Google Chromecast und Amazon Fire TV Stick im Vergleich

Letzte Aktualisierung am 17. Januar 2018

Am Dienstag war Prime-Day und es gab den Amazon Fire TV Stick als Tagesangebot für um 24 statt üblicher 39 Euro. Auch wenn das kein wirkliches Schnäppchen ist, zumal der Stick bei seiner Einführung keine 20 Euro kostete, habe ich trotzdem zugeschlagen und wollte mal wissen, was mich erwartet. Liest man die Produktseite, scheint Amazon sich sicher zu sein, dass man Chromecast richtig Paroli bieten könnte. Fast lächerlich verweist man auf 8 statt 2 GB Speicher, wie beim Chromecast, und hebt hervor, dass man ja kein Smartphone zur Bedienung bräuchte und lobt auch die Sprachsteuerung, die das Teil haben soll. Wie man das inzwischen von Amazons Beschreibungen kennt, sind diese gelegentlich fehlerhaft und teils weder Fisch noch Fleisch. Erst gestern ärgerte ich mich über eine Kindle-Hülle, die laut Beschreibung ein Mikrofaser-Innenfutter und ein Wake-Up-Magneten haben soll, also dass sich der Kindle beim Schließen des Covers abschaltet. Beides ist nicht gegeben. Fast genauso ist das mit dem Fire TV Stick, aber auch nur fast. Denn der Käufer bekommt für sein Geld schon erstaunlich viel und viel mehr, als mit dem Chromecast. Aber in letzter Konsequenz auch ein komplett anderes Produkt. In einer Vergleichstabelle hat man die Geräte einschließlich Apple TV eingefügt, um die Qualitäten des Fire TV Stick hervorzuheben. Den Google Nexus Player hat man lieber nicht aufgelistet, dann nämlich würde selbst der große Fire TV alt aussehen. Immerhin schafft Amazon es, dem weniger technisch versierten Menschen das Zeug wie Sauerbier anzubieten, nur gelingt es rhetorisch nicht so gut wie bei Apple. Die vermitteln einem wenigstens standhaft das Gefühl, dass man ohne die neuen Funktionen gar nicht mehr leben wollte.

Betrachtet man den Fire TV Stick und das teurere Fire TV (mit 80 Euro günstiger als Apple TV, aber gleichauf mit dem Nexus Player) hätte Amazon besser daran getan, seine Geräte mit dem Apple TV zu vergleichen. Denn selbst der günstige Stick bietet fast mehr Funktionen an, wenn auch keine Sprachausgabe. Die Fire TV Modelle setzen, wie auch die Tablets, auf Android-Basis und so steht direkt eine breite Palette an Apps zur Verfügung. Zattoo, Netflix und Co. sind alle verfügbar und so ist es kein reines Streaming-Produkt für vorhandene Medien. So stehen auch die Mediatheken zur Verfügung. Die Apps des aktuellen Apple TV 3 beziehen sich leider zu sehr auf amerikanischen Content, wie beispielsweise die Radiosender oder NLB TV, wer guckt hier schon Basketball? – Aber das könnte sich beim Apple TV 4 auch ändern, weil dann sollen ja auch Apps installierbar sein. Eine längst überfällige Funktion, denn so hat der geneigte Apple-User wieder ein Argument, neue Hardware kaufen zu können.

Bleiben wir aber bei Amazon. Beide Geräte basieren wie erwähnt auf Android, die Unterschiede sind in erster Linie im Design zu nennen. Das teurere hat einen Vierkern-Prozessor, mehr RAM, einen USB-Anschluss zur Speichererweiterung, einen optischen Ausgang und ist ein eigenständiges Gerät. Eine Fernbedienung mit Spracherkennungstaste ist inklusive, das Gamepad muss separat erworben werden. Beim günstigeren Fire TV Stick fehlt die Sprachfernbedienung, die 30 Euro extra kostet und somit den Preis zum größeren Bruder fast relativiert, auch hierfür gibt es das optionale Gamepad und die Bedienoberfläche ist ähnlich. Es gibt einen Dualcore-Prozessor, weniger Speicher und keine weiteren Anschlüsse als HDMI und Micro-USB. Zum Betrieb steckt man ihn notfalls über das kurze Abstandskabel in den HDMI-Eingang des Fernsehgerätes und verbindet ihn mit dessen USB-Port. Ist keiner vorhanden, kann das beiliegende Netzteil verwendet werden.

Die Unterschiede zum Chromecast sind einfach zu nennen, weshalb jeder Vergleich damit auch hinkt. Chromecast ist ein hauptsächlich für Android-Geräte spezialisierter, drahtloser Bildschirm-Adapter. Man kann entweder mit aktuellen Geräten Bildschirminhalte einschließlich Ton übertragen, oder kompatible Apps verschicken den Stream direkt an den Chromecast. Das hat im Gegensatz zu Airplay von Apple den Vorteil, dass der Stream quasi als Hand-Over übergeben wird und das Smartphone höchstens noch für die Wiedergabesteuerung genutzt werden muss. Selbst wenn man es ausschaltet, läuft der Stream im Chromecast weiter. Ist keine Verbindung zu einem Gerät vorhanden, zeigt er Google-Bilder, Wetter oder eine zuvor definierte Fotoschau. Demnach ist er ohne Smartphone quasi ein digitaler Bilderrahmen, lässt sich aber auch nicht ohne Android-Gerät konfigurieren. Auch wenn ich jetzt nur von Smartphone schreibe, gilt das natürlich alles ebenso für Tablets mit Android-Betriebssystem. Für iPhone und iPad steht allerdings auch eine entsprechende App bereit.

Der Fire TV Stick, auch der größere Bruder, sind mit ihren Fernbedienungen steuerbar und lassen sich ohne Weiteres einrichten. Eine App bewirbt Amazon zur Fernbedienung, diese ist aber im Wesentlichen nur die Sprachsteuerung. Will man nun von einem Smartphone streamen, geht dies nur mit den Amazon-eigenen Cloud-Diensten. Natürlich ist der günstige Preis auch dadurch zu rechtfertigen, dass der Anbieter eine möglichst allumfassende Kundenbindung erreichen will, wie ja auch schon von den Kindle-Modellen bekannt. Trotzdem aber bewirbt Zattoo ihn als kompatibel und das klappt auch mit der Fernbedienung besonders gut, weshalb man ihn fast sogar als WLAN-TV-Empfänger oder Smart-TV-Ersatz bezeichnen kann. Wie erwähnt, lassen sich auch Mediatheken und Streaming-Dienste anderer Anbieter nutzen und werten ein älteres Fernsehgerät mit HDMI ohne Smart-Features deutlich auf. Auch ist die Benutzerfreundlichkeit ein hervorzuhebender Punkt, denn der Fire TV erklärt sich selbst und ist in kürzester Zeit startklar. Einzige Voraussetzung ist neben dem kompatiblen Fernsehgerät natürlich ein Internet-Zugang und WLAN.

Bei mir wird der Fire TV Stick an einem Monitor eingesetzt, der über einen freien HDMI-Steckplatz verfügt und so wird dieser ebenfalls zum Fernseher aufgewertet. Die Bedienung Dank großer Symbole erschließt sich gut, die Flexibilität wäre aber zu bemängeln. Während ich mit dem Chromecast auch meine eigenen Medien anschauen oder auch andere Apps nutzen kann, bietet mir Fire TV weder DLNA, noch andere herstellerfremden Streaming-Dienste an. Einzige Möglichkeit ist, sich ein alternatives Media-Center zu installieren, im Internet finden sich dazu sehr interessante Beiträge. So bietet er deutlich mehr Experimentiermöglichkeiten, als der auf das wesentliche beschränkte Chromecast. Nur am Fernseher macht Fire TV keinen Sinn, denn das wäre ein Smart-TV am Smart-TV. Und das nervt mich schon bei den Blu-Ray-Playern, dass diese mir auch dieselben Features in einem weiteren Gerät anbieten.

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