Spielkonsolen im Joystick-Format

Share this...
Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedIn

Retro-Gaming ist eine Sache, die mich auch heute noch fasziniert. Und das weiß auch mein Umfeld, so dass ich zu Weihnachten die thumbs UP! Retro-Spielkonsole geschenkt bekam. Ein eher unscheinbar kleiner Quader, der 200 Spiele beherbergt. Das ist aber nicht der erste Versuch dieser Art, auch die Spielkonsole Atari 2600 aus den 70ern wurde schon mal in einem Joystick vergossen und später auch der Commodore C64. Beide kaufte ich mir damals für rund 40 Euro, auch wenn die enthaltenen Spiele nicht die Gassenhauer von damals sind. Während der Commodore-Joystick gut umgesetzt wurde, hatte ich längst vergessen, wie schlecht das Pendant mit den Atari-Spielen war. Damals reichten offenbar Rechenleistung und Speicher nicht ganz aus, weshalb die Spiele zum Teil wenig originalgetreu sind. Das las ich damals auch in einem Artikel, hatte das aber längst wieder vergessen. Auch Nintendo hat jüngst seine Klassiker neu aufgelegt, die beiden Konsolen Nintendo Classic Mini bringen das NES mit 30 Spielen und das SNES mit 21 Spielen wieder zurück. Sie wurden ursprünglich für rund 70 Euro angeboten, die geringe Stückzahl und hohe Nachfrage ließen allerdings die Preise bis über 200 Euro ansteigen, weshalb sie für mich nicht interessant sind. Zu den Kosten gesellen sich noch ein notwendiges Netzteil, HDMI-Kabel und zweiter Controller, denn die Konsole wird nur mit einem Controller ohne Zubehör geliefert. Während Nintendo klassische Spiele im Shop der Vii anbietet, lassen sich die Neuauflagen nicht erweitern und so findet auch nicht jeder das Lieblingsspiel von damals wieder.

Der Mini-Joystick von thumbs UP! ist übrigens nicht der einzige seiner Art, der Hersteller bietet auch andere Varianten auch mit weniger Spielen an. Das kleine Gehäuse passt in die Hosentasche, wird mit drei Batterien betrieben und ist robust verarbeitet. Zwei Feuerknöpfe, ein Schalter auf der Rückseite und zwei kleine Tasten zum Zurücksetzen und Auswählen der Spiele sorgen für eine unkomplizierte Handhabung. Bei den 200 Titeln handelt es sich allerdings nicht um bekannte Klassiker, sondern zum Teil um Clones. Trotzdem ist die Qualität für diesen Preis recht gut und wer diese nicht mit Spielen von damals verbindet, kann sich sehr schön in die 8-Bit-Zeit einfühlen. Etwas aufpassen muss man allerdings, denn der Anschluss erfolgt über den analogen FBAS-Eingang am Fernsehgerät. Früher war das RCA-Trio gängig und befand sich zum schnellen Anschluss zumeist auf der Vorderseite, heute aber dominiert HDMI. Bei unserem LG 60LB870V werden die analogen Eingänge nur noch über Adapter realisiert, für moderne Fernsehgeräte mit 4K-Auflösung und UHD wird man sicher auf externe Adapter auf HDMI zurückgreifen müssen. Das beiliegende, recht lange Kabel wird über einen 2,5mm Klinkenstecker an der Konsole angeschlossen, das ist leider etwas suboptimal und beim Test zeigten sich auch kleinere Aussetzer.

Wer dennoch originale Titel spielen will, könnte am Ein-Platinen-Computer Raspberry Pi Gefallen finden. Vor Allem in Verbindung mit der Oberfläche RetroPie oder RecalBox, einem Gehäuse im Stil einer klassischen Konsole und den 8Bitdo Spielsteuerungen NES30 Pro und FC30 Pro gewinnt man das Feeling der alten Zeit zurück. Diese orientieren sich nämlich an den originalen Nintendo NES- bzw. FamiCom-Controllern der japanischen Version. Der Hersteller verspricht ein authentisches Spielgefühl, das wird in der Praxis auch gehalten. Trotz kompakter Abmessungen bieten die soliden Gamepads sogar vier Schultertasten und zwei klickbare Analog-Sticks, daher taugen sie auch für aktuelle Spieletitel. Wahlweise lassen sie sich über das mitgelieferte Flachbandkabel per USB oder drahtlos via Bluetooth verbinden. Die neueste Firmware-Version 4.01 erlaubt sogar das Koppeln mit dem iPhone, in den verschiedenen Betriebsmodi lassen sie sich sogar an mehreren Geräten nutzen, so auch an der neuen Konsole Nintendo Switch. 8Bitdo bietet auch Controller im Stil des Super Nintendo Entertainment System (SNES) und weitere Alternativen an. Wer lieber Spielautomaten-Klassiker zocken will, sollte sich den MAME-Emulator in Verbindung mit dem X-Arcade Tankstick anschauen. Dieser für zwei Spieler konzipierte, sehr wuchtige Joystick verfügt über einen Trackball und ist auch in einfacheren Versionen oder gar als kompletter Automat erhältlich. Die rund 200 Euro Anschaffungspreis werden durch eine extrem gute Verarbeitung, vielfältige Anschlussmöglichkeiten und lebenslange Garantie auf die Schalter relativiert.

Vorsicht geboten ist beim Download so genannter ROMs, der Abbilder alter Cartridge-Spiele. Hier greift nicht das Recht der Privatkopie, sondern es gelten die Bestimmungen für Softwareprodukte. So ist für Sicherheitszwecke eine Kopie auch von einem Cartridge erlaubt, das man allerdings besitzen muss. Für alte Spielautomaten ist dies schwer zu realisieren bis unmöglich, weil es die Geräte zum Teil nicht einmal mehr auf dem Gebrauchtmarkt gibt. Es ist in vielen Fällen nicht ganz klar, ob die Nutzungsrechte nicht an einen anderen Inhaber übertragen wurden. So tauchen die Namen noch in modernen Apps auf, wie Namco/Bandai, Konami, SEGA, Taito oder Atari. Auch wenn einige nicht mehr dem ursprünglichen Unternehmen gehören, sollte man davon ausgehen, dass die Rechte alter Spiele noch bestehen. Ein Beispiel sind die Titel Galaga und Galaxian von Namco, die es aktuell in einer überarbeiteten Fassung als App-Download gibt. Zwar gibt es meines Wissens keinen Fall, in welchem die Strafverfolgungsbehörden gegen die Emulator-Szene vorgegangen sind, bewegt man sich mit den Downloads in einer rechtlichen Grauzone. Allerdings gibt es auch viele zumeist einfachere Spiele, die von ihren Urhebern freigegeben wurden und sich auch sehr gut zum Testen von Emulatoren eignen. Nintendo fällt im Übrigen als aktiver Hersteller von Konsolen und Spielen ohnehin aus dem Rahmen.

Deine Meinung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.