Nubert nuConnect ampX, digitaler Vollverstärker im Test

Letzte Aktualisierung am 27. März 2020

Der nuConnect ampX von Nubert Elektronik ist ein sehr kompakter Vollverstärker, der es in sich hat. Dabei kann der kleine Kraftzwerg sowohl passive Lautsprecher antreiben, als auch als drahtlose Schaltzentrale für die nuPro X-Serie eingesetzt werden. Bei der Entwicklung hat man an fast alles gedacht und so muss er nun zeigen, was er drauf hat. Als schlanke Standlautsprecher kommen die hier getesteten nuLine 264 zum Einsatz, denn primär ist er natürlich ein eigenständiger Vollverstärker, aber mit Mehrwert. Kann das kleine Kästchen für 689 Euro überzeugen?

Vier digitale Zuspieler, ein Computer per USB, ein Fernseher via HDMI-ARC, ein Smartphone über Bluetooth, ein analoges Aux-Gerät und ein Plattenspieler mit Moving-Magnet- oder Moving-Coil-System können gleichzeitig verbunden werden. Neben dieser Anschlussfreudigkeit kann er über den zusätzlichen Wireless-Eingang Signale von nuPro X-Lautsprechern empfangen oder diese steuern und ganz nebenbei sogar mit weiteren Funktionen ausstatten. Das klingt alles sehr vielversprechend und im ersten Moment kompliziert, das Lesen der Anleitung bringt jedoch schnell Licht ins Dunkle. So hat Nubert es verstanden, diese Vielfalt übersichtlich zu gestalten und profitiert natürlich aus der Erfahrung mit der nuPro-Serie. International gedacht spricht der nuConnect ampX Englisch, mit der Anleitung zur Hand ist das jedoch keine Barriere. Nebenbei bemerkt bietet die Nubert Elektronik GmbH schon länger mit nuControl und nuPower exzellente Vor- und Endstufen an, der nuConnect ampX ist jedoch der erste eigene Vollverstärker im Sortiment.

Hier kann man den nuConnect ampX direkt bestellen.

Der nuConnect ampX im Überblick

Nubert nuConnect ampX im Stoffbeutel

Schick verpackt im schnörkellosen Karton kommt der nuConnect ampX zu mir. Das Gerät selbst steckt in einem Stoffbeutel, ein nettes Detail, das die Auspackfreude steigert. Nebenan in einer Pappschachtel befindet sich das Zubehör. Langes Netzkabel, TOSLINK-Kabel, stoffummanteltes USB-Kabel, Koaxialkabel und Cinch-Klinke-Kabel gehören zum Lieferumfang. Weiterhin liegt eine Infrarotfernbedienung bei und zwei anschraubbare Antennen für das nuPro-Wireless-System, sowie der USB- auf HDMI-Adapter, an den sich ARC-unterstützende Fernseher anschließen lassen. Die USB-Buchse kann alternativ weitere Geräte mit Energie versorgen und bleibt auch im Standby-Modus aktiv.

Das kleine Kästchen ist mit einer Breite von lediglich 234 mm und 230 mm Tiefe inklusive Anbauteile fast quadratisch, 67 mm hoch und wiegt 2,6 kg. Er wurde mit einem soliden, schwarzen Aluminium-Case mit geriffelten Seiten und einem silbernen Drehknopf versehen. Dieser sitzt wackelfrei auf der Front und rastet sanft ein, damit steuert man die Lautstärke und navigiert in den Einstellungen. Zur Auswahl lässt er sich drücken, zwei kleine Gummitasten für Standby und das Menü befinden sich seitlich neben den großzügigen Displayglas. Die OLED-Anzeige ist gut ablesbar und etwas dunkler, dafür auch größer als bei der nuPro. Menüseitig lässt sich hier wahlweise die Lautstärke oder das Nubert-Loogo darstellen, letzteres ist nützlich, sofern es weniger technisch aussehen soll. Zudem kann es automatisch gedimmt oder ganz abgeschaltet werden.

Nubert nuConnect ampX Rückseite

Die Rückseite wirkt aufgrund der vielen Anschlüsse etwas gedrungen. Euro-Netzbuchse mit zugehörigem Schalter, vier Schraubklemmen für die Lautsprecherkabel bis 4 mm², zwei je optische und koaxiale Digitalanschlüsse, ein Subwoofer-Ausgang, eine Link-Buchse für einen D/A-Wandler, einen weiteren ampX oder nuPro-Lautsprecher. Ein Aux- und Phono-Eingang in Form zweier Cinch-Pärchen schließen die Rückseite mit der Erdungsschraube und den Umschalter für den Phono-Entzerrer ab. Gerade dicke Lautsprecherkabel mag man nicht in die leicht beengten Klemmen quetschen, wenn der HDMI-ARC-Adapter auf der USB-Buchse steckt.

Nubert nuConnect ampX Antennen

Empfehlenswert sind deshalb Bananenstecker, die Stopfen der Lautsprecherklemmen können für diesen Zweck abgezogen werden. Etwas negativ viel auf, dass die TOSLINK-Stecker extrem kräftig in die Buchsen gedrückt werden müssen, damit sie richtig einrasten. Positiv hingegen ist der bombenfeste Sitz des verschraubten Anschlussterminals, hier wackelt absolut nichts. Die beiden Antennen schraubt man besser erst fest, wenn alles Andere verkabelt wurde.

Nubert Fernbedienungen

Die Fernbedienung scheint auf den ersten Blick identisch zur links im Bild zu sehenden nuPro-Serie zu sein, unterscheidet sich aber sowohl im Layout, als auch bei den Infrarot-Signalen. So ist es laut Nubert problemlos möglich, die X-Serie und den ampX in einem Raum zu betreiben. Hingegen wird die gemischte Verwendung mit der Soundbar XS-7500 nicht empfohlen, denn sie nutzen den gleichen Signalgeber, alternativ kann die App helfen. Änderungen gibt es bei der Bass- und Höhenregelung, so werden die mittleren beiden Tasten als Pfeiltasten verwendet. Die Tasten links daneben aktivieren die Stereoverbreiterung in vier Stufen und die Klangeinstellungen durchlaufen ein Menü. Das ist im Sinne der Soundbar schon praktisch gelöst und auch dann, wenn man zwei kleine Wandlautsprecher neben dem Fernseher am nuConnect ampX betreiben will, ansonsten braucht man dieses Feature nicht.

Die Betriebsarten

Betrachten wir an dieser Stelle die verschiedenen Einsatzfelder im Detail. Standardmäßig ist der nuConnect ampX ein ganz normaler Stereo-Vollverstärker für passive Lautsprecher und wäre bei entsprechender Konfiguration vielleicht sogar als Mono-Endstufe im Bi-Amping-Betrieb nutzbar, dann könnte er aus jedem Passivlautsprecher eine nuPro zaubern. Weiterhin ist es möglich, mehrere Räume in Zonen zu vernetzen, ampX und nuPros verstehen sich drahtlos über ein eigenes Protokoll. Ein Gerät wird als Wireless-Master konfiguriert, die anderen als Wireless-Slave. Wird ein weiterer nuConnect ampX verbunden, kann das Signal des Masters auf dem Wireless-Eingang abgehört werden. Lautstärke und Klangeinstellungen regelt man entsprechend am Empfangsgerät, selbst das Umschalten auf eine lokale Wiedergabequelle bleibt erhalten. Auf diese Weise könnte man den Fernsehton einer nuPro XS-7500 Soundbar an den nuConnect ampX im Schlafzimmer durchreichen, das funktioniert natürlich auch umgekehrt.

Nubert nuConnect ampX schräg

Anders verhält es sich, wenn man die nuPro X als Wireless Slave konfiguriert. Dabei lässt sich wählen, ob man den linken, rechten oder beide Kanäle als Mono-Mix abbilden will. Der nuConnect ampX ist dann die Schaltzentrale und erspart lästige Lautsprecherkabel im Wohnzimmer, die Eingänge an den nuPro X-Lautsprechern sind in diesem Fall nicht nutzbar. Das Signal kann dabei mehreren Lautsprechern zugeführt werden, beispielsweise zwei nuPro X-8000 im Wohnzimmer mit ampX und Plattenspieler auf dem Sideboard, ein X-3000 in der Küche und ein weiterer ampX mit kleinen Regalboxen im Esszimmer. Die nuPros werden dabei komplett ferngesteuert und die Gesamtlautstärke im Wohnzimmer geregelt, das Lautstärkeniveau der Box in der Küche kann in den Zoneneinstellungen um bis zu 10 dB abgesenkt oder angehoben werden. Raumeinmessung und Stereoverbreiterung funktionieren übrigens nur an den immer aktiven Lautsprecheranschlüssen, weil Lautstärke und Klangparameter bei dieser Konfiguration in den nuPros verändert werden. Wer haptische Lautstärkeregler bevorzugt und seine X-Serie um einen Phono-Eingang hinzufügen möchte, kann sie mit dem nuConnect ampX zu einer vollwertigen HiFi-Anlage ausbauen. Wer statt nuPro-Wireless eine Kabelverbindung bevorzugt, kann die Komponenten auch mit den beigefügten Koaxialkabeln verdrahten.

Die testweise Kopplung zwischen dem nuConnect ampX im Wohnzimmer und den nuPro X-8000 im Arbeitsraum wollte irgendwie in beide Richtungen nicht gelingen. Das hat mich zunächst gewundert, zumal die Bluetooth-Verbindung und -Steuerung per App überall funktioniert, ein Blick ins Datenblatt brachte die Erkenntnis. So arbeitet das Nubert-eigene Funknetz im 5-GHz-Bereich, hier nimmt die Reichweite bei gleicher Leistung ab und die Strahlung kann Materie schlechter durchdringen. Im Prinzip eine gute Entscheidung, weil das 5-GHz-ISM-Band nicht so überlaufen ist. Wenn man diesen Umstand nicht berücksichtigt, verwundert die höhere Bluetooth-Reichweite zunächst. Deshalb rief ich direkt die Nubert-Hotline an und fragte nach. Die überaus freundliche Mitarbeiterin veranlasste einen Rückruf durch einen Experten, der nach etwa 30 Minuten erfolgte. Dieser bestätigte mir, dass es tatsächlich an der Reichweite liegen muss. Näher zusammen gerückt brachte diese Betriebsart allerdings auch keine Überraschungen, die nuPro X-8000 behalten ihre guten Eigenschaften bei, einen Unterschied zwischen drahtgebundener und kabelloser Verbindung kann ich jedenfalls nicht heraus hören.

Nubert HDMI-ARC-Adapter

Gerne hätte ich den HDMI-ARC-Adapter und die Energieversorgung meines AirLino+ am nuConnect ampX parallel realisiert. Ein passiver USB-3.0-Hub funktionierte nicht, sollte aber laut Herrn Steidle funktionieren, ein aktiver Hub wäre dabei vorzuziehen und so wäre die Empfehlung, die Geräte besser gleich mit dem externen Netzteil zu betreiben. Gerne hätte ich dies mit einem Hub für USB 2.0 getestet, aber dieser war kurzfristig leider nicht auffindbar. Übrigens funktioniert der so genannte Audio Return Channel häufig nur am ersten HDMI-Anschluss des Fernsehgeräts, die Anleitung hilft hier weiter.

Inbetriebnahme und Einrichtung

Nubert X-Remote Hauptansicht

Die Steuerung des nuConnect ampX kann wahlweise am Gerätemenü oder über die nuPro X-Remote-App erfolgen. Diese steht kostenlos für iOS und Android bereit und kann für alle nuPro-Geräte genutzt werden. Sie ist grundsätzlich blind bedienbar, nahezu alle Schalter sind jedoch in Englisch beschriftet. Etwas Eingewöhnung braucht es dennoch, weil man die Anordnung der optischen Oberfläche erst systematisch erfassen muss, dann aber lassen sich sämtliche Einstellungen mit dem Smartphone vornehmen. Während man die PIN eines nuPro X-Lautsprechers im erweiterten Menü zunächst hinterlegen sollte, damit Unbefugte mit der nuPro X-Remote-App diesen nicht ungewollt fernsteuern, ist beim nuConnect ampX direkt viermal die Null voreingestellt. Das ist gut so und verleitet auch direkt zum Ändern der PIN. Zwar ist die Bluetooth-Reichweite grundsätzlich sehr eingeschränkt, man sollte diese allerdings nicht unterschätzen und so unwahrscheinlich ist es nicht, dass man in dicht besiedelten Wohngebieten hin und wieder auf eine nuPro trifft.

Nubert X-Remote Menü

Hat man den nuConnect ampX verkabelt, kann es auch schon losgehen. Dabei muss man ihm nachsehen, dass er kein Receiver ist. Ein Lintech AirLino+ oder anderer Empfangstuner ist also nötig, wenn man Radio genießen will, ansonsten versteht er Bluetooth und nimmt auch hochauflösende Signale entgegen. AAC ist ein Vorteil für alle Apple-User, weil Apple TV, iPhone und iPad kein aptX-Codec unterstützen. Je nach passiven Lautsprechern und Hörsituation kann es nötig sein, den ampX klanglich an die jeweiligen Wünsche anzupassen, dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten. Im einfachsten Fall kann man Tiefen und Höhen je um maximal 10 dB anheben oder absenken. Diese Klangeinstellung geht sehr dezent vor und hat mich schon bei der nuPro X-8000 überzeugt. Als Weiteres gibt es eine Loudness-Schaltung, die bei leiser Wiedergabe zu etwas mehr Ausprägung im Tieftonbereich führt. Hintergrund ist, dass tiefe Frequenzen mehr Energie zum Anregen des Raumes benötigen und sich daher bei geringer Lautstärke nicht gut durchsetzen können. Bei zunehmender Lautstärke verschiebt sich das Verhältnis und die Mitten setzen sich besser durch. In Verbindung mit der nuLine 264 war mir das etwas zu viel des Guten, eine normale Bassanhebung um 1,5 dB erschien mir sinnvoller. Kleinere Boxen wirken bei aktivierter Loudness-Funktion hingegen etwas voluminöser, ein beliebter Trick aus den 80ern.

Der 5-Band-Equalizer mit den Bändern 60 und 240 Hz, 1, 3,5 und 16 kHz aus der nuProSerie ist ebenfalls mit von der Partie und erlaubt eine gezielte Klangformung über den digitalen Signalprozessor. Grundsätzlich sind Equalizer für die Audioproduktion ein wichtiges Werkzeug, um einzelne Bereiche der Musik durch minimale Frequenzanpassungen zu mehr Durchsetzungskraft zu verhelfen, ich halte jedoch nicht viel vom Manipulieren des Summensignals. Immerhin lassen sich damit ungewünschte Einfärbungen von Lautsprechern etwas korrigieren, auch in ungünstigen Räumen kann man so den Klang an die eigenen Vorstellungen gezielter anpassen. Gut finde ich, dass Nubert verschiedene Klangoptimierungen anbietet, denn die Geschmäcker sind verschieden und die Einstellungen lassen sich auch kombinieren. Das ist aber noch nicht alles, denn als Sahnehäubchen gibt es noch die automatische Raumeinmessung.

Nubert Messunb iPad

Diese neue Funktion ist in der nuPro X-Serie nicht integriert und aufgrund der Abstimmung der Komponenten vielleicht weniger relevant. Hingegen ist sie bei einem Verstärker nützlich, der nicht weiß, welche Lautsprecher er antreibt und dies in akustisch selten optimierten Wohnumgebungen. So kann man auf einfache Weise den Raum ohne Vorkenntnisse am Hörplatz einmessen, dabei spielt der integrierte Tongenerator für eine Minute ein weißes Rauschen mit höherer Lautstärke ab. Dieses wird vom integrierten Mikrofon erfasst und die Software ermittelt, welche Frequenzen bis etwa 140 Hz im Pegel über- oder unterbetont werden. Sind wie in meinem Fall starke Raummoden vorhanden, gleicht die Software mögliches Dröhnen oder Basslöcher aus und sendet das Ergebnis an den nuConnect ampX. Dort lassen sich die Einstellungen auf einem Speicherplatz ablegen, bei Bedarf kann man die Raumanpassung auch gezielt deaktivieren und hört im Optimalfall eher geringe Unterschiede. Mit dem iPad Air 2 klappte die Einmessung hervorragend und so hat die X-Remote-App das obige Diagramm erzeugt. Dieses Feature steht derzeit nicht unter Android zur Verfügung, denn jedes Smartphone ist anders und bietet daher auch andere Mikrofonkapseln mit eigenen Frequenzverläufen, die bei einer genauen Messung berücksichtigt werden müssen. Von daher wäre der vermutlich einzige Weg ein Bluetooth-Mikrofon, das gleichermaßen an allen Smartphones zu koppeln wäre, denn viele verzichten inzwischen auch auf Headset-Buchsen. Von daher finde ich den Mut schon großartig, den Nubert hier bewiesen hat und ich bin gespannt, ob sich das Problem nachhaltig lösen lässt. Im Falle der nuLine 264 bei ungünstiger Aufstellung ist das Ergebnis deutlich hörbar und rundet den Bassbereich natürlich ab, die Box wirkt klanglich dadurch größer, ohne aufgebläht zu klingen. Mir gefällt das sogar noch besser als die einfache Bassanhebung, so dass die anderen Klangeinstellungen nun unberührt bleiben können. Wer kein iPhone oder iPad sein Eigen nennt, kann vielleicht im persönlichen Umfeld kurzfristig auf ein kompatibles Gerät zurückgreifen. Die Einmessung muss nur einmal durchgeführt werden, es sei denn, man verändert den Standort der Lautsprecher, das Mobiliar oder Textilien.

Zum Schluss sei noch die Stereobasisbreite erwähnt, die Soundbars zu mehr Räumlichkeit trotz der engen Treiberanordnung verhelfen kann und sich auch im nuConnect ampX befindet. Diese Weitwinkelfunktion konnte mich nur deshalb nicht überzeugen, weil sie bei größerem Lautsprecherabstand zu viel des Guten ist. Faktisch klingt es so, als ob die Höhen im Randbereich zunehmen und das gesamte Stereobild auseinander gezogen wird, im Zentrum bleibt die Abbildung jedoch gleich. Letztendlich entscheidet hier auch wieder der Geschmack und die Anwendung, immerhin sind die Stufen 1 und 2 noch bei größerem Abstand akzeptabel. Die DSP-basierte und ausgeklügelte Technik arbeitet zumindest nicht mit dem lästigen Beimischen phasengedrehter Signale und kann bei engem Lautsprecherabstand dem Problem einer zu schmalen Stereobreite positiv entgegen wirken. Hier wird auch klar, dass der nuConnect ampX technisch sehr eng verwandt mit der gigantischen Soundbar nuPro XS-7500 ist und eine Funktion zu haben ist besser, als wenn sie fehlt.

Technik und Klang

Nubert nuConnect ampX Ausstellung

Trotz dass es gerne in Foren und vielen HiFi-Zeitschriften behauptet wird, sind die akustischen Eigenschaften guter Elektronik im Vergleich zu den Lautsprechern eher als marginal zu betrachten. Der Verstärker muss hauptsächlich mit ausreichender Leistung das Audiosignal möglichst verzerrungsfrei übertragen, damit die Boxen die elektrischen Spannungen in akustische Energie vernünftig umwandeln können. Die Lautsprecher müssen zum Raum und die Elektronik zu den Boxen passen, dabei sind Messdaten auf dem Papier nur ein Anhaltspunkt und die Praxis kann durchaus überraschen. Gleiches gilt für die Kabel, auch hier herrschen immer noch esoterische Ansätze vor, wobei der Glaube an sich viel Geld in die Kassen der Händler spült. Aus der Elektro- und Studiotechnik weiß man hingegen, dass Skin-Effekte und Einstreuungen, Kabeldämpfungen und ein Qualitätsabfall des Signals erst bei vielen Metern hörbar wäre und vor Allem der Preis alleine kein Indikator für ein gutes Kabel ist. Viel wichtiger sind die Stecker und die Übergangswiderstände, hier ist auf eine gute Qualität zu achten. Gewöhnliche Schallwandler, wie die nuLine 264 aus meinem Test, sind bei wohnraumüblicher Aufstellung mit Kabeln vom Querschnitt 2,5 mm² bestens versorgt. Das reicht auch für Maximalpegel, die der nuConnect ampX ebenso mühelos beherrscht, wie flüsterleisen Betrieb.

Technisch profitiert der nuConnect ampX von der nuPro-Serie und deshalb gilt auch hier, dass die Datenströme erst kurz vor den Lautsprecheranschlüssen in analoge Spannungen umgewandelt werden. Während bei der nuPro X-Serie mehrere Endstufen das gefilterte Signal an jeden einzelnen Treiber übergeben, liebt beim nuConnect ampX ein breitbandiges Signal an. Dieses durchläuft die analoge Frequenzaufteilung im Lautsprecher, was per se kein Nachteil ist. Im Gegenteil hat der Anwender viel mehr Möglichkeiten zur Klangoptimierung. Deshalb ist ein Vergleich zwischen Aktivlautsprechern und passiven boxen mit Verstärkern nicht so einfach. Grundsätzlich, wie es Markus Pedal im Podcast erläutert hat, ist mit der Digitaltechnik eine vergleichsweise höhere Qualität zum günstigeren Preis möglich. So verfügen zwei nuPro X-8000 über insgesamt acht Mono-Endstufen und eine hohe Leistung und gute Signalaufteilung. Der nuConnect ampX braucht bei gleicher Qualität hochwertige Lautsprecher, die man auch ohne Austausch der Elektronik verbessern kann.

Aus obigen Gründen ist der Passivlautsprecher das klangbestimmende Element und wird im Fall der nuLine 264 sehr gut angetrieben, dabei ist so gut wie kein Eigenrauschen in der Nähe des Hochtöners zu vernehmen. Der Wirkungsgrad ist dabei enorm, so stellt er an vier Ohm eine Dauerausgangsleistung von je 110 Watt und 130 Watt Musikleistung pro Kanal bereit. Der Rauschabstand von 106 dBA ist praxistauglich, bei den Analogeingängen liegt dieser bei 105 dBA, das ist mehr als genug und entspricht der nuPro-Serie. Diese Werte kann man übrigens nicht mit den Eingängen eines Audio-Interface aus der Mittelklasse vergleichen, die Rauschabstände von 114 dBA und mehr erzielen. Bei Aufnahmen ist natürlich ein möglichst hoher Rauschabstand sinnvoll, weil die Einzelspuren subsummiert werden und sich ein hoher Geräuschspannungsabstand bei der Nachbearbeitung rechnet. Bei der Wiedergabe eines analogen Summensignals wird man diese Werte nicht erreichen und ein hoher Wert ist auch kein Indikator für die Klangqualität.

Nubert nuConnect ampX im Rack

Heutige Plattenspieler verfügen oft über integrierte RIAA-Entzerrer, so auch mein Stanton ST.150 M2. Um ihn an der nuPro X-8000 zu betreiben, ist dieser notwendig und verursachte gleich mehrere Probleme. SO führte die Doppelerdung zu Brummschleifen und die Klangqualität ist zwar ausreichend, wird aber hochwertigen Systemen nicht gerecht. Am nuConnect ampX kann er hingegen direkt am Phono-Eingang angeschlossen werden und hat mich klanglich überrascht. Der Stanton nutzt keine Erdungsklemme und verfügt, wie im Pro-Audio-Bereich üblich, über eine zuschaltbare Masseentkopplung, die offenbar ohne integrierten Entzerrer besser funktioniert. Der nuConnect ampX dankt dies mit einer brummfreien, sauberen und fast schon analog klingenden Musikwiedergabe, die ihn in Verbindung mit dem Ortophon Vinylmaster Silver und dem integrierten RIAA-Entzerrer zur Hochform auflaufen lässt. Das Ergebnis überzeugt mit einem fast schon analog wirkenden Klangcharakter, dem man gerne zuhört.

Auch digital mit hochauflösender Musik weiß der nuConnect ampX zu gefallen, zumal er in Verbindung mit dem Lintech AirLino+ fast schon zu gut ist. Internet-Radiosender in mäßiger Qualität entlarvt er ebenso schonungslos, wie schlechte Stream-Qualitäten. Dabei liefert das Gespann zwar nicht ganz die Präzision der nuPro X-8000, was aufgrund der analogen Signalverarbeitung im Lautsprecher auch nicht überrascht. Aus Studiosicht ist das zwar weniger optimal, zum Musikhören allerdings sehr angenehm und der Spaßfaktor überwiegt. Verantwortlich zeichnet dafür aber nicht der nuConnect ampX, der einfach Digitalsignale analog wandelt und verstärkt, sondern die nuLine 264. Das sind eben ehrliche Lautsprecher, die zum Musikhören konzipiert sind und vom nuConnect ampX dafür adäquat unterstützt werden. Wem diese zu klein oder zu groß sind, wählt eben andere Boxen und muss somit auf nichts verzichten oder ergänzt einfach vorhandenen nuPros.

Fazit

Der nuConnect ampX von Nubert Elektronik ist ein wahrer Tausendsassa und daher sehr wandlungsfähig. Ob als drahtlose Steuerzentrale für ein nuPro-Setup, als klassischer Vollverstärker oder Antrieb für Hörzonen, kann er sogar als Mono-Block mit Bi-Wiring nur einen Lautsprecher antreiben. So eine Flexibilität in Verbindung mit modernster Bluetooth-Technik mit aptX-HD und AAC ist mir noch nicht untergekommen. So muss man lange suchen, bis man den Fehler findet, ich habe zumindest keinen gefunden. Vielleicht das gedrungene Anschlussfeld oder das die USB-Spannung nicht im Standby-Modus abgeschaltet wird, was angesichts des technischen Gegenwerts zu verschmerzen ist. Dafür wird der Käufer mit kompakter Digitaltechnik belohnt, die sich dem schlechten Ruf nach Kälte und sterilem Klang nicht aussetzen muss. Nubert hat alles richtig gemacht und das zu einem attraktiven Preis.

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