HOFA-College Fernkurs, ein Erfahrungsbericht

Letzte Aktualisierung am 11. Januar 2020

Ein kleines Vorwort der Redaktion, denn solch ein Bericht ist natürlich eine rein subjektive Erfahrung. Das sind Testberichte für gewöhnlich immer, aber hier schwingen einige Besonderheiten mit. So entstand einerseits dieser Artikel perspektivisch aus der Sicht eines sehbehinderten Journalisten, der mit Antritt des HOFA-Studiums ein gewisses Ziel verfolgte. Auf der anderen Seite wurde eine Entscheidung gefällt, deren Ursprung ein Beratungsgespräch war, das den fälschlichen Anschein der Kompatibilität zwischen erwarteter und gebotener Leistung erweckte. Heute konstatiere ich, dass es vermutlich die falsche Entscheidung gewesen ist, ich trotzdem aber meine Empfehlung ausspreche. Warum das so ist, werde ich in diesem Bericht erläutern. So bin ich nach zwei Jahren erst in Kapitel 4 des Basis-Kurses angekommen, wobei mein begrenztes Zeitmanagement nur ein Faktor für diesen Umstand ist. Aus diesem Grund wird dieser Artikel aktualisiert, wenn sich an der Situation etwas ändern sollte.

Wer sich mit Tontechnik auseinandersetzt und neues Wissen erlernen oder das vorhandene zertifizieren will, kommt an einer entsprechenden Schule nicht vorbei. HOFA selbst bewirbt an dieser Stelle, dass das Wissen im Internet undifferenziert und nicht zielführend sei, das könne man im Rahmen eines Fernstudiums besser vermitteln. So pauschal kann man das jedoch nicht sehen, denn mit solch einer Aussage würde man per se sämtliche Blogger, YouTuber und auch erfolgreiche Seiten wie Amazona pauschal diskreditieren. Die Rückfrage bei der HOFA GmbH ergab entsprechend, dass man genau das nicht will und die Arbeit der Online-Medien ausdrücklich respektiert. Gleichwohl sieht man einen konsequenten Vorteil in der strukturierten Wissensvermittlung, dem kann ich natürlich absolut zustimmen. Trotzdem entstehen viele frei verfügbare Workshops ebenfalls von Profis, die im Gegensatz zum HOFA-College allerdings nicht durch bares Geld, sondern durch Werbeeinnahmen finanziert werden.

Dem entsprechend erfordert ein gratifizierter Abschluss strukturierte und zielgerichtete Kursmaterialien, ansonsten könnte man im Umkehrschluss sämtliche Hochschulen in Frage stellen, gibt ja eh für alles ein YouTube-Video oder Wikipedia-Eintrag. Ab hier erfährt das HOFA-College nicht als einzige Institution seine Daseinsberechtigung, denn trotz vieler Jahre am Markt teilt man sich diesen mit der SAE Institute, den Abbey Road Studios und der Deutschen Pop, wobei dies nur einige der bekannten Schulen sind, die allerdings keine bezahlbaren Einsteiger-Kurse anbieten. Während man bis vor einigen Jahren nur ein vergleichsweise preisgünstiges Diploma als Audio-Engineer innerhalb von zwei Jahren absolvieren konnte, wurde das Angebot hin zum Bachelor ausgebaut. Das kostet allerdings deutlich mehr, denn wie auch die anderen genannten Einrichtungen ist die HOFA GmbH ein rein privates Unternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht, auch wenn die Kurse staatlich gefördert werden und man daher als Student auch EDU-Rabatte erhält. Während einige der obigen Schulen internationale Wurzeln haben, trifft das auf die HOFA GmbH nicht zu.

Hier geht es direkt zum HOFA-College.

Was ist die HOFA GmbH?

HOFA-Angebot

Hinter HOFA steht Jochen Sachse, ein namentlich zwar weniger bekannter Musiker, der jedoch im Jahr 2008 mit dem Album “Licht” seines Studioprojektes INI sogar einen Pop- und Rock-Preis für das beste deutschsprachige Album einfahren konnte. In seinen HOFA-Studios arbeitete er mit bekannten Größen zusammen, wie Deborah Sasson, Jack White und Sydney Youngblood. Die HOFA GmbH ist im badischen Karlsdorf ansässig und teilt sich in mehrere Bereiche auf. Die HOFA-Studios wurden 1988 gegründet und produzieren im Auftrag Musik, die auf Wunsch gemastert und mit HOFA-Media als Tonträger vervielfältigt wird. Mit HOFA-Akustik werden seit 2007 hauseigene und handgefertigte Akustikelemente angeboten, auch lässt sich optional das gesamte Studio planen, vermessen und einrichten. HOFA-Plugins entwickelt seit 2010 professionelle Software-Tools zum Mixen und Mastern, so dass man selbst seine Musik veredeln und sogar DDP-Erzeugnisse direkt fürs Presswerk anfertigen kann. Preislich spielen diese im oberen Bereich und sind allseits beliebt, während die Akustikelemente vergleichsweise günstig sind, testen konnte ich diese bislang noch nicht.

Mit dem HOFA-College bietet man seit 2005 die erwähnten Fernkurse an, wobei die Inhalte bewusst nicht auf die eigene Software ausgerichtet sind. So kann jeder Nutzer mit der Software seiner Wahl arbeiten, die Aufgaben zuhause in Ruhe lösen und den fertigen Mix zur Beurteilung einreichen. Das HOFA-College veranstaltet regelmäßig Mix-Conteste, an denen jeder teilnehmen und Preise abräumen kann. Für das Diploma sind zwei Jahre Studienzeit angesetzt, die sich bei Bedarf verlängern lassen, als Voraussetzung ist übrigens kein besonderer Schulabschluss nötig. Die Inhalte teilen sich in verschiedene Kursbereiche auf, die je nach Kenntnisstand verkürzt werden können. Angesprochen werden Interessierte, die ein Heimstudio nutzen und ihre Musik besser klingen lassen oder aktiv im Musik-Business arbeiten wollen. Im Ergebnis lernt man den Umgang mit Rohmaterial, das zu einer fertigen Produktion verarbeitet wird. Der Übergang ist fließend, denn in der Tontechnik kommen Musiker, Veranstalter, Broadcasting und Marketing zusammen. Inhaltlich beginnt es bei der guten Aufnahme, geht weiter über die Nachbearbeitung und Abmischung und endet längst nicht beim Mastering. Schritte in die Selbständigkeit, Synthesizer-Grundlagen, Drum-Programming und Live-Tontechnik sind nur einige Beispiele für die vielseitigen Lernangebote.

Art und Umfang des HOFA-Fernstudiums

Als ich mich im Januar 2018 für HOFA-Complete entschieden habe, gab es das Bachelor-Programm noch nicht. Somit müsste ich den Kurs “wissenschaftliches Arbeiten” noch hinzu buchen, sofern ich diese Qualifikation zusätzlich erwerben möchte. Diesen Kurs gibt es heute zwar auch noch, qualifiziert ohne Diploma allerdings nicht zum Bachelor. Der neue Complete-Kurs ist somit etwas aufwendiger und teurer, bietet aber als Abschluss neben dem Audio-Engineer auch den Audio-Assistant und qualifiziert mit dem HOFA-Diploma zum weiterführenden Bachelor-Studium. Egal für was man sich entscheidet, hat man als HOFA-Student während der Kursdauer die Möglichkeit, im Online-Campus auf Gleichgesinnte zu treffen und kann das erlernte Wissen in Praxis-Workshops oder vor Ort zu vertiefen. Die Kursunterlagen stehen auf Wunsch in einer sehr übersichtlichen App oder wahlweise gegen Aufpreis in gedruckter Form zur Verfügung. Während sich der Zugriff auf das Online-Kursmaterial leider nur auf die Studienzeit beschränkt, kann man Downloads, gedruckte Materialien und DVD-Videos für eine spätere Referenz behalten. Als signierte und personifizierte PDF-Dateien gibt es die Unterlagen nicht, laut HOFA hat man sich bewusst entschieden, diese niemals herauszugeben, damit die Kurse nicht im Internet verteilt werden können.

Das Studium untergliedert sich in verschiedene Bereiche, die als Teil oder Komplettpaket gebucht werden können. Wahlweise erfolgt die Bezahlung komplett im Voraus oder als monatliche Raten. Zwar ist die Vorausbezahlung günstiger, jedoch ist bei einem vorzeitigen Kursabbruch keine Rückerstattung möglich. Je nach Zeitraum gibt es nette Beigaben, wie Audio-Equipment, iPad oder Praxis-Stunden. In meinem Fall kostete der Kurs rund 1.860 Euro, enthalten sind dabei alle Kurzkurse und vier persönliche Lehrstunden, dazu später mehr. Die Arbeitsmaterialien werden stets aktualisiert und so profitiert man während der Laufzeit von Updates und neuen Inhalten. Neuerdings erhält man für die Studiendauer den kostenlosen Zugriff auf die HOFA-eigene Plug-Ins, wobei man die Kursinhalte laut HOFA nicht exklusiv darauf ausrichten will und den universellen Charakter beibehält. Demnach kostete mich der Kurs insgesamt sogar über 2.400 Euro, denn ich habe die Plug-Ins noch zum EDU-Preis erworben und hätte ansonsten darauf verzichten können. Übrigens sind diese nur sehr eingeschränkt barrierefrei nutzbar, so dass blinde Kursteilnehmer davon nicht profitieren. Non Eric war mit MusoTalk.tv übrigens bei HOFA zu Gast, hier das Video.

Bei der Wahl der eigenen virtuellen Bandmaschine (DAW) ist man frei, ob man Pro Tools von Avid, Logic Pro X von Apple, Cockos REAPER, Presonus Studio One oder Steinberg Cubase Pro nutzen will, das bleibt dem Schüler selbst überlassen. Der Basiskurs vermittelt innerhalb von sechs Monaten die Grundlagen, hier sind entsprechend je Monat eine Praxisaufgabe zu lösen, sowie kleinere Übungen zur Wissensvertiefung und Abfragen am jeweiligen Kapitelende. Abschließend erfolgt eine Prüfung, in der ein fertiger Mix auf Grundlage der Einzelspuren akustisch nachgebildet werden muss. Dabei erreicht man gute Ergebnisse, wenn man den persönlichen Anspruch des Prüfers trifft, was bei einer Vergleichsmischung objektiv gelingt, nicht aber bei den Einzelspuren der Kapitelaufgaben. Hier erhält man erst nach dem Einreichen den fertigen Mix zur eigenen Kontrolle mit einer ausführlichen Analyse. Weil der persönliche Geschmack entscheidet, kann diese mitunter überraschen. Zudem werden verschiedene Musik-Genres abgedeckt und Stücke aus echten Produktionen angeboten, die nicht immer den persönlichen Geschmack treffen müssen, was ich persönlich als sinnvoll erachte. Immerhin bezieht man sich auf die Kunstfreiheit und schreibt ausdrücklich, dass Abweichungen nicht zugleich auch schlechter sein müssen, das ist sehr professionell gedacht. Der Pro-Kurs schließt sich an und dauert neun Monate, die Kurzkurse fordern je einen Monat Arbeitszeit ein. Hierbei werden wie erwähnt unterschiedliche Themengebiete behandelt, die auch den Kernbereich der Tontechnik deutlich verlassen. Die Workshops können je nach Zeit und Interesse online abgerufen werden und sind unabhängig vom jeweiligen Lernfortschritt nutzbar. Wer das Komplettangebot gebucht hat, erhält übrigens den vollen Zugriff auf alle Lerninhalte ab dem ersten Tag. Der insgesamt zu leistende Umfang lässt sich zeitlich schwer beziffern, je nach Fachkenntnis kommt man eher schneller oder weniger schnell durch die Unterlagen. Während im Basis-Kurs die Grundlagen vermittelt werden, erfolgt im Pro-Kurs eine Vertiefung der Kenntnisse und so baut man nahtlos auf das vermittelte Wissen auf.

Nach Abschluss des Fernkurses erhält man ein Zertifikat, das den Diploma als Audio-Engineer belegt. Allerdings im Basis-Kurs rein bezogen auf Praxismischungen, das theoretische Wissen wird erst im Pro-Kurs abgefragt. Entgegen der Zulassung zum Straßenverkehr habe ich dennoch den Eindruck, dass die Theorie als Solche etwas untergeordnet ist, was jedoch in der Berufspraxis als Audio-Engineer durchaus genügen kann. Man stelle sich eine Fahrschule vor, die nach Absolvieren der theoretischen Prüfung eine DVD mit Fahrpraxis mitgibt, man könne ja schließlich mit Papas Wagen in der Hofeinfahrt üben. Ganz so ist es bei HOFA natürlich nicht, zumal es heutzutage schon sehr günstig gute Technik zu kaufen gibt und man optional auch die HOFA-Studios vor Ort besuchen kann. Dennoch behaupte ich, dass je nach Budget und technischem Equipment die Leistung zwischen zwei Studierenden nicht exakt vergleichbar ist.

Mein Erstkontakt und die Vorgeschichte

Alles begann im Jahr 2017, ich wollte mein reichhaltiges und nicht sonderlich strukturiertes Wissen im Bereich der Tontechnik vertiefen, auch um meine eigenen technisch erläuternden Podcasts zu verbessern. Mir ging es weniger um Mixing und Mastering, das interessiert mich nur am Rande, hier verlasse ich mich ohnehin auf mein geschultes Gehör und habe da meine ganz eigene Auffassung. Natürlich kann man sehr viel theoretisieren, aber ich bin der festen Überzeugung, dass in der Praxis das Gesamtergebnis zählt. Kaum ein Hörer wird einen Musiktitel anhand der verwendeten Instrumentierung oder Frequenzverteilung bewerten, es geht schlichtweg um die Melodie, den Text und dass es passt und einfach gefällt. Trotzdem ist unstrittig, dass bei der Produktion viel zu beachten ist, damit der Konsument mit seinem unterschiedlichen Hörequipment auch Freude an der Musik empfinden kann und ab hier ist der Toningenieur eine wichtige Größe in der Produktionskette. Deshalb war für mich nur das theoretische Wissen relevant, um meine Praxiserfahrung zu verifizieren.

Eine Kröte musste ich jedoch schlucken, denn ich komme aus der Zeit der Analogtechnik und so hat mich mein Interesse am Musikmachen temporär verlassen, als alles um die Jahrtausendwende nach Software schrie. Das war der Moment, an dem ich aufgab, denn die mangelnde Leistungsfähigkeit und noch nicht weit entwickelten Screenreader für grafische Benutzeroberflächen machten mir ebenso wenig Spaß, wie die damals noch schlecht ablesbaren Displays. Einige Jahre stand ein IBM PS/1 mit dem Voyetra Sequencer Plus neben meinem Hauptrechner, an dem ein Sampler vom Typ Akai S-01, eine Roland TR-505 und ein E-16 aus gleichem Hause angeschlossen waren. Was ich damit fabriziert habe, lässt sich mit kurzen Erläuterungen bei SoundCloud finden. Später sollte die Aufgabe des Sequenzers ein Yamaha QY-70 übernehmen, dessen Display für mich schwer ablesbar war. Ein weiterer Versuch am Computer mit Soundkarte und Master-Keyboard von TerraTec und dem Korg NX-5R als Klangerzeuger scheiterte ebenfalls und ich gab das Experimentieren vorerst auf.

HOFA IQ-Analyzer

Trotz dass ich der Digitaltechnik stets aufgeschlossen, aber nicht unkritisch gegenüber stehe, habe ich im Bereich der Musikproduktion irgendwie eine Schere im Kopf, obwohl fast alle Podcast-Episoden am Computer entstanden sind. Vielleicht begründet dadurch, dass ich das haptische Feedback brauche und Maschinen gewohnt bin, die einfach machen, was ich will. Ich verbinde Musik irgendwie nicht mit virtuellen Bandmaschinen, wo sich nicht mal Spulen drehen, Mausschupserei und parametrische Eingaben in irgendwelche, nicht wirklich existierende Audiogeräte. Jüngere Anwender mit und ohne Sehbehinderung haben daher einen Vor- und einen Nachteil. Der Vorteil ist, dass sie vorbehaltlos an die Sache herangehen und die Virtualisierung gewohnt sind. Der nicht zu unterschätzende Nachteil ist allerdings, dass man nur mit der analogen Technik die Zusammenhänge praktisch erfahren kann, weil jeder Knopf und Regler etwas anderes tut. Das lässt sich nicht mit einem virtuellen oder digitalen Regler an einer Konsole vergleichen, der Tausende von Zuständen einnehmen kann. Unabhängig davon ist klar, dass keine aktuelle Musikproduktion ohne Computertechnik realisierbar wäre, aber auch der Analog-Trend kommt schließlich nicht von ungefähr zurück. Mich erinnert die digitale Musikproduktion irgendwie an die Programmierung, ein für mich aus ähnlichen Gründen wenig spannender Bereich.

Die schlussfolgernde Konsequenz aufgrund dieser Voraussetzungen war ein privates Telefon-Interview mit einem Tutor, dem ich die obige Situation und meine damit verbundenen Erwartungen geschildert habe, die allesamt mit einem freundlichen Ja und “da bist du bei uns richtig” beantwortet wurden. So war mir natürlich grundsätzlich klar, dass ich um die nervige Software nicht herum kommen würde, vermeldete aber meine Unkenntnis und die mangelnde Fähigkeit, das haptische Rundfunkpult mit der Vierspur-Bandmaschine aus den 80ern in eine Software theoretisch abzubilden. Alles kein Problem, ich hätte ja vier Praxisstunden in meinem Paketpreis und könnte davon profitieren, notfalls per Skype.

HOFA-App Kurzkurse

Das überzeugte mich, auch wenn ich als selbständiger Familienvater mit einem Kleinbetrieb durch alle Raster gefallen bin und somit den Kurs zunächst selbst finanzieren musste. Für mein Zeitmanagement war noch wichtig zu wissen, ob sich die Dauer des Fernstudiums bei Bedarf verlängern lässt. Dies ist optional möglich und so buchte ich das Komplettpaket. Nicht absehbar war allerdings, dass HOFA die Jahrespreise deutlich von rund 95 Euro auf über 150 Euro auch für Bestandskunden angezogen hat, dabei sind die erweiterten Tutorials für mich uninteressant. Hochgerechnet kostet der nachhaltige Zugriff auf die Materialien über einen Zeitraum von zehn Jahren unter Berücksichtigung einiger Gutscheine über 1.000 Euro zuzüglich einmaliger Kursgebühr, das finde ich für ein Abo, was es folglich ist, relativ viel Geld. Immerhin verlief der Einstieg ziemlich prompt, nach der Anmeldung wurde mein Konto unmittelbar freigeschaltet und es konnte losgehen.

Spezifische Risiken und Nebenwirkungen

Zunächst ist wichtig, dass HOFA keine spezielle Ausbildung für blinde und sehbehinderte Studierende anbietet, sondern sich lediglich die Apps und Kursmaterialien relativ gut eignen. Betrachtet man die geringe Anzahl an blinden Studierenden, ist das Engagement zwar einerseits beachtlich, andererseits aber bei Weitem nicht effizient genug. So zeigte sich im Verlauf schon nach kurzer Zeit, dass mir der Berater eigentlich vom Fernkurs hätte abraten müssen. Was ich nämlich nicht wusste ist der Umstand, dass man die Werkzeuge bereits beherrschen sollte und HOFA selbst nur eingeschränkte Möglichkeiten zur Unterstützung sehbehinderter Kursteilnehmer anbieten kann, siehe obiges Beispiel mit der Fahrprüfung. So gibt es keine Kurse zum Erlernen einer digitalen Audio-Workstation, sondern lediglich kurze Erklärvideos, die natürlich die speziellen Anforderungen der Tastaturbedienung und blinder Nutzer überhaupt nicht berücksichtigen. Dafür gibt es zwar Handbücher, die allerdings den Arbeitsaufwand signifikant erhöhen, darauf nimmt die Laufzeit der ansonsten frei planbaren Studienzeit keine Rücksicht. Pausieren lässt sich der Kurs übrigens, für diese Zeit ist aber der Zugriff auf die Materialien vermutlich ausgesetzt. Ein Seitenblick ins Informatik-Studium, ich muss im Grundkurs Programmieren schließlich auch nicht das Handbuch der Entwicklungsumgebung studieren, das vermittelt mir der Tutor in Plenum. Dafür werden verschiedene Elemente, wie Equalizer, Kompressor, Hall- und Effektgeräte, Raumakustik und Mikrofonierung zumindest einfach im Basic-Kurs erklärt. Somit bleibt zum Studium der DAW nur das Internet übrig, nicht ganz konsequent durchdacht und stellt leider die kompromisslose Eignung für die angesprochene Zielgruppe in Frage.

Beim Lesen der Kursbeschreibung wurde mir auch nicht ganz deutlich, welche technischen und praktischen Voraussetzungen tatsächlich nötig sind, so lebt man viel Wert auf die Möglichkeit der Fremdfinanzierung und was man schlussendlich mit dem Studium anfangen kann. Natürlich mit viel Euphorie und werbewirksamer Dynamik, so dass man sich als Einsteiger angesprochen und auch willkommen fühlt. Vermutlich werden sich potentielle Interessenten irgendwann mit Instrumenten oder Tonaufnahmen befasst haben, ansonsten würde man wohl keinen Tontechnik-Fernkurs absolvieren wollen. Wer noch keine Erfahrung mit einer DAW hat, kann sich mit den Videos schnell einen Einstieg verschaffen und notfalls die Anwendung wechseln, sofern das Programm nicht zum jeweiligen Profil passt. Ab diesem Punkt gibt es einen wesentlichen Unterschied zu blinden und sehbehinderten Anwendern, den man bei HOFA vermutlich nicht berücksichtigt hat. Zunächst ist nicht jede DAW überhaupt zugänglich und wenn, werden in den meisten Fällen teure Screenreader oder ein Mac benötigt, somit entstehen weitere Kosten. Wer sich nicht privat helfen kann, braucht externe Hilfe, denn HOFA kann nur eingeschränkt unterstützen. Das wirkt sich anschließend auf die Chancengleichheit aus, so erlernt ein sehender Kursteilnehmer allgemeine und auf verschiedene Programme ableitbare Kniffe, während der blinde Anwender nur auf sein individuelles System trainiert werden kann, es gibt ja keine Übungsräume. Selbst mit Diploma wird er nirgends einsetzbar sein, wenn die im Studio genutzten Programme nicht barrierefrei sind, die HOFA-Plugins reichen aus, so bleibt notfalls der Weg in die Selbständigkeit.

Cockos REAPER Screenshot

Die Texte und Aufgaben im Basic-Kurs sind theoretisch recht leicht, bereits vorbereitete Audiospuren müssen gemischt und bearbeitet werden. Wenn man als Blinder jedoch beispielsweise nicht weiß, wie man in Logic eine Audiodatei importiert oder in REAPER den Kompressor einfügt, kann man jederzeit rückfragen. Immerhin stehen die Tutoren werktags auch telefonisch zur Verfügung. Dabei gibt es keinen festen Tutor, das wäre aufgrund der besonderen Anforderungen allerdings notwendig. Meine Anfragen per E-Mail wurden von verschiedenen Tutoren immer freundlich beantwortet, denen ich allerdings stets und ständig aufs Neue meine persönliche Situation erklären musste, gleiches gilt für die Praxismischungen. So kann für die Mixanalyse immerhin eine Anmerkung hinzugefügt werden. Das empfinde ich als etwas störend und hier hätte ich mindestens erwartet, dass man die benachteiligten Studierenden wenigstens anhand der Projektnummer identifizieren kann. Auf diese Weise wäre direkt klar, dass es erweiterten Erklärungsbedarf gibt. Natürlich sind meine Anfragen zur Tastaturbedienung eher ungewöhnlich und die Antworten mit “klicke hier und da” wenig hilfreich.

Warum ist der konkrete Bezug auf eine Anwendung so wichtig? Hier genügt ein Blick auf blindenspezifische Ausbildungslehrgänge. Theoretische Lerninhalte sind natürlich unerlässlich, aber es hat Gründe, warum man sich von Vornherein auf eine Anwendungsumgebung festlegt. Dadurch ist der Praxisbezug und die Vergleichbarkeit auch untereinander gegeben, zudem lassen sich am Objekt die Zusammenhänge synergetisch und besser erklären. Natürlich widerspricht das dem heutigen Gedanken nach universellem Einsatz, allerdings müssen hier die spezifischen Einschränkungen mehr Berücksichtigung finden. So werden blindenspezifische Ausbildungen pädagogisch und im Gesamten auf die Hard- und Software abgestimmt und ergeben einen einheitlichen Strang. Dies kann man von HOFA natürlich nicht erwarten, ist aber ein wichtiger Punkt, den sich jeder Interessent vor Augen führen muss. Immerhin geschieht alles online, niemand sitzt daneben, was sich in meinem Fall als nicht vorhersehbares Problem herausgestellt hat. Dass man grundsätzlich ohne Selbstdisziplin solch ein Studium nur schwer durchführen kann, ist ein weiterer Aspekt, der aber für alle Kursteilnehmer gilt.

HOFA-App Diagramm

Ein besonderes Lob verdienen die Kursmaterialien und Apps für iOS und Android, diese sind sehr übersichtlich und barrierearm, einzig die Texte könnten im Satzbau und bei den Tippfehlern etwas Überarbeitung vertragen. Wünschenswert wäre noch ein zeitgemäßer Dark Mode zur besseren Herausstellung der Kontraste. So ist an manchen Stelle nicht ganz eindeutig, was mir der Autor mitteilen wollte, insgesamt aber einfach und flüssig zu lesen und vor Allem in lockerer, angenehmer Sprache geschrieben. Die Audiobeispiele können direkt auf dem Mobilgerät angehört werden, illustrierende Grafiken sind derzeit noch nicht barrierefrei hinterlegt, daran wird laut HOFA gearbeitet, und in Teilen für das Verständnis absolut unerlässlich. Wichtig ist allerdings ein anständiger Kopfhörer und mobiles Audio-Interface. Dass VoiceOver ständig in die Beispiele reinspricht, erschwert etwas die Handhabung. Dies sind aber alles Dinge, die mit etwas Können zu lösen sind und ich daher nicht kritisieren will. Der aktuelle Lernfortschritt wird automatisch gespeichert und so lässt sich auf verschiedenen Geräten und wahlweise auch online mit den Unterlagen arbeiten.

Fazit

Die HOFA GmbH ist ein Anbieter unter anderem für Tontechnik-Fernkurse, dazu noch sehr preiswert und unkompliziert. Die Lern-App leistet gute Dienste, die Beispiele sind verständlich und die Aufgaben gut erklärt. Allerdings sollte sich die HOFA GmbH derzeit nicht als besonders für blinde Nutzer geeignet beschreiben, dazu gibt es noch zu viele Hürden. Überflieger gibt es natürlich immer, die auch Zeit und Lust haben, sich intensiv durch ein Thema zu beißen, hier muss man aber vom kleinsten gemeinsamen Nenner ausgehen. Während sich normalsichtige Kursteilnehmer alleine mit Videos und beim praktischen Umgang schnell in eine DAW einarbeiten können, ist dies eine Hürde, die sehbehinderte Anwender mit ganz anderem Aufwand zu erklimmen haben. Hierbei hilft HOFA jedoch nur bedingt und ganz frei in der Wahl der Software ist man leider nicht. Bei einer schwach zweistelligen Anzahl betroffener Studierender ist es für mich absolut verständlich, dass man aus wirtschaftlicher Sicht genau überlegt, ob und welche Stellschrauben man anpassen kann. Schön ist, dass die HOFA GmbH am Thema dran bleibt, das ist für derzeit Studierende wie mich aktuell jedoch wenig hilfreich.

Ein Beispiel sind die Kursmaterialien, die man alternativ und optional nur ausgedruckt erhält. Hier einen dauerhaft kostenlosen Zugriff auf die App zu gewährleisten, wäre ein sicherlich wirtschaftlich vertretbarer Punkt. Ob es allerdings gelingt, Grafiken und Diagramme abseits des Brailledrucks inhaltlich und nachvollziehbar aufzubereiten, bleibt abzuwarten, ich sehe darin mit meiner Erfahrung eine fast unlösbare Aufgabe. Ich persönlich bin jedenfalls gespannt, was da noch kommt und bin allerdings auch der Überzeugung, dass es ohne Opfer und Zugeständnisse der HOFA GmbH nicht gelingen wird, den Kurs als komplett barrierefrei zu gestalten. Das gilt auch für die Laufzeit, hier wären ebenfalls Zugeständnisse wünschenswert. Obwohl nämlich die Arbeitslosigkeit unter blinden und sehbehinderten Menschen nicht zu vernachlässigen ist, sieht das Zeitmanagement für Berufstätige etwas anders aus. Für mich ist HOFA neben der Fernuniversität Hagen mein zweites Fernstudium und ich erlebe die wiederholte Erfahrung, dass es kein Vergleich zu einem Kursverbund ist, in dem man mit Menschen spricht und Aufgaben konkret mit Kommilitonen löst.

Das HOFA-College kann ich uneingeschränkt für alle empfehlen, die sich für Tontechnik interessieren, Hobbymusiker sind oder sich eine Existenz aufbauen wollen, sofern diese nicht sehbehindert oder blind sind. Ist dies der Fall, empfehle ich das HOFA-College nur dann, wenn bereits die Grundsteine für eine audiotechnische Arbeitsumgebung gelegt wurden und diese beherrscht wird. Ist kein Zertifikat von Nöten, reichen vielleicht auch unsere tollen Workshops bei AMAZONA.de, die kosten nichts und sind nicht minder einfach verfasst. MusoTalk.tv ist eine weitere Quelle für Hintergrundwissen, so auch die diversen Fachmagazine. Für alle Interessenten gilt gleichermaßen, dass man gerne eigenständig und individuell lernt und vor Allem die Zeit dazu hat.

Als Schlussbemerkung soll dieser Artikel nicht als abwertend verstanden werden, HOFA genießt einen guten und professionellen Ruf nicht nur für das College. Je mehr ich aber über meine Entscheidung vor knapp zwei Jahren nachdenke, komme ich zu dem Schluss, einen Fehler gemacht zu haben. So passt das Angebot nicht zu meinem Profil, manche Barrieren gibt es und wer für Software wenig übrig hat, geht irgendwann unter. So bleibt das Kursmaterial als schöne Lektüre übrig, jedoch nur zeitlich begrenzt. Über die Barrieren hätte man besser aufklären können, vielleicht hätte ich den Fernkurs dann vertagt. So existieren seitenweise Mailverläufe mit HOFA, die mich nicht weiterbringen und aktuell nur Zeit und vor Allem Geld kosten. Dies ist erst einmal weg und ein Diploma sehe ich alleine aus Zeitgründen schon nicht erreichbar.

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