal von vorne. Später in Marburg mussten wir ab der neunten Klasse Arbeiten auf Normalpapier abgeben. Das heißt Schreiben mit der Schreibmaschine, aber keine Sichtkontrolle – eine maximal bescheuerte Idee. Klar könnte man in Punktschrift vornotieren und abschreiben, aber die Zeit hätte dafür oft nicht gereicht und wir hatten nicht mehr als die Sehbehinderten. Die konnten wenigstens selbst das Geschriebene lesen und mussten nicht immer den Lehrer rufen, wenn sie durcheinanderkamen. Wie gut, dass ich in der Oberstufe später mit dem Laptop schrieb, seinerzeit war das fast einmalig, heute ist das Gott sei Dank üblich. Zwar gab es damals eine Korrekturtaste, aber das Ausradieren eines Zeichens dauerte mehrere Sekunden und das sorgte auch für Zeitverlust.

In Hannover gab es einige Klassenfahrten. In Erinnerung geblieben ist mir ein Schulausflug für einige Tage auf die Insel Norderney mit dem Schulkindergarten und der damaligen zweiten Klasse. Wir machten Fahrradtouren mit diesen vierrädrigen Gefährten, waren am Strand und im Wellenbad. Renate Lorenz als Religionslehrerin brachte so ihre eigene Struktur mit, daran musste ich mich zunächst gewöhnen. Ich hatte nie wirklich Heimweh, fand immer schnell Bezugspersonen und war diesbezüglich sehr unkompliziert, das habe ich wohl meiner Tochter vererbt. Freunde meinten später zu mir, ich könne stets kommen, wann ich wollte, weil ich gar nicht auffallen würde. weitere Klassenfahrten folgten, wie nach Sievershausen in Südniedersachsen. Das passierte alle paar Jahre, dass wir mit dem Bulli dorthin verbracht wurden. Norderney und später der Schulausflug nach Pellworm und die Skifreizeit nach Mauth waren jene, die wir mit Zügen zurücklegten. Neben Sievershausen waren wir damals auch in Bredenbeck bei Wennigsen mit der Klasse über uns, aufgrund der Freundschaft der beiden Lehrerinnen machten wir viel gemeinsam. Das war überaus spannend, denn wir hängten uns an eine ganz normale Schulklasse mit dran und so kamen wir blinden Kinder in Kontakt zu Sehenden. Leider besteht zu den damaligen Kindern kein Kontakt mehr, so hätte mich wahnsinnig interessiert, ob und welchen Eindruck sie rückblickend hatten und diese Begegnung vielleicht sogar prägend für spätere Ereignisse war. Außer ein paar Vornamen ist über die Identität dieser Schüler leider nichts mehr bekannt. In einem Ordner finden sich noch Aufzeichnungen über Erlebnisse von dieser Fahrt. In einem Jahr waren wir zu Fünft mit eben jener Parallelklasse in Sievershausen und wir durften alle in einem gemeinsamen Zimmer schlafen. Das war toll und die Regeln verstoßend brachte ich meinen tragbaren Kassettenspieler mit Passivboxen mit. Nur gab es irgendwie Streit und irgendwer verpetzte mich, dann wurde mir das abgenommen. Einerseits richtig, andererseits schon blöd. Solche Regeln verstand ich nicht, während ich das bei Smartphonegrenzen anders sehe. Blinden Kindern was zu hören wegzunehmen wäre so, als würde man sehenden Kids die Bücher abnehmen – finde ich pädagogisch falsch, ist aber jetzt Geschichte.

Mein liebstes Fach war Musik und glücklicherweise bei uns fast immer praxisorientiert. Vorgespräche oder Erklärungen haben mich nie interessiert, ich konnte es kaum erwarten, bis es an die Instrumente ging. Ein guter Musiker war ich zwar nicht, aber ich konnte intuitiv mit jedem Instrument irgendwie umgehen und es beherrschen. Wir hatten mehrmals im Jahr Schulauftritte und ich war überall dabei. Von Xylophon über Schlagzeug, Synthesizer, Klavier und Blockflöte hatte ich damals in vielen Konzerten mitgewirkt, obwohl ich das Rampenlicht immer gescheut habe. Auch Orgel- und Schlagzeugunterricht hatte ich einige Jahre, aber ich zog es vor, meine Spieltechnik für mich selbst zu entwickeln. Volker Waldherr hatten wir die ganzen Jahre in Musik und später als Klassenlehrer. Ich weiß nicht, ob ihm jemals klar wurde, welchen überaus großen Einfluss er nebenbei auf meine Entwicklung genommen hat und wie dankbar ich ihm für seine damalige Unterstützung bin. Er konnte sich immer auf mich verlassen und hat mir hundertprozentig vertraut und ist übrigens selbst vollblind. Mit ihm waren wir auf der Insel Pellworm, die er so liebte und wohin er seinen späteren Ruhesitz verlagerte. Dort habe ich mit einem Kunstkopfmikrofon von Sennheiser und einem Uher Report eine Art akustisches Tagebuch aufgezeichnet. Herr Waldherr ließ mich einfach machen, aber das Ergebnis ist leider bei mir nicht vorhanden. Gleiches gilt für viele Schulaufnahmen, deren Tonbänder er wohl nach seinen Angaben nach mitgenommen hat oder vielleicht auch entsorgt wurden. Das Hörspiel aus einer Projektwoche ist immerhin wieder vorhanden.

CB-Funk lernten wir 1986 in der Funk-AG, sogar mit abschließender Prüfung, Morsen gehörte dazu. Bei Erfolg durfte man die Funkstation auf dem Dachboden der Schulverwaltung nutzen. Die Prüfung habe ich bestanden, aber nie von der Station Gebrauch gemacht. Zuhause lag das Werkzeug in der Küche im Vorratsschrank, das wusste ich und ging ich dran, gab es ein Bisschen ärger, mich interessierten mechanische Zusammenhänge schließlich genauso – Technik hatte mich fest im Griff oder umgekehrt. 1987 hatten wir zwei ältere Blindencomputer des Typs BRAILLEX C in der Klasse, dazu Eine Olympia ESW-103 Typenradmaschine als Drucker. Später kam die Diskettenversion und ein NOTEX dazu, dieses Notizgerät war defekt und mit Carstens Hilfe haben wir es wieder hingekriegt. Die Kassetten waren Datenträger und ließen sich mit Audio und Textinhalten bespielen, Multimedia in Reinkultur – die Ein- und Ausgabe erfolgte in Blindenschrift. Dazu hatten wir einen Punktschrifttrainer und Lexikon, auf den Kassetten stand in Punktschrift die Reichweite von – bis, bei 20 oder ein paar mehr Bändern war das ein recht geringer Wortschatz. Beim Nachfolger mit Disketten gab es diese Funktionen nicht mehr, die Kassettenversion hatte unterschiedliche Betriebsarten. Ich schaffte es, den Programmiercode des Punktschrifttrainers auszulesen und leitete daraus die Programmierung ab und erstellte ein Lernprogramm für einen leistungsschwächeren Mitschüler. Über ein Uher Diktiermikrofon konnte man Sprachnotizen aufzeichnen und eine Anweisung programmieren. Dabei konnte man entscheiden, ob die Aufgabe in Sprache oder mit Braille ausgegeben wird, wie viele Fehleingaben möglich sind und was dann passieren soll. Die Idee war, dass er Anweisungen bekommt und ein Wort, Satz oder was auch immer eingeben musste. War es falsch, kam eine entsprechende Rückmeldung: „Versuch es nochmal“ oder ähnliches. War die Antwort korrekt, ging es weiter zur nächsten Aufgabe. Wir hatten pro Woche eine Verfügungsstunde und ich erklärte einigen Mitschülerinnen zunächst das System und erstellte eine Anleitung. In den Folgestunden zog ich mich mit den Übrigen in den Gruppenraum zurück, während die anderen eine Wochenaufgabe vorbereiteten. Das zweite Gerät nahm er mit nach Hause und konnte so in aller Ruhe üben.

Überdies war ich häufig in unserem Tonstudio, durfte Hörspiele mit produzieren, Feiern aufzeichnen oder im Hintergrund die Technik bedienen oder basteln. Nach dem Einbruch in den Musikraum sollen die neuen Aktivlautsprecher ebenfalls in der Werkstatt gebaut worden sein, allerdings habe ich dies nie verifizieren können. Im Musikraum standen solche mit Gittern vor den Treibern, damit kein Blinder diese kaputt machen kann, im Regieraum hat man darauf verzichtet. Klanglich waren die einerseits phänomenal und in der Abbildung sehr natürlich, andererseits sahen sie wie Holzkisten aus. Als Mikrofone hatten wir viele Sennheiser MD 421, die man auch in Rundfunkstudios findet, man hat sich das alles schon viel kosten lassen. Tonangeln an der Decke im Musikraum ermöglichten es, dass man sogar professionell aufnehmen könnte, die Räume waren gedämmt und eine Sprechstelle mit Sichtscheibe gab es außerdem. Für Anfang der 1980er Jahre würde ich behaupten, das gab es kein zweites Mal und Ende der 80er Jahre kam sogar eine Licht- und Tonanlage für die Aula hinzu. Vor einigen Jahren hat man auch den Speisesaal und die alte Bühne rekonstruiert, die gab es neben der Aula ebenfalls und hat sogar einen Backstage-Bereich. Die Gebäude stammen vermutlich aus der Zeit des zweiten Weltkriegs oder wurden frühestens Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut.

Zuhause in Hannover

Unser Haus in der Südstadt war ein Altbau und zunächst eine regelrechte Bruchbude, das hässlichste Haus in der Heinrich-Stamme-Straße. Meine Mutter und wir fuhren täglich mit der Straßenbahn der Linie 5 von der Marienstraße über Kleefeld zur Bleekstraße nach Kirchrode, der Schulweg dauerte rund eine Viertelstunde. Auf dem Heimweg konnten wir am Kantplatz oder der Uhlhornstraße aussteigen, in Kleefeld gab es einen Aldi und bepackt mit schweren Tüten kamen wir zuhause an. Auf dem Hinweg gab es bei uns an der Ecke einen Bäcker und so duftete es jeden Morgen nach frischen Brötchen und Croissants, die meine Mutter typischerweise als „Krischong“ bezeichnete. Wenn mein Vater uns mit dem Auto fuhr, waren wir deutlich schneller am Ziel und als die U-Bahn und der D-Tunnel 1988 fertiggestellt wurde, stiegen wir in der Tierärztlichen Hochschule ein. War meine Mutter krank, gab es einen Taxifahrer, der mich mitnahm. Herr Langhans fuhr damals einen Mercedes W123 und fuhr er auf dem Hof, purzelte eine Unmenge an Kindern aus dem Wagen. Heute würde er dafür sicher mit einem Shitstorm sein Fett wegkriegen und zugegeben war das nicht ohne, aber für uns witzig. Wir saßen teilweise zu sechst auf der Rückbank, jeder ein Kind auf dem Schoß und notfalls passten auch acht und im Zweifel gab es noch den Kofferraum. Dass über die Jahre nichts passiert ist, grenzt an ein Wunder. Irgendwann hatte er einen VW Bulli T3 und da war natürlich mehr Platz. Örtlich liegt Kirchrode übrigens im Osten von Hannover, dahinter in Anderten wohnte später mein Cousin Carsten. Während in der Bleekstraße viele Einfamilienhäuser direkt an der Bahnlinie standen – der Güterverkehr gehörte zur regelmäßigen Geräuschkulisse dazu, war die Südstadt hingegen geprägt von Altbaureinhäusern und Kopfsteinpflaster, einen Parkplatz fand man auch schwer. Hannover wurde im zweiten Weltkrieg zerstört und wieder aufgebaut, so auch die Südstadt. Wenn man in unserer Wohnung die Wände abklopft, hört sich das im unteren und oberen Teil anders an. Ich vermute, dass das Haus bis auf Höhe unserer Wohnung im zweiten Stock zerstört wurde. Meine Eltern entschieden sich für diese Wohnung aufgrund des begrünten Hinterhofs für mich zum Spielen. Das alleinige und vereinbarte Nutzungsrecht, das sogar bis in die Neuzeit reicht, nutzte ich gut und gerne. Es gab nette Nachbarn und einige Kinder im Haus, das kurz darauf glücklicherweise verkauft wurde. Der neue Eigentümer hat es komplett restauriert, Balkone auf der Südseite angebaut, die Fenster erneuert und gedämmt, sodass es sogar schon 1985 diverse für die damalige Zeit gebräuchliche Energie-Standards erfüllte. Meine Eltern hatten diesen Garten lange aktiv bewirtschaftet und auch viel investiert, dies zur Freude der Nachbarn und damit gewannen sie sogar den zweiten Platz in einem Gartenwettbewerb.

Viele Aus- und Einzüge veränderten die Situation und nicht jeder hat sich dafür interessiert und entsprechend wurde dieser Aufwand nicht von jedem wertgeschätzt – meine Eltern ließen es irgendwann sein. Über uns wohnte eine Mutter mit ihrem Sohn, die man wie damals üblich mit Tante und Onkel ansprach. Ihr Gatte war Straßenbahnfahrer und schon verstorben. Tante Mimmi, eigentlich Emmi, und ihr Sohn Karl-Heinz waren echte Freunde. Meine Mutter hat der älteren Dame im Haushalt geholfen und Karl-Heinz war auch etwas speziell. Er hasste Computer und war in den 2000er Jahren froh, als er von der Landeszentralbank in den Ruhestand wechselte, dass er erfolgreich jeden Computer vermeiden konnte. Meine Oma aus Blomberg kam später für länger vorbei, als Tante Mimmi gepflegt werden musste. Karl-Heinz war ein absoluter Opernfan und verabscheute auch moderne Musik, was ich nicht selten als belustigend empfand. Ich glaube, dass er Udo Jürgens wenigstens mochte, aber sicher bin ich mir nicht. Eine Freundin hatte er nicht, denn er stand auf Männer und Ich fand gut, dass er in älteren Jahren offener damit umgegangen ist. Wir hatten über die Zeit einige schwule und lesbische Pärchen im Haus wohnen, na und? Damals hat man kein großes Trara drum gemacht. Trotzdem war es deutlich schwieriger, denn in den 1970er Jahren wurde man sogar noch strafrechtlich verfolgt. Ich kann mich jedoch nicht daran erinnern, dass in den 1980er Jahren niemand auf die Idee kam, Schwule und Lesben anzugehen oder zu bespucken. Ich lasse mich gerne korrigieren, aber ich hatte genug Homosexuelle Menschen im Umfeld und der Familie und das hautnah miterlebt, keiner von denen fühlte sich so wenig akzeptiert wie es heute der Fall zu sein scheint. Ich habe eine ganz klare Haltung: Das Geschlecht gehört nirgendwo rein, weder in eine Stellenausschreibung noch irgendwo sonst. Das ist Privatsache und nur relevant, wenn es zu biologischer Interaktion kommt. Gleichwohl bedeutet das aber genauso, dass man sein Geschlecht nicht progressiv nach Außen tragen sollte, gleichwohl ist jeder so zu akzeptieren, wie oder was man ist. Mir scheint, dass manche heutzutage ihre Identitätsbestätigung eher von Außen suchen, als sich damit selbst zu arrangieren. Wir könnten vermutlich alle viel entspannter miteinander umgehen, wenn man sich einfach gegenseitig akzeptiert und nicht jeder das Gefühl hätte, um Akzeptanz kämpfen zu müssen. Das gilt genauso für die mich nervende Geschlechterfrage, natürlich gibt es nur zwei biologische Geschlechter und mental vieles dazwischen. Kein Mann kann operativ zu einer gebärenden Frau angeglichen werden und keine Frau je ein Kind zeugen. Ich verstehe nicht, warum man das nicht als gegeben akzeptiert und auf Krampf versucht, die Evolutionstheorie aufzubrechen, nur weil man es kann. Gleichwohl müsste man nämlich genauso annehmen, dass sich alle Säugetiere bei demselben Statistikniveau genauso im falschen Körper befänden – schwule Hunde habe ich übrigens schon erlebt. Mein Aufruf ist einfach, seid tolerant und beurteilt die Menschen wie sie sind und nicht, wie ihr sie haben wollt.

Ich habe recht viele Cousins, aber mit Carsten verbindet mich bis heute eine enge Beziehung, obwohl wir uns selten im Jahr sehen. Früher spielten wir mit seinem Bruder Ronnie in der Filiale von Gauselmann in Holzminden – später in Hannover, die Sounds der piepsenden und blinkenden Automaten begeisterten mich genauso wie Musik. Viele Aufnahmen entstanden und existieren nicht mehr. Carsten und ich hatten Spaß, wenn ich mit meinen Kassettenkoffern nach Holzminden kam und ich ihm jede Folge Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg präsentieren konnte, die wir zum Einschlafen hörten. Onkel Marius schenkte mir 1987 einen Tischlipper, den der riesige LKW von Gauselmann vor der Tür ablud und kaum durch die enge Straße kam. In der Zeit bastelte ich viel im Keller mit allerhand altem Zeugs, Schreibmaschinen, Funkgeräte und eben jenem Flipper. Er hieß „Charlie’s Pub“ und musste natürlich bei der Feuchtigkeit gewartet werden, Ersatzteile hatte ich zur Genüge. Das Baujahr weiß ich nicht, er musste schon um 10 Jahre alt gewesen sein. In diesem Jahr war es das einzige Mal, dass meine gesamte Klasse bei mir zuhause aufschlug und ich nahm die Bande mit in den Keller, um einen Flipperwettbewerb zu veranstalten – das war ein großer Spaß. Er war elektromechanisch und hatte die typischen Gongs, die man auch bei „Dalli Dalli“ in ähnlicher Form bei den Spielen hört und weil es noch keine Hintergrundmusik gab, hörte man die Kugel rollen. Als Kleinkind hatte ich vor den Ungetümen durchaus etwas Angst, vor Allem vor großen Simulatoren. Neben dem bereits erwähnten Spielautomaten hatte ich einen zweiten, der NSM Rotamint, eventuell Super Sieben, stand bis um 1984 in meinem Kinderzimmer.

Man könnte bestimmt alleine über die Erlebnisse mit mir ein Buch schreiben, so gab es auch in Hannover durchaus lustige Begebenheiten. Meine Mutter beklagte sich irgendwann, dass sie nie von mir einen Blumenstrauß bekam, wobei ich sie dann an das Staubtuch mit dem aufgemalten Regenschirm erinnerte, das ich im Kindergarten einst zu Muttertag bastelte. Zu meiner Verteidigung muss ich anführen, dass ich immer etwas von Klassenfahrten mitgebracht hatte, das lernte ich so. Eines Nachmittags wollte ich mit ihr in den Blumenladen. Ich finde Blumenläden auch heute noch sehr spannend aufgrund der Gerüche und Blumen mag ich ganz gerne. Kein Wunder, es gibt kaum etwas, das mich nicht interessiert. Ich bestellte einen Blumenstrauß und meine Mutter fragte, für wen der denn sei, und ich konstruierte irgendeine Antwort. Ich bezahlte ihn und überreichte ihn direkt meiner Mutter mit den Worten: „So, hier hast du deine Blumen, hoffentlich ist jetzt Ruhe“, die Blumenfrau lachte noch Jahre darüber. Eines Tages war Martin, ein Nachbarsjunge bei mir, von dem ich auch viel gelernt habe, heute leitet er einen Chor in Hannover und hat wohl Musik studiert. Wir spielten öfters miteinander, er hatte einiges von Fisher-Technik und auch manche Hörspiele und ein Klavier, was sich aufgrund der Beschreibung als logisch erweist. Aus einem mir überhaupt nicht mehr nachvollziehbaren Grund hatte ich eines meiner Spielsachen offen auf dem Tisch liegen. Was mich damals geritten hat – ich weiß es nicht mehr und irgendwie ging ich kurz ins Zimmer und kam auf die vollkommen irre Idee, zwei Drähte zusammenzuhalten, eher versehentlich und mit eingelegten Batterien. Eigentlich habe ich nichts unbedingt zerlegt, wenn es nicht defekt war, irgendwie klemmten wahrscheinlich die Tasten. Als ich die Drähte jedenfalls zusammenhielt, wurde es am Finger richtig heiß und es stieg dicker schwarzer Rauch auf. Martin musste das im Esszimmer irgendwie mitgekommen haben und kam rein, hustete und meinte „das stinkt ja wie in der Harburger Gummifabrik!“. Wir haben gelüftet und alles war gut, das Spiel namens „Super 12“ von Quelle habe ich entsorgt. Schade, das war eigentlich ganz cool. Wenn meine Eltern nicht da waren, kam ich auf die Idee, Weihnachtsgeschenke zu suchen. Dafür nahm ich auch eine Leiter und schaute auf den Schrank, dort entdeckte ich den Homecomputer, den ich 1987 zu Weihnachten bekam. Heiligabend war es schwer, die Freude über die bereits bekannte Tatsache so aussehen zu lassen, als wüsste ich nichts. Weil ich damals schon ehrlich war, habe ich das dann gebeichtet und auch nie wieder gesucht. Nur bei unserem Videorekorder zwei Jahre zuvor war das nicht so und ich spielte irgendwie gerne mit der Frontklappe des Einzugs. Zumindest so lange, bis die Feder rausgesprungen war. Anstelle das zu beichten habe ich lieber die Klappe so gestellt, dass man nichts gesehen hat in der Hoffnung, mein Vater würde keine Kassette einschieben, Meine Mutter hat ihn nie bedient. Das war eine halbe Woche vor meiner Kommunion und glücklicherweise waren wir gut beschäftigt. Das passierte übrigens nach dem Erlebnis im Beichtraum der St. Heinrich-kirche, dazu komme ich später. Den Ärger gab es am folgenden Wochenende. Natürlich ging mein Vater zurecht nicht davon aus, dass die Klappe gerade zufällig kaputt ging.

Ende der siebten Klasse erfolgte der Schulwechsel und dies ganz spontan, denn eigentlich wollte ich niemals nach Marburg. Der Grund dafür ist eigentlich aus heutiger Sicht banal, absolute Angst vor der Augenklinik. Schon früher gab es einige Untersuchungen, einige unter Narkose. Immerhin waren meine Eltern daran interessiert, die Ursache zu ergründen und die Mediziner sahen in mir womöglich einen spannenden Fall. Als wir 1983 wieder mal nach Marburg in die Augenklinik sollten, wehrte ich mich auf der Kinderstation massiv bei der Betäubung. Drei Schwestern und meine Mutter konnten mich kaum bändigen und ich setzte unglaublich viel Adrenalin frei. Damals waren das andere Zeiten und führte dazu, dass ich während der Narkose im OP aufwachte. Der Erzählung nach hatte man meine Augäpfel aus den Höhlen entnommen, um den Hintergrund zu untersuchen. Ich weiß noch, dass ich einen Lichtschein wahrnahm, dumpfes Brummen und Piepen hörte, denn die Ärzte bemerkten dies zunächst nicht. Als ich mich dann bewegte brach die Panik los und dann war ich wieder weg. Das bereitete mir jahrelange Alpträume, aber ich konnte das schlussendlich mit mir selbst ausmachen. Für mich war klar, dahin gehst du nie wieder und Ärzte waren ohnehin für mich ein rotes Tuch. Besuche beim Kinderarzt mit Impfungen waren dramatisch und so zog sich die Angst davor noch länger hin. Später sollte Ich in unserer Schulstation geimpft werden und meine Mutter wollte mich abholen, alleine wäre das nichts geworden. Als sie kam, flitzte ich durch die Gänge im Vorteil, das Gebäude besser zu kennen. Mein Fehler war, dass ich am Ende das Klo aufsuchte und hier gab es keinen Ausgang, somit beugte ich mich schlussendlich der Notwendigkeit. Zahnarztbesuchen waren ebenfalls furchtbar, unser Dr. Timpe war ein älterer Schulzahnarzt mit starkem Lindner Dialekt – er „ßtolperte über jeden ßpitzen ßtahn“. Wir hatten eine Praxis auf dem Schulgelände und donnerstags war er da, die Kinder saßen wie die Hühner auf der Fensterbank, jedes musste der Reihe nach auf den Stuhl und mit seiner sonoren Stimme wollte er die Angst nehmen: „So, getz kommt hier die Sonne, gaaanz weit aufmachen, getz kommt die Biene, die piekst mit der ßpritze“ und so weiter – ich hatte vor dem Typen echt Panik. Meine Mutter hatte direkt einen Eimer dabei, denn konsequent nach jeder Behandlung musste ich mich übergeben. Der war so drauf und zog einem auch spontan mal schnell einen Milchzahn – heute wäre das in der Zahnmedizin bestimmt undenkbar. Als ich eines Tages keine Lust hatte, erzählte ich meiner Mutter, Dr. Timpe sei nicht da. Als wir dann gemeinsam nach Hause gingen meinte sie: „Warum stehen denn da so viele Kinder vor der Tür?“ – „Na, die wissen das halt nicht“, am nächsten Tag kam es dann raus. Glücklicherweise gab es in der Folge nur eine Operation, Resektion der Polypen im Henriettenstift und ich war froh, als ich mit der Unterschrift meiner Mutter direkt und vorzeitig wieder nach Hause kam. Weiterhin hatte ich mir beim Schulsport die Bänder angerissen und bei einem Sturz mit dem Fahrrad das Handgelenk angebrochen, beides konnte glücklicherweise konservativ behandelt werden. Gott sei Dank wusste ich noch nichts von dem in mir wachsenden Hirntumor, das ist aber ein anderes Kapitel und begann allerdings schon in diesem Zeitabschnitt.

Meine Ferien in Schieder und darüber hinaus

Die Ferien verbrachte ich zumeist in Schieder-Schwalenberg bei Onkel Horst und Tante Ilona und ihren Kindern. Onkel Horst wird im musikalischen Artikel noch eine wichtige Rolle spielen. Durchgerechnet war ich alleine in den 1980er Jahren durchschnittlich drei Monate pro Jahr in Schieder, das war schon erheblich. Onkel Horst war der 10 Jahre ältere Cousin meiner Mutter. Dort fühlte ich mich pudelwohl, rückblickend sogar wohler als zu Hause und nahm sie als Zweiteltern an. Es wäre für mich klar gewesen, wenn meinen Eltern was passiert wäre, ich hätte in Schieder leben wollen. Immerhin waren wir alle paar Wochen dort im Wechsel mit Oerrrel, wo meine Eltern in Opas Kneipe aushalfen. Meine Oma mütterlicherseits war jedoch alles andere als erfreut, sogar etwas eifersüchtig. Denn ich wollte natürlich lieber nach Schieder als nach Blomberg. Das lag vielleicht daran, dass ich in Hannover abseits von der Schule recht wenig Kinder zum Spielen hatte. Zu Anfang Alireza und Fahnas die oben wohnten, später den bereits erwähnten Martin und Sophie und ihre Schwester Anne, die mit ihren Eltern aus dem Erzgebirge rübergemacht hatten, wohl durch einen erfolgreichen Ausreiseantrag. Ich mochte Sophie sehr, aber meine Eltern wollten irgendwie nicht so gerne, dass ich da oft rüberging. Später kam noch Nicole dazu, unsere Eltern freundeten sich an und sie ging mit mir zur Kommunion. Das änderte sich, als Carsten und Ronnie nach Hannover in unser Haus zogen, aber an Schieder kam das alles irgendwie nicht heran. Dort war ich voll integriert, habe alles mitgemacht und wurde wirklich von allen Freunden der Familie und den Kindern Sabine und Bianka so aufgenommen, als gehöre ich ohnehin dazu – das ist übrigens heute noch so. Beide haben mich überall hin mitgenommen und wir sind wie Geschwister aufgewachsen. Dann waren da noch die Hobbys von Onkel Horst, seine Orgel und seine Musik. Eine Heimorgel hatte ich damals noch nicht, sodass ich dann viel auf seiner gespielt habe. Ich war im Prinzip der Einzige, der seine Instrumente benutzte. Spielen konnte er Akkordeon, Orgel aber nicht wirklich. Er hatte – vorsichtig formuliert – erhebliche Koordinationsprobleme bei der Harmonieführung, so dass sein Spiel eher weniger harmonisch klang, Singen konnte er umso besser.

Ein dritter Grund war sicher die Hündin Hexe (eigentlich Friedel von der Hühnenkapelle), ein kleiner Rauhaardackel, mit dem ich sehr viel Zeit verbrachte. Insbesondere sah ich es als eine Mission an, ihr ein Haus aus Pappe zu fertigen, in welchem sie wohnen konnte. Tja, das war immer mal so phasenweise, denn zwischen den Ferienzeiten hatte der Hund dann doch wieder sein Schaffell aufgesucht. Als weitere Idee hatte ich eine Rutsche konstruiert. Mit meinem klappbaren Schlafkissen kam irgendwie auf die Idee, damit die Treppe runterzurutschen und Bianka machte mit. Auch Hexe war mit dabei und hatte offenkundig großen Spaß dabei, sie kam schnell her, wenn es losging. Das sicherte sie außerdem ab, so dass ich sie nicht versehentlich überfuhr. Wenn ich aber kam, wurde Hexe wie verrückt, ich weiß nicht, ob sie sich je über Besuch so gefreut hatte. Sie wurde übrigens recht alt und leider musste sie spontan eingeschäfert werden. Draußen im Zwinger war Aster, eine Schäferhündin, die beiden verstanden sich aber nicht. In Schieder gab es aber noch mehr Spaß. So war das Anfang der 1980er Jahre übernommene Taxiunternehmen für uns Kinder Anlass, die Zentrale zu hüten, wenn Horst und Ilona aus dem Haus waren und zumeist mit meinen Eltern Ille und Heinz beim Schützenverein, der Feuerwehr, Silvester oder in den ersten Mai reinfeierten. Meistens bis tief in die Nacht hinein und wenn wir dann schliefen, kamen die Feiernden nach Hause, in der Küche wurde Spiegelei gebraten und musiziert. Horst am Akkordeon, Papa an der Teufelsgeige oder mit den Töpfen unterwegs, das war eine sehr schöne und lustige Zeit, obgleich der Schlafrhythmus gelegentlich etwas durcheinander kam. Neben Taxi Kehe war es übrigens auch die Gaststätte meines Opas, die mir schon früh Einblicke in die Selbständigkeit brachten. Mein Homecomputer war später immer mit dabei und blieb aufgrund der häufigen Besuche irgendwann in Schieder, später kam auch der komplette PC im kleinen Suzuki Alto meiner Mutter mit. Ich habe mich schon sehr viel mit Computern beschäftigt, aber eben nicht nur. Pferde füttern, Reiten, Radfahren, all das zog sich wie ein roter Faden durch diese schöne Zeit. Wir fuhren sieben Kilometer um den Stausee und meine Eltern wurden fast verrückt, wenn sie einen Teil der Erlebnisse und ganz bewusst nicht alle erzählt haben. Als ich allerdings kopfüber in den Springbrunnen fiel, waren sie anwesend und das war wieder so ein Schockmoment. Passiert ist mir nichts, auch als ich später mit einem Beil Holz gehackt habe oder mit dem Trecker über das Grundstück fuhr. War irgendwo etwas bei wem auch immer kaputt, hieß es immer: „Frag Stephan, der stellt dir das schon ein.“ – Sat-Receiver, Videorecorder und später auch die Computer. Würde ich diese Arbeitszeiten nachträglich berechnen, ich glaube ich wäre ein gemachter Mann. Dass alle so einem behinderten Steppke wie mir vertrauten und mich noch dazu überall mit hingenommen haben, finde ich erstaunlich. Das passierte nur in den Ferien, so hatte ich quasi während meiner Schulzeit Urlaub.

Mit Bianka ging ich einige Male mit in die Grundschule, die Ferien von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind bekanntermaßen verschieden. Ich nahm dafür die Punktschriftmaschine mit – gelebte Integration in der Kleinstadt. Ich schrieb fleißig mit, stellte Fragen, hörte zu und beteiligte mich am Unterricht. Das hat die Lehrer damals schwer beeindruckt, aber auch Biankas Klassenkameraden. Alle waren wirklich aufmerksam, haben Rücksicht genommen und es gibt bis Heute sogar wenige Kontakte. Mit einer der Nicoles aus der Klasse kam ich vor einigen Jahren noch darauf zu sprechen und sie erinnerte sich noch gut daran. Wenn ich meinen Geburtstag mal in Siekholz gefeiert habe, sitzen mehr Leute am Tisch als in Fronhausen – echt verrückt. Das bestätigt mich darin, wie sinnvoll es bis heute für mich ist, meine Fast-Blindheit nicht in den Fokus zu rücken. Sie ist genauso ein Teil von mir, wie bei anderen die Brille. An mich muss sich niemand anpassen, weil ich mich an meinem Umfeld orientiere. Kurios ist das, wenn einige meiner liebsten Freundinnen auf ihrem Smartphone scrollen und was spannendes sehen und das Ding umdrehen und sagen, ich solle mal schauen – ach ne, siehst du ja nicht. Das schönste Kompliment einer Freundin war als sie sagte: „Ich vergesse immer, dass Du manches gar nicht siehst“.

Vielleicht reagiere ich deshalb etwas allergisch auf Modebegriffe wie Ableismus, weil es bislang nie vorkam, dass ich ernsthaft ausgegrenzt wurde und mich auch nie beleidigt fühlte. Vielleicht nehme ich mich nicht so wichtig oder es ist mein teils dunkler Humor, der mich trägt. So stelle ich keinesfalls in Abrede, dass es Diskriminierung und Ausgrenzung gibt, teilweise kenne ich das ansatzweise auch. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass ein nicht unerheblicher Teil auch an einem selbst liegt und wie man sich anderen gegenüber gibt. Als ich in unseren Gewerbeverein eingetreten bin, sagte ich: „Ich bin zwar fast blind, aber nehmt darauf keine Rücksicht, ich sag schon Bescheid, wenn ich etwas nicht kann“. Ganz klar, es gibt natürlich einen Unterschied zwischen sichtbaren und nicht sichtbaren Behinderungen, aber alles hat seine Vor- und Nachteile. Ich finde die Interessensverbände einerseits wichtig, andererseits kann ich mich damit nicht so anfreunden. In der Branche ist es ohnehin klüger, sich hier etwas zurückzuhalten, damit bewahre ich mir meine Neutralität.

Seit Ende der 70er Jahre haben wir in den Ferien häufig an einem Eltern-Kind-Seminar an der Heim-Volkshochschule in Hustedt bei Celle teilgenommen. Das dauerte jeweils eine Woche und wurde speziell für Eltern blinder Kinder veranstaltet. Allerdings, außer dass wir Kontakt zu anderen „betroffenen“ Familien knüpfen konnten, weiß ich bis heute nicht, was in den Seminaren alles besprochen wurde. In dieser Zeit war ich viel für mich, fuhr mit dem Fahrrad über das Gelände oder verbrachte Zeit im alten Fachwerkhaus. Das gefiel mir, so eins wollte ich auch immer haben. Fachwerk wurde es ja nicht, aber heute laufe ich um mein eigenes Haus. Übrigens habe ich an diesem Seminar später im Jahr 2001 einen aufwendigen Vortrag über Blindenhilfsmittel halten dürfen. Erwähnenswert ist noch eine Aktion im Jahr 1987 zu meinem zwölften Geburtstag. Dieser fällt naturgemäß stets in die Sommerferien und das war das einzige Mal, dass ich diesen am selben Tag mit meinen Klassenkameraden feiern konnte. Hintergrund war eine Mobilitätsfreizeit des IRIS-Instituts in Hamburg, die in Ganderkesee im Bremer Raum jährlich stattfand und vier Wochen andauerte. Kinder und auch Erwachsene wurden dort intensiv wahlweise in den Bereichen Orientierung und Mobilität oder lebenspraktische Fertigkeiten trainiert. Unsere Eltern sorgten dafür, dass wir dieses Training im Klassenverbund durchliefen. Mein Geburtstag ist und war mir nicht so wichtig, aber ich durfte seitdem im Auto Vornesitzen, das war wesentlich spannender.

Insgesamt viermal waren wir in Bibione bei Lignano, gelegen an der Adriaküste in Italien. Meine Gefühle waren etwas gemischt und ich würde nicht behaupten, dass ich den Urlaub wirklich schön fand. Wir waren jeweils drei Wochen dort, zum letzten Mal 1993 etwas kürzer. Die ersten beiden Male wohnten wir in einer Ferienwohnung in einem größeren Haus, die letzten beiden Male in einem quasi Doppelhaus mit je zwei Wohneinheiten. Mit Bekannten fuhren wir das erste und dritte Mal, beim zweiten Mal nahmen wir Tante Ilona und Bianka mit, beim letzten Mal Sabine und Liane. Ich bin kein Strandtyp, das ist mein Problem, so musste ich mir die Zeit mit Radiohören vertreiben und Abwechslung. Die bestand in den „fliegenden Händlern“, dunkelhäutige Männer, die mit „looky looky“ ihre Ware Feil boten. Repliken von Trainingsanzügen, wobei der Boss International länger hielt als ein originaler Boss, den ich von meinem Onkel geschenkt bekam, Radios in Kopfhörerform und was weiß ich nicht alles. Manchmal hörte man leise einen Hubschrauber, während sie sich vor uns niederließen. Kam er näher – so schnell konnte man dann nicht gucken, wie die weg waren. Natürlich illegaler Schwarzhandel, aber so war das eben. Während man in Bibione die Bürgersteige gegen 22:00 Uhr hochklappte, war ab Nachmittag der Ort voll, wenn alle vom Strand kamen. Besonders die Arcade-Hallen haben es mir angetan, in den späteren 1980er Jahren wurden reine Punktspielgeräte in Deutschland verboten, weil die Kinder ihr Taschengeld darin versenken würden. Ausrangierte Automaten wurden dann in die südlichen Länder verfrachtet. Zu Beginn waren es mehr bewegliche Dinger zum Reinsetzen, drehende Sputniks, Drachen oder was auch immer, die spannende Geräusche machten und teils interaktiv waren. Später musste ich jeden Automaten kennen und ausprobieren, aber auch aufnehmen. mit großem Rekorder sah das blöd aus, war meinen Eltern sicher auch etwas peinlich. In bester Erinnerung bleibt aber der Pizzabäcker an der Ecke mit der gelben Rundumleuchte am Geschäft – frisch und lecker. Der Luna Park war eine Art ständige Kirmes und verfügte somit über Karussells, das war teils gruselig. Ein Rundfahrgeschäft war diesebetrieben, man saß im Rauch und Gestank. Später fuhren Liane und ich mit einem Rainbow, ein Doppel-Ranger überkopf. Die Haltemechanik war der Hammer oder kaum vorhanden, im Innern purzelten Metallsplitter umher und der ließ das Ding über Kopf hängen. Die recht dünnen Bügel knarzten und knarzten, am Arm war eine Art Türgriff, ich stemmte mich dagegen, aber wir haben es überlebt. Seitdem bevorzuge ich lieber fliegende Bauten in Deutschland.

Der Wechsel nach Marburg

Der nächste Abschnitt begann 1989, als ich an die Deutsche Blindenstudienanstalt gewechselt bin. Die Carl-Strehl-Schule war vor der Wende das einzige Gymnasium für Blinde und Sehbehinderte bundesweit. Alternativ hätte ich integrativ am katholischen Gymnasium St. Ursula-schule in Hannover beschult werden können, Martin war einige Jahre älter und daher kannte ich die Schule, die sich neben der St. Heinrich-Kirche befand. Zwei Klassenkameradinnen wechselten ein Jahr zuvor und ich bekam einige Briefe mit spannenden Berichten, was man im Internat und auf Freizeiten so erlebt hat und ich war schon irgendwie neugierig. Als Bianka aus meiner Parallelklasse nach Marburg gehen sollte, wollte ich auch. Kurz vor Weihnachten 1988 kam ich spontan auf diese Idee – zur Überraschung meiner Eltern – und sie setzten alles in Bewegung, dass wir noch einen Vorstellungstermin bekamen. In Marburg saßen wir so um März herum im Büro von Herrn Direktor Wolff und irgendwie fühlte sich das etwas komisch an. Es war knapp, aber ich konnte im Mai 1989 die Orientierungswoche besuchen und mit mir fast meine ganze Klasse. Es stellte sich nämlich heraus, dass drei Mitschüler auch nach Marburg gingen und einer blieb zurück, das bekam ich irgendwie erst kurz vorher mit. In einer geländenahen Wohngruppe in der Gabelsberger Straße wurden Bianka und ich untergebracht und wir trafen erstmals auf fremde Kinder. So war ich nicht alleine, in der Orientierungsklasse allerdings schon. Katja und Gina waren auch in meiner WG und später mit in der Klasse 7A. In der Gruppe hatten wir zwei Jungs aus Aachen, ein etwas lautes und nerviges Zwillingspärchen.

Als ich nach außergewöhnlich langen Ferien durch die Verschiebung im September am Weinberg 13 oben einzog, war Bianka glücklicherweise mit dabei. Sie war für mich in Folge wie eine Schwester und genau genommen ein Stück Heimat. Die anderen aus meiner Klasse wohnten woanders. Mit Katja, Michael und Anja besteht heute noch Kontakt. Ich bezog das Doppelzimmer 7 und sollte zu meinem Entsetzen mit einem der Zwillinge zusammenwohnen, der andere bekäme ein Einzelzimmer. Es war meine Fügung und ihr Schicksal, dass es anders kam. Mein Doppelzimmer war groß und lag nach hinten raus, mit Balkontür und durch den Wald etwas dunkel. Das noch unbewohnte Zimmer zeigte zur Südseite, war im Sommer irre heiß und die Elisabethkirche auf Sichtweite weckte täglich mit ihren Glocken. Irgendwann reichte mir die Ungewissheit, ob die Zwillinge kämen und ich zog ohne Vorankündigung spontan um, das war schnell an einem Abend erledigt. Die Betreuer empfanden dies zunächst nicht so witzig, Christina, Marita und Dieter mussten sich im Team nachträglich darüber beraten. Vermutlich hatten sie keine Lust auf Diskussionen und weil ich mit dem Umzug eh fertig war, ließen sie mich gewähren. Der Blick im schlauchartigen Zimmer 4 reichte weit und da war der geringe Stellplatz das kleinere Übel. Später konnte ich am benachbarten Balkon eine Antenne befestigen, so ergaben sich mit der Zeit weitere Vorteile.

Durch das Internatsleben konnte ich mich vermutlich anders entwickeln als im Elternhaus. Die Interaktion mit bis zu acht Bewohnern in der Wohngruppe und unter Gleichgesinnten ergaben für mich als Einzelkind durchaus attraktive Vorzüge. So besaßen wir recht große Freiheiten und waren oft auf uns allein gestellt, zumindest kam ich mir so vor. Konfrontationen mit den Betrreuern gab es, teils auch zu Unrecht auf beiden Seiten. Das war teils so schlimm, dass man überlegte, uns nach dem ersten Jahr geschlossen abzugeben. Rückblickend waren wir nicht ganz einfach und als geschlossenes Kollektiv gab es „wir Bewohner“ und „Die Betreuer“, vielleicht entstand dadurch die Dynamik. Jahrespraktikantinnen gab es auch, eine Katja und später eine Tanja, die waren beide superlieb, nur weiß ich nichts über ihren Werdegang. Der absolute Knaller allerdings war Conny, eine Sechswochenpraktikantin. Die fuhr einen alten, roten Renauld R4 mit undichtem Dach, hat immer über ihren Freund gejammert und war irgendwie etwas seltsam – ich wusste sie nicht richtig zu nehmen. Eines Samstagabends sollte sie den Nachtdienst übernehmen, sie war gerade 18, wir so um 15 Jahre alt. Um 10 Uhr abends kam sie ins Wohnzimmer, „geht mal ab ins Bett“. Natürlich wollten wir dem nicht folgeleisten, zumal Marita und einfach ließ, wenn auch nicht während der Schultage. Conny beharrte darauf und stieß auf Granit, nach 20 Minuten ging sie heulend runter ins Betreuerzimmer – tja, sie musste wohl noch viel lernen. Ihre Negativstimmung sollte später noch zu einer mündlichen Abmahnung führen. Mit ihr war es schon nicht ganz einfach. Einerseits habe ich mich mit ihr gut verstanden und sie hat mir viel aus ihrem chaotischen Leben erzählt, andererseits hoffe ich für sie, dass sie später einen anderen Lebensweg eingeschlagen hat.

Mist gebaut haben wir sicher auch, aber denke noch im Rahmen. Einige Erlebnisse sollten hier Erwähnung finden, wobei ich das Laternen austreten (ich war der einzige, der immer vorbeigetreten hat), Telefonstreiche (war ich nur mittelbar beteiligt) und Klauen von Poster überspringen will. Ein paar Erlebnisse möchte ich jedoch erwähnen. Mit Sandra aus meiner Gruppe hatte ich das Ritual abends gemeinsam aufs Klo zu gehen. Wir hatten eine Doppelkabine mit iener Trennwand und erzählten uns die Erlebnisse vom Tag – wir waren in der Parallelklasse. Irgendwann kamen wir auf die Idee, „Klo-Tennis“ zu spielen und die Rolle über die Trennwand zu werfen. Ich war wohl zu spät und sie schon aufgestanden, so landete ich einen Volltreffer und die komplett volle Rolle landete im Klo. Als dann unten am Weinberg eine Party war und wir eingeladen wurden, hatten wir einige Halbe-Liter-Flaschen Bier getrunken. Irgendwann des Nachts sind wir lachend die Treppe hochgekrochen und irgendwie ins Bett gekommen. Am nächsten Morgen war die erste Stunde frei und das hatte ich vergessen. Die Schule begann um 08:15 Uhr, meine Wanduhr zeigte Viertel vor Sieben – der Schockmoment. Ich war in fünf Minuten angezogen und aus dem Haus, unsere Putzfrau (ihre Tochter ist zufällig unsere Nachbarin) rief mir noch nach, mein Schulweg dauerte normalerweise eine Viertelstunde. Ich lief den Weinberg runter und kam in die Klasse – keiner da. Dann als der erste etwas früher kam, fiel es mir wieder ein und das „Stephan, wo willst du denn…“, das ich noch so halb durch die zufallende Glastür hörte, ergab plötzlich einen Sinn. Ich habe auch Sachen kaputtgemacht. Ein Schulkamerad in einer anderen WG zeigte mir, wie man Lichtschalter austritt –eine absolute Scheißidee! Trotzdem dachte ich, kannst es ja mal ausprobieren und man kann es sich denken: Ein Tritt – Schalter ab. Fünf Mark Lehrgeld war die Folge und ich habe so etwas nicht mehr ausprobiert. Wenn ich überlege, dass ich mit dem Besitzer des Lichtschalters eigentlich gar nichts zu tun haben wollte, denn er und sein Gefolge waren zunächst dubios. Es gab sogar einen Gruppenabend deswegen, weil die Jungs vom Schlag 1 über den Balkon und durchs Fenster in eines der Zimmer eingestiegen sind. Zugegeben ein Irrtum meinerseits, denn die drei waren einfach nur draufgängerischer als ich und das kannte ich nicht. Anfängliche Skepsis wich aber schnell und so passte ich mich an. Ein schönes Beispiel für Gruppendynamik und wie sich die Steinchen eines neu geordneten Mosaiks irgendwann finden.

Grundsätzlich mochte ich unsere Betreuer wirklich gerne, auch wenn ich sie manches Mal nicht ernstnehmen konnte. So setzten sie voraus, dass wir alles selbst machen, Wäschewaschen, kochen, Müll rausbringen, meine Mutter erwartete jedoch, dass sie uns das alles beibringen – eigentlich Aufgabe des LPF-Unterrichts. Rückblickend muss ich gestehen, dass ich zuhause gar nichts machen durfte. Wenn ich mal backen wollte und Hefe für ein Rezept aus der Kinderzeitschrift „Sonnenstrahl“ backen wollte, fand sie immer einen Grund, warum sie die Hefezöpfe alleine macht. So rebellierte ich etwas, indem ich manchen Sonntag als Überraschung den Frühstückstisch deckte und Kafee kochte, während meine Eltern noch schliefen. Da war ich ungestört und niemand redete mir rein. In der Küche bin ich allerdings bis heute noch eine halbe Niete. Vielleicht waren es die damaligen Umstände, Todesfälle in der Familie, Schwierigkeiten zwischen meinen Eltern, die mir einen massiven Ruck in Richtung Autonomie gegeben haben. Ich fühlte mich nicht einsam, dafür frei und bereit fürs Leben. Natürlich mit all den pubertären Schwierigkeiten, Grenzen austesten, cool sein, das Leben genießen und die Schule nicht so ernst zu nehmen. Aber mein Gerechtigkeitssinn, konsequenter Charakter und auch der Wille Verantwortung zu tragen, haben mich angetrieben und geformt. Ich merkte in dieser Zeit, dass ich alleine zurechtkommen musste – diese Kraft ist mir geblieben. Leider aber nicht meine Motivation, von der Hauptschule aufs Gymnasium bedeutete einen notenmäßigen Abstieg, davor hatte uns bereits Herr Dr. Wolff schon am Vorstellungstag gewarnt. Ich empfand dies zunächst als ungerecht ohne darauf zu kommen, dass es eventuell an den angestiegenen Leistungen liegen könnte. Der Vertretungsunterricht und Hausaufgabenbetreuung waren irgendwie attraktiver. In der siebten Klasse hatten wir Dieter Gast und Peter Brass. Peter, ein ganz lieber aus der Lehrerschaft, hat mir mit viel Geduld manches gezeigt, was ich im Mathematikunterricht zunächst nicht verstand. Und ein Notebook hatte er auch, alleine das brachte ihm einen Pluspunkt bei mir. Wie einige unserer Lehrkräfte war auch er blind, das setzte ihn irgendwie mit uns auf eine Ebene. An der Blista trennte man übrigens zwischen Blinden- und Sehbehindertenklassen, wir in Hannover galten ausschließlich als blind. Das war ebenfalls für mich neu und wird heute anders gehandhabt. Jetzt sind Klassen inklusiv und werden quer durchmischt – auch mit sehenden Kindern. Wir hätten unsere Tochter somit auf die Blista schicken können, das kam für uns aus Gründen nicht in Frage.

Jens und ich bekamen als wenige Schüler eine Elotype. Die elektronische Punktschriftmaschine der Blista basierte auf der um 1986 vorgestellten SK-300, die älteren Blindenschriftmaschinen mit Wagen und Koffer waren schon etwas antik und wurden trotzdem weiter produziert. Die SK-300 war mechanisch vollgestopft und wurde als Maschine der Zukunft angepriesen: Tabulator, Randlöser, drei Zeilenabstände, Lautstärkeregelung der mechanischen Klingel, Dymobandklemmen – es gab nichts, was sie nicht hatte. Sie war extrem anfällig und entpuppte sich als Flop, der unter Anderem die Blista in wirtschaftliche Schwierigkeiten brachte. Die Folge war die MB-06, das Material war vorhanden und so baute man ein auf die Grundfunktionen reduziertes Modell primär für den Schuleinsatz. Die Elotype basierte darauf und es gab die Versionen 01, 02 und 02/8. Jens und ich wollten die größeren, die als Punktschriftdrucker am PC eingesetzt werden konnten. Das war eine Studie, denn keine glich der anderen. Die neueren hatten gedämpfte Tasten, die älteren klapperten etwas, manche druckten direkt ein Zeichen, andere die Punkte leicht versetzt. Die 02/8 konnte acht Punkte drucken, die 02 war mit um 15 Zeichen pro Minute deutlich schneller. Wir gaben Feedback und erhielten immer eine andere im Tausch – sie waren begrenzt und ich weiß nicht, wie viele Varianten ich hatten. Ich wurde damals für einen neuen Flyer der Blista an der Elotype 01 fotografiert. Ich saß am beengten Schreibtisch der Schrankwand am Weinberg, die Maschine und das massive Netzteil vor mir, dann war der Tisch voll. Leider habe ich kein Exemplar mehr davon, es erschien um 1991 und hatte ein rotes Cover. Wenn wir die Elotype austauschen oder zeitweise zurückgeben mussten, war das immer ein Kampf mit der Schulassistentin. Chris war schon speziell, aber wenigstens hatte sie einen guten Kern. Überhaupt war die Materialausgabe für mich neu, wir bekamen Ordner, Stifte, Zeichenmaterial und alles Mögliche, prinzipiell so viel wir wollten. Überprüft hat das bis auf Schreibmaschinen, Kassettenrekorder und Streifenschreiber niemand, so häufte sich der ganze Kram in den Wohngruppen – was wollte ein Blinder schon mit einem Edding und linierten Heften?

Meinen ersten eigenen PC bekam ich Anfang 1991. Es war ein Slimline-Desktop von ESCOM, damals noch bei Schmitt Computer gekauft. Der hatte zwei Diskettenlaufwerke für 5 ¼ und 3 ½ Zoll, kostete 2.149 Mark inklusive Tastatur und Monitor, dazu bekam ich einen Epson LQ-400 24-Nadeldrucker, einen Genius Handscanner und Maus (das war damals Zubehör) und einer Gameport-Karte mit zwei Joysticks. Der AT hatte einen 286er Prozessor mit 12 MHz Taktfrequenz und 1 MB Arbeitsspeicher. die Quantum-Festplatte fasste gerade mal 52 MB, das entspricht etwa 10 MP3-Dateien in mittlerer Qualität, das Betriebssystem – damals MS-DOS 4.1 – benötigte schließlich Platz. Soundkarten folgten erst später, die musste man sich ansparen. Man bekam sowas ohnehin nicht im Computerladen seines Vertrauens, das musste man in Shops aus Computerzeitschriften telefonisch bestellen. Damals bezahlte man für jedes Paket noch eine Zustellgebühr von 2,50 DM, die musste man parat halten, ansonsten führte der Weg in die Postfiliale – nichts mit Abstellgenehmigung und App-Benachrichtigung. Kaufte man etwas, bestellte man per Nachnahme, ich konnte die Überweisungsträger für Vorkasse nicht ausfüllen. Ich weiß noch, dass ich diesen Computer irgendwie länger eingelagert hatte, 1993 quetschte ich sogar noch ein CD-ROM-Laufwerk von Mitsumi hinein. Heute kann ich beim besten Willen nicht mehr wirklich nachvollziehen, wann ich welchen Computer bekam. Mein erstes Vorlesesystem bekam ich irgendwie um 1993 im Sommer. Der Leiferant von Tieman seinerzeit war sehr froh, dass er mir das Ganze nicht erklären musste und konnte direkt weiter. Das war auch gut so, denn der Schraubendreher lag längst bereit und in wenigen Stunden sah das Tischgehäuse mit eingebauten Lautsprechern komplett anders aus. An die AOK Niedersachsen, Ihr braucht nicht nachzuforschen, das ist mit über 30 Jahren längst verjährt und die Investition hat sich gelohnt, auch in die MiniBraille, eine 20stellige Braillezeile. Zuvor hatte ich von Carsten noch einen abgelegten Computer bekommen und Jens sein Bruder verkaufte Rechner von Schneider. Daher bekam ich ein riesiges Gehäuse und so zog die Hardware öfters mal um.

Erinnern kann ich mich noch an die Nacht, als wir 1993 nach Trier auf Klassenfahrt fuhren. Den 286er mit 16 MHz von Carsten wollte ich unbedingt fertigkriegen und irgendwas lief da nicht. Ich bin ja eh immer nervös, wenn ich irgendwohin fahren muss, so war ich die ganze Nacht wach und wurde morgens erst bei Tagesanbruch damit fertig. Jetzt mussten wir aber zum Bahnhof und mit dem Zug los, das hat auch alles geklappt. Nur kann ich mich an die Umstiege in Koblenz und Siegen kaum erinnern, ich war regelrecht schlaftrunken und eigentlich bis wir in Trier waren alles andere als aufmerksam. Die Rückfahrt wurde nicht besser, wir waren am letzten Tag in einer Dönerbude und irgendwas war da nicht in Ordnung. Die ganze Nacht gab es Benutzung der Toilette in rückwärtiger Form. Ach, hätte ich nur einen Kassettenrekorder mitgenommen, meinte Michael immer wieder. Okay, die Situation war tatsächlich so skurril, dass ich mich nicht zwischen Kotzen und Lachen entscheiden konnte. Ergebnis, auch die Rückfahrt habe ich entsprechend verschlafen. Computer im Schlaf beackern gab es öfters, schon in Fronhausen hatte ich ein Notebook in der Mache und bin darüber auf dem Sofa eingenickt. Als ich wach wurde habe ich mich ernsthaft gewundert, wieso alles plötzlich schon erledigt war.

In der Schule war ich eher Durchschnitt, meine Englischlehrerin beschrieb mich gegenüber meinen Eltern in der neunten Klasse als „faule Sau“. Tatsächlich war das nicht falsch, wenn auch übertrieben. Ich war eher Durchschnitt, konzentrierte mich nach wie vor auf das, was mich wirklich interessierte, Politik gehörte beispielsweise nicht dazu. So wussten alle um meine technische Expertise, ich befasste mich intensiv mit Blindenhilfsmitteln, hatte in der Oberstufe des beruflichen Gymnasiums als fast einziger ein Laptop mit dabei und außerdem meinen eigenen Kopf. Mitschüler habe ich immer unterstützt, Egal ob bei ihren HiFi-Problemen oder wenn es um Hilfsmittelfragen ging, auch vor der BLISTA-Mailbox machte ich nicht halt. Im Bereich Musik war es unser Musiklehrer Ulrich Meyer-Uhma, der mir zeitweise Zugang zu den Musikalien ermöglichte. Er vertraute mir in doppelter Hinsicht blind. Ich durfte unsere große Theaterorgel nutzen, die Synthesizer im Musikalienraum, konnte alles verkabeln und auf Kassette aufzeichnen und er wusste, er kann mir vertrauen. Dieses Vertrauen schätzten auch andere Lehrer, so wurde ich in einer Projektwoche in die Gruppe Schülerzeitung abgeordnet, weil meine Schnellschreibfähigkeiten und Expertise benötigt wurden. Im Jahr 1993 entwickelte ich Lehrmaterialien und schulte gemeinsam mit zwei Freunden unsere Mitschüler im Umgang mit der damaligen Form des Internets. Genauer E-Mail-Austausch und Bulletins im Projekt „Schulen ans Netz“, das hr-Fernsehen hat darüber sogar einen Beitrag gefilmt. besucht. Mit meinem Freund Jens Walpert ging ich außerdem regelmäßig zu den Hilfsmittelausstellungen, die damals schon jährlich im RES in der Biegenstraße, später in der kleinen Turnhalle und bis heute in der großen Turnhalle auf dem Blista-Gelände stattfinden. Wir knüpften schon früh Kontakte zu den Herstellern und genossen seinerzeit einen gewissen Bekanntheitsgrad. Ob Josef Ender von BAUM oder Siegfried Kippke von Handy Tech, sie fragten nach unserer Expertise und wir durften sie in unsere Wohngruppe einladen. Jupp zeigte uns den David von BAUM und lud uns zu einer spannenden Werksführung auf Schloss Langenzell nach Heidelberg ein. Siggi wollte unsere Meinung zur damals in der Entwicklung befindlichen Brailletastatur für das Modulare Konzept wissen. Man schätzte uns und einen besonders guten Draht hatten wir zu Ludwig Becker und Tieman. Vor Allem Beckers profitierten, weil wir einige Kunden brachten und ihnen zugearbeitet haben, teilweise übernahmen wir auch die Nachbetreuung. Bezahlt wurden wir zwar nicht, aber wir bekamen schon kleine Aufmerksamkeiten in Form besserer Ausstattungen. Nicht nur dadurch fühlte ich mich schon kompetent und Wenn Lehrer über die technologische Zukunft philosophierten, konnte ich schon steil gehen. Mit Klaus Hecker stritt ich mich bis aufs Blut in der zwölften Klasse, so dass ich den Ethik-Unterricht verlassen sollte und der Aufforderung nicht nachkam. Seine These im Jahr 1995 war, dass wir in wenigen Jahren nur noch mit Helmen in der virtuellen Welt unterwegs sein würden, das hat sich aufgrund technischer Defizite und fehlenden Netzinfrastruktur nicht bewahrheiten können. Rückblickend hatte er zumindest ein Bisschen Recht, das sehen wir an sozialen Medien, KI und Videobrillen, die aber nur für immersive Wahrnehmungen wichtig sind und sich auf optische und akustische Realitäten beschränken. Erst jetzt wird sich zeigen, ob KI-gestützte Brillen das nächste große Ding sind und vor Allem wie lange sie bleiben werden.

Mani begegnete mir bereits 1990 in seinem Amateurfunkkurs. Allerdings war mir das damals zu theoretisch und so brach ich diesen übrigens nicht als Einziger ab. Wie die Funk-AG mit Bezug zum Amateurfunk und eine Funkausstellung auf einem Sommerfest förderte er stark mein Interesse. Später sollte er mir noch zur Prüfung verhelfen und die Clubstation DL0CE der Blista wurde zu einem von mir häufig besuchten Ort. Zunächst konnte ich die Aktivitäten manchmal mit meinem Weltempfänger hören. Meinen Schulfreund Daniel traf ich bei Besuchen in Hannover und ich war schon etwas neidisch, wenn er mit seinem Handfunkgerät spontane Kontakte herstellte. So beschränkte ich mich auf den CB-Funk, die zeitweisen Handfunkgeräte waren in der Reichweite schließlich begrenzt. Dies führte nicht nur zu Kontakten innerhalb der Wohngruppen, sondern auch zu Kindern von außerhalb, echte Freundschaften entstanden. Das war schon extrem, alleine in unserem Haus hatten wir insgesamt fünf und zeitweise sechs Stationen, denn die unten am Weinberg eingezogenen Schüler brachten zum Teil Funkgeräte mit. Seinerzeit war das eine exzellente Möglichkeit, das recht geschlossene Netz der Blista nach Außen zu öffnen und von dieser Mode haben sich viele anstecken lassen. Wir hatten viele lustige Runden, waren sehr aktiv und gelangten so auch ohne Amateurfunk zu mehr Sichtbarkeit – per Sprache waren schließlich alle gleichberechtigt. Da passierten so Dinge, dass die Mobilstation „Warsteiner“ spontan was von McDonald’s vorbeibrachte. Damals entstanden zufällig auch die ersten Kontakte bis nach Fronhausen, Günter, der „Leuchtturm“ ist heute ein Nachbar.

Meine jetzige Frau Liane lernte ich übrigens Ende 1992 kennen, wir verbrachten nahezu die gesamte Schulzeit miteinander. Man könnte behaupten, Alltagsprobe unter Extrembedingungen: Wir waren seit 1993 in derselben Klasse, hatten dieselben Kurse und sind später in dieselbe Wohngruppe gezogen. Nach fünf Jahren des zentralen WG-Konzepts stand üblicherweise ein Wechsel in die selbständigen-Wohngruppen an, hier ließen sich Wünsche äußern und wo man wohnen wollte. Liane und Jens standen auf meiner Liste ganz oben und gemeinsam stellten wir uns in verschiedenen Gruppen vor. Wir bekamen den Zuschlag für unsere Erstwahl, und zogen im Sommer 1994 in die Robert-Koch-Straße 3 ein. sehr zentral gelegen, aber an einer teils stark befahrenen Straße. Jens wohnte zuvor übrigens in der Schulstraße 8, Liane in der Biegenstraße 32. Ich bekam nun ein größeres Zimmer und das war sinnvoll, ansonsten hätte Carstens Orgel später nicht hineingepasst. Zwei Betreuerinnen kamen nur zweimal die Woche vorbei, das war aufgrund unserer Selbständigkeit kein Problem und somit sehr angenehm. Liane und ich durchliefen gemeinsam die Oberstufe mit Abitur im Jahr 1996 und später auch einen Teil der Ausbildung. Mein erstes Handy bekam ich 1994 gegen Ende des Jahres. Es war ein Hagenuk MT-300, ohne SMS-Empfang und mit Vertrag. Carsten hatte es von seinem Chef übernommen und wollte auf ein Nokia 1611 umsteigen, so durfte ich das Handy haben und musste ihm nur die Verbindungskosten bezahlen. Die Grundgebühr des Talkline-Vertrags weiß ich nicht genau, die Tagesminute kostete 1,38 DM und abends war das nicht günstiger. Ich hatte es mit in der Schule und wirklich nur in Notfällen damit telefoniert. Meinen eigenen Vertrag schloss ich im Folgejahr bei der Telekom ab.

Klassenfahrten gab es übrigens einige. Reiterfreizeit, Ruderfreizeit, Skifreizeit, Segelfreizeit, Fahrt nach Rom, darüber könnte man sicherlich auch einige Bücher schreiben. Von der Segelfreizeit gäbe es theoretisch ein Video, das mich aber nie erreicht hat. Von der Skifreizeit habe ich dafür einen Mitschnitt meiner ersten und einzigen Abfahrt von der roten Piste, einen entsprechenden Skipass habe ich noch irgendwo. Bei solchen Fahrten bin ich ambivalent. Einerseits hat mich sowas immer gestresst, andererseits gibt es viele lustige Erinnerungen. Die Zapfanlage für die Lehrer bei der Ruderfreizeit, wo ein Zimmergenosse des Nachts hinschlich und sich mit Kopp in Nacken unter den Hahn legte und quasi ab Quelle trank, die Sachsen in der Geißkopfalm Habischried, die dort nach der Wende als Gastwirte rübergemacht hatten. Genauso wie die Fahrt nach Rom, der Beginn der großen Liebe unserer damaligen Deutschlehrerin, das Produkt war die Klassenkameradin eines gleichnamigen Nachbarsmädchens. Genauso ist unsere unmittelbare Nachbarin die Tochter unserer damaligen Putzfrau am Weinberg, mit der wir ihren 50. Geburtstag feierten und die stolz von ihrer vierten Enkeltochter sprach, die ich nach 18 Jahren kennenlernte – so klein ist die Welt, echt verrückt. Auf der Weihnachtsfeier zu jener Zeit gab es auch eine Begebenheit, hier bitte ich um Verständnis, dass ich die besser nicht aufschreibe. Nur soviel: Kaum jemand käme auf die Idee, das Essen eines Gruppenkameraden aufzuessen, der zuvor Nasenbluten und dadurch keinen Appetit mehr hatte.

Hannover, Ströhen und meine Heimat

Vom Herzen bin ich klar ein Niedersachse, obwohl ich jüngst den Zweitwohnsitz in Hannover seit 1989 abgemeldet habe. Ich wusste gar nicht, dass es überhaupt einen gab. Das kam eher zufällig raus, als man unsere Tochter Anfang 2025 von der Südstadtgemeinde zum Konfirmationsunterricht einlud. Eine aufwendige Recherche ergab, dass die Daten von unserer Gemeinde übertragen wurden, aber obwohl meines Zweitwohnsitzes hat unsere Tochter nichts damit zu tun. Zwar lebte Liane zeitgleich mit mir in Hannover, da kannten wir uns nicht. Sie war auf der Sehbehindertenschule und die suchten sich Pflegeeltern, ich auf der Blindenschule mit angeschlossenem Internat. Fragte man mich in den 1990er Jahren, ob ich in Marburg wohnen würde, antwortete ich, dass ich zwar hier lebe, jedoch in Hannover wohne. Ich habe stets unterschieden, viele Umstände haben jedoch diese Sicht etwas verändert. Während Liane aus Ströhen bei Wagenfeld stammt und ich aus Hannover und Munster, war für mich klar, dass wir irgendwann wieder in den Norden ziehen wollten. Doch Beruf und Hauskauf haben alles verändert und so muss ich mich mit Hessen arrangieren und das ist ob der hiesigen Mentalität nicht immer ganz einfach. Daher würde ich das heute nicht mehr so krass ausdrücken, „ich bin Niedersachse und mache in Hessen Entwicklungshilfe“, das gefällt mir besser. Wobei das auch geflunkert ist, denn mein Vater ist in Essen-Kupferdreh geboren, meine Mutter in Maspe bei Blomberg, also beide Westfalen, wobei die Vorfahren meiner Eltern teils aus Preußen bzw. Schwaben stammen. Somit bin ich zwar in Norddeutschland geboren, tendenziell aber wohl genetisch keiner. Unsere Tochter ist Marburgerin und fühlt sich als Hesse, so ist das mit den Regionen, genau genommen hält sie es wie ich.

Mit örtlichem Abstand zur Familie ist es gerade mit einem Kind nicht immer leicht, wenn es keine Oma oder Opa, Tante oder Onkel in der Nähe gibt. Glücklicherweise sind wir hier gut vernetzt und haben ein soziales Umfeld, das ist fast genauso gut. von daher ist Fronhausen inzwischen schon so etwas wie Heimat geworden – wenn auch nicht ganz freiwillig. Früher war es Hannover, heute ist mir aber auch Siekholz als Ortsteil von Schieder-Schwalenberg wichtig, Ströhen genauso, gelegen an der niedersächsischen Grenze, Preußisch Ströhen ist er westfälische Teil – Kreis Rahden. Ich könnte mir übrigens auch Hamburg als Wahlheimat vorstellen, dass rund 75 km von Soltau entfernt liegt. Den Heide Park, vormals Wildpark mit Heidenhofkapelle, kenne ich seit den ersten Tagen. Mein Onkel aus Soltau war mit einem der ehemaligen Geschäftsführer befreundet – das führte zu gelegentlichen Freikarten. Heute reizt mich am Heide Park nichts mehr, weil alles von früher faktisch kaum noch existiert und das Konzept durch Merlin Entertainment verändert wurde. Anders sieht das mit dem größten Schützenfest der Welt in Hannover aus. Mit dem Schützenwesen war ich schließlich familiär verbunden, Onkel Horst war lange Zeit der Doktor und mein Vater ebenfalls Mitglied. Ich selbst bin irgendwann um 2017 eingetreten und im Jahr 2018 zum ersten Mal mitmarschiert, das Schießen interessiert mich nicht, aber die Tradition und Gemeinschaft. Umso mehr mag ich die Kirmes, verbunden mit der Stimmung. In Hannover waren für mich das Frühlings-, Schützen- und Oktoberfest – übrigens das Zweitgrößte Deutschlands – jedes Jahr obligatorisch. Ich bekam Kirmesgeld und fuhr, was das Zeug hielt und nicht über Kopf ging. Abends war ich kaputt und hatte zumeist Kopfschmerzen. Heute zähle ich den Hamburger Dom dazu, das größte Volksfest in Norddeutschland. Der Name kommt daher, weil früher ein Dom auf dem Heiliggeistfeld stand, der im zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Kirmes ist für mich wie Heimat, ich mag die blitzenden Lichter und die Stimmung. Egal wo ist Rummel irgendwie vergleichbar.

Mit der EXPO 2000 in Hannover fühle ich mich ebenfalls eng verbunden. Das war eine tolle Erfahrung und für mich nachhaltig beeindruckend. Nicht nur die Pavillons mit ihren Multimedia-Installationen, der „Planet of Visions“ und was es da noch so alles gab, sondern die Einigkeit aller teilnehmenden Länder. Schaut man sich heute in der Welt um, kann man kaum fassen, wie friedlich die EXPO 2000 trotz vieler Proteste durchgeführt werden konnte. Für Hannover hat das viel gebracht, gleichwohl auch viele Kosten. Für mich allerdings war es eine nachhaltige und beeindruckende Erfahrung, denn so bekommt man selten viele Länder auf einen Fleck zusammen. Man hatte das Gefühl, die gesamte Welt befände sich plötzlich in der langweiligsten Stadt Deutschlands, wie Hannover landläufig oft bezeichnet wird. Dabei ist Hannover in vielen Punkten Ursprung so mancher Entwicklung, wie es Onkel Marius auf seiner Webseite einst schön zusammengefasst hat. Dass hier das PAL-Farbfernsehsystem entwickelt wurde, dass Emil Berliner Telefon, Grammophon und Schallplatte erfand, dass Continental das profilierte und schlauchlose Reifenprinzip hervorbrachte, dass der erste deutsche Flohmarkt hier stattfand, dass Karl Jatho vier Monate vor den Wrights flog, dass der Aufzug im Neuen Rathaus als einziger der Welt um die Kurve fährt, oder dass Leibniz in Hannover die Rechenmaschine und das Binärsystem entwickelte – die Grundlage für jeden modernen Computer. Selbst Begriffe wie „Keks“ oder „Feinkost“ entstanden hier, und Firmen wie Bahlsen, Rossmann oder die Gründer von „Stern“ und „Spiegel“ nahmen von Hannover aus ihren Anfang. Dazu kamen Dinge, die man kaum auf dem Schirm hat: dass in Hannover der wasserlösliche Tapetenkleister erfunden wurde, dass seit 1747 das evangelische Kirchengesangbuch hier gedruckt wird, dass die erste öffentliche Tankstelle Deutschlands am Raschplatz stand, dass die größte deutsche Buchhandlung „Schmorl & von Seefeld“ hier ihren Sitz hat, dass Hugo Haase Autoscooter, Wasserbahn und Achterbahn entwickelte, dass erwähnte größte Schützenfest der Welt seit 1529 und dass sogar die größte Schwenkbrücke über den Suezkanal in Hannover gebaut wurde. Marius hatte all das nüchtern, fast nebenbei zusammengetragen, ohne Stolz, aber mit einem klaren Blick dafür, dass diese Stadt weit mehr ist als ihr Ruf. Heute hat sich allerdings viel verändert, besonders Leerstände in der Innenstadt und wie überall kämpfen auch hier Institutionen ums Überleben. Hannover ist und bleibt für mich eine Heimat, obwohl ich dort insgesamt nur neun Jahre verbracht habe.

Lianes Familie hatte ein Haus in Ströhen bei Wagenfeld. Nach dem Abitur hatten wir viel Zeit und so fuhren wir ständig hin und her. Schaut man sich heute die Familienvideos an, wundern wir uns manchmal selbst, wie oft und wo wir alles waren. Schieder, Wesseling, Hildesheim und eben auch in Ströhen. Lianes Vater war quasi der „Ströher Hausmeister“ und so verwunderte es nicht, dass er aus dem alten Haus mit der Zeit was richtig Schönes machen konnte. Die vier Geschwister lebten noch zuhause, die jüngeren Schwestern haben mich wie einen Bruder akzeptiert. Wir haben uns genauso intensiv um die Beiden gekümmert, was Angesichts der damaligen Situation nötig war. Eigentlich war es da so ähnlich wie in Schieder, Lianes Großtante war die Hauseigentümerin und lebte in der angebauten Wohnung. Insgesamt waren wir häufig da und es gibt unzählige schöne Erinnerungen an diese Zeit, aber familiär hat sich einiges verändert. Das Haus wurde inzwischen verkauft und so sind wir seltener in der Gegend. Das ländliche Grundstück ist etwa 2 km vom Dorfkern entfernt und über Hunderte von Metern ist kaum ein Haus zu sehen. Umgeben ist es von Feldern, flachem Land und ansonsten gibt es dort nicht viel, dafür viele lustige Erlebnisse. Julia, eine Freundin von Lianes Schwester, lebte mit ihrer Familie am Dorfrand und ich kenne sie von Klein auf. Als sie etwa 14 Jahre alt war, bekam ich mit, dass sie ihre Mutter etwas anflunkert, weil sie auf Geheiß nicht ihren PC, sondern den Monitor abgeschaltet hat, nur um ihn heimlich wieder einzuschalten. Beim Geburtstag des unmittelbaren Nachbarn hat ihre Mutter erzählt, dass Julia immer so vernünftig wäre und als Zeitzeuge kann ich dies – naja bis auf eben diese Begebenheit – absolut bestätigen. Nun kann ich bekanntermaßen meine Klappe nicht halten und meinte: „Wenn du wüsstest, die verarscht dich doch und schaltet nur den Monitor aus!“ Das blieb nicht folgenlos, am nächsten Morgen kam Anni zu mir und meinte in leicht irritierten Ton: „Julia will dir nachher in die Fresse hauen“, es sei angeführt, das ist bis heute nicht passiert und auch wenn wir uns selten hören, verstehen wir uns richtig gut. Ohnehin wurden die Besuche bis heute aus Gründen seltener, aber Osterfeuer waren wir immer da, so auch Julia. Ich finde schön, dass selbst wenn man Menschen selten im Jahr trifft, man das Gefühl hat, sie erst gestern gesehen zu haben. Nebenbei bemerkt, früher machte ich das genauso, wenn die Betreuer um 22:00 Uhr die letzte Runde machten. Um mich zu schützen, kam ich auf die Idee, eine Zeitschaltuhr an meinem Homecomputer zu installieren. Eines Abends hatte ich mit einem Gruppenkameraden ein Programm auf dem Philips MSX abgetippt, irgendwas mit Grafiken. Das war so interessant und ich vergaß die Zeit, die Zeitschaltuhr jedoch nicht. Schnee im Fernseher gepaart mit der Erkenntnis, dass ich vergessen habe, das Programm auf die Datenkassette zu speichern– böse Falle und daraus gelernt.

Berufliches Fortkommen

Im Juni 1996 sind wir in eine 2-Zimmer-Wohnung am Kreutzacker in die Marbach gezogen, Jens wohnte mit einem Freund rund 50 Meter entfernt am Höhenweg und verzog 2001 nach Hamburg. Später heiratete er seine Jessica, zugegeben bin ich daran wohl nicht so ganz unschuldig. Liane und ich begannen gemeinsam und mit etwas Zufall und Glück eine Ausbildung zum Beamten im nichttechnischen gehobenen Verwaltungsdienst. Die Ausbildung setzte sich aus einem schulischen und praktischen Teil zusammen, war also dual. In der Schule durchliefen wir diese gemeinsam mit Bianka im selben Kurs, somit drei Sehbehinderte, das kam bestimmt wohl kein zweites Mal vor. Im Praxissemester waren wir in unseren jeweiligen Behörden. Dass wir in derselben Schule waren, lag daran, dass mich die Goethe-Universität als mein Arbeitgeber ortsnah unterrichten ließ. Für die Verwaltungsfachhochschule war dies somit angenehmer, denn man hatte drei Schwerbehinderte in einer Klasse. Bianka und Liane haben es geschafft, ich schied glücklicherweise 1998 aus. Grund dafür waren diverse Schwierigkeiten, die im schulischen Bereich aufgetreten sind und ich brach infolgedessen die Ausbildung ab. Was jedoch in der Schule nicht funktionierte – mir fehlte eine einzelne Bewertungseinheit in der Zwischenprüfung – zeigte sich in der Verwaltung der Goethe-Universität vollkommen anders. Dort arbeitete ich in den praktischen Semestern und habe nicht etwa Verwaltungstätigkeiten ausgeführt, sondern ich wurde ansatzweise in das damals aufbauende Glasfasernetzwerk eingebunden. Es gab einen studentischen PC-Notdienst, aber man rief dann lieber mich und so konnte ich meine IT-Fähigkeiten praktisch nutzen. Ich lernte Datenbanksysteme kennen, unterstützte bei der Administration und sollte mich sogar mit Zeiterfassungssystemen in der Organisationsabteilung auseinandersetzen. Drucker- und PC-Probleme gehörten selbstverständlich dazu, die waren groß, schwer und dreckig, ebenso die alten Laserdrucker.

Diese verpatzte Zwischenprüfung war schicksalhaft. Als Kämpfer gab ich mich natürlich nicht damit zufrieden und legte Beschwerde ein. Leider war nichts zu machen und hätte ich die Ausbildung fortgesetzt, müsste ich alleine auch noch nach Frankfurt in die Verwaltungsfachhochschule – in Gießen gab es in diesem Jahr keinen Kurs, somit war der Antrag auf Entlassung die einzig logische Konsequenz. Auslöser war die Klausur im Fach Verwaltungsbetriebslehre. Die beiden Prüfer lagen so weit mit ihrer Bewertung auseinander, dass es eine dritte Prüfung gab, die irgendwo dazwischen lag. Rechnerisch hatte ich somit nicht die erforderlichen 100, sondern nur 99 der notwendigen Bewertungseinheiten zum Bestehen. Ich wunderte mich über die drei Aufgaben, was sollte man sechs Stunden daran schreiben? Die Erkenntnis hatten wir bei der Abgabe: Meine Assistentin hat die Rückseite übersehen und vorne stand kein Verweis drauf. Sie hat geheult wie ein Schlosshund, aber konnte überhaupt nichts dafür, weil die Klausur bei Betreten des Einzelraums (Schwerbehindertenerleichterungen) auf dem Tisch lag. Wer kommt denn darauf, den Zettel in die Hand zu nehmen? Ihr schlechtes Gewissen konnte ich ihr schnell nehmen, denn ohne sie und dieses Missgeschick hätte sich mein beruflicher Weg wohl nicht so dramatisch verändert. Evelin habe ich später über 10 Jahre als Assistentin in meinem Unternehmen beschäftigt und wir haben eine schöne Zeit durchlebt. Dass man mich überhaupt eingestellt hat, verdanke ich einem Alleingang des damaligen Schwerbehindertenvertrauensmanns, wenn auch nur indirekt. Eigentlich hatte mir die Goethe-Universität längst abgesagt. Es war für ihn ein innerer Reichsparteitag, der Personalabteilung vor seinem Ruhestand noch eins auszuwischen und da kam ihm meine Bewerbung gerade recht. Weil ich eine Absage erhielt und somit der schon damals gültigen Rechtslage hätte in das Bewerbungsverfahren einbezogen werden müssen, konnte ich schlussendlich einen Ausbildungsplatz bekommen. Ich war quasi ein ungeliebtes Kind, das aber schnell Freunde in dieser Fremde bekam. Der Stress wurde mir allerdings zu viel, denn zeitweise saß ich wochenlang ohne Arbeit im Büro bei einer täglichen Fahrzeit von fast drei Stunden. Ich verließ manchmal durch die Hintertür das Gebäude eine viertel Stunde früher, Gleitzeit hatten wir noch nicht. Dadurch konnte ich mindestens eine halbe Stunde Fahrzeit einsparen. Nur leider sah man mich und bestellte mich zur Anhörung. Es blieb folgenlos, eine Abmahnung gab es nicht und man zeigte sogar Verständnis, aber gegenüber den anderen Auszubildenden war das natürlich nicht gerecht. Umgekehrt wäre es egal, wenn ich eine Viertelstunde früher morgens anwesend wäre. Man könnte es Burn-Out oder Unterforderung nennen, aber im April 1998 wurde ich krank und war einige Zeit erschöpft. Da kam mir das neu eröffnete BliZ (Zentrum für blinde und sehbehinderte Studierende an der THM) gerade recht. Aber auch das hat mich nicht erfüllt, ich bin einfach niemand der nach System lernen kann. Somit ging ich in die Selbständigkeit. Für mich war das ob der familiären Erfahrung ein leichtes und das bis in die Gegenwart. Ausflüge an die Fernuniversität Hagen verliefen nicht besser, ich habe lieber gearbeitet als gelernt, Probleme angepackt und gelöst, mich praktisch weiterentwickelt und konnte mich beweisen. Auch das schrieb ich oben, die Fähigkeit mich durchzusetzen mit einem scharfen Verstand, stets in die Zukunft gerichtet, mit gesunder Bodenhaftung und realistischer Selbsteinschätzung verbunden mit Empathie, das muss ich an dieser Stelle selbstbeweihräuchernd zu Protokoll geben. Es ist schon skurril, wenn man ohne akademischen Grad Vorträge vor Akademiker hält oder ihre Computer wartet und die einem dennoch vertrauen. Wie es so schön heißt: Ein guter Meister nimmt auch den Besen in die Hand und kehrt seinen eigenen Dreck weg.

Das Schicksal spielte uns irgendwie immer in die Hände. Als ich dann doch von der Goethe-Universität eingeladen wurde, erhielt ich einige Tage später einen Anruf von Uwe Sparenberg, seinerzeit stellvertretender Schulleiter der Blista. Er habe gehört, ich hätte noch keinen Ausbildungsplatz, es wäre spontan einer im Regierungspräsidium Gießen frei. „Doch, zufällig hat sich die Uni in Frankfurt gemeldet, aber Liane hat noch nichts.“ Hintergrund war eine ebenfalls durchgefallene Schwerbehinderte, das will ich jetzt nicht näher erläutern. Am Ende hat Liane den Ausbildungsplatz erhalten und das war die allerbeste Entscheidung, sie auf dieses Pferd zu setzen. Was wäre passiert, wenn ich der Uni abgesagt und beim Regierungspräsidium angefangen hätte, ich mag gar nicht darüber nachdenken. Beworben haben wir uns übrigens beide überall, Marburg, Hannover, vor Allem die Finanzverwaltung war sehr interessiert und telefonierte uns sogar hinterher. Kein Wunder, genau dahin wollte vermutlich damals niemand, wir übrigens auch nicht. Eine Exit-Strategie hatten wir ohnehinn, Studieren wäre immer möglich, auch übergangsweise.

Von Deininger bis zum Gericht

1998 meldete ich mein Gewerbe an, seinerzeit als hbm, Hilfsmittelberatung Marburg. Ausgelöst durch das Projekt von einem gewissen Jörg Kopp Consulting (JKC), der als Gehörloser eine Expertenplattform für Behinderte und Angehörige schaffen wollte. Er fand mich über meine damalige Webseite und bot mir an, für dieses Projekt als Experte für Blindenhilfsmittel mitzuarbeiten. Ohne Bezahlung, aber mit dem Ziel, Menschen unterstützen zu können. Das motivierte mich, der Blista und dem nach meiner Ansicht nach wenig hilfreichen Beratungszentrum im RES etwas entgegenzusetzen, was bei der hiesigen Marktlage schwierig war. Auf der Hilfsmittelausstellung in Marburg lernte ich 1998 Stefan Deininger kennen und das führte zur im Oktober 1999 gegründeten mobilen Hilfsmittelzentrale Marburg. Überzeugt hat mich das flexible Konzept der firmenübergreifenden Beratung, das hatte ich mir so vorgestellt. Gleichwohl veränderte sich die Marktlage, eigene Geräte wurden entwickelt und Deininger wurde irgendwann zum Produzenten. Jens gründete in Hamburg auch eine Beratungsstelle für Deininger, bevor er später sein Reisebüro eröffnete. Für mich war die Unabhängigkeit sehr wichtig, sowohl von Produkten aber auch von finanziellen Mitteln. Zunächst schickte man von Bensheim die Geräte zu den Kunden und ich fuhr mit dem Zug hinterher. Allerdings war klar, dass die Auftragslage größer würde und ich suchte nach Lösungen. Einige Jahre später bin ich das genaue Gegenteil, lieber realistische Bodenhaftung als maßlose Übertreibungen. Ich wurde einst ins Marburger Rathaus eingeladen, es ging um Existenzgründerzuschüsse. Immerhin wollte ich ein Auto kaufen und versuchte, das möglichst risikolos auf die Beine zu stellen. Ich nahm die Einladung an und das war ein nettes Gespräch. Ärgerlich nur, dass ich keinen Zuschuss erhielt, weil ich war längst kein Gründer mehr. Mit dem Auto hat übrigens geklappt und ich hatte über diese Zeit einen Assistenten. Das war auch ein kleinerer Kampf mit dem Integrationsamt, mein O-TON: „Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder sie unterstützen mich und übernehmen die Kosten für meinen Assistenten oder ich muss das Gewerbe abmelden“, das ist die Art, wie ich denke. Kompromisse immer gerne, aber auch eine klare Haltung und Tragen von Konsequenzen – die Geschichte ging am Ende für mich gut aus. von Carsten übernahm ich sein Leasingfahrzeug, einen schwarzen, spritzigen Fiat Seicento Sporting mit 55 ps, der wurde aufgrund der Auftragslage schnell zu klein. Die rund 12.000 Mark mussten wir jedoch über einen Kredit abfangen. Damals war Ich übrigens nicht nur im Hilfsmittelbereich gut vernetzt, der Computerclub Hannover war auch immer wieder Inspirationsquelle für mich. Dieser wurde unter Anderem von Carsten mitgegründet, ich wurde Mitglied und kam desöfteren zu Veranstaltungen und gelegentlichen Feiern. Die Erinnerungen daran sind allerdings wage und schlussendlich löste sich der Verein auf.

2003 zogen wir spontan ein halbes Stockwerk tiefer in eine größere Wohnung um, so hatte ich auch ein eigenes Büro. Unsere Freundin Nuray zog in die alte, die Zwei Zimmer wurden für uns einfach zu klein. Der Umzug kam relativ spontan, weil wir zufällig durch die Wohnungstür hörten, dass Mitbewohner ausziehen würden – wir nutzten diese Chance. Später hatten wir sogar überlegt, ein Ladenlokal zu eröffnen und einen Hilfsmittel-Shop mit einzugliedern. Kontakte gab es, auch ein Ladenlokal für um 800 Euro Miete, aber uns war das doch zu heiß und das Risiko hätte ich nicht tragen wollen. Die Lage in der Ketzerbach wäre jedoch phänomenal gewesen. Ich weiß nicht mehr wo genau das war, rechte Seite Richtung Blista, ein Ladenlokal mit Fliesen unterhalb des Schaufensters, dazwischen der Eingang. Meine Risiken wollte ich stets so gering wie möglich halten. Manche Unternehmer gingen allerdings anders vor und so  betrachte das heute sehr argwöhnisch, wenn Start-Ups nach Sponsoren suchen und ein massives Storytelling veranstalten, was irgendwelche Produkte theoretisch könnten, dies praktisch jedoch gar nicht leisten, Beispiele aus dem Hilfsmittelbereich gäbe es aktuell einige. Schon damals wurden mir so manche Ideen über Deininger zugetragen, meist Studienprojekte. Neben einem Buchscanner, der Seiten pneumatisch umblättern sollte, war darunter eine Art taktiles Display mit Kamera. Genau genommen eine Art Lupe, mit deren Hilfe blinde Menschen Gegenstände auch in der Ferne ertasten sollten. Ich fand das spannend und nahm Kontakt mit dem Hersteller auf. Selbst die Frage nach der bloßen Funktion sollte zunächst einer unterzeichneten Geheimhaltungserklärung vorausgehen. Würde man gegen diese verstoßen, wären 10.000 DM als Konventionalstrafe fällig. „Ich weiß doch gar nicht, ob ihr Produkt überhaupt existiert“, war mein Einwand und ich wollte dafür zunächst einen Beleg. Nichts zu machen und wenn ich so darüber nachdenke ein grandioses Geschäftsmodell: Lass einfach viele unterzeichnen und suche Zeugen, die unter Eid belegen würden, dass dies und jenes von ihr und ihm irgendwann irgendwo erzählt worden sei. Verschicke Abmahnungen und hoffe auf dem Geldregen – das wäre eindeutig gewerbsmäßiger Betrug. Natürlich unterzeichnete ich gar nichts und habe nie wieder etwas davon gehört. An deren Stelle hätte ich nicht mit Papiertigern gearbeitet, sondern so ein Produkt bei Interesse gerne rumgezeigt. Das wäre mein Tipp an solche Unternehmer: Erst liefern, dann labern und nicht umgekehrt – negative Beispiele aus dem Hilfsmittelbereich gäbe es einige.

In Bensheim erlitt unser Auto dann einen Blechschaden und so musste die Fahrertür getauscht werden. Hier war ich auch wieder für eine Überraschung gut, so standen Kolja und ich beim Fiat-Händler und gaben das Fahrzeug ab und schauten uns um. Ein dunkelblauer Fiat Dobló Malibu stich mir ins Auge und weil wir Ersatz brauchten, konnten wir einen roten mit Kastenaufsatz probefahren, aber mit spartanischer Ausstattung. Den Dobló gab es seinerzeit als Firmenfahrzeug und Privatversion. Kolja erzählte mir, dass es an einem heißen Sommertag so heiß gewesen ist, dass er mit freiem Oberkörper fahren musste. Als wir das nächste Mal im Laden standen, meinte ich spontan zum Verkäufer: „Der Preis, 19.440 Euro gilt für das Fahrzeug?“ – „Ja“, entgegnete er mir. „Dann machen sie mal den Kaufvertrag fertig, ich bräuchte dann noch ein Navigationssystem und Handy-Halterung für Siemens, und ein Finanzierungsangebot benötige ich außerdem.“ – „Du kannst doch nicht jetzt einfach so ein Auto kaufen!“ Doch, ich konnte und etwas gehandelt habe ich auch. Wir gaben den Seicento in Zahlung, der Rest wurde finanziert und nach einigen Wochen stand der Vorführwagen auf meinem Parkplatz. Einige Anfangsschwierigkeiten sorgten für einige Überraschungen, so war eine Sicherung zu schwach dimensioniert und fiel bei der Zentralverriegelung aus, der Drehzahlmesser war nicht korrekt ans Navigationsgerät von VDO Dayton angeschlossen und irgendwann standen wir mit einem dampfenden Auto mitten in Marburg, weil eine Dose für den Überdruck einen Haarriss hatte und ein Ersatzteil für die Seitenverkleidung brauchte ich überdies auch. Abgesehen von den Kleinigkeiten war der Wagen klasse und hat viele Touren mit uns durchgestanden – von Ostfriesland bis an den Bodensee. Gelohnt hat sich der Kauf allemal, denn wir konnten nun die größere Auftragslage von mehr Geräten mit weniger Fahrten abwickeln. In den zwei Jahren fuhren wir knapp über 42.000 km mit dem Fahrzeug, das hat mich doch überrascht. Die Seitenscheibe hat man uns auch eingeschlagen und ein Vorlesesystem aus dem Fahrzeug geklaut – dumm gelaufen.

Zu dieser Zeit wurden auch Braillezeilen und Screenreader von den Krankenkassen bewilligt, obgleich sich eine Kasse dagegen zur Wehr setzen wollte. In zwei Verfahren vor dem Landessozialgericht Mainz stand ich daher als Sachverständiger vor dem Sozialrichter. Ich hatte mir in der Branche einen guten Ruf erarbeitet und war somit gefragt, allerdings beauftragt von der Krankenkasse. Einmal ging es um die Frage, ob bei der Nutzung einer Braillezeile in der Küche beim Backen die Belastung erheblicher als der Nutzen wäre, dies konnte ich nur mit einem Ja beantworten. Im anderen Fall ging es um die Frage, ob eine Sprachausgabe eines Vorlesegeräts einen anderen Text als die Braillezeile anzeigen würde. Weil beide Ausgaben dieselben Informationen von der Texterkennung erhalten, konnte ich auch dies nur wahrheitsgemäß mit einem Ja beantworten. Das brachte mir trotz ausführlicher Erklärung nur Häme in der Blindenszene ein, als Nestbeschmutzer wurde ich betitelt von Leuten, die offenbar die Urteile weder gelesen noch inhaltlich verstanden haben. Schade eigentlich, den Begriff Shitstorm gab es noch nicht. Umso erstaunter war ich, als ich rund 20 Jahre später wieder mit diesem Vorgang konfrontiert wurde, manche lernen eben nichts dazu. Aber das war mir früher schon egal, ich kann mich erklären und mache dies auch wiederholt, aber ab irgendeinem Punkt nützt es nichts und spielt für mich dann auch keine Rolle mehr. Ich habe mich damals wie stets und ständig an Fakten orientiert, einfach sagen was ist, ohne die Dinge zu beschönigen. Das ist manchmal unbequem und was wir heute im Umgang miteinander lernen, gab es damals in ganz konzentrischer Form natürlich genauso.

Im Fall mit dem Vorlesegerät schlug das noch ganz andere Wellen. Das Gerät eines Mitbewerbers war im Gegensatz zur LISA von Deininger nicht in der Lage, eine grüne Gehaltsabrechnung vorzulesen, das Dokument wurde als leere Seite angesagt. Direkt nach der Urteilsverkündung erhielt der Hersteller die Kündigung des Liefervertrags gefaxt. Für uns bedeutete dies eine größere Nachfrage und mehr Aufträge, denn es gab weitere Kündigungen, die von der mobilen Hilfsmittelzentrale Deininger GmbH teils abgefangen werden konnten. Die Auftragslage nahm zu und das neue Fahrzeug zahlte sich aus, oder eigentlich nicht so ganz. Problem waren viele Kilometer und Wiedereinsätze, die einfach nicht genug abgeworfen haben. Ich fuhr zwar keine Verluste ein, aber es war im Ergebnis eine Nullrechnung. Der Bruch nicht nur deshalb kam 2005, persönliche Differenzen und ein Missverständnis, worüber wir heute lachen, damals jedoch nicht, führten dann zu BLINtec, der neuen Marktausrichtung. Weg von Deininger, hin zu Smartphones und Mobile Speak, die Arbeit mit Code Factory begann indirekt schon etwas früher.

Gibt es Gott oder nicht?

Seit meiner Geburt war ich katholisch und entsprechend im katholischen Religionsunterricht, erhielt 1985 in Hannover die Kommunion und 1991 wurde ich in Blomberg gefirmt. Ich habe meinen Glauben zwar nie hinterfragt, gleichwohl die damit verbundenen Geschichten und Erklärungen. Je älter ich wurde, traten Zweifel auf und ich besuchte in Marburg fast ausschließlich den Ethik-Unterricht. Die dort durchgenommenen Themen, z. B. andere Religionen, philosophische Inhalte und Ansichten, prägten meine Einstellung zu Gott und der „weltlichen“ Kirche. Folglich fühlte ich mich aus vielerlei Gründen in der katholischen Gemeinde nicht mehr wohl, fast wie fehl am Platze und suchte nach Alternativen. Klar war für mich, dass ich nicht konfessionslos bleiben will und beschäftigte mich schon lange mit dem Gedanken, etwas zu verändern. Im Februar 2000 verließ ich die katholische Kirche, um in die evangelische einzutreten. in dieser Zeit dachte ich besonders intensiv über das Leben und Kirchen nach, befeuert durch die damals schon kritischen Berichte über die katholische Kirche – ich wollte nun Taten folgen lassen. Die Philosophie der evangelischen Kirche spricht mich deutlich mehr an und ich sehe es als konsequenten und richtigen Schritt. Die Tatsache, dass mir Sabine (siehe oben) anbot, die Patenschaft für ihren Sohn Christian zu übernehmen, war ein nicht unwesentlicher Entscheidungsgrund. Außerdem ist Liane von Hause aus evangelisch, obgleich sie mich nicht zu diesem Schritt bewogen hat, dieser kam auch für sie recht überraschend. Geheiratet haben wir übrigens 2002, aber nicht kirchlich und ohne Familie eher aus pragmatischen Gründen – aus Liebe muss man nicht heiraten. Sabine ist übrigens eine der Paten unserer Tochter geworden, so schließt sich der Kreis. Meine Oma prägte mich schon christlich, Beten vor dem Einschlafen: „Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm“. Unser Religionslehrer allerdings war damals das Gegenteil. Rudolph Klees erzählte ein Zeug von neuem Körper im Paradies, Fegefeuer und Hölle, die es bei den Evangelen ja nicht gibt. Das machte mir Alpträume, ich wollte doch nicht verbrennen!

Die theologische Frage, ob es denn einen Gott geben kann, beantworte ich mit einem klaren Ja. Dies kann ich auch ruhigen Gewissens, obgleich mein Leben nicht außergewöhnlich christlich verläuft. Aber bedenkt man der vielen „Zufälle“, inclusive der Evolution und biologischen Entwicklung der Menschheit, so ist ein Zufall nahezu schon zu zufällig. Denn warum sollte nur der Mensch in der Lage sein, sich zu einem „frei denkenden“ Wesen zu entwickeln, wobei es doch noch zahlreicher andere intelligente Lebewesen gibt? – Diese Frage ist sehr komplex, aber sie beinhaltet ein Fundament, welches das Leben lebenswert macht. Ich sehe es als meine grundsätzliche Aufgabe an, anderen Menschen zu helfen, ihnen bei ihren Schwierigkeiten zur Seite zu stehen und dies nicht aus Eigennutz. Meine Philosophie: es ist alles erlaubt, solange es nicht gegen den Willen eines anderen Lebewesens geht, diese Regel halte ich für essentiell. Gerade in den aktuell rauen Zeiten sollte doch allen klar sein: Gewalt gegen Niemanden und jeden Menschen als Einzigartig zu betrachten, den Tag zu beginnen, als sei es der erste und ihn so zu leben, als sei es der letzte – es könnte so einfach sein. Dazu gehört, zunächst zuzuhören und nicht zu verurteilen. Urteilen ja, ich muss für mich nicht alles tolerieren. Ich habe gelernt, dass Zuhören ein wertvolles Geschenk ist, wenn ein Mensch sich ehrlich mitteilt. Ob man „gesellschaftliche Zwänge“ wie Paarbeziehungen und die Familie zuerst so leben muss, kann nur individuell geklärt werden. Ich habe nichts gegen Dreiecksbeziehungen, Homosexualität, ungewöhnliche Neigungen oder besondere Vorlieben, so lange obige Grundsätze eingehalten werden. Lebe so, wie Du magst, ohne andere zu verletzen – das könnte man auf einen Satz runterbrechen, toleriere aber genauso den Willen der anderen Menschen.

Mein Onkel hat es zum Diakon geschafft und wollte mich christlich wohl ein Stück prägen, seit meiner Konvertierung spricht er offenbar nicht mit mir. Kann er so handhaben, entspricht aber nicht meinem Verständnis von Nächstenliebe. Die Zweifel an der katholischen Kirche wurden bereits bei der Kommunion gesät. Nicht ganz so schön oder eher unproduktiv für mich war der Kommunionsunterricht in den Jahren 1984 und 1985, das Jahr meiner Zahnklammer. Ich wurde in der Sankt-Heinrich-Kirchengemeinde eingeführt und erhielt Kommunionsunterricht. Barrierefreiheit gab es nicht, so musste mein Vater die Aufgaben im Heft lösen, was er auch tat. Eher negativ erinnere ich mich an den Kindernachmittag im Gemeindehaus, der fand mittwochs einmal monatlich statt. Ich stand inmitten der tobenden und spielenden Kinder am Rand und wurde nicht beachtet, aber auch nicht ausgegrenzt. Ich vermute, dass sie und auch die Aufsichtspersonen einfach nicht wussten, wie mit mir umzugehen ist. Woher auch, wer sollte ihnen das vermitteln, mit neun Jahren war ich dafür einfach zu klein. Im Ergebnis wollte ich irgendwann da nicht mehr hin und das war auch okay, genützt hat mir das nicht. Aber es hat meinen Blick auf Sehende nicht im Geringsten getrübt, zumal ich den Umgang mit Kindern auch ganz anders kannte. Das war im Beichtraum jedoch anders, denn vor der Kommunion musste ich zum Pastor. Er fragte mich: „Was hast Du denn für Sünden in den letzten Wochen begangen?“ – Nun gut, ich war sicher nicht immer artig, mit meiner Mutter hatte ich so meine gelegentlichen Konflikte und Grenzen sind für Neugierige immer blöd. „Nichts, ehrlich“, antwortete ich – „Das kann nicht sein, du wirst doch irgendetwas gemacht haben„, meine Mutter hat sich schon gewundert, ich kam gar nicht mehr aus dem Beichtraum raus. Weil mir das zu blöd wurde, konstruierte ich irgendeine Geschichte, dass ich Daniel geärgert habe und was weiß ich nicht alles, ich log vorsätzlich aus der Not heraus. Dieser Einfall kostete mich 100 „Gegrüßet seist du, Maria“, das ich kniend vor dem Altar runterbeten sollte – denkste, ich bin kreativ. Ich zählte also langsam bis 100, stand auf: „Fertig, wir können gehen, Mama!“

Von Marburg nach Fronhausen

Wir wollten eigentlich ein Haus in Marburg kaufen, das hätte preislich auch gepasst, aber es gab nur Bauplätze und das war uns dann doch etwas zu heikel. Eine interessante Erfahrung machten wir bei einem spontanen Besuch in der Marburger Filiale von Wüstenrot. Kurz davor waren wir in der Nähe beim Mieterbund, weil es mit der Nebenkostenabrechnung Probleme gab und wir dadurch motiviert waren, zumindest nach Alternativen zu suchen. Wir hatten dort zufällig einen Bausparvertrag und wollten eigentlich nur grundsätzlich mal abklopfen, ob wir uns ein Haus überhaupt leisten könnten. Wir schilderten unsere Situation und vorausschauend fragte ich: „Vermutlich ist meine Frage etwas naiv, sind die genannten Zinssätze wohl günstig?“ – „Aber Herr Merk, ich habe gestern gerade mit einem Kollegen bei BHW gesprochen der meinte, an eure super Konditionen kommen wir nicht ran“. Ich wusste, was Journalisten in solch einem Fall tun würden, einfach mal anrufen und nachfragen. Der Herr war bei BHW erstens namentlich nicht bekannt und zweitens konnte mir der Kollege bei den Vorgaben aus dem Stehgreif einen deutlich niedrigeren Zinssatz nennen. Die Folge war die Kündigung der Verträge bei Wüstenrot und der Deal lief am Ende mit der Sparkasse Marburg-Biedenkopf. Die Deutsche Bank wollte auch nicht und hat uns das Vorhaben madig gemacht und ein anderes Immobilienunternehmen machte mir den Mund wässrig und lud uns ein, um uns schlussendlich mitzuteilen, wir könnten uns niemals ein Haus leisten. Als dieses Unternehmen mir Ende 2005 nach dem Umzug eine Mail mit neuen Angeboten schickte, bedankte ich mich höflich und dass es inzwischen Unternehmen gab, die uns ihr Vertrauen schenkten, es gäbe somit keinen Bedarf und sie mögen mich bitte in Ruhe lassen.

Mitte 2005 fanden wir ein freistehendes Haus und verzogen nach Fronhausen. Es war ein Rohbau und so konnten wir noch Einfluss auf einige Gewerke nehmen. Das Unternehmen nahm ich mit und baute es um einen regionalen Computerservice aus. Den Umzug bekamen wir sogar vom Integrationsamt bezahlt, weil sich der Arbeitsweg meiner Frau deutlich verkürzte. Von der Marbach zum Bahnhof über Gießen ins Schiffenberger Tal dauert deutlich länger als von Fronhausen aus. Der Eintritt in den damaligen Gewerbeverein verhalf mir zu Kontakten, die bis heute noch weitgehend bestehen. Mit der Zeit kamen andere Aufgaben hinzu, die Arbeit im Dunkelkaufhaus etwa zwischen 2008 und 2014, Audioproduktion und journalistische Arbeiten seit 2007 im Podcast und das, was bis heute bekannt ist. Einschließlich der Entdeckung für AMAZONA durch Peter Grandl, der somit auch indirekt für den Fortbestand und die Veränderung von merkst.de verantwortlich zeichnet. In diesen 20 Jahren in Fronhausen ist viel passiert. 2011 wurde unsere Tochter Johanna geboren, 2013 hatte ich eine Sprunggelenksfraktur und sowohl Todesfälle als auch überstandene Krankheitsfälle in der Familie kamen hinzu. Durch meinen Unfall lernte ich, wie man praktisch mobilitätseingeschränkt wird und sollte auf Krücken gehen. Der Physio redete ich das schnell aus und zog es zur Sicherheit vor, auf dem Po die Treppen zu überwinden. Zwei Rollatoren oben und unten waren nötig und Draußen saß ich einige Wochen im Rollstuhl. Das Sprunggelenk wurde verplattet, eine Stellschraube kam einige Wochen später raus und 2015 ließ ich die Platten entfernen. Sie störten mich und verursachten eine Art stummen Schmerz – eben ein Fremdkörper in mir. Passiert ist das übrigens aus einem dummen Zufall, in dieser Zeit wurde unser Kanalsystem renoviert und ich fiel in einen offenen und nicht gesicherten Gully, unweit von unserem Haus entfernt. Glücklicherweise ist alles gut verheilt und ich habe auch dadurch viel gelernt.

Im Gewerbeverein Fronhausen e.V. brachte ich über die Jahre einige Veränderungen ein und landete schlussendlich im Vorstand. Die neue Webseite gefiel, aber die Mailingliste führte bei manchen Handwerkern zum Augenrollen, aber sie zogen mit. Im Vorstand hatten wir viel Spaß und einige Veranstaltungen wie regelmäßige Gewerbeschauen, Weihnachts- und später Neujahrsverlosungen sowie einige Vereinsfahrten nach Rüdesheim und Mainz. Wir verkauften Gutscheine an die Gemeinde, die bei Jubiläen ausgegeben wurden und bei den Mitgliedsbetrieben eingelöst werden konnten. Aber nicht alle Ideen wurden mitgetragen, man stelle sich vor, im Dorf sind Handwerker, die auch im Frankfurter Raum aktiv sind. Gleichwohl möchte man keine Konkurrenz im eigenen Dorf und lehnt ab, dass wir Betriebe aus Nachbargemeinden als Mitglied aufnehmen, die ohnehin bei uns im Dorf aktiv sind. Bei stetig schwindenden Mitgliedsbetrieben – am Ende waren wir nur noch 30 trotz über 100 Selbständige im Dorf – wäre nur so ein Fortbestand unseres Vereins möglich gewesen. Neue Mitglieder hätten mehr Geld eingebracht, wir wären flexibler und am Ende hätten alle nur profitieren können. Unsere alljährliche Weihnachtsbeilage der Oberhessischen Presse wurde immer dünner, weil immer weniger Werbung geschaltet wurde. Die Inhalte wurden auch weniger oder wiederholten sich, so dass ich auch eigene Beiträge schrieb. Bei mehr Mitgliedern gäbe es zugleich mehr Werbung von Außerhalb war eine Kritik, das ginge ja nicht. Als sei das Internet immer noch Neuland, zumal die Weihnachtsbeilage in einer starken Auflage bis ins Hinterland und nach Marburg verteilt wurde. Ich selbst bekam plötzlich einen Anruf einer lieben Kundin aus Marburg-Wehrda, die genau darüber auf mich aufmerksam wurde. Unsere Vereinssatzung hielt den Vorstand im Zaum, Änderungen waren nur mit Dreiviertelmehrheit möglich. Kein Wunder, dass kurz vor Ende 2019 die Jahreshauptversammlung besonders voll war, nur damit viele unsere Änderungsvorschläge ablehnen konnten. Dann war die Luft raus, André Kaiser trat als Vorsitzender zurück und ich übernahm seinen Posten, meine liebe Freundin Claudia und Yvonne unterstützten mich mit Tatkraft. Yvonne zur Liebe als Gründungsmitglied wollte ich den Verein noch retten, aber es gelang mir nicht.

Die Pandemie grätschte mir gnadenlos rein und so erwirkte ich die Auflösung auf Basis einer schriftlichen Abstimmung und achtete peinlich darauf, dass wirklich jeder unterschrieb. Klar hätte ich auch zurücktreten können, dann aber wäre der Verein handlungsunfähig und das Registergericht hätte übernehmen müssen. Weil ich diese Abstimmung akribisch und unmissverständlich vorbereitet habe, war sie satzungskonform und wurde vom Vereinsregister akzeptiert, dann begann das Jahr der Abwicklung. Kurios war ein Stimmzettel, auf dem ein Gründungsmitglied seine Bankverbindung für die Auszahlung des Vereinsvermögens notierte. Ein Blick in die Satzung hätte geholfen, denn bei einer Vereinsauflösung geht das Vermögen der Gemeinde Fronhausen zur Ausübung gewerblicher Zwecke zu. Am Ende waren noch rund 8.500 Euro übrig. Ich ließ davon neue Schilder für die Gewerbebetriebe errichten, kaufte ein Sonnensegel für einen Spielplatz und ließ die Fläche des neu gestalteten Areals am Fronhäuser Bahnhof begrünen. Die restlichen 1.500 Euro gingen an die Flutopfer ins Aartal durch eine Aktion von RPR.1, auf die mich der liebe Bob Murawka aufmerksam machte. Gute Kontakte in die Ortspolitik waren dabei sicherlich nicht unvorteilhaft. Ansonsten bin ich zwar kein Vereinsmeier, finde aber das Vereinswesen sehr wichtig. Dem Blindenwesen stand ich früher kritisch gegenüber, heute sehe ich das differenzierter. Ende der 1990er Jahre wäre ich womöglich in einen Marburger Verein eingetreten, eine Freundin empfahl mich ob meiner Expertise. „Den Merk wollen wir nicht“, soll es geheißen haben und da war für mich das Thema durch. Klar war ich ein Querkopf und durchaus streitbar, das bin ich gelegentlich noch heute und ist wohl meinem Sternzeichen geschuldet. Schon früher betrachtete ich die Dinge aus mehreren Blickwinkeln, meist sogar weniger aus der Blindenperspektive, Vielleicht war auch das ein Grund. Vor einigen Jahren gab es Ein kurzes Gastspiel im ISCB e.V., dem Verein für sehbehinderte und blinde Computerbenutzer, den ich aus Gründen ein Jahr später wieder verließ. Trotzdem habe ich zu einigen Mitgliedern ein sehr gutes Verhältnis, aber meine Dynamik passt vielleicht dort nicht hinein. Wenn ich irgendwo eintrete, möchte ich was bewegen und den Laden konstruktiv nach vorne bringen, nur dann ergibt für mich die Vereinsarbeit einen Sinn. In den 1980er Jahren waren meine Eltern der Erzählung nach Mitglied im niedersächsischen Blindenverein. Seinerzeit war mir das nicht bewusst, das erklärte aber den Besuch auf einigen Veranstaltungen in der Kühnsstraße 18 in Kirchrode. Als sie aufgrund meines Schulwechsels dort austreten wollten, klappte das irgendwie mehrfach nicht. Ich musste mich wohl so darüber aufgeregt haben, dass ich eine Kündigung mit etwaigem Wortlaut formuliert haben soll: „Hiermit kündigen wir wiederholt die Mitgliedschaft. Falls diese nicht ausgeführt wurde, weil sie Briefe nicht lesen können, empfehle ich ihnen die Anschaffung eines Blindenvorlesegeräts, einen Beratungstermin können wir gerne vereinbaren“, tja, – so war ich halt.

Das letzte Kapitel

Vom Gewerbeverein zum Gehirntumor könnte man die letzte Überschrift nennen. So fragte die Gemeinde alle Gewerbetreibenden im Ort, wer Bedarf an einer neuen Beschilderung hätte. Diese Metallschilder an Straßenmasten wurden einst vom Gewerbeverein aufgehangen und markieren die jeweiligen Betriebe. Über die Jahre gab es Veränderungen und manche waren nicht mehr schön anzusehen, weshalb sich die Mitgliedsbetriebe teils neue Schilder wünschten. Hinzu kamen damals Schaukästen und gelegentlich durch Werbung finanzierte Ortspläne, die beispielsweise an neue Einwohner ausgegeben wurden. Ich konnte somit BLINtec durch merkst.de ersetzen, das bringt mir sichtbare Werbung am Lahnradweg, der führt vor unserer Straße entlang. Mit der Gemeinde vereinbarte ich, dass ich die Kosten für Vereinsmitglieder trage, alle anderen mussten selbstzahlen. Als ich dann die Tabelle erhielt, waren mir alle bekannt bis auf eine: Alia Schilling, MPU-Beratung, psychologische Heilpraktikerin und Hirntumorselbsthilfegruppe. Ich fand das gut und dachte, das kann ja nichts schaden. Immerhin hatte ich mit Gehirntumoren zumindest in Ansätzen zu tun, unsere ehemalige Landrätin starb an einem Glioblastom und meine Lehrerin Frau Herkenrath erkrankte auch an einem Tumor, der ihren Sehnerv angegriffen hat. Als sich die Mitarbeiterin von unserer Gemeinde aufgrund des Versehens entschuldigte meinte ich: „Wieso, das klingt gut und helfen muss man, die zwei Schilder übernehme ich und sagen Sie einen schönen Gruß von mir“. Alia rief mich an und wir trafen uns, daraus entstand eine schöne Freundschaft. Es stellte sich zudem heraus, dass sie die Klassenlehrerin des Sohnes meiner ehemaligen Assistentin in Gießen und sehr beliebt war, wieder ein Beispiel für die kleine Welt. Ihr Schicksal ist tragisch, denn sie verlor ihren Mann ebenfalls an einem Glioblastom und eröffnete mit seiner Unterstützung die Hirntumorselbsthilfegruppe Mittelhessen. Aus Sympathie war ich oft mit dabei und stellte mich mit den Worten vor, „ich gehöre zwar nicht mit dazu, aber freue mich dabei zu sein“ oder so ähnlich. Unwissend, dass sich das bald dramatisch ändern sollte. Zu dieser Zeit gab es bereits körperliche Veränderungen, die ich nicht einordnen konnte und teilweise auf die Impfungen zurückführte. So veränderte sich mein Pulsschlag wie ein Wackelkontakt, kein Stolpern oder Ausfälle. Gleichzeitig meldete mein iPhone regelmäßige Gangbildstörungen und ich hatte mich gewundert, mit mir war doch alles okay. Anfang 2023 wurden diese Ausfälle bewusster, manchmal kriegte ich meine Schuhe nicht an, im Sommer fiel ich plötzlich einfach so hin und lachte noch darüber, weil ich das nicht verstand. Mit Freunden waren wir im Urlaub auf dem Dars, Holger lief mit uns bestimmt bald 20 km durch das Land und ich hatte plötzlich Hüftschmerzen. Sie merkten, dass irgendwas nicht stimmte, auch ich spürte das irgendwie. Wenn ich Treppen ging, krallte ich mich am Geländer fest und sah ich im Fernsehen eine Freitreppe fragte ich mich, was eine gefährliche und unmögliche Entwicklung – vor Treppen entwickelte ich plötzlich eine richtige Angst. Anderen Freunden schenkten wir zur Hochzeit ein Wochenende nach Köln, auch da bemerkte Laura, dass etwas anders war und konnte das genauso wenig einordnen. Zuvor waren wir mit Jessi und Jens noch auf dem Hamburger Dom und ich meinte noch, es ist momentan etwas schwierig. Aber wohl aufgrund des Adrenalins klappte das mit den Karusselltreppen plötzlich ohne Probleme, also kein Grund zur Panik dachte ich.

Rückblickend betrachtet traten die ersten Effekte schon 2018 auf und schlichen sich langsam ein. In unserer Hannoveraner Stammkneipe „Gerstenkorn“ meinte die Inhaberin zu mir, was denn los sei, ich sähe irgendwie traurig aus. „Du spinnst doch“, meinte ich, denn ich bemerkte selbst noch nichts. Zwischenzeitlich war Tante Ilona bei uns und meinte: „Du humpelst ja“, als ich die Treppe runterkam. Auch das überraschte mich, es fühlte sich doch alles ganz normal an. Nach den Herbstferien hatte ich plötzlich Magen-Darm und übergab mich die halbe Nacht und am Morgen war ich total erschöpft. An diesem Tag brachten meine Eltern unsere Tochter aus den Ferien nach Hause und ich war total fertig. Nachdem ich im Sommer schon merkte, dass mir das Tippen irgendwie schwerer fiel und ich auch in der Community kaum was von mir hören ließ, setzte beim Abendessen die linke Hand teilweise aus. Ich führte das darauf zurück, dass ich den ganzen Tag kaum was trank und meinem Vater reichte es und so rief er den Rettungswagen. Die Sanitäter prüften die Vitaldaten und schlossen einen Schlaganfall aus. Mein linker Fuß war so geschwollen, das bemerkte nicht mal der Orthopäde, als ich mir zuvor Einlagen verschrieben ließ. Ich habe mich viel bewegt, soweit es ging und mich mit Physiotherapie weiter angestrengt, aber es wurde gefühlt kaum besser. Unser Hausarzt verschrieb mir Anfang Oktober für 10 Tage Ibuprofen und siehe da, der Fuß schwoll ab, meine linke Hand funktionierte wieder, somit war zunächst alles gut. Trotzdem ging ich selten raus, das mit Freunden organisierte Winterfest zum ersten Advent vor dem REWE-Getränkemarkt ließ ich aus, denn ich konnte keine Schleife mehr binden. Eigentlich war ich mit Hannah verabredet und sie wollte mich abholen, aufgrund der Situation blieben wir hier, während Liane am REWE aushalf. Langsam wurde es müßig, dass sich das Gehirn Ausreden suchte, obwohl es sich gut an die Veränderungen anpasste. Im Dezember ging ich seit Langem mal wieder Baden und kam alleine plötzlich nicht mehr aus der Wanne. Für unsere Treppe brauchte ich bestimmt eine Viertelstunde, runter ging schwieriger als rauf und das sind nur einige der Effekte. Es war immer ein Auf und Ab, mal ging es besser, mal schlechter. Um Weihnachten war wieder fast alles gut und über Silvester fuhren wir mit meinen Eltern nach Bad Heiligenstadt und es ging wieder los. Anfang 2024 fuhr Claudi mit mir zum Arzt, die sich auch ziemliche Sorgen machte und ich erhielt eine Überweisung zum Neurologen. Aus Urlaubsgründen und weil ich mich mit Corona infizierte, sollte es noch bis Mitte Januar dauern.

Da fiel ich plötzlich vom Stuhl und kam nicht wieder hoch und Liane rief den Rettungswagen. Die verbrachten mich am 15. Januar nach Gießen ins UKGM. Im Schädel-CT war klar, eine Raumforderung in der rechten Kopfhälfte, so groß wie eine Apfelsine und laut den Ärzten muss dieses gutartige Meningeom über 35 Jahre gewachsen sein. Mit etwas Verzögerung erfolgte die Resektion am darauffolgenden Freitag, am Mittwoch war Glatteis und Notfälle kamen dazwischen. Donnerstag Abend fiel die linke Hand komplett aus, so dass die rechte ihr zeigen musste, wo sich das Notebook befand und inkontinent wurde ich auch noch. Von der Zeit im Krankenhaus nach der Operation weiß ich nicht mehr fiel, aber direkt danach am Freitag war ich hellwach. Ich lag auf der Intensivstation neben einer Frau, die auch ziemlich zu leiden hatte und sie guckte Fern. „Gefragt – Gejagt“ mit Mark Bremer als Off-Stimme lief und das war mir vertraut und so konnte ich mitraten, quasi als Selbsttest. Ein Arzt kam und ich versuchte spontan seine Hände zu drücken, die Kraft und Koordination waren sofort wieder da. Ich hatte überhaupt kein Zeitgefühl, fünf Minuten fühlten sich wie eine Stunde an, das machte mich fast wahnsinnig. Samstag früh erlitt ich einen akuten Hirnkrampf, so dass ich einige Monate Neuroleptika nehmen musste. Solche Hirnkrämpfe können nach so einer Operation auftreten, diese dauerte übrigens rund sieben Stunden. Man hat den Tumor schichtweise entfernt, den infiltrierten Schädelknochen ausgeschabt und anschließend mit drei kleinen Platten verstärkt, davon merkt man von Außen jedoch nichts.

Nun schien alles überstanden, noch nichts ahnend von der Lumbaldrainage, damit die Hirnflüssigkeit abfließen konnte. Seitdem weiß ich kaum noch etwas, ich fiel immer mal hin, landete auf der Intensivstation, kam wieder zurück, bekam sehr viel Medikamente und Anteilnahme über alle möglichen Kanäle und auch viel Besuch. Alia, Evelin, Laura, Christin, Angi, Daniel und natürlich Liane und Johanna, um nur einige zu nennen, viele waren da und in einer WhatsApp-Gruppe tauschten sich alle aus und hielten sich auf dem Laufenden. Ich bekam von alledem nichts mit, aber Alia war der Knaller: „Du musst dir doch nicht extra einen Hirntumor wachsen lassen, sag doch Bescheid, wenn wir uns öfter treffen sollen“, das ist ihr Humor. Nebenbei stellte sich später heraus, dass ich ihren neuen Freund möglicherweise vom CB-Funk kenne. mein Freund Ali kam mit Kinderriegel und Claudi und Holger mit einem Stück Schwarzwälder Kirschtorte. Der Sage nach soll diese im Kühlschrank bei den Schwestern vergessen worden sein, ich weiß es nicht. Als ich viel später bei Claudi im Café ein neues Stück Schwarzwälder bestellte, erinnerte ich mich an exakt diesen Geschmack und so musste ich es eigentlich gegessen haben. Die Pfleger waren total lieb und sehr hilfsbereit, die Ärzte versuchten auf mich einzugehen. Die Entlassung war allerdings etwas spontan. Während mich die Marburger bei meinem Unfall 2013 kaum nach Hause ließen aus Sorge, ich käme nicht klar, wollten die mich in Gießen schnell loswerden. Zuhause angekommen nutzte ich meinen schon vor der OP wohlweißlich gekauften Rollator, ging Treppen nur, wenn ich nicht alleine war und diese Angst war übrigens auch verschwunden. Ich holte mir ein Keyboard zur Mobilisierung der Finger und wurde mit der Zeit immer klarer. Unschön war, dass eine frühere Freundin Anfang Februar an einem bösartigen Tumor verstarb, der leider auch im Kopf metastasiert hat, das bekam ich erst viel später mit. Aus dem Krankenhaus schickte ich ihr noch eine Nachricht, dass ich nun auch mal dran wäre, da lag sie bereits im Hospiz. Das machte mich sehr betroffen und ich lernte, dass jeder sein eigenes Päckchen zu tragen hat. Schicksale lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen. Mitte Februar erfolgte ein Anruf aus dem Marburger Ionenstrahltherapiezentrum, laut Tumorkonferenz entschied man, mich dort zu behandeln. Das nutzte ich direkt für neuen Content und behandelte die Protonentherapie aus der Patientensicht, so wollte ich meine eigene Unsicherheit nutzen, um diese anderen zu nehmen. Eine jährliche MRT-Kontrolle ist aktuell davon übrig, einschließlich einiger durch die Bestrahlung zerstörte Haarwurzeln. Das Meningeom wurde abschließend als Grad I und somit langsam wachsend bestätigt – also nochmal Glück gehabt…

Gästebuch

Abschließend folgt eine Rekonstruktion der verschiedenen Gästebücher. E-Mail-Adressen und Webseiten wurden entfernt, die Datums- und Zeitangaben können aufgrund der Gästebuchumzüge abweichen.

Wolfgang Hoffmann schrieb am 24. Dezember 1998 um 01:43 Uhr:
Die besten Wünsche zum Weihnachtsfest Dir und Deinen Eltern von W. Hoffmann, Hannover PS. Auf der ersten Seite ist das große grüne B in HBM auf blauem Untergrund nicht oder kaum zu sehen!

Wolfgang Hoffmann schrieb am 26. Dezember 1998 um 01:53 Uhr:
Hallo Stephan! Eben erhielt ich die Meldung, daß Deine Mailbox voll ist. Also Hole Deine Mails ab und lösche dann die Mails. Gruß Wolfgang Hoffmann

Tanja Schmidt schrieb am 08. April 1999 um 21:00 Uhr:
Hallo Stephan!!! Du bist furchtbar lieb

Toni schrieb am 10. Dezember 1999 um 12:52 Uhr:
Tach Stephan, alte Socke! Hoffe doch, dass Du mal wieder nach Hannover kommst…

deine Tante schrieb am 30. Dezember 1999 um 22:54 Uhr:
Hallo Stephan! Bin beim surfen auf deine Website gestossen Klasse!!! Viele Grüsse aus Holland

knapp, reini und silvia schrieb am 11. April 2000 um 20:38 Uhr:
hallo stephan,deine homepage ist ja vom allerfeinsten

Rainer schrieb am 23. April 2000 um 20:07 Uhr:
Hallo Stefan, der Link zu Den Infos über das Lesesystem funktioniert leider nicht. Hätte mich interessiert. Gruß Rainer

Felix schrieb am 28. Juli 2000 um 11:27 Uhr:
Tolle Site; allerdings weiß ich jetzt, wieso Du nie zum Studieren kommst.

Tina Schlottmann schrieb am 31. Juli 2000 um 20:31 Uhr:
hallo schwager!Ich hab dich ganz doll lieb!CIAU AND HDGDL TINA SCHLOTTMANN

George Malinger schrieb am 14. Oktober 2000 um 19:27 Uhr:
Vielen Dank!

Dana schrieb am 05. Dezember 2000 um 23:41 Uhr:
Na! Da war ich doch auf Deiner Homepage…. und dachte mir…. ich schreib mal was in Dein Buch!

Markus Busche schrieb am 08. April 2001 um 14:19 Uhr:
Hallo Stephan! Ich hab’s endlich mal geschafft, mir deine Seite genauer anzusehen. Und bei der Gelegenheit wollte ich mich doch auch mal in deinem Gästebuch verewigen… Viele Grüße an dich und an alle, die sich sonst noch hierher verirren!

Horst Abraham schrieb am 20. Mai 2001 um 17:06 Uhr:
Eine nette Bemühung! Allerdings erscheinen die Seiten recht uneinheitlich (mit MS IE), und ist die Textformatierung z. T. etwas seltsam. Manche Seiten sind offenbar physisch so formatiert, daß man mit dem Browser Schriften nicht vergrößern kann – sehr schlecht für Sehbehinderte. Also bitte noch etwas nacharbeiten! Schönen Gruß!

Wolfgang Hoffmann schrieb am 20. Mai 2001 um 23:18 Uhr:
Hallo Stephan! Schön, dass ich wieder einmal etwas von Dir gehört habe. Die Index-Seite Deiner homepage gefällt mir. Leider sind meine Programmierungskünste bisher nicht so weit gediehen. Gruß, W. Hoffmann

Carsten Albrecht schrieb am 21. Mai 2001 um 06:01 Uhr:
Hallo aus Hamburg! Interessante und recht übersichtliche Page. Allein das neu geöffnete Browserfenster mit der Werbung für FreeCity nervt auf die Dauer. Das schreckt ab, die Page öfter aufzurufen.

Peter Hutter schrieb am 25. Juni 2001 um 19:50 Uhr:
Hallo Stephan, auch von mir viele Grüsse. Für mich als nicht Sehbehinderten informativ. Ich wünsche Dir bei Deinen Bemühungen weiterhin vile Fortune. Peter

Uwe Böhnke schrieb am 08. August 2001 um 23:50 Uhr:
Hallo Stephan, ich hoffe, dass ich nicht auch eines Tages blind werde. Ohne Brille bin ich’s ja schon (-17,25 Dioptrien). Deine Homepage finde ich sehr übersichtlich, sehr gut gestaltet und sehr informativ !

Gunja schrieb am 29. September 2001 um 14:00 Uhr:
Hallo Mensch Deine “ Biografie“ ist ja toll und interesannt zu lesen. Ich habe Deine HP durch zufall über Ebay entdeckt. Und ich habe alles gelesen, wirklich nett gemacht. Wünsche Dir und Deiner Freundin alles gute. Gunja

Mani Chaar schrieb am 21. Oktober 2001 um 13:53 Uhr:
Schon Bunt hier. Weiter so!!! Mani.

Gerd Wagner schrieb am 22. Dezember 2001 um 10:54 Uhr:
Hallo hallo Stephan! Wär ja mal ganz schön, wenn Deine eMail-Adresse keine Errors erzeugen würde :-(. Gerd

Martin Pfaff schrieb am 29. Dezember 2001 um 00:35 Uhr:
Hallo Stephan, wird mal wieder Zeit zu einem Treff auf Band oder beim Bier. Viele Grüße. Martin

Emily schrieb am 21. Oktober 2002 um 19:24 Uhr:
Hallo, da habe ich ja doch noch ein Gästebuch gefunden um mich zu verewigen. Ist echt klasse die Seite. Mach weiter so !!! Lieber Gruß Emily

Matze schrieb am 12. Dezember 2002 um 17:07 Uhr:
Hi Stephan! Schöne Seite hast du da entworfen! Würde mich auf Gegenbesuch auf meine Page freuen! Bis denne! MFG Matze

Martin aus Brandenburg schrieb am 01. Mai 2003 um 23:18 Uhr:
Hallo Stefan ! Echt nette Seite die Du hier erstellt hast ! Auf jeden Fall gehen von hier aus viele liebe Grüße von meiner an Deine Adresse ! MfG Martin

Büffel schrieb am 12. Juli 2003 um 14:05 Uhr:
Das ist eine nette und in bestimmten Bereichen gewiß hilfreiche Seite Stefan. Also mach weiter so! Und während du dich um die wichtigen Seiten des Lebens kümmerst, macht der Büffel weiter mit seinem Programm nach dem Motto: Quatsch und Matsch mitten im Ernst lockern das Leben auf und machen es leichter.

Tina schrieb am 14. Juli 2003 um 23:03 Uhr:
Hallo, kompliment für Deine Seite. Ich selber bin auch sehhbehindert und habe auch eine Homepage. Nur leider ist sie für Blinde nicht so gut navigierbar! Kannst ja trotzdem mal vorbeischauen und einen Gruss hinterlassen. Tina

Gaby schrieb am 10. September 2003 um 15:44 Uhr:
Hi Stephan, hab mir mal deine HP durchgelesen. Muß ja mal was anderes machen als nur Folien :-). Finde deine Page echt gut gelungen – und kann nur sagen es spiegelt dich richtig gut wieder – so wie dich bisher kennen gelernt habe. Einer von uns mußte sich ja mal auch in deinem Gästebuch verewigen, da du´s ja bei uns auch gemacht hast und Carsten hat das wohl voll verpeilt. Naja, die Verlobte ist ja auch noch da. Na dann take care and have fun ciao Gaby Hese.

René schrieb am 20. November 2003 um 21:49 Uhr:
Hi Steffan, echt ne tolle Seite, die du hier auf die Beine gestellt hast. Mach weiter so. Habe die Seite über eine Mailingliste gefunden. Kannst ja mal meine besuchen, wenn du möchtest. Schöne Grüße aus Chemnitz

Heinz schrieb am 25. Dezember 2003 um 23:51 Uhr:
hallo stephan,, du bist der einzige, der noch treiber zur metabox500 hat. ich probiere es mal damit. vielen dank h e i n z

nicht die lana schrieb am 18. Mai 2004 um 14:18 Uhr:
Hallo Stephan & Liane, wollte einfach mal einen netten und lieben Gruss hinterlassen. Gruss (nicht die) Lana

Silke Wagner schrieb am 05. August 2004 um 18:47 Uhr:
Hallo Stephan! Deine Seite ist dir echt super gelungen. Hätt‘ ich auch nicht anders erwartet. 🙂 Über einen Gegenbesuch würde ich mich freuen. Viele Grüße aus dem Saarland Von Silke

Alex Cornelius schrieb am 05. September 2004 um 13:42 Uhr:
Hallo aus Köln, sehr gute und interessante Seite. Tolle Musikstücke. Gruß Alex Cornelius

Michael Haaga schrieb am 02. Dezember 2004 um 17:33 Uhr:
Das ist wirklich einmal wieder eine tolle Homepage. Ich habe mir vor Allem den kompletten privaten Bereich durchgelesen und ich muss sagen, du bist ein sehr interessanter Mensch!

Stefan Deininger schrieb am 30. Januar 2005 um 17:37 Uhr:
Hi Stephan, schön, dein neuer Webauftritt. Hat was. Viele Grüße Stefan

Peter Hutter schrieb am 06. September 2006 um 10:23 Uhr:
Hallo Stephan, ich wünsche Dir alles Gute mit Deiner Page. MfG Peter Hutter

Sternchen schrieb am 19. Oktober 2006 um 21:49 Uhr:
Hallo Knuffi! Ich finde Deine Homepage super… super aufgebaut… viele schöne Berichte über Dein Leben… da stimmt einfach alles… Ich bin beeindruckt! Mach weiter so! Alles Liebe Dein Sternchen

Anni schrieb am 28. Dezember 2006 um 11:49 Uhr:
hi steffi…. wie geht´s auf neuen bild seh ich wenigstens besser aus wie auf dem alten! viel spass noch deine anni HDGDL

Mike schrieb am 21. März 2007 um 19:23 Uhr:
super deine seiten. macht richtig spaß darauf rumzusurfen.

Gerhard Jaworek schrieb am 01. November 2007 um 23:57 Uhr:
Deine Homepage ist klasse und sehr hilfreich.

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