Roland TR-808, Yamaha DX7 und Korg M1, die besten Instrumente, die Musikgeschichte schrieben

Letzte Aktualisierung am 17. Januar 2020

Schon immer hatte ich ein Faible für Synthesizer, Orgeln und elektronische Schlagzeuge, Begleitautomaten, Expander und Sequenzer. Besonders die analogen Kisten können auf wundersame Weise organischer klingen, als es die elektronische Musik abseits des Computers vermuten lässt. Modularsysteme sind dabei ein begeisterndes Fass ohne Boden und verschlingen viel Zeit, Raum und vor Allem Geld, weshalb ich diesbezüglich sehr kompromissbereit bin. Für mich ist klar, dass mir ein Stück limitierte Hardware mehr Spaß bereitet, als unzählige Software-Instrumente mit ihren unbegrenzten Möglichkeiten. Natürlich geht es in der kommerziellen Musikproduktion nicht ohne und Samples tun ihr Übriges dazu. Trotzdem hat die Analogtechnik oder die digitale Rekonstruktion ihren Reiz, das zeigen auch die großen Hersteller. Die gehen allerdings unterschiedlich vor, so beschränkt sich Roland auf die Reproduktion alter Klassiker, während Korg schon 2004 angefangen hat, die Klassiker in Software zu gießen. Korg leutete mit dem Monotron das neue Analog-Zeitalter ein und die günstigen Folca-Produkte sind ein Verkaufsschlager. Yamaha war auch nicht untätig und hat immerhin vier Keyboards als Rekonstruktion von Orgel, FM-Synthesizer, Klavier und der CS-Serie im Angebot.

Trotzdem ist die Software eine gute und günstige Möglichkeit, sich im Fundus alter Klänge zu bedienen. Ob Korg MS-20, PolySix, Mono/Poly, M1, Wavestation, TRITON, Casio CZ-5000, Roland Sound Canvas, PPG Wave, Novation Bass-Station, all diese Instrumente habe ich als Software und hätte mir diese im Original nicht leisten können. Heute übrigens auch nicht, denn der Gebrauchtmarkt ist nicht sehr leicht zu durchschauen. In diesem Artikel geht es um die alten Klassiker, hauptsächlich aus den 80er Jahren. Das war die Zeit der Experimente und der Eigenständigkeit verschiedener Konzepte. Schließlich dominierte das Sampling und als die Zeit der knarzenden Digitaltechnik vorüber war, gab es auch neue Entwicklungen. Während man jedoch früher manche Sounds über Jahre in fast jedem Chart-Erfolg gehört hat, war das in den 90ern etwas anders und von daher auch unübersichtlicher. Somit sei mir an dieser Stelle verziehen, dass ich bestimmt auch manches Highlight übersehe. Dafür gibt es viel zu lesen, Verweise auf Artikel bei AMAZONA.de und Videos bei YouTube und ich kann jetzt schon versprechen, Ihr werdet alle genannten Instrumente kennen und künftig vielleicht auch wiedererkennen.

Die Boutique-Serie von Roland

Roland Boutique-Serie

Das Thema interessiert mich aktuell auch wegen meiner Roland MC-707, der ich den Roland D-05 zur Seite gestellt habe. Das 16stimmige Original ist der Roland D-50 und wurde im Jahr 1987 vorgestellt und befand sich im Musikraum meiner damaligen Schule. Ich hatte die Möglichkeit mich mit ihm näher zu befassen und so war er neben dem Korg DW-8000 der zweite Synthesizer, der mich begeistert hat. Die Boutique-Serie umfasst viele Reinkarnationen klassischer Roland-Synthesizer und Drumcomputer, denn mit Fug und Recht haben diese Instrumente die Musik ebenfalls positiv beeinflusst. Es handelt sich mit Ausnahme des Roland SE-02 um digitale Reproduktionen, die auf die ACB-Synthese setzen und die analogen Schaltkreise simulieren. Der D-05 ist allerdings ein digitaler Nachkomme eines digitalen Instruments, Roland spricht hier von DCB, das steht für “Digital Circuit Behaviour”, nun gut, das Marketing will auch beschäftigt werden. Neu ist der D-05, wie übrigens viele der seit 2015 erhältlichen Instrumente, nicht mehr zu kriegen. Hier im Dock K-25m, das +ber 25 Mini-Tasten mit Anschlagsdynamik verfügt.

Die anderen Instrumente stecken im Dock DK-01 ohne Keyboard, wie der Roland JU-06A darüber, ein Nachfolger des JU-06 aus 2015. Er emuliert gleich zwei Instrumente, den JUNO-60 und JUNO-106. Darüber hinaus gibt es aktuell noch den SH-01A, ein Abbild des SH-101 Umhänge-Synthesizer und die TB-03 als Nachkomme der TB-303 aus der Acid-Zeit. Die Boutique-Instrumente sind rund 30 cm breit und die Roland TR-08 ist der zweite Klopfgeist, die TR-09 als Reinkarnation der TR-909 ist ebenfalls nicht mehr lieferbar. Das macht auch nichts, denn sie ist eigentlich nur teilanalog und die TR-08 für mich das spannendere Instrument. Bleiben wir zunächst bei den Klopfgeistern und starten im Jahr 1978.

Roland CR-78

Rhythmusgeräte wurden damals eher mit Rumba, Cha-Cha-Cha, Walzer, Tango und Alleinunterhaltern in Verbindung gebracht, die ihr Spiel begleiten lassen wollten. Eingebaut in Orgeln und eigenständig als Modul boten sie fertige Rhythmen, deren einzige Variationsmöglichkeit neben dem Fill-In durch das Drücken mehrerer Tasten gleichzeitig entstand. Kraftwerk und die elektronische Musik als eigenständiges Genre vernachlässige ich an dieser Stelle, denn sie bauten eigene Instrumente und experimentierten früh mit Analog-Sounds und Klängen. Sampling gab es noch nicht oder nur in riesigen Trümmern, weshalb die Trommeln und Schlaginstrumente im Zuge der subtraktiven Synthese entstanden. Oszillatoren mit verschiedenen Wellenformen, Filter, Hüllkurven und Rauschgeneratoren wurden so verschaltet, dass es sich zumindest so ähnlich wie ein Schlagzeug angehört hat.

Die CR-78 CompuRythm von Roland machte einiges anders. Zwar basiert sie auch auf der analogen Klangerzeugung, war jedoch die erste mikroprozessorgesteuerte und somit programmierbare Rhythmusmaschine. Ob “Heart of Glass” von Blondie, “Fade to Grey” von Visage oder das Intro von “In the Air Tonight” von Phil Collins bietet sie mit ihrem eigenständigen Sound einen hohen Wiedererkennungswert. Carsten Bohn hat sie ebenfalls eingesetzt, beispielsweise in den 83er-Titeln der Hörspielmusik. Hier gibt es den zugehörigen Artikel bei AMAZONA.de.

Roland TR-808

Ähnliches Konzept, aber frei programmierbar und bis heute eine Legende, wurde sie im Jahr 1980 vorgestellt. Während die CR-78 Drummer hat um ihren Arbeitsplatz fürchten lassen, klingt die TR-808 so rein gar nicht nach echtem Schlagzeug, dafür irgendwie anders und modern. Ohne sie hätte es Genres wie Rap, Hip-Hop und einiges mehr wohl nicht oder erst später gegeben. Besonders die typische Bassdrum mit dem langen Decay, der bassreichen Ausschwingzeit, war prägend und hat sämtliche Kofferräume scheppern lassen. Während man viele der Analog-Sounds kopiert und selten erreicht hat, ist die Cowbell der wohl eigenständigste Klang, den gibt es nur in diesem Klopfgeist. Hier unser sehr schöner und liebevoller Artikel.

Selbst einen ganzen Film hat man der TR-808 gewidmet, es folgte die kleinere TR-606 mit einem ähnlichen Klangcharakter, aber auch weniger Ausstattung. Hier der zugehörige Artikel.

Roland TR-909

Techno und moderne Tanzmusik, Rick Astley und Stock Aitken Waterman hätten es wohl wesentlich schwieriger gehabt. Wie auch die TR-808 dominierte das 1984 vorgestellte Instrument die Charts mit ihrem markanten Sound bis weit in die 90er hinein, hier unser Artikel. Dabei kombiniert sie analoge und digitale Klangerzeugung, Hi-Hat und Becken sind 6-Bit-Samples und der Rest der 10 Schlagzeuginstrumente werden analog erzeugt.

Roland TB-303

Im Zuge der TR-909 muss man auch den silbernen TB-303 Bass-Synthesizer mit analoger Klangerzeugung erwähnen. Damals im Jahr 1984 ein richtiger Flopp, der Ladenhüter wurde regelrecht verramscht. Was er nämlich überhaupt nicht konnte, war einen authentischen Bass simulieren, dafür aber Quietschen und knarzen. Das änderte sich Ende der 80er Jahre, als man in Detroit mit Acid und Techno eine vollkommen neue Musikrichtung erschuf, die nicht für jedes Ohr geeignet war. Die Gebrauchtpreise Ende der 90er Jahre für eine TB-303 stiegen ins Unermessliche und hätte ich das geahnt, wäre ich wohl durch Deutschland gereist und hätte alle Lagerbestände aufgekauft. Der Neupreis lag damals bei rund 400 Mark, die Geräte wurden für um 150 Mark schlussendlich verkauft. Wie auch TR-808 und TR-909 wurden später vierstellige Summen dafür bezahlt, wie in unserer Geschichte nachzulesen ist.

Roger Linn LinnDrum

Roland hatte allerdings ein Problem, denn auch die TR-909 klingt nicht wie ein Schlagzeug, hier waren andere Hersteller weiter. Roger Linn brachte bereits 1980 mit der LM-1 den ersten Drumcomputer auf den Markt, der auf Samples basierte und beispielsweise von Michael Jackson eingesetzt wurde. Das Nachfolgemodell war die LinnDrum, ebenfalls ein Verkaufsschlager und in vielen Pop-Songs zu hören, wie in “Tonight, Tonight, Tonight” von Genesis oder “Thriller” von Michael Jackson, hier der Artikel.

Roland TR-707

Nach der TR-909 folgte im Jahr 1985 die TR-707 mit der TR-727. Die TR-707 klingt wesentlich naturgetreuer als die TR-909, die TR-727 fokussiert sich auf perkussive Klänge. Die noch kleinere TR-505, die ich später von meinem Cousin Carsten übernahm, war wieder eher ein Instrument für Alleinunterhalter. Hier gibt es den Artikel zur TR-707 und hier meine persönliche Erinnerung an die TR-505.

Korg DDD-1

Besonders in der Volksmusik brauchte man noch nicht den heutigen Schlager-Sound, sondern eher weiche, stimmige Schlagzeugklänge, hier setzten viele auf den Korg DDD-1. Ein sample-basierter Drumcomputer mit Erweiterungsmöglichkeiten, der Ende der 80er Jahre auf den Markt kam, hier unser Artikel. Ich selbst hatte den Korg DDM-110, der in seiner Funjktionalität sehr eingeschränkt war, wie in meinem Artikel zu lesen ist.

Yamaha RX7

Yamaha war natürlich auch nicht untätig und stellte 1985 den RX7 und eine Reihe weiterer Modelle vor, der mehr als nur ein Schlagzeug waar, wie hier zu lesen ist. In den 90er Jahren wurde es ruhiger, was auch den Workstations geschuldet war, die schlussendlich selbst viele Drum-Sounds enthielten. So sind heutige Drumcomputer, wie der Alesis SR-18, wieder etwas zur musikalischen Begleitung und klanglich auch recht weit vorne.

PPG Wave 2.2

Kommen wir nun zu den digitalen Synthesizern, die sich von Workstations dahin gehend unterscheiden, dass sie keinen Sequenzer zur Aufzeichnung kompletter Arrangements und auch keine Schlagzeug-Sounds enthalten. Man setzte sie live im Bühnen-Kontext ein oder im Studio, dann per MIDI synchronisiert. Um die Übersicht nicht zu verlieren, vernachlässige ich die analogen Instrumente und steige mit dem PPG Wave 2.2 ein. Dieser kam 1982 auf den Markt und kann durchaus als erster digitaler Klangerzeuger gelten, denn erstmals basieren die Oszillatoren nicht auf den typischen Wellenformen, wie Dreieck, Sägezahn und Rechteck, sondern liefert ganz eigene, obertonreiche Klänge. Wie Synthesizer in dieser Zeit sollten sie nicht futuristisch klingen, sondern dem Künstler ein Repertoire an Naturinstrumenten mit auf die Bühne geben. Heute wissen wir, dass dies nur mäßig gelang und auch zu gewissen Eigenständigkeiten führte, so gab es plötzlich einen ganz anderen, nie gekannten Sound. Das gilt auch für den PPG Wave 2.2, wie in diesem Artikel zu lesen ist.

Yamaha DX7

Ein Jahr später gelang Yamaha mit dem DX7 und der Frequenzmodulation ein überraschender Erfolg, der bis heute anhält. Das bekannte E-Piano sollte eigentlich ein elektromechanisches Klavier simulieren, entwickelte sich aber als so eigenständig, dass man es in ähnlich klingender Form auch in fast allen Instrumenten bis heute wiederfindet. Dabei war der DX7 mit dem kleinen Display so umständlich zu programmieren, dass viele das Potential der Frequenzmodulation nicht ausschöpften und so waren die Presets über Jahre ein Segen auf der Bühne und im Studio. Das ist schade, denn durch die schnelle Veränderung der Tonfrequenz wurden sehr obertonreiche und eigenständige Klänge erzeugt, die man in den 90er Jahren in jeder PC-Soundkarte vorfinden konnte. Viele hätten wohl damals nicht vermutet, dass der wesentlich organisch klingendere DX7 mit sechs statt vier Operatoren deren Vorfahre ist. An dieser Stelle sei noch angemerkt, dass es die meisten Instrumente auch ohne Tastatur für den reinen Studioeinsatz gab. So prägten DX7 und die Rack-Version TX7 bis heute die Pop-Musik und ist unmittelbar verknüpft mit Whitney Houston. Die spannende Geschichte einer Legende gibt es hier.

Korg DW-8000

Allerdings hatten viele Synthesizer einen Nachteil, denn so brauchte auch der DX7 ein nachgeschaltetes Hallgerät, ansonsten klingt er steril und platt. Von Korg kam mit dem DW-8000 der erste Synthesizer mit integriertem Halleffekt, dessen Wellenformen zwar digital erzeugt wurden, die Filter jedoch analog nachgeschaltet waren. Dieser Synthesizer wurde über Parameterlisten programmiert und war in der Struktur sehr einfach aufgebaut. Der microKORG erinnert noch an dieses Konzept, zumal auch die DWGS-Wellenformen dem DX7 den Rang ablaufen sollten. Sie basieren auf Naturinstrumenten und konnten mit Hüllkurven geformt werden. Oszillator 2 nutzte hingegen klassische Wellenformen und so war es möglich, recht realistische Klänge zu erstellen, hier unser Artikel.

Roland D-50

Auch Roland war nicht untätig und so ging der Kelch 1987 an den D-50 über, der mit der “Linear Arithmetic Synthesis” einen ganz neuen Ansatz verfolgte. Man ging davon aus, dass das Einschwingverhalten für unser Gehör wichtiger ist, als die spätere Klangformung und bestückte das Instrument mit kurzen Attack-Samples. Speicherplatz war teuer und knapp, trotzdem konnte das Instrument auf der Musikmesse 1987 überraschen und war plötzlich omnipräsent in den Charts. Vor Allem die glockigen Sounds der Flippers und anderer volkstümlicher Musik gehören zur Standardausstattung eines Entertainer-Keyboards. Dabei gilt wie für den DX7, dass der D-50 wesentlich mehr auf dem Kasten hat und übrigens auch Grundlage für die späteren Arranger von Roland wurde, aber selbst der Nachfolger D-70 ist trotz Super-LA-Synthese ein voollkommen anders klingendes Instrument, unseren Artikel gibt es hier.

Korg M1

Der Erfolg des D-50 hielt allerdings nicht lange an, denn ein Jahr später krämpelte Korg den Markt mit der Synthesizer-Workstation M1 kräftig um. Sie war zwar nicht die erste ihrer Art, wie unsere Geschichte der Music-Workstations zeigt, dafür aber kompakt und mit einem Preis von rund 4.000 Mark vergleichsweise günstig. Angeblich wurden bis ins Jahr 1995 rund 250.000 Exemplare gebaut. Durch Sampling konnte sie auch Schlagzeug und vor Allem verschiedene Sounds zur selben Zeit spielen. So ließen sich mit dem Sequenzer ganze Musikstücke arrangieren, das freute die neuen Musikstile, die sich im Bereich von Techno und Dance entwickelten und das House-Piano ist eines der markanten Sounds. Chöre, Streicher und glockige Klänge hörte man bei Depeche Mode und eigentlich allem, was Rang und Namen hatt. Das Konzept wurde später in der TRINITY und dem TRITON fortgeführt, letzterer ist bis heute noch ein gefragtes Instrument, hier unser Artikel zur Korg M1.

 

Oft wird sie auch als die erste Workstation überhaupt bezeichnet, das stimmt jedoch nicht ganz, .

 

 

Korg WAVESTATION

Sampling war nun möglich und Speicher wurde langsam bezahlbar, so konnten sich Synthesizer fortan wieder darauf beschränken, neue Klänge zu formen. Die WAVESTATION von Korg wurde von Dave Smith entwickelt, der mit seiner Prophet-Serie am Markt nicht überleben konnte und basierte ebenfalls auf Sampling, aber auf polyrhythmische Klänge. Das Schichten und Formen schaffte ganz neuartige Flächen, rhythmische, hauchende und perkussive Sounds, die eigenständig klangen. Allerdings nicht ganz, so erinnern viele Waves an D-50, DX7 und andere Vertreter vergangener Jahre. Ganz aktuell hat Korg auf der NAMM 2020 der WAVESTATE vorgestellt, die das Konzept von damals auf Wave-Synthesis 2.0 erweitern soll. Während Roland mit dem JUPITER-Xm auf alte Konzepte setzt und der JD-Xa zwar ein schönes, wenn auch wieder in die Analogrichtung tendierendes Instrument ist, liefert Korg hingegen einen ganz anderen und sehr spannenden Ansatz. Alles Weitere zur WAVESTATION steht in diesem Artikel.

Yamaha VP1

Stolze 70.000 Mark musste man für diesen auf der NAMM SHOW 1994 vorgestellten Synthesizer hinlegen. Das Stichwort heißt “Physical Modelling” und damit war erstaunliches möglich. Rechenleistung war vorhanden, aber teuer und das rechtfertigte den hohen Preis. Dem VP-1 ging es nicht nur darum, Instrumente authentisch zu reproduzieren, sondern auch fantastisch zu verändern. Wie wäre es beispielsweise mit einem angeblasenen Klavier oder einer gestrichenen Trompete? Das alles ist mit dem VP-1 möglich und in dieser Story niedergeschrieben. Das Prinzip beruht auf einem DSP, der die physikalischen Eigenschaften von Instrumenten nicht nur nachbildet, sondern auch flexibel kombinieren lässt, eben modelliert. Der kleinere VL1 kostete übrigens nur 10.000 DM, wie hier zu lesen ist.

QUASIMIDI THE RAVEN

In Deutschland gab es auch spannende Ansätze, beispielsweise die Instrumente von QUASIMIDI, die in vielen Songs von SNAP! zu hören sind. “THE RAVEN” wurde 1996 vorgestellt und war ein bezahlbarer Groove-Synthesizer, mit dessen Sequenzer man sehr einfach Dance-Tracks erstellen konnte und es sich somit an Einsteiger gerichtet hat. QUASIMIDI existierte nur wenige Jahre und die Instrumente waren technisch nicht ganz auf der Höhe der Zeit, auch trug der günstige Verkaufspreis nicht wirklich zur Haltbarkeit bei. Hier unser Artikel zum RAVEN.

Novation Nova-Serie

Eines vieler Highlights aus den 90er Jahren ist die Nova-Serie von Novation. Digitale Synthesizer, die ihrer Zeit voraus waren und auf Namen wie SuperNova hört, heute noch als Ultra- und MiniNova erhältlich hörte man sie in vielen Dance-Tracks Ende der 90er Jahre, hier der Artikel. Dieser Synthesizer klingt besonders edel und kann sowohl massive Flächen legen, als auch glockige Orgel-Sounds und auch Vintage. So verwundert nicht, dass eine limitierte Sonderversion als MorroderNova zahlreiche Signature-Sounds von Giorgio Morroder enthielt.

Fairlight CMI, Emulator II und Synclavier

Nicht außer Acht lassen möchte ich die vielleicht ersten Sampling-Workstations aus der Frühzeit, die sich jedoch kaum jemand leisten konnte.

Von Peter Vogels aus Neuseeland kam der Fairlight CMI, von Peter Gabriel und Kate Bush unter anderem eingesetzt. Ein sehr aufwendiger Musicomputer, den man in den besten Studios der Welt fand, wie in diesem Artikel nachzulesen ist.

Das NED Synclavier war der Konkurrent und ähnlich teuer. Technisch aufwendig übrigens auf, wie hier nachzulesen ist.

Der E-Mu Emulator ist auch ein wichtiges Sampling-Keyboard und muss entsprechend Erwähnung finden, denn was wäre Enigma ohne das bekannte Shakuhachi-Sample und die Computerspiele ohne den SoundBlaster, so ging E-Mu in Creative Labs später auf. Hier der Artikel zum Emulator II. Er hatte übrigens Konkurrenz in Form der Akai MPC 60 und der S-Serie, allerdings erst in den 90er Jahren.

Zum Schluss darf natürlich der Kurzweil K250 nicht fehlen, dessen Nachfolger in den 90er Jahren beispielsweise von Matthias Reim eingesetzt wurde. Der Legende nach hat Ray Kurzweil, der inzwischen für Google arbeitet, für Stevie Wonder mit dem Kurzweil Personal Reader das erste Vorlesesystem entwickelt. Auch hierüber gibt es natürlich einen Vintage-Artikel. Besonders dabei im heutigen Speicher-Wahn ist, dass diese Instrumente bei vergleichsweise wenig Speicher von nur einigen Megabytes auch heute noch gut klingen und daher in Studios nach wie vor zu finden sind, auch wegen der guten Tastaturen beim Kurzweil K2500 und Nachfolgern. Der Performance Controller PC4 wurde auf der NAMM 2019 vorgestellt und ist gleichermaßen Master-Keyboard, Controller und Sample-Player.

Fazit

Würde man mich nach dem spannendsten Jahrzehnt der elektronischen Musikgeschichte fragen, sind es für mich ganz klar die 80er Jahre. So viel Umbruch und Experimentieren gab es bis heute nicht, auch wenn der Trend durch leistungsstarke Rechner wieder in die Richtung geht. Dass man im Radio jedoch vorwiegend 80er-Hits spielt und sich die Hersteller auf ihre Meilensteine besinnen, bestätigt meinen Eindruck. Wen das genauer interessiert, sollte sich unsere Serie zum Thema elektronische Musikgeschichte durchlesen, hier geht es mit dem ersten Teil im Jahr 1900 los. Abschließend noch einige Übersichten zu den besten Synthesizern der verschiedenen Hersteller:

Sei der Erste, der das kommentiert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.