Warum DAB+ das UKW-Radio nicht ersetzen kann

Letzte Aktualisierung am 27. März 2020

DSR, ADR, DAB und inzwischen auch DVB-T, alles Begriffe, die an einen Haufen Elektroschrott erinnern, mal sehen wie lange DAB+ durchhält. Diesmal ist allerdings vieles anders, der Druck der Lobby treibt die DAB+-Aira voran und diese feiert sich jährlich selbst mit den neuen Absatzzahlen von Digitalempfängern. Dabei zählt jedes Gerät mit, das den DAB+-Empfang ermöglicht, auch wenn es primär als Internet-Radio verkauft wird. Ob der Konsument tatsächlich DAB+ nutzt oder auf den Internet- oder UKW-Empfang ausweicht, weil sein Lieblingsprogramm, wie in meinem Fall, nicht über DAB+ ausgestrahlt wird, erwähnt man nicht.

Stattdessen stellt man die Vorteile der Rauschfreiheit und angeblichen CD-Qualität heraus und verschweigt, dass durch Prozessorstörungen oft unschöne Nebenprodukte erzeugt werden und sich die Auflösung unterhalb von der Qualität alter MP3-Dateien befindet. Ohnehin wird auch vergessen, dass bei jungen Menschen das Radio längst an Popularität verloren hat. Streaming-Dienste und Smartphones stellen eine unkomplizierte und noch dazu flexible Alternative dar, auch wenn der Radiogenuss durch die Datendrosselung über das Mobilfunknetz nur begrenzt möglich ist. Und dennoch liest man viele begeisterte Berichte, auch Lobeshymnen von HiFi-Enthusiasten, die jetzt endlich kristallklares Radiovergnügen erfahren wollen. Nur sind das dieselben Menschen, die MP3 damals verteufelt haben? Falls ja, ist dringend ein Besuch beim örtlichen Ohrenarzt anzuraten. DAB+ klingt nicht gut, kann es nämlich gar nicht. Die Gründe dafür werdet Ihr in diesem Beitrag erfahren. Am Schluss berichte ich auch über meine Erfahrungen mit zwei aktuellen DAB+-Radios.

Rückblick

Spricht man von der CD-Qualität, geht man von einem linearen PCM-Datenstrom aus, der eine Bitrate von rund 1,4 Mbit/s mit 16 Bit Wortbreite und 44,1 kHz Abtastfrequenz hat. Ausgehend von diesen Parametern, ist jedes Digitalradiosystem klanglich unterlegen. Als ich von Digital Audio Broadcasting – kurz DAB – das erste Mal Mitte der 90er Jahre erfuhr, gab es noch den Hersteller Blaupunkt in seiner Ursprungsform. Mit DAB sah man vor Allem den Autofahrer als potentielle Zielgruppe an. Immerhin war es das einzige System, das ohne aufwendige Empfangstechnik auskommt und somit auch den Bau mobiler Empfänger ermöglicht. Die Anfänge der Entwicklung reichen sogar bis in die 80er Jahre zurück. Das stationär nutzbare digitale Satellitenradio (DSR) startete im Jahr 1989 und wurde per Satellit über Kopernikus, TV SAT 2 und im Kabelnetz der Deutschen Telekom verteilt. Es arbeitete mit linearen PCM-Daten, die allerdings aufgrund der beschränkten Bandbreite auf 14 Bit bei 32 kHz in Dynamik und Frequenzgang begrenzt wurden. Neben dem Radiosignal wurden auch Textinformationen übertragen, auch konnten manche Radios die Klangeinstellungen zwischen Sprache und Musik automatisch umstellen. Das Nutzsignal lag bei rund 800 Kbit/s und lag klanglich fast auf dem Niveau der Audio-CD. 16 Sender wurden je Bouquet verteilt, durch die hohe Datenrate war die Senderanzahl ohnehin begrenzt. So verwunderten die Gerüchte nicht, dass DSR ohnehin nicht langfristig bestehen konnte und die Preise für DSR-Radios purzelten Mitte der 90er gewaltig. Beschlossen wurde die Abschaltung im Mai 1998, weil man die verwendeten Kabelkanäle S3 und S4 für die Erweiterung des analogen Fernsehempfangs brauchte. Die tatsächliche Abschaltung der letzten 16 Radiosender auf dem Kanal S2 erfolgte zum Jahreswechsel. Wohl einmalig bei einer obsoleten Technologie war, dass die Besitzer von DSR-Radios finanziell entschädigt wurden. Etwa 800 DM konnte man auf Antrag erhalten, das Gerät musste aber frühestens 1996 gekauft worden sein. Auch ich stellte diesen Antrag und erhielt auch eine Bestätigung mit der Höchstsumme, einen tatsächlichen Geldeingang kann ich allerdings bis heute nicht verzeichnen. Das ist auch nicht tragisch, weil mein damaliger Marantz-Tuner ST-83 ein Hybrid-Empfänger war. So kann das Gerät nicht nur DSR empfangen, sondern auch das analoge Kabelnetz und terrestrisches Radio über einen zweiten Antenneneingang. Bei unserem erhöhten Standort in Marburg konnte ich mit dem ST-83 über eine normale Wurfantenne sogar einige NDR-Programme in Stereo über den Harzer Sender Torfhaus hören, was mir mit anderen Radios nicht gelang. Möglich wurde dies durch einen Bandbreitenfilter, welcher die Großsignalfestigkeit verbessert hat.

Ganze 10 Jahre war DSR verfügbar und Nach der Abschaltung suchte ich eine digitale Alternative, zur Wahl standen das Astra Digital Radio (ADR) und Digital Video Broadcasting, das über Satellit als DVB-S und im Kabel als DVB-C verteilt wurde. Ich entschied mich aufgrund des noch vorhandenen Kabelanschlusses für MediaVision der Deutschen Telekom, das im Zusammenarbeit mit Premiere (heute Sky) DVB-C als digitales Fernseh- und Radiosystem anbot. Als Empfänger diente mir die zum Paket gehörende d-Box II, die von Sagem hergestellt wurde und über die Bouquets von ARD und ZDF-Digital ein ähnliches Senderangebot, wie zu DSR-Zeiten, zur Verfügung stellte. Allerdings nun im komprimierten MPEG-1 Layer 2-Format, auch als MP2-Codec bekannt, mit einer festen Bitrate von 192 Kbitt/s. Die Qualität liegt auf der Höhe von DAB+, das eine ähnliche Klangqualität bei geringerer Datenrate erreicht. Eigentlich wäre es konsequent, diesen Radiostandard auch im terrestrischen DVB-T anzubieten, dies hat man aber verpasst. Einzig in manchen Großstädten, wie in Berlin, blieb diese Möglichkeit als Pilotprojekt übrig. Vermutlich wusste man schon vorher um die Ausbreitungsprobleme im ländlichen Bereich, immerhin bietet jeder DVB-T-Receiver auch eine Radiofunktion, die somit weitgehend brach liegt.

Nachdem die Deutsche Telekom das Kabelnetz unter anderem an die Iesy Hessen GmbH (heute UnityMedia) verkauft hat, nahm der Ärger zu und die Qualität ab. Für mich war die Konsequenz nun der Umstieg auf Astra und die damit verbundene Anschaffung eines ADR-Tuners. Das Astra Digital Radio wurde 1995 auf der Internationalen Funkausstellung vorgestellt und zum 30. April 2012 abgeschaltet. Die Gründe dafür lagen in der Volldigitalisierung des Satellitenfernsehens, denn für ADR wurden die Unterträgerfrequenzen der analogen Sender genutzt. Wie bei DVB, erfolgte die Übertragung im Musicam-Verfahren mit dem MP2-Codec und einer identischen Bitrate. Als Empfänger diente mir ein Hybrid-Receiver von TechniSat, der neben ADR auch analoges Satellitenfernsehen empfangen konnte. Der Vorteil war die größere Senderauswahl, einschließlich NDR und Nordwerstradio, die bei DVB-S erst seit 2005 ebenso vielfältig war. Anfangs stand für ADR auch ein kostenpflichtiges Musikangebot zur Verfügung, das besonders von TechniSat stark vermarktet wurde. Für knapp 20 Mark erhielt man eine SmartCard und konnte verschlüsselte Spartenkanäle mit moderations- und werbefreier Musik hören, ähnlich wie die Mixe bei den Streaming-Diensten. Durch den fehlenden Rückkanal konnte der Abonnent natürlich keinen Einfluss auf die Playlist nehmen. Es ist mir nicht bekannt, wann dieses Angebot eingestellt wurde, dies war ohnehin nur mit speziellen Receivern nutzbar. Meiner hatte zumindest keinen Einschub für eine SmartCard, die reinen ADR-Receiver hingegen schon.

Parallel gewann das Internet durch DSL und drahtlose Router schnell an Bedeutung, so dass Internet-Radios langsam aufkamen und man auch heute mit dem Smartphone oder Computer ebenfalls eine breite Senderpalette empfangen kann. Auch entfällt die Einrichtung einer aufwendigen Empfangsanlage, weil das Internet omnipräsent ist. Und dennoch ist ein Empfang nur in Reichweite einer Basis möglich, unterwegs verhindern die Datendrosseln der Mobilfunkanbieter den Spaß. Und an dieser Stelle gewinnt DAB+ an Bedeutung, weil es der einzige unabhängig nutzbare digitale Radiostandard ist, über den wir heute verfügen. So weckten bereits im Jahr 2006 zwei DAB-Empfänger vom Hersteller Trinloc mein Interesse, die ich sogar in den Vertrieb aufnahm. Das Inspiration und Sinfonie waren Geräte der ersten Generation, der zusätzliche UKW-Teil machte sie zumindest relativ zukunftssicher. Und tatsächlich ließen sich hier rund 10 bis 15 Sender empfangen, allerdings die meisten Stationen nur in Mono. Doch dann wurde es still um DAB, das Aus stand kurz bevor. Fördergelder flossen und man machte Druck, den Ausbau möglichst in einer gesetzten Frist voran zu treiben. Sendeanstalten, Hersteller und Interessensverbände formierten sich zu einer starken Lobby, die als DRD Digitalradio Deutschland GmbH unter digitalradio.de unablässig die scheinbar unanfechtbaren Vorteile von DAB+ herausstellen und über die Aktivitäten des Vereins Digitalradio berichtet. Weiterhin gibt es noch die Betreibergesellschaften, die ihre UKW-Standorte auch digitalisieren möchten. Da lügt man dem geneigten Käufer auch gerne mal was in die Tasche, verteufelt das längst überlaufene UKW-Band und lockt mit Rauschfreiheit und CD-Qualität. Um mehr Sender auf weniger Bandbreite unterzubringen, wechselte man auf den HE-AAC-Codec und entwertete somit die ersten DAB-Radios, als DAB+ erfuhr diese Technik eine Renaissance. DAB-Empfänger ohne UKW-Teil wurden somit unbrauchbar und verkamen zum nächsten, nicht mehr genutzten Digitalstandard. Dass manche Fachleute DAB+ somit nur als Übergangs-Standard sehen, ist daher nur allzu verständlich.

Später kaufte ich mir das Dual DAB 4, das ich auch in einem früheren Podcast vorstellte. Das günstige Radio konnte mich aber nicht ganz begeistern, weil im Gegensatz zu UKW kein Empfang mit halb eingeschobener Antenne im Innenraum problemlos möglich war. Die meisten Sender interessierten mich nicht, der öffentlich-rechtliche Rundfunk war auf hr, DLF und D-Radio beschränkt. Als ich mich dabei ertappte, vorwiegend den UKW-Empfänger des DAB 4 zu nutzen und ohnehin den NDR weiterhin über das Internet beziehen musste, gab ich das Radio wieder weg und stellte fest, dass die Versprechungen weitgehend nicht eingehalten wurden. Der kristallklare Klang war nicht gegeben, da schon alleine das Netzteil des DAB 4 so störte, dass mit ihm kein DAB+-Empfang möglich war. Ein später ausgeliehenes und mit knapp unter 300 Euro recht teures WFR-29D von Sangean hat derartige Prozessorstörungen erzeugt, wogegen das UKW-Rauschen schon fast beruhigend wirkt. Immerhin beherrscht es neben DAB+ auch den Empfang via UKW und Internet-Radio, auch Musik-Streaming ist damit möglich. Das Nachfolgemodell WFR-29C hat sogar ein Farbdisplay und zeigt auch SlideShows und Cover der Sender an. Da ich im Haus ohnehin mit Internet-Radio eine größere Sendervielfalt erreiche, hakte ich nach diesen Erfahrungen DAB+ etwa fünf Jahre für mich ab.

DAB+ vs. UKW

Wenn man einen ordentlichen UKW-Tuner und ein halbwegs vernünftiges DAB+-Radio nebeneinander stellt, bietet DAB+ keineswegs CD-Qualität. Natürlich ist der UKW-Empfang auch nicht ohne Tadel, aber er hat sich bewährt. Wer ein 60 Jahre altes Radio besitzt, wird es heute noch nutzen können, ein 10 Jahre altes DAB-Radio kann man ohne UKW-Empfänger hingegen entsorgen. Dieses Schicksal teilen sie sich mit dutzenden analogen Sat- und DVB-T-Receivern, aber aufgrund der begrenzten Haltbarkeit von Satelliten ist ein Technologiewechsel hier noch nachvollziehbar. Die Vergangenheit zeigt jedenfalls, dass bislang jeder Digitalstandard irgendwann obsolet wurde und auch die Veränderungen bei DAB neue Empfänger erforderlich machten. Was kommt morgen, wer garantiert mir, dass ich ein heute gekauftes Radio bis zum Ende seiner Nutzungszeit problemlos verwenden kann? Selbst ältere Internet-Radios verlieren ihre Funktionsfähigkeit, wenn der Server zum Update der Senderlisten nicht mehr existiert oder ein nicht implementierter Wi-Fi-Standard die Verbindung zum neuen Router nicht mehr ermöglicht.

In diesem Punkt ist das analoge, terrestrische Radio überlegen, auch wenn man den hohen Energiebedarf der Sendestationen und das überlaufene 4 Meter-Band in Verbindung mit dem geringen Dynamikumfang und hohem Rauschen moniert. Dabei wird nicht berücksichtigt, dass ein DAB+-Empfänger prinzipbedingt mehr Energie benötigt, als ein analoges Radio, auch die Entsorgung der Altgeräte fällt nicht in die Bilanz. Wenn man in Deutschland heute, wie aktuell in Norwegen, die UKW-Aussendung abschalten würde, wären wahrscheinlich Milliarden Radioempfänger weitgehend nutzlos. Auch das Argument des geringeren Grundrauschens ist nicht haltbar, denn davon sind übliche Mono-Radios nicht betroffen. Die analoge FM-Übertragung bringt Störungen hauptsächlich dann mit, wenn das Stereosignal zu schwach ist oder dem Empfänger eine gute Trennschärfe fehlt. Die Demodulation des Seitenbandes sorgt für Überlagerungen, die als gegenphasiges Rauschen auffallen. Das Stereosignal wird mit der M/S-Stereophonie erzeugt, eine Trägerfrequenz liefert das Nutzsignal und das Stereobild wird über das Seitenband generiert. Der Vorteil liegt darin, dass bei Überlagerung dieser beiden Signale keine Phasenverschiebungen auftreten und es deshalb bei Mono- und Stereo-Empfang gleich gut klingt. Der Stereo-Ton wird dadurch erzeugt, dass das Seitenband dem linken Kanal phasenrichtig und dem rechten Kanal phasenverkehrt beigemischt wird und die dadurch erzeugte Auslöschung auf beiden Kanälen die Stereoabbildung erzeugt. Erfolgt keine einseitige Phasendrehung, bleibt das Signal Mono und phasenrichtig. Ich habe diesen Effekt im Podcast 68 zum Zoom H2n demonstriert. Es können allerdings bei analogen Stereo-Empfängern tatsächlich Pfeifstörungen durch die zweite Demodulation auftreten, die das Seitenband entkoppelt. Diese fallen jedoch häufig geringer aus, als die Prozessorstörungen bei einfachen DAB+-Radios.

Neben der Rauschfreiheit und CD-Qualität, wird auch die Senderauswahl als Vorteil herausgestellt. Dies mag im städtischen Bereich zutreffen, in meinem Wohnort werden mir rund 40 Sender angeboten. Über UKW hingegen empfange ich Sender, die hier entweder nicht mehr, oder noch nie, über DAB+ ausgestrahlt wurden, von einem Ersatz kann also daher keine Rede sein. Im Bundes-Mux, wie der deutschlandweit empfangbare Multiplex heißt, dem auch noch ein zweiter folgen soll, findet sich fast kein Sender, den ich über UKW je vermisst hätte. Regional hingegen werde ich auf Hessen beschränkt, kein WDR, BR oder NDR, die ebenfalls zum Teil gut über UKW zu empfangen sind. Bösartig könnte man diese Einschränkung als bewusste Manipulation der Informationsfreiheit betrachten, denn nicht mein Empfangsgerät entscheidet über die Sendervielfalt, sondern der Betreiber. Vielleicht ist es wie beim UKW-Empfang auch möglich, mit einer Dachantenne deutlich mehr Sender zu empfangen.

Ein weiterer Vorteil von DAB+ liegt übrigens in den begleitenden Informationen, die im Display angezeigt werden. Diese sind strukturiert und Geräte mit Farbdisplay können zusätzliche Bildinformationen, wie Cover oder Senderlogo, darstellen, die MOD SlideShow wird auch als SLS bezeichnet. Die Bildformate JPG und PNG werden je nach Sender eingesetzt, manche Chips zeigen allerdings nicht beide Formate an. In diesem Fall bleibt die SLS-Information aus. Auch Texte als Laufschrift werden eingeblendet, dies wird für Informationen zum aktuell gespielten Titel, oder auch für Begleitinformationen und Nachrichten genutzt. Bei UKW ist dies über das Radio Data System (RDS) und den Radiotext zwar auch möglich, jedoch etwas eingeschränkt. RDS zeigt den Sendernamen und Programmtyp an (PTY), mit Radiotext werden als Laufschrift Wetterdaten, Verkehrsmeldungen oder Titelinformationen übermittelt. Neben der Lautstärkeanpassung für Verkehrsfunk, wurden auch alternative Senderfrequenzen übertragen, so dass das Radio bei schwächer werdendem Empfang die Frequenz automatisch wechselt. Die teuren Autoradios von Blaupunkt mit Twin-Tuner konnten im Hintergrund die Alternativfrequenzen mit dem zweiten Tuner überwachen und nahtlos umschalten. Radiotext ist jedoch nicht in allen RDS-Tunern verfügbar. Aus diesem Grund verwenden manche Stationen den eigentlichen Sendernamen zur Anzeige von wechselnden Informationen, wie Wetter oder Studio-Hotline. Das hat den Vorteil, dass der Hörer nicht explizit auf Radiotext umschalten muss. Dafür wird beim automatischen Suchlauf statt des eigentlichen Sendernamens ein momentan angezeigter Begriff gespeichert, wie “SONNE” oder “HOTLINE”.

Die Technik hinter Digital Audio Broadcasting

DAB+ ist übrigens kein eigener Standard und lediglich eine Marke, welche die Übertragung mit dem HE-AAC-Codec in der zweiten Version bezeichnet. Da dieser Übertragungsstandard von fast allen Sendern genutzt wird, sind nur als mit DAB+ bezeichnete Empfänger zum deutschen System vollständig kompatibel. Meine ersten beiden DAB-Radios wurden also auch wieder durch obsolete Technik in ihrer Funktion eingeschränkt, denn den HE-AAC-Codec enthalten sie nämlich nicht. Wie erwähnt reichen die Anfänge von DAB bereits bis in die 80er Jahre zurück. In Stockholm entschied man sich 1986 für die Errichtung eines digitalen Hörfunksystems, an dem auch das DLR (Deutsche Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt) unter Einbeziehung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten beteiligt war. Die ursprünglich eingesetzten Codecs wurden aktualisiert, als Frequenzbereich wird in Deutschland das DAB-Band III von 174-240 MHz genutzt. Die Aufteilung der DAB+-Sender erfolgt in Blöcken, die Signalzusammensetzung ist relativ kompliziert und die Audiodaten werden in einem für die Echtzeit-Wiedergabe geeigneten Codec übertragen. Und genau hier liegen die Probleme, denn als Standard wird in Deutschland der HE-AAC-Codec bis 160 Kbit/s verwendet. Das unterschreitet die MP3-Qualität von 320 Kbit/s, wie man sie üblicherweise im Download erhält und hat mit CD-Qualität nichts zu tun. Auch konnte ich nur NettoDatenraten von 80 bis 120 Kbit/s in der Praxis erreichen. Ein Blubbern und Gurgeln ist stets hörbar und vor Allem bei der Nutzung von Kopfhörern störend. Der Klang lässt sich als starr und wenig räumlich beschreiben, das stört besonders bei Klassikaufnahmen und auch sind die zischelnden S-Laute nervig, die bei leisen Stimmen außerhalb der Stereo-Mitte auftreten. Beruhigend ist, dass die Artefakte bei der Mono-Wiedergabe weniger auffallen. Beim Ursprünglichen DAB-System wurden die Daten in das MP2-Format codiert, deren Rate bis zu 256 Kbit/s betragen konnte und somit dem DVB- und ADR-Standard theoretisch überlegen war. Der Codec ist allerdings betagt und es lassen sich mit dem HE-AAC-Codec bei geringerer Bitrate ähnlich gute Klangergebnisse erzielen. Nach meinem Eindruck könnte man im Vergleich zum MP3-Format ein Drittel der Datenrate einsparen, ohne dass sich die Qualität wesentlich verschlechtert, 192 Kbit/s wäre ein dafür allerdings ein minimaler Wert. Da aber das wirtschaftliche Interesse ein Maximum an Sender erfordert, wird die Bandbreite zu Gunsten der Anzahl beschnitten. Die aktuell genutzte Datenkompression ist einfach zu stark, das konnte ich für mich feststellen. Bei gleicher Bitrate sollte der modernere HE-AAC-Codec des Fraunhofer Instituts dem MP3-Format überlegen sein. Früher habe ich meine Musik auf den Nokia-Smartphones im HE-AAC-Format mit 64 Kbit/s gespeichert. Damals war das für mich ein brauchbarer Kompromiss zwischen Klangqualität und Speicherausnutzung, heute würde ich das so nicht mehr machen. Besonders bei Rockmusik mit E-Gitarren, die sehr viele Obertöne enthalten, gab es häufig stark hörbare Artefakte und Einbrüche im Stereobild. Dies hört man auch heute bei manchen Internet-Radiosendern, die ähnlich stark komprimieren. Im Vergleich zu Apple Music, das mit AAC bei 320 Kbit/s arbeitet, liegt DAB+ im unteren Drittel. Zu HE-AAC muss man weiterhin wissen, dass es ein dynamisches Kompressionsverfahren ist, das sich gut zum Streaming eignet. Während bei MP2 schon bei einem kurzen Signalabfall der Ton unmittelbar aussetzt, können DAB+-Geräte noch was retten, weil Signale mit hoher Fehlerrate noch decodiert werden können. Zumindest dann, wenn die Empfangsqualität wirklich gut ist, ansonsten reicht das Nutzsignal nicht für ein längeres Puffern aus. Dabei fällt  für den Moment die Tonqualität ab, im Umkehrschluss nimmt die Klangqualität zu, wenn das Signal stärker ist und die fehlerhaften Pakete abnehmen. In einem Test konnte ich einen Sender bei horizontaler Antennenausrichtung so gut empfangen, dass die Fehlerrate bei fast 0 lag. Aber trotzdem kam die Bitrate nicht über 120 Kbit/s hinaus und die Artefakte blieben hörbar. Bei Digitalradios spielt natürlich auch die Qualität der verwendeten D/A-Wandler eine Rolle, welche die Artefakte mehr oder weniger stark heraus stellen. Besonders negativ fällt mir auf, dass eine schlechte Kapselung der Bauteile in vielen gehörten DAB+-Radios Störungen verursachen, die das Rauschen bei UKW mitunter übertreffen. Das sind in Etwa Pfeifgeräusche, die vor Allem bei geringer Lautstärkeeinstellung auftreten können. Aber auch DAB+-Empfänger können durch Schaltnetzteile, LED-Leuchtmittel oder ähnliche hochfrequente Einstreuungen gestört werden, weil der Frequenzbereich im genutzten 2 Meter-Band hierfür etwas empfindlich ist.

Dual DAB 18 C

Das erste von mir getestete Radio trägt die Aufschrift Dual, dies hat allerdings nichts mehr mit dem Traditionsunternehmen aus dem Schwarzwald zu tun. Viel mehr wurden die Markenrechte von der DGC GmbH übernommen, die unter diesem Label Geräte aus China importiert. Die meisten dieser Importeure greifen auf Produkte von Frontier Silicon zurück, ein Hersteller, der vom DAB+-Chip, bis zum fertigen Internet-Radio, alles anbietet. Dabei scheint das DAB 18 C ein Komplettgerät zu sein, dessen Bedienung sehr eingängig ist und einen guten Klang abliefert. Trotzdem aber wirkt das glatte Gehäuse billiger, als der Preis vermuten lässt, das Lautsprechergitter sitzt nicht sauber im Gehäuse, die Stationstasten auf der Oberseite biegen sich in der Mitte durch. Das 2,8″ große TFT-Display zeigt SLS-Informationen, weshalb es mich besonders interessiert hat. Der Klang ist hingegen für ein Radio dieser Größe gut und an Sonderausstattung bietet es einen sehr komplexen Wecker und die dauerhafte Uhrzeitanzeige bei Netzbetrieb. Vier AA-Batterien oder das mitgelieferte Netzteil können zur Stromversorgung verwendet werden, die Bedienung erfolgt über die acht frontseitigen Tasten und einen Drehregler. Dabei erklärt sich die Bedienung fast von selbst, die acht Stationsspeicher werden durch langen Druck festgelegt. Nach dem initialen Einschalten sucht das Gerät nach DAB+-Sendern und auf Knopfdruck wird die Liste der empfangenen Stationen angezeigt. Das Menü ist kinderleicht zu bedienen, die Übersetzungen sind verständlich und der Wecker mit zwei unabhängigen Weckzeiten bedarf einer besonderen Erwähnung. Hier lassen sich verschiedene Modi wie werktags, Wochenende oder einmalig mit Datumsangabe einstellen, ein Sender kann aus den Favoriten zum Wecken ausgewählt werden. Auch ein Piepton steht zur Verfügung, die Dauer des Weckers kann ebenfalls im 15-Minuten-Interval gewählt werden. Praktisch ist, dass man die Lautstärke ebenfalls festlegen kann, deren Mindestwert bei 4 liegt. Während man von Radioweckern eine große Snooze-Taste auf der Geräte-Oberseite gewöhnt ist, muss man hier den kleinen unteren rechten Knopf gezielt treffen. Je Druck verlängert sich die Schlummerzeit um weitere fünf Minuten. Insgesamt hätte mir das Gerät sehr gut gefallen, wenn es nicht einige Schönheitsfehler gäbe.

So ist das Gehäuse nicht sonderlich hochwertig und recht klobig konstruiert. Es steht zwar sicher auf dem Tisch, wirkt aber ziemlich hohl. An der Rückseite gibt es eine nicht beschriftete und durchgebohrte Anschlussblende, einen Aux-Anschluss für externe Geräte hätte man hier einbauen können. Als ich dann einen Kopfhörer angeschlossen habe, kam die nächste Enttäuschung, hier wurde konsequent ein Mono-Signal ausgegeben und dies klang noch dazu alles andere als ausgewogen. Im Lautsprecherbetrieb störte ein leises Pfeifen im UKW-Modus, das besonders bei geringer Lautstärke auffiel. Auch funktioniert der Wecker und die dimmbare Uhranzeige nur im Netzbetrieb, hierauf weist das Gerät nicht hin. Wenn ein Kopfhörer angeschlossen ist, wird man am Folgetag vermutlich verschlafen, gleiches gilt bei Stromausfall. Eine weitere Ungereimtheit zeigt sich bei der Weckzeiteinstellung. Während man im Menü konsequent den Drehknopf nutzen kann, ist man bei Zeit und Datum an die Tasten gebunden. Die aktuell aufgerufenen 79 Euro erscheinen mir für das Gebotene etwas hoch, man hätte aus diesem Produkt jedenfalls mehr heraus holen können.

Albrecht Audio DR-65 C

Das kompakte und günstigere DR-65 C von Alan Electronics ist in der Bedienung dem Dual DAB 18 C sehr ähnlich. Es gibt allerdings kleine Unterschiede, die das Radio etwas runder wirken lassen. Bedient wird es über 10 Tasten auf der Oberseite, Stationsspeicher gibt es allerdings nicht. Ein ebenfalls oben angebrachter Drehknopf ist alleine für die Einstellungen zuständig, so dass man mit ihm auch die Uhrzeit ändern kann. Das kleinere 2,4″ TFT-Display ist identisch zum DAB 18 C aufgebaut, an der Software erkennt man die Technik von Frontier Silicon. Das Gehäuse wirkt etwas solider, die Soft-Beschichtung an der Front hätte man sich sparen können. Für ein tragbares Radio stehen die rückseitige Antenne und der Drehknopf oben etwas heraus, dafür aber zeigt sich das Menü vielfältiger. So lassen sich die SLS-Cover auf Wunsch auch im Vollbild anzeigen, eine Dynamikkompression (DRC) kann leise Signale im Pegel anheben. Die Speicherung in je 10 Favoriten pro Band in einer aufrufbaren Liste sind etwas fummelig, zwei Tasten zum direkten Kanalwechsel hätte ich gut gefunden. Die Weckfunktion ähnelt dem DAB 18 C, allerdings wird man nach dem Netzanschluss gezwungen, das Radio Zwecks Uhrzeitabgleich einzuschalten. Im Stand-By-Modus lässt sich das Display nicht vollständig abschalten, Das Wecksignal ist monotoner als beim Dual. Schön ist, dass der Kopfhörerausgang ein Stereo-Signal liefert, das aber ebenfalls unausgewogen und detailarm klingt. Weiterhin unschön ist, dass man, wie beim DAB 18 C, den Einschlaf-Timer nur umständlich im Menü aktivieren kann.

Aber auch dieses Gerät ist nicht ohne Tadel, der Lautsprecher klingt unnötig schlecht und erinnert an ein Bad-Radio für unter 20 Euro. Betrachtet man den Kaufpreis von 69 Euro, bekommt man klanglich wesentlich besseres, selbst Bluetooth-Lautsprecher mit FM-Radio übertreffen das Albrecht problemlos. Unnötig ist es auch deshalb, weil das Gehäuse genügend Platz für einen größeren Treiber hat. Immerhin piepst es bei der UKW-Wiedergabe nicht und auch die Eigengeräusche halten sich in Grenzen. Für Sprache reicht es aus, bei Musik hingegen nur zum Wecken. Ein mechanischer Netzschalter auf der Rückseite ergänzt den Stand-By-Taster auf der Oberseite, richtig viel Sinn macht er nicht. Immerhin schützt er das Gerät beim Transport, für das es sich aufgrund der hervorstehenden Teile nicht so ganz gut eignet. Als Kontrollgerät zur DAB+-Überwachung erfüllt es seinen Zweck. Einer Rezension bei Amazon zur Folge soll es Probleme bei der SLS-Darstellung geben, so dass es nur Bilder im JPG-Format anzeigen soll. Bei mir jedoch wurden bei fast allen Sendern SLS-Bilder bei ausreichendem Pegel dargestellt.

Empfehlungen für ein gutes DAB+-Radio

Im Preisbereich von rund 100 Euro finden sich viele Radios am Markt, die zum Teil auch durch Internet-Radio und DLNA-Streaming einen gewissen Mehrwert bieten. Sangean übertreibt es mit der Preisgestaltung der WFR-Serie etwas, zumal die Radios klanglich nicht übermäßig hervor stechen. Die Software von Frontier Silicon gefällt mir außerordentlich gut, weil sie sich auf das Wesentliche konzentriert. Allerdings geht das auch nach Hinten los, wenn man, wie beim Albrecht Audio DR-65 C, vieles in das Menü verlagert. Von der Bedienung siegt klar das Dual DAB 18 C, das sogar in vielen Funktionen blind bedienbar ist. Beim DR-65 C gibt es dafür mehr Funktionen und eine einzige Taste, mit der ein Scan des Bandes möglich ist, gut für unterwegs. Von kleinen DAB+-Radios mit fest verbautem Akku rate ich ab, man wird es länger nutzen, als die Batterie hält. Die größeren Empfänger machen sich auch gut als Radiowecker, sind aber weniger komfortabel als die Produkte der bekannten Hersteller. Nicht nur bei Sony sucht man Geräte mit SLS-Funktion im unteren Preisbereich vergebens, weshalb die Geräte der chinesischen Hersteller fast moderner wirken. Sangean konnte an den erfolgreichen und sehr gut klingenden WR-1 mit seinen digitalen Radios nicht anknüpfen, überhaupt habe ich selbst von den größeren Empfängern keinen mit einem derartigen Klang gefunden. Ohnehin bieten die teuren Geräte zumeist Internet-Radio, da stellt sich die Frage nach DAB+ in diesem Preisbereich nicht wirklich. Für blinde Nutzer bietet sich das Noxon dRadio 1 an, das als einziges DAB+-Radio mit einer Sprachausgabe erweitert werden kann. Aber auch hier ist der Preis von aktuell etwa 120 Euro nicht wirklich gering.

Nachteile von Internet-Radios

Zwar bin ich der Ansicht, dass Internet-Radios für die heimische Nutzung gegenüber DAB+ zwar deutliche Vorteile bieten, es gibt allerdings auch kleine Nachteile, die ich kurz zusammenfassen möchte. Wie bei den DAB+-Geräten sind auch viele Internet-Radios von ihrer Bedienung ähnlich, das Feld teilen sich hier Magic Systec und Silicon Frontier. Beide Hersteller entwickeln Radio-Chips, fertige Baugruppen und Geräte, die Bandbreite reicht vom einfachen DAB+/FM-Empfänger bis hin zum Hybridradio mit CD-Laufwerk und Bluetooth. Unter vielen Marken gelangen diese Geräte nach Europa und werden in Funktionalität und Design angepasst. Typische Vertreter sind beispielsweise Dual, Albrecht, Auna und Imperial. Auch wenn sich die Radios zum Teil deutlich in Klang und Bedienung unterscheiden, lassen sie sich mit der zugehörigen App steuern. Magic Systec nutzt AirMusic Control, Frontier Silicon hingegen UNDOK. Letztere ist technisch weiter, denn Frontier Silicon produziert inzwischen auch Netzwerklautsprecher. Mit der AirMusic Control App lassen sich immerhin alle verbundenen Geräte gemeinsam steuern, so dass sie denselben Stream abspielen können. Das klappt auch relativ synchron, je nach Netzwerkverbindung ist allerdings auch einem deutlicher Versatz möglich. Ein Nachteil von Internet-Radio ist, dass überhaupt die Latenz 15 bis 30 Sekunden gegenüber terrestrischem Broadcasting betragen kann, mich stört dies in der Praxis allerdings nicht. Die Qualität bewegt sich meist auf demselben Niveau, manche Anbieter liefern ihre Streams jedoch mit einer geringen Bandbreite aus. Überhaupt besteht ein Nachteil bei Internet-Radio, dass jedes Gerät einen eigenen Stream benötigt und sich nicht einfach das benötigte Signal auf einer bestimmten Frequenz aus der Luft holt. Die Bandbreite ist zwar vergleichsweise gering, 128 Kbit/s sind typisch. Bei fünf Geräten subsummiert sich die Nettodatenrate auf 640 Kbit/s, das ist durchaus bei modernen Breitbandanschlüssen vernachlässigbar.

Am Ende des Tages steht und fällt der Radioempfang mit der Netzinfrastruktur. Ist diese nicht gegeben, muss man bei einem Radiowecker aufpassen, dass dieser dann ein alternatives Tonsignal ausgibt. Auch zeigte sich, dass die terrestrischen Empfangsqualitäten besonders bei Internet-Radios eher stiefmütterlich behandelt werden. Wer ohnehin schon Probleme mit DAB+ hat, wird sie mit einem Hybridradio verstärken, sofern dieses keinen externen Antennenanschluss bietet. Dafür treten die genannten Prozessorstörungen hier seltener auf, weil die Radios im Vergleich zur DAB+-Einstiegsklasse hochwertiger sind. Im Umkehrschluss sind es zumeist Hybridempfänger, weil die oben genannten Hersteller die Chips ohnehin nach einem Baukastensystem verkaufen. Mit der Zunahme von Funktionen wird allerdings auch die Ergonomie deutlich erschwert. Menschen ohne technisches Grundverständnis könnten sich etwas schwer mit der Bedienung tun. Besonders dann, wenn das Netzwerk ausfällt, werden diese Nutzer sicher ratlos vor ihren Geräten verweilen und sich den seit Jahrzehnten typischen, analogen Drehknopf zurückwünschen.

Fazit

Dab+ ist meiner Ansicht nach eine nette Spielerei, aber noch keine echte Alternative zum bewährten UKW-Rundfunk, auch wenn uns die Lobby dieses Märchen verkauft. Dass diese Technik nicht wie alle anderen Digitalradioverfahren obsolet werden könnte, muss sich noch beweisen. Die Wahl des verwendeten Codecs könnte dafür sprechen, dass allerdings auch Sender aus dem Angebot verschwunden sind, allerdings dagegen. Ein zusätzlicher UKW-Empfänger oder Internet-Radio macht die DAB+-Geräte wenigstens zukunftssicher. Klanglich werden sie anders gestört, wenn die Komponenten nicht gut gekapselt sind. UKW-Radios klingen im gleichen Preisbereich oft besser, Mono-Geräte rauschen auch nicht. Wenn wenigstens die Senderanzahl auf der Höhe von UKW liegen würde, vor Allem was den öffentlich-rechtlichen Rundfunk betrifft, könnte ich mich mit DAB+ vielleicht anfreunden. So aber sehe ich keinen Vorteil, bei der Klangqualität sogar nur Nachteile. Zuhause ist es bereits jetzt schon obsolet, jedes Smartphone kann mit einer einzigen App bis zu 20.000 Sender empfangen. Ob es je eine Alternative zum bewährten UKW-Radio sein wird, bleibt abzuwarten. Momentan sehe ich das nicht, zumal sich auch die Beteiligten nicht immer einig sind und offenbar alle vergessen haben, warum das Radio jahrzehntelang so erfolgreich ist. Denn viele Köche verderben den Brei, das gilt nicht nur für den Wellensalat.

39 Comments

  1. C. Lange said:

    Ich stehe wohl für einen ganz normalen Familienhaushalt – wir haben einmal durchgezählt und wir allein haben im Haus und in den Autos zusammen 10 UKW Radios bzw. Receiver.
    Ich möchte nicht von Regierungs/Lobby Seite – z.B. 2015 wie in Berlin gemunkelt wird – mir vorschreiben lassen, das ich diese Geräte alle verschrotten muss und dann ohne Neuinvestition nichts mehr hören kann.
    Das würde ich als beträchtlichen Eingriff in meine Lebensführung sehen und die dies propagierenden Parteien entsprechend “belohnen”.

    14. Januar 2018
    Reply
  2. Carsten Schauer said:

    So ein Mumpitz. Sorry!
    Bei mir hat DAB+ schon lange die alten UKW Kisten abgelöst.
    Digital-TV hat auch mehrere Anläufe gebraucht und ist nun das normalste der Welt.
    Kein Rauschen und inzwischen fast flächendeckend guter Empfang. (Zumindest in Bereich der BAB) Ich schalte meinen Lieblingssender in Saarbrücken an und in Berlin aus. Ende!
    Wenn man natürlich diese Billigheimer Radios testet, kein Wunder.
    UKW sollte lediglich mit einem festen Termin abgeschaltet werden um mehr Frequenzen frei zu bekommen, welcher es der Bevölkerung auch gestattet sich in Ruhe umzustellen.

    14. April 2018
    Reply
    • Stephan said:

      Hallo Carsten, einen Artikel als Mumpitz zu bezeichnen, weil man substanzlos eigene Erfahrungen beschreibt, lässt den Sachverstand gut ableiten. Gerade im Kfz weiß ich von einigen Fällen, die in Großräumen wie Hamburg neben genau aufgrund von Unterbrechungen trotz DAB+ auf UKW zurückgeschaltet haben. Auch ändert die eigene Erfahrung, was ja schön ist und unbenommen bleibt, nichts an sachlichen Fakten, die ich beschrieben habe. Im ländlichen Gebiet und als Funkamateur sehe ich mich schon im Stande, eine pegelmessung korrekt interpretieren zu können. Der Umstand, dass es selbst auch teure DAB+-Empfänger hauptsächlich nur mit Chips von Frontier Silicon und Media Systec gibt, lässt den Begriff Billigheimer etwas anders interpretiert. Davon abgesehen, dass kein DAC bei komprimierten und durch Fehlerkorrekturen bereinigte Datenströme aufwerten kann, im Gegenteil: Hochwertige Wiedergabekette bedeutet in diesem Falle sogar ein klanglicher Nachteil, wenn ein DSP nicht zum Schönfärben nachgeschaltet wurde. Der Verlust von Räumlichkeit und Details im Rahmen auch des Internet-Radios ist hörbar, stört mich aber beim Radio nicht, weil ich im Alltag die tatsächliche Klangqualität vernachlässigen kann.

      Die Aussage bezüglich des Digitalfernsehens möchte ich ebenfalls nicht unkommentiert lassen und auch hier orientiere ich mich an Fakten. Den Fortschritt bezahlt haben die Verbraucher durch Technologien, die in ihrer Halbwertzeit deutlich die Gerätelebensdauer unterschreiten. Angefangen mit DVB-S (SD-Programme werden jetzt auch abgeschaltet), DVB-T (inzwischen auch weg) und RTL bzw. die ProSieben/SAT.1-Gruppe strahlt ihr Werbefernsehen jetzt nur noch gegen Gebühr aus. Ob man das für sich als Fortschritt empfindet, ist Ansichtssache. Dennoch ist es ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen, denn Radio hört man nicht nur stationär, sondern auch mobil und portabel und das auch an unzugänglichen Orten, im Keller, Schuppen oder eben auf dem Lande in einer Blechhütte. Sicher ist auch nichts generell gegen die UKW-Abschaltung zu sagen, inzwischen verfüge ich im Haus nur noch über Internet-Radios. Aber das erfordert einen flächendeckenden und vor Allem nutzbaren Ausbau einer alternativen Technik, das ist Abseits der Ballungsräume faktisch nicht gegeben und es sieht auch nicht so aus, dass sich was ändert. Mumpitz ist das aufgrund der verbreiteten Diskussionen, auch von sachkundigen Menschen, ganz sicher nicht. Einzelfälle sind global betrachtet aber Ausnahmen. Alleine die Reichweite, selbst von UKW, deckt diesen Anspruch unser im Grundgesetzt festgeschriebenen Informationsfreiheit nicht ab. Dass man die Mittelwelle stillgelegt hat, war ein unverzeihlicher Fehler. Dass Deutschland nicht auf Ewig von Katastrophen verschont bliebe, zeigen ja die jüngsten Witterungsbedingungen anschaulich. Es reicht aus, wenn ein KVZ durch einen Blitzschlag zerstört wird oder, wie in unserer Region passiert, der Strom mal für zwei Stunden ausfällt. Wäre hier nicht ein Amateurfunkgerät zur Hand gewesen, das auch über einen UKW-Empfänger verfügt, wäre die Informationsverbreitung für uns ein Problem gewesen. Denn das Handynetz fiel ebenfalls aus, somit war keine Kommmunikation mehr möglich. Es gibt daher durchaus Sinn für analoge, autarke Funkstrecken.

      Vermutlich denken wir Funkamateure quasi “von Berufswegen” etwas weiter, auch durch unsere Erfahrung. Das sollte man bei diesem Artikel einfach mit berücksichtigen. Es gilt aber, wie in allen Lebensbereichen, das die eigene Erfahrung nicht die Regel wiederspiegelt, was mir beim Schreiben dieses Artikels durchaus bewußt war.

      14. April 2018
      Reply
  3. Hans Einar Johannessen said:

    Hier in Norwegen hat der Staatsfunk um die 50% der Hörer verloren . 80% der Autos haben kein DAB+ und bei den
    Meisten sind nachrüsten sinnlos, bei meinen 2012 Skoda würde es 2500 Euro kosten. Adapter geben keinen Empfang.
    Sonnst sind 25000000 UKW Radios Sondermüll geworden. Batterie betriebene DAB+ Radios sind Batterie vernichtungs Geräte
    Alles ein Schwachsinn

    1. Mai 2018
    Reply
  4. Ralf said:

    Habe seit drei Monaten ein DAB+ Radio im neuen Auto (Volvo). Doch von der Qualität bin ich ehrlich gesagt ziemlich enttäuscht. Ich bin davon ausgegangen, dass die Qualität in etwa mit den Internetstreams vergleichbar sein wird, doch Pustekuchen. Die Sender scheinen in extrem niedriger Bitrate zu senden. Sprache hört sich häufig richtig nervig krächzend an und Musik wirkt sehr mager und mit wenig Dynamik. Vor allem wenn ich dann von DAB+ auf Internetstream umschaltet ist das wie eine andere Welt.

    Fazit für mich: beim nächsten Auto spare ich mir die Option DAB+ Empfang und stecke die Kohle lieber in ein paar GB mehr Datenkontingent beim Mobilfunkanbieter.

    15. Mai 2018
    Reply
  5. Bruno said:

    Ich habe in drei Autos JVC DAB+Radios verbaut und bin sehr zufrieden damit. Bis auf Tunneldurchfahrten funktionieren die Geräte tadellos und der Sound ist bei den hier in der Schweiz und im Schwarzwald empfangbaren Sendern durchwegs gut. Die Geräte werden alle jeweils an einer externen Endstufe und mit einem Multilautsprechersystem eingestzt. Also ich vermisse UKW nicht wirklich.

    29. Mai 2018
    Reply
  6. Michael said:

    Ich bin mit DAB+ Sehr zufrieden was haupsächlich daran liegt das ich endlich mehr Programme als nur Drei empfangen kann. In der hinsicht ist DAB+ klar UKW überlegen ich wohne in Flörsheim in der nähe von Frankfurt und bekomme über UKW noch nicht mal Klassik Radio rein. Was den klang betrifft kann man das meiner Meinung nach schwer vergleichen. Man müsste bei UKW erst mal das leichte hintergrund rauschen herausfiltern um beide sachen wirklich vergleichen zu können.

    9. Juni 2018
    Reply
    • Stephan said:

      Natürlich sind es zwei vollkommen verschiedene Übertragungstechniken, aber unter Berücksichtigung der Vor- und Nachteile kann man das schon vergleichen. Dabei bleibt die durchschnittlich schlechte Bitrate auch bei einem teuren Wandler erhalten, der noch dazu die Artefakte deutlich unangenehmer herausstellt. Hingegen kann ein guter UKW-Empfänger das Signal auch nahezu rauschfrei abbilden. Das Rauschen liegt ja besonders in Großstädten nicht an einer schlechten Versorgung, sondern am Feldeffekt durch Störstrahlungen, beispielsweise aus dem Kabelnetz aufgrund schlecht isolierter Übergangswiderstände. DAB+ ist hiervon übrigens auch betroffen, Schaltnetzteile und LED-Leuchtmittel können den Empfang stören, so dass die Fehlerkorrektur den Klang negativ beeinflusst. Wer aber viele Sender möchte, ist mit Internet-Radio im Regelfall ohnehin besser bedient. Ich habe inzwischen im ganzen Haus auf Internet-Radio umgestellt, weil mir NDR und WDR mit DAB+ nicht angeboten wird. Die Lobby wird sich freuen, befinden sich in zwei Geräten doch brach liegende DAB+-Empfänger.

      9. Juni 2018
      Reply
  7. pixelrolli said:

    @Stephan: Kann ich alles nur bestätigen. HAbe mir vor kurzen zwei DAB+ Radios zugelegt. Eines von Sangean und eines von Sony. Leider beide in Bezug zum normalen UKW und Internet Radio völlig enttäuschend. Das Internet Radio bietet eine wirklich (auch Messbare) deutlich höhere Dynamik ab als die DAB Empfänger. Die DAB Radios klingen “Lustlos” und “Mager” während ich bei den Internet Empfängern zumindest noch den Ansatz von HIFI Spüre. – Ich nutze seit Jahren das UKW Band, immer nur hochwertige, Trennscharfe Empfänger von Braun, Sansui, Marantz usw. ….im Auto ausschließlich alte Blaupunkt und Becker Radios!!! Wenn die Leute nur bereit wären für ihre UKW Kisten etwas mehr Money zu investieren, würden sie sehr schnell merken das der anlaloge Empfang wirklich gar nich so schlecht ist! Mein Becker Indianapolis im Auto rauscht z.b. nie bei Landesweiten UKW sendern, es empfängt t.w. 120km weit entfernte sender im Stand ruaschfrei (hier in Hagen zb. NDR2) und der Emfang ist nur in Tunneln gestört. Jedes Billig UKW Radio kann da nicht mithalten weil eben billig! DAB ist eigentlich nur gestört. ich kann es nur im Stand ungetrtübt geniessen, und das auch nur wenn ich richtig mit dem PKW stehe! und dann kaufe ich mir sowas um 5 Jahre zu experemntieren wie es am besten funktioniert und dann wird alles wieder über den Haufen geworfen. NEIN DANKE….ich bleibe bei UKW-Ananlog!

    22. August 2018
    Reply
  8. Peter said:

    Moin,
    die Art, wie für DAB+ geworben wird, zeigt, dass die Anbieter dem System offensichtlich nur dann eine Chance bescheinigen, wenn sie die Hörer regelrecht zum Umstieg überreden. Die dabei verwendeten Argumente sind teilweise fadenscheinig und offensichtlich nicht geeignet, die Hörerschaft wirklich zu überzeugen.
    In einem Radiobeitrag des Hessischen Rundfunks wurden derart interessante Fakten zu DAB+ und UKW verbreitet, dass ich mich zu einer Email an den HR genötigt sah. Ich bekam tatsächlich eine Antwort in der man zugab, dass in dem Beitrag nicht alles korrekt dargestellt worden sei und der Autor auch nur ein freier Mitarbeiter gewesen sei (…). Leider wird so etwas dann nicht gesendet – so wie z.B. ein Leserbrief in einer Zeitschrift abgedruckt wird.
    Da digitale Standards i.d.R. nach 5 bis 10 Jahren überholt sind, würde ich mich wundern wenn die Lebenszeit von DAB+ diese Zeitspanne nennenswert überschreitet. Interessant wäre ein SDR (software defined radio), dass für zukünftige Standards mit entsprechenden Updates versehen werden kann. Aber auch die dafür notwendige Plattform wird wahrscheinlich kaum noch die Lebensdauer eines Röhrenradios erreichen. In der Zukunft werden es vermutlich die Chinesen sein, die dann die rückwirkend als Glücksfall erkannten Zeitspannen der analogen Ära zur Maxime der Überlebenssicherung auf diesem Planeten ausrufen …

    1. November 2018
    Reply
    • Stephan said:

      Moin Peter, sehr gut geschrieben. Der Grund, warum Standards heutzutage schnell wechseln, ist eigentlich kein technischer. Im Prinzip haben wir alles, von der Bildverarbeitung mal abgesehen, was klangtechnisch ginge. Der Punkt ist aber, dass wir in Zeiten der analogen Übertragung offene Standards hatten. Jeder Empfänger kann ein analoges Signal empfangen, Verschlüsselungstechniken haben sich nur selten durchgesetzt. Die Digitaltechnik funktioniert anders, hier werden verschiedenste Frequenzbänder verteilt und Unternehmen versuchen, ihre Entwicklungen zu schützen. Sehen wir ja auch im Amateurfunk, wie viele Digitalstandards es gibt und wie sich die Hersteller Icom und Yaesu bemühen, möglichst attraktiv ihre Relaisstationen anzupreisen. Nutzt man D-STAR, braucht es eben nicht nur ein Gerät, was den Frequenzbereich abtastet, sondern zugleich die Aussendung decodieren kann. Und das im Experimentierfunk, wo manche Hersteller zumindest versucht haben, mit ihren Standards den Codex der offenen Sprache zu umgehen. Schlimm dabei ist, dass die Funkvereine das noch unterstützen.

      Bei DAB sehen wir es ja auch, der Wechsel des Codec und Verengung der Bandbreite reichte aus, dass ältere Geräte das nicht können. Warum nicht updaten, viele arbeiten mit Software-Decodern. Das Problem ist aber, dass die jungen Hersteller, die vermutlich auch an den Lizenzgebühren zu Grunde gehen, dann gar nicht mehr vorhanden sind. Als Weiteres kommt hinzu, dass wer Hardware verkauft, kein Interesse an einer langen Nutzungsdauer haben kann und so freut es die Hersteller von DVB-T-Receivern, dass ihr Umsatz durch einen harten Systemwechsel gewährleistet bleibt. Der große Fehler beim Digitalradio ist, dass man Hersteller und kein unabhängiges Konsortium bemüht hat, das frei von Gewinnerzielung an einem zukunftssicheren Standard arbeitet. An DAB+ beteiligt waren und sind viele Hersteller von Empfangsgeräten, die daran verdienen, ebenso Dienstleister. Es geht ja anders, wie die Einrichtung der IEEE-Definitionen schön zeigen. Ein altes Bluetooth-Headset ließe sich mit eonem modernen Smartphone noch koppeln.

      1. November 2018
      Reply
  9. Jürgen Früh said:

    Musikqualität von „DVB-C Radio“ im Vergleich zu „DAB+“ — Hannover, 11.11.2018
    Moin Moin,
    nun ist also das, was schon lange angekündigt war, eingetreten:
    Seit über 20 Jahren empfingen wir in Hannover über den Sender Hemmingen klassische Musik von NDR Kultur (auch mit NDR 3 bezeichnet) über UKW auf unserer Restek-Musikanlage mit hochwertigen GK4-Boxen, und nun ist die gesamte UKW-Ausstrahlung von diesem Sender generell abgeschaltet. NDR Kultur wird nun terrestrisch über DAB+ ausgestrahlt, und das können wir natürlich nur mit stark verminderter Musikqualität über ein portables DAB+ -Radio empfangen.
    (Der Vollständigkeit halber muss ich erwähnen, dass die hochwertigen GK4-Boxen nun selbst unreparierbar defekt sind, ich habe sie gegenwärtig provisorisch durch zwei Laser-Boxen ersetzt, diese gegenwärtige „Baustelle“ harrt also auch einer Lösung.)
    In diesen über 20 Jahren hatten wir natürlich auch die jeweils angebotenen digitalen Hörfunksysteme genutzt, aber wie oben beschrieben, wurden diese hierfür gekauften Geräte bereits nach kurzer Zeit nicht mehr nutzbar.
    Das einzig Verlässliche über diese lange Zeit war die UKW-Ausstrahlung, als Tuner haben wir das vergleichsweise sehr preisgünstige Gerät „YAMAHA TX-500/U” in der Musikanlage installiert, das wir auch nach der Einspeisung von „NDR Kultur” in das Vodafone-Kabelnetz weiter nutzen konnten, das aber natürlich jetzt obsolet ist.
    Selbst wenn wir die eindrücklich geschilderten Nachteile der DAB+ -Technik hinnehmen wollten, können wir über das Kabel nicht mehr „NDR Kultur empfangen“, da es dort „als DAB+“ gar nicht mehr angeboten wird. Wenn wir uns also nun unbedingt auf das problematische DAB+ einlassen wollten, müssten wir uns einen separaten DAB+ -Tuner mit Stabantenne zum terrestrischen Empfang zusätzlich zulegen.
    Nach all diesen geschilderten Einschränkungen, die mit der DAB+ -Technik nun einmal verbunden sind, frage ich mich, ob es nicht generell auch eine andere Lösung gibt.
    Im Internet habe ich die folgende kurze Notiz, ausgegeben vom Westdeutschen Rundfunk gefunden:
    FAQ 08: Was ist der Unterschied zwischen DAB+ und DVB-S/DVB-C?
    Sie haben Fragen zum Digitalradio? Hier finden Sie die häufigsten Probleme und Fragen und unsere Antworten.
    Während Sie DAB+ über Antenne empfangen, also auf dem so genannten terrestrischen Weg überall und unterwegs, empfangen Sie DVB-S zu Hause über Ihre Satellitenantenne. DVB-C bekommen Sie, wenn Sie einen digitalen Kabelanschluss haben. Über DVB-S und DVB-C kommen zusammen mit den Fernsehprogrammen auch alle digitalen Radioprogramme zu Ihnen nach Hause und können entweder über Ihren Fernseher oder die Stereoanlage empfangen werden. Auf diesem Weg können Sie sämtliche WDR Programme in digitaler Qualität hören. Einige Sendungen wie z.B. Hörspiele werden im Dolby Surround Klang (Mehrkanalton) ausgestrahlt.
    In unserer HiFi- Musikanlage haben wir auch ein Löwe-Fernsehgerät integriert, ich wusste zwar, dass man darüber auch Radiosendungen hören kann, habe das aber nie benutzt, weil gar keine Notwendigkeit hierfür bestand, und ich habe das dann auch aus dem Gedächtnis verdrängt.
    Aus der WDR-Notiz folgt, dass auch in unserem Loewe-Fernsehgerät dieses DVB-C Radio installiert sein müsste. Ein kurzer Test zeigte, dass wir tatsächlich „über Loewe“ NDR Kultur empfangen können [Radio digital 10 NDR Kultur], über die Qualität dieses Übertragungswegs kann ich wegen der Kürze der Zeit noch nichts Definitives aussagen, und ich habe darüber auch noch „nichts Offizielles“ gehört.
    Von Seiten der Experten hätte ich gerne gehört, wie sie die Qualität dieses Übertragungswegs einschätzen, als Maß hierfür würde ich gern die allgemein bekannte Qualität der UKW-Übertragung vorschlagen.
    (Bei Sendern selbst nachzufragen halte ich nicht für zielführend, weil es sich „am Beispiel DAB+“ zeigt, dass man sich auf offizielle Qualitätsangaben praktisch gar nicht verlassen kann.)
    Mit bestem Dank im Voraus für Ihre Stellungnahme und freundlichen Grüßen
    Jürgen..

    11. November 2018
    Reply
    • Stephan said:

      Moin Jürgen, zunächst steht DVB für Digital Video Broadcast und bezeichnet das Digitalfernsehen für Satellit (DVB-S2), Kabel (DVB-C) und terrestrisch (DVB-T2). Im Standard hatte man in der Tat damals schon Radio mit eingepflegt, das kann man per Satellit auch schon seit der Einführung nutzen. Terrestrisch für DVB-T machte man nur in einigen Ballungsräumen testhalber davon gebrauch, damals experimentierte man übrigens auch mit DVB-H für Handys. In wieweit die Kabelnetzbetreiber die Möglichkeiten nutzen, ist mir nicht bekannt, aber Angesichts der Umstellung auf rein digitale Übertragungen zu Gunsten höherer Bandbreiten ist das ja eigentlich die logische Konsequenz. Von der Hardware wird jeder DVB-Empfänger, egal über welchen Weg er empfängt, vom Standard her auch den Radioempfang anbieten, von daher suche doch einfach mal, ob es eine Senderliste gibt. Was die Qualität angeht, mach Dir nicht allzu große Hoffnungen. Man arbeitet bei DVB auch mit HE-AAC-Codec und je nachdem, wie viele Sender man bereitstellt, kann auch hier die Bandbreite relativ dürftig sein. Der einzige, praktische Vorteil besteht dann im ausbleibenden Fading, was bei DAB+ mitunter auch für Qualitätsschwankungen sorgen kann. Ich würde das einfach mal ausprobieren und, falls möglich, den Fernseher dann digital, also per HDMI oder Digitalausgang, an die Anlage anschließen. Die wenigsten Geräte dürften ein Feature haben, dass man das Display beim Radiohören abschalten kann, dann wäre eventuell auch ein Internet-Radio was. Hier gilt aber ebenso, es hängt vom genutzten Codec ab. Da aber jeder Stream separat übertragen wird, ist zumindest theoretisch hier deutlich mehr möglich. Ein parallel genutzter DVB-C-Receiver, den man nur zum Radiohören einsetzt, könnte auch eine Lösung sein. Hier würde ich aber nach einem Modell mit integriertem Display suchen. Viel Erfolg beim Experimentieren!

      11. November 2018
      Reply
  10. Pierre said:

    Servus, ich habe einmal ein DAB+ Radio gekauft, zu Hause getestet und noch am selben Tag wieder zurück in´s Geschäft gebracht. Damit ist für mich diese Technologie erledigt. Zu Hause läuft meine DENON Anlage per UKW bestens und auch im Auto habe ich mich bewusst gegen DAB+ entschieden da mir für eine Spielerei die 240€ Mehrkosten zu viel sind.
    Hier in Bayern wo ja das DAB+ Netz sehr gut ausgebaut sein soll wird vom BR Werbung ohne ende für diese Geräte gemacht, es gibt sogar Radiosender des BR in denen oft DAB+ Radios verlost werden. Wenn jemand von seiner Technik vollkommen überzeugt ist braucht er soche Rosshändler Tricks nicht anwenden.
    Ich tippe mal das auch DAB+ ein Totes Pferd ist und in spätestens 10 Jahren diese Geräte mal wieder Elektroschrott sind.
    Da bleibt mir nur zu sagen: Hoch lebe das UKW Band welches seit vielen Jahrzehnten tadellos funktioniert.

    Gruß pierre

    27. November 2018
    Reply
  11. Wolfram said:

    Seltsam finde ich immer bei vielen bisherigen Vergleichen, dass ein DAB+ Radiogerät als “Kiste”, also ein separates Kompaktgerät mit eingebauten Lautsprechern, mit bestens ausgestatteten HIFI-Anlagen mit FM-Tuner verglichen werden. Der Vergleich hinkt. Es gibt durchaus von diversen renommierten Herstellern auch DAB-basierte HIFI-Komponenten wie Tuner , Stereo- oder AV-Receiver. Ich betreibe z.B. einen aktuellen AV-Receiver von Pioneer mit integriertem FM, DAB+ und Internet-Radio als Basis eines Multiroom-Sytems (Fireconnect-/Flareconnect-System funktioniert hervorragend). Ich kann also unter eher vergleichbaren Umständen eine Aussage treffen, als der Vergleich einer HIFI-Anlage gegenüber einer solchen ” Kiste”, weil die nachfolgenden Komponenten immer gleich sind. Meine Erfahrungen: Im Vergleich klingt DAB+ weniger voll und weniger transparent sowohl als FM als auch Internetradio. Die genannten Effekte wie Einstreuen von Netzteilen oder Prozessoren kann ich dabei nicht beobachten. Akustische Artefakte aus der Kompression halten sich ebenfalls in kaum hörbaren Grenzen. Praktisch nutze ich dann aber am ehesten Internetradio, denn bei meinem Gerät werden nur damit Sender- und Programminformationen im Multiroomsystem übertragen und angezeigt. DAB+ ist dabei eher eine Rückfallreserve bzw. wird im nicht-Multiroom-Modus benutzt. Immerhin hat es ebenso wie FM gegenüber Internetradio den Vorteil, dass dabei mein Konsumentenverhalten nicht unbemerkt ausgespäht werden kann.

    28. Dezember 2018
    Reply
  12. Horst Heukemes said:

    Hallo,
    Wenn Unitymedia irgendwann UKW aus ihrem Kabelnetz verbannt, zugunsten irgendeines weiteren Shoppig-Kanals, würde ich sofort kündigen!
    Mein Herz würde bluten wenn ich meine sehr hochwertigen UKW-Tuner durch flach klingende, charakterlose und absehbar kurzlebige Hard- Softwarekomponenten ersetzen müsste.
    Es ist Fakt dass auch tot-gesagte Dinge wie Plattenspieler eine kaum zu fassende Renaissance
    erleben.
    Top-Musiker produzieren inzwischen auch wieder in Vinyl.
    Qualität ist eben hörbar!
    Das hat nichts mit Nostalgie-Verklärung zu tun.
    Allerdings: Bei einem Küchenradio oder Autoradio fällt das Klang-Defizit eher nicht auf!
    Die Technik ändert sich sehr schnell und es kann sein dass ich übermorgen schon anders denke.
    Im Kriesen-Fall und zur Information der Bevölkerung sind primitive Endgeräte wie UKW oder MW/KW-Empfänger erste Wahl.
    Digitale Netzwerke sind durch Hacker sehr leicht lahm zu legen.

    20. März 2019
    Reply
  13. Walter Othmar said:

    Seit der Abschaltung von UKW in unserem Kabelnetz bin ich auf der Suche nach Tuner-Ersatz für meine High-End Stereo-Anlage. Also hab ich DAB+, Internetradio, DVB-C und DVB_S verglichen und habe -für mich jedenfalls- festgestellt:
    1. DAB+ klingt ja furchtbar ! Gut, es rauscht nicht, aber das war es auch schon. Der Klang ist flach und müde und von Dynamik keine Spur. Es ist wie ein “dumpfer Brei”.
    2. Internetradio klingt überraschenderweise nur minimal besser, selbst bei 320 kB.
    3. DVB-C klingt schon deutlich ansprechender, bei uns aber leider nur mit max. 192 kB.
    4. DVB-S, also Sat-Radio: Ja, das klingt, und wie !

    26. März 2019
    Reply
    • Stephan Merk said:

      Hallo und danke für Deinen Vergleich, den ich sehr spannend finde. Was mich allerdings wundert, ist der Unterschied DVB-C und DVB-S. Die Bitrate sagt ja nichts über den Codec aus und ich wäre jetzt davon ausgegangen, dass es daher keine hörbaren Unterschiede gibt. Vielleicht liegen diese auch an anderer Stelle, Digitalübertragung, Fehlerpakte? Ich fand auch DVB-S aus der Erinnerung nicht sehr ansprechend, hörbare Artefakte und zum Teil zur optimalen Bandbreitenauslastung recht komprimiert. Ich weiß aber nicht, ob am Einspeisepunkt was am Format aufbereitet wird. Im Prinzip sollte im Ergebnis das Signal schon einige Male recodiert worden sein.

      27. März 2019
      Reply
  14. Bernd P, Germany said:

    DAB+ hat aufgrund seiner Technik auf immer und ewig ein “Korridorproblem” Gemeint ist der Signalübertragungskorridor, Mindestfeldstärke. Es gibt für alle, für sämtliche digitalen Signale etwas, das bei analogen Signalen nicht zum Tragen kommt und das ist ein zwingend notwendiger Mindestrauschabstand, ab welchem sich analog auf einen HF-Träger aufmodulierte Impulse/Töne(allgemein in akustische Impulse resp. in Modulation gewandelte Datensignale) sauber decodieren lassen. Das ist übrigens bei ALLEN drahtlosen Übertragungswegen der digitalen Welt so ! Auch für DVB-S, DVB-T. Es erfordert überall – egal ob Gleichwelle oder nicht – immer eine bestimmte Senderdichte resp. Senderleistung relativ zur gegebenen Senderdichte, um digitale Signale überall wo man diese empfangen können soll, mit einem Mindestrauschabstand übertragen zu können. Fällt diese auch nur kurzzeitig unter diesen Mindestwert welcher durch die Decoderschaltung und deren Empfindlichkeit gegeben ist ausserdem, kommt es zu Ausfällen, Clipping (bei Video sind das : farbige Würfel, irreguläre fehlerhafte oder völlig fehlende Datenblöcke, digitales Pseudorauschen) – Drop-outs, resp. völlige Stille im Empfänger (Video: schwarzer Bildschirm). Mangels Empfangsempfindlichkeit. Die Entfernung jeglicher UHF- und VHF-Antennen für “analoges Fernsehen” von Hausdächern war schon mal der erste Kapitalfehler. Es wurde aber dummerweise so vermarktet. Diese Antennen funktionieren aber tatsächlich auch für jegliche Form von Digitalfernsehen! Weil nämlich genau und vor allem dieser riesige, durch Fehl- und Falschinformation in Bezug auf Empfangsqualität und angeblicher “Inkompatibilität/Unnötigkeit” ausgelöste Rückbau notwendige Empfangsempfindlichkeit gekostet hat, bei jedem potentiellen DAB- und DVB-T Kunden. Einkanalantennen hätten natürlich durch breitbandige ersetzt werden müssen (da verschiedene Bukette auf verschiedenen Kanälen aber häufig von einem gemeinsamen Standort) und ggf. neu ausgerichtet. Vielleicht noch alte Mehrbereichsverstärker tauschen durch ein rauschärmeres Modell. UHF-Modelle für DVB-T wären in vielen Fällen nicht zu tauschen notwendig gewesen. Meistens waren die breitbandig.(Anfangs gabs DVB-T auch über VHF, das wurde aber vereinheitlicht später auf UHF und DAB+ war ja schon definitionsgemäß für VHF spezifiziert). Dieser leider völlig in die Hose gegangene Marketingversuch hat den digitalen terrestrischen Medien den Boden und die Akzeptanz gekostet und zwar massiv. Und dann war das Internet immer noch besser, infolge der bei der Vermarktung begangenen groben Kapitalfehler.

    6. Juli 2019
    Reply
  15. Georg Niepel said:

    Aus Interesse an der damals “neuen” Technik DAB+ habe ich mir damals zwei DAB+ Radios besorgt, eines davon ruht seit langer Zeit schon wieder in seiner Pappschachtel (dRadio110), denn ich finde die Bedienung, die Empfängerempfindlichkeit und den Klang grottenschlecht. Das andere (SONY XDRS16DBP) mit Pressholzgehäuse und Stereo steht auf dem Nachttisch. Meistens höre ich mit einem guten Stereo-Kopfhörer. Ich hatte das SONY an der Gehäuserückseite mit einem Anschluss für externe Antenne ausgerüstet und betreibe es mit einer abgesetzten, selbstgebastelten Groundplane-Antenne mit Antennenverstärker, um einen höheren HF-Pegel und damit niedrige Datenfehlerrate zu erzielen. (Bastelanleitung: siehe radio-hobby.de). Hier am Dreiländereck empfange ich damit auch niederländische DAB und DAB+ Multiplexe mit Sendern, die klassische Musik liefern, wie NPO Radio4 mit 128 kBps. Viel aufgewendete Bastel-Arbeit, irgendwie muss sich das auszahlen, und deswegen versuche ich immer wieder, damit Radio zu hören. Was soll ich sagen: Es gelingt mir meist nur wenige Minuten zuzuhören, dann wechsele ich ganz schnell auf UKW – und zwar mit einem meiner rein analogen Radios aus den achziger Jahren oder davor. Der DAB+ Klang ist muffig (egal welches Gerät), es fehlen die Zwischentöne, irgendwie eindimensional flach. DAB kommt mir besser vor, aber nur bei den wenigen Sendern mit etwas höheren Datenraten, und dann auch nicht bei jeder Musik. Insbesondere Streicher scheinen sich mit der Digitalisierung ihrer Musik nicht zu vertragen. Jede Menge “Rascheln” parallel zu den Geigentönen. Relativ besser, ingesamt aber enttäuschend auch der UKW-Klang bei diesem SONY. Wie ich aus der Signalverzögerung – ungewöhnlicherweise auch bei UKW-Empfang – glaube schließen zu können, wird das analoge Signal bei UKW-Empfang erst digitalisiert, dann wieder analog gewandelt. Weiß jemand Genaueres?

    12. November 2019
    Reply
  16. getoba said:

    Also ich wollte im Auto unbedingt DAB+ haben um u.a. Nischensender wie Deutschlandfunk NOVA empfangen zu können, die über UKW gar nicht angeboten werden. Leider mußte ich feststellen, daß nicht nur der Empfang oftmals schlecht ist (Hamburg und Schleswig-Holstein), sondern auch die Tonqualität sehr zu wünschen übrig läßt. Insbesondere Sprache (ich bin Hörspiel-Fan) ist oft unerträglich, weil mangels Tonfrequenz-Bandbreite und Dynamik schwer verständlich.

    Eine Abschaltung von UKW-Radio und eine Neubelegung der Frequenzen würde ich aus etlichen Gründen als einen kapitalen Fehler ansehen. UKW-Funk sollte dauerhaft erhalten bleiben – selbst wenn er irgendwann weder für den gewerblichen noch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine Rolle spielen sollte. Für den Bereich des Lokalradios und auch für Notfall-Situationen sollte er auf jeden Fall erhalten bleiben.

    2. Dezember 2019
    Reply
    • Stephan Merk said:

      Mich erinnern digitale Funkübertragungen so ein Bisschen an die Anfangszeit von MP3. Damals hat das Marketing beschworen, das sei alles CD-Qualität und das bei 128 Kbit/s, jeder billige Kopfhörer hat ein “For CD”-Logo gehabt und suggerierte damit den reinen Digitalklang. Das war natürlich in der Praxis alles anders und bei Digitalfunk in jedweder Form nicht anders. Gerade kürzlich kam ja mal wieder die für die Polizei so überraschende Meldung, dass die Reichweite aufgrund eingesparter Relaisstationen der Digitalfunktechnik deutlich kürzer ist als erwartet. DVB-T, war das Gleiche in Grün und als Funkamateur interessieren mich deshalb auch digitale Betriebsarten nicht. Bei DAB+ sind es dieselben Effekte, dynamische Codecs, die je nach Feldstärke mehr weglassen und dann kommt das typische Gurgeln. Das Gute aus Sicht der Lobby ist, dass die meisten Zuhörer das nicht merken, man spricht ja immer von weniger Rauschen und genau das tut es ja auch. Aber das war’s schon und alles andere ist eben von Nachteil.

      3. Dezember 2019
      Reply
  17. Horst jansen said:

    Also, da bin ich wohl beim Surfen auf eine Analogromantikerseite gestossen.ich bin kein techniker, aber studierter Musiker und weiß,wie z.b. Ein Klavier klingt. Vinyl war da schon trotz erheblicher finanzieller Ausgaben in die Hardware ne Qual! Dann kam die Verklärung Vinyl und wie scheisse doch cds Klängen. Für mich waren cds ne Offenbarung, klanglich, haptisch natürlich nicht. Jetzt geht das wieder los mit dem geliebten fm versus dab+. fm klingt nicht besser, rauscht einem dafür die Nerven weg. Eine Möglichkeit dab zu beurteilen wäre natürlich ein ordentliches Radio zu kaufen. Guckt euch mal bei teufel, Berlin um. Lieben Gruß, Horst jansen

    7. Juni 2020
    Reply
    • Stephan Merk said:

      Lieber Horst, vermutlich hast Du nicht alle Artikel gelesen bzw. differenziert betrachtet. Daher möchte ich meine Standpunkte zu den Themen unten etwas erläutern.

      Die CD lässt sich klanglich und technisch nicht mit DAB+ vergleichen. Natürlich war damals die CD in sofern eine Offenbarung, auch wenn sie ein technischer Kompromiss des Machbaren aufgrund der Speicherdichte war. Aus heutiger Sicht erfüllt die Auflösung selbst nicht die Minimalanforderungen in der Studiotechnik (16 vs. 24 Bit, 44,1 vs. 96 KHz). Betrachtet man sogar noch höher auflösende Digitalformate, wie 32-Bit Float oder DSD (SACD), sind die Möglichkeiten heutzutage enorm und die Filterstufen in heutigen Wandlern nicht mit dem vergleichbar, was es noch in den 90er Jahren zu kaufen gab. Gerade die aktuellen Rekorder, wie Zoom F6 oder die Mix-Pre-Serie von Sound Devices, zeigen bislang unerreichte Dynamikstufen, dass man selbst eine Aufnahme kaum noch unter- oder übersteuern kann. Das digitale Clipping fällt weg und die digitale Nachbearbeitung geschieht butterweich. Ich möchte keine CD gegenüber einer hochauflösenden DSD-Aufnahme eintauschen wollen, obgleich natürlich die gesamte Verarbeitungskette von der Aufzeichnung über das Mastering auf hohem Niveau verlaufen muss. Es macht keinen Sinn, was heute leider auch zu oft passiert, wenn man alte Digitalaufnahmen einfach hochrechnet.

      Zu DAB+, die verwendeten Codecs und die damit verbundenen Kompressionsartefakte sind selbst von der CD klanglich weit entfernt. Dazu kommt noch die Finalisierung in Broadcasting und die in den Empfängern eingesetzten DSPs, die alles verdichten und so das Klangerlebnis regelrecht weichspülen. Verzichten kann man darauf wiederum nicht, weil Artefakte bei Signalen unterhalb von 80 dB schon hörbar werden. Man muss vielleicht zwischen Klang und Sound unterscheiden, denn vom Sound her kann das bei Popmusik schon gut klingen. Aber nur oberflächlich betrachtet, denn bezieht man die Einbrüche bei Dynamik und Bühne mit ein und hört sich DAB+-Signale auf analytischen Monitoren an, wird man schnell entzaubert. Ist übrigens vergleichbar mit Bluetooth, hier müssen die Endgeräte die Verluste durch ähnliche Algorithmen wieder ausbügeln (Frequenzanhebung im Hochtonbereich und Filterstufen), was den meisten Hörern auch genügt. Wenn man aber im ländlichen Raum nur einen Teil der Datenmenge empfängt oder das Signal im Innenraum ohne Klimmzüge mit Außenantennen abreißt, ist jeder UKW-Empfänger mit guter Trennschärfe dem DAB+-Gegurgel überlegen. Ein Beispiel dafür kann man in einer Podcast-Ausgabe über DAB+-Radios hören, die Nummer ist mir gerade nicht präsent. Das bedeutet übrigens nicht, dass man natürlich auch beim analogen Rundfunk nicht auf Finalisierungsstufen verzichten kann, zumal die Lautheit des Trägers selbst bei schwächerem Empfang überwiegen soll und Frequenzhub und Anhebungen der Subbässe natürlich im Auto richtig gut kommen.

      Analogromantiker bin ich ganz und gar nicht, auch wenn ich keiner CD im Vergleich zu einer Vinylscheibe den Vorzug geben würde. Hier sind mir die technischen Grenzen (geringe Kanaltrennschärfe, geringer Dynamikumfang, Rumpeln) bekannt. Trotzdem schwingen bei der Schallplatte sehr viele Emotionen mit. Im Gegensatz zur CD macht sie Musik quasi haptisch erfahrbar, weil auch aktiv was passiert. Aus rein technischer Betrachtung gibt es hingegen keinen einzigen Grund, sich mit Schallplatten heute überhaupt noch zu befassen. Das war auch der Grund für den Siegeszug der CD, allerdings fehlten diese Emotionen, weshalb Vinyl quasi die CD überlebt hat. Schließlich ist eine CD nur ein Datenspeicher und bei 700 MB pro Scheibe ist jeder USB-Stick von der Resterampe besser dran.

      7. Juni 2020
      Reply
  18. Horst jansen said:

    Lieber Stephan, ich danke sehr für deine detaillierte Antwort. Du hast recht, alle Beiträge habe ich nicht genau sondern oft quer gelesen.gemein war aber den meisten eine für mich erstaunliche Polemik ggüber dab plus, auch in deinem Beitrag ist von dabgegurgel die Rede, aber was soll’s, wir hören das was wir wollen und verstehen. Ich bin jedenfalls mit meinem, kleinen dab Stereo Radio sowohl in Klassik u auch im Jazz sehr zufrieden. liebe Grüße, und bleibt alle gesund! Horst jansen

    7. Juni 2020
    Reply
    • Stephan Merk said:

      Moin Horst, mit Deinem letzten Satz hast Du im Prinzip Recht, aber auch nur zum Teil. Hörerfahrungen und kritisches Beurteilen insbesondere von Digitalsignalen erfordert ein genaues Hinhören. In sofern sind kleine, eher unpräzise Lautsprecher in Digitalradios ein Vorteil, weil sie Details nicht akribisch abbilden können. Das ist allerdings auch logarithmisch, denn was man im Direktvergleich tatsächlich hört, muss im Alltag nicht stören. So nutze ich auch Spotify, aber ich habe bei konzentriertem Musikhören schon den Anspruch einer hohen Abbildungsqualität, auf die ich im Alltag verzichten kann. Vielleicht ist das etwas mit Zeitunglesen vergleichbar, die Bilder dort sind oft stark komprimiert und in der Farbtiefe und Auflösung reduziert, das würde kein Fotograf so akzeptieren und man erkennt trotzdem, worum es geht.

      Ich hatte mit DAB, damals noch ohne Plus, vor rund 15 Jahren angefangen. Damals waren die Muxe noch überschaubar zu Gunsten einer höheren Bandbreite einzelner Sender, die Klangqualität war besser, oft auch in Mono. Mit DAB+ hat man die Codecs zu Gunsten einer höheren Senderanzahl verändert, leider auch die Qualität. Das kann man im Direktvergleich hören, muss aber natürlich im Alltag nicht stören. Was mir nur oft auffällt ist, dass viele Klassikhörer sich auch früher mit UKW-Radio begnügten, was ich darauf zurückführe, dass sich das Klanggeschehen zumeist im Präsenzbereich abspielt und die kritischen Randbereiche unbeachteter sind, wie Aliassing oder auch die Stereobasis. Bei Jazz kann ich das hingegen nicht verstehen, gerade Saxophone oder Becken werden mit DAB+ so unglaublich gedämpft, Transienten verwaschen und die Luftigkeit ist faktisch nicht vorhanden. Es mag natürlich sein, dass Du in einem sehr gut versorgten Gebiet wohnst und Du einen hohen Pegel mit geringer Kompression genießt, bei uns auf dem Dorf ist das leider anders. Im Haus gab es somit nur eine Alternative, Internet-Radio, allerdings auch nur mit marginal besserer Qualität, aber mit konstanter Bandbreite und somit stabilem Signal. Ich kann mit keinem DAB+-Empfänger im Haus ohne Ausprobieren eines guten Standortes vernünftig Radiohören, selbst das ging damals mit DAB noch besser.

      Mein Artikel und die damit verbundene Kritik bezieht sich im Kern nicht nur auf die Qualität, sondern die unerfüllten, aggressiven Werbeversprechen, DAB+ könnte UKW ersetzen, weil ist ja alles rauschfrei und viel besser. So eine Aussage hätte eine von Anfang an vernünftige Versorgung erfordert, die es faktisch nur in Ballungsräumen gibt. Weil auch die Reichweite deutlich geringer ist und man die Mittel- und Kurzwellensender bereits abgeschaltet hat, wollen wir über einen flächendeckenden Stromausfall besser nicht nachdenken. Diese Situation hatten wir einen Samstag, zwei Stunden war der Strom weg und zwar im gesamten Kreis, selbst die Mobilfunkumsetzer waren ausgefallen. Ohne Amateurfunkgerät mit zufällig vollem Akku und weiter UKW-Versorgung wären wir informationstechnisch abgeschnitten gewesen. Wenn man tatsächlich noch UKW abschalten würde, wäre die Versorgung über weite Landstriche nur mit einem Sender nicht mehr gegeben.

      8. Juni 2020
      Reply
  19. Horst jansen said:

    Hallo Stephan, ich möchte bezogen auf die ersten zwei Sätze deiner freundlichen Antwort an meinen ersten Beitrag auf dieser Seite erinnern. Ich bin Musiker und höre immer genau hin! Mir ging’s auch nicht um sämtliche andere vielleicht bessere digi Systeme sondern um ukw und dab+. UKW hab ich mein Leben lang geliebt, in Mono! Stundenlang vor alten röhrenradios gelungert und mich gefreut.Nun, Stereo ist ja dann mal technisch Eingezogen und die Probleme begannen auch schon mit mittelklasseanlagen. Hab dann viele Jahre ukw über kabel gehört. Klasse,aber immobil und Ob das noch das alte analoge Signal war, weißt du besser. Ich höre die Defizite beim dab Format, und glaube auch, dass hier bei ner highend Anlage der Spaß schnell aufhört, bei ukw mit terrestrischem empfang aber noch schneller. Zurück zu meinem teufelradio,hier passt alles ganz gut zusammen,und ja,ich lebe im ballungsraum, jedenfalls hat das Ding noch nie gegurgelt😁sieht grad aus, als würde der erste Teil meiner Mail abgeschnitten. Auf jeden Fall danke, dass du mir aufmerksam antwortest. Lg ho

    9. Juni 2020
    Reply
    • Stephan Merk said:

      Moin lieber Horst, dass Du Musiker bist, habe ich erfreut zur Kenntnis genommen, habe nur vergessen, darauf einzugehen. Denn, und das meine ich absolut nicht persönlich, Musikalität und eine Gehörbildung gerade bezogen auf tontechnische Feinheiten sind schon zwei verschiedene Dinge. Wenn ein Ton nicht passt, hört man das natürlich schnell heraus. Ich kenne aber genauso Musiker,*innen, die hochauflösender Musik nicht zwingend was abgewinnen können und sogar MP3-Qualität als CD-nah empfinden. Das ist auch vollkommen okay so und nicht ungewöhnlich. Ein Musiker weiß insbesondere bei organischen Instrumenten, wie diese zu klingen haben und da mag es durchaus pedantische Menschen klingen, für die der Klang eines Instruments wichtiger ist, als das virtuose Spiel. Nur ist es auch kein Geheimnis, dass aktives Musizieren das Gehör auch nachhaltig schädigen kann, was insbesondere für Schlagzeuger oder Bläser bzw. Orchestermusiker gilt. Für den musikalischen Alltag ist das an sich unproblematisch, aber vielleicht ein Bisschen für die Wahrnehmung gerade in den kritischen Frequenzbereichen abseits der Präsenz. Mit anderen Worten kann man Feinheiten im Direktvergleich hören, aber wir sind ja Gewohnheitstiere und natürlich spielt die Psychoakustik und andere Effekte ebenfalls mit rein. Wer im teuren HiFi-Laden vor einer 10.000 Euro teuren Box neben dem Verkäufer sitzt, der einem den auswendig gelernten Sermon des HiFi-Testmagazins vorbetet, wer würde sich trauen zu sagen: Oh, hier in dem Bereich gibt es eine leichte Kuppe, dort eine Senke und Überlagerungen oder verwaschene Transienten. Ich habe das schon gemacht, im Devialet-Store Frankfurt. Mit der Zeit habe ich gelernt, dass nicht der Preis oder das Markenschild den Klang beeinflusst, wobei der Geschmack natürlich eine wichtige Rolle spielen und sich ebenfalls nicht von genannten Faktoren ablenken lassen sollte.

      Zu DAB+ hast Du das Problem schon angerissen, je akkurater die Wiedergabekette ist, also umso impulstreuer die Endstufen und Lautsprecher, desto “unerträglicher” werden digitale Kompressionen. Mit der inzwischen nicht mehr vorhandenen Rotel-Anlage mit B&W Nautilus war es mit einem Denon-DAC mit ALC-32-Processing regelrecht unerträglich, ein YouTube-Video anzuschauen, ähnlich schlimm, wenn nicht ganz so krass zeigt sich das über meine Studiomonitore. Ab dem Moment differenziere ich, ob mir jetzt die Qualität oder nur die akustische Information wichtig ist. Bei richtig guter Musik, die ich nur in komprimierter Form vorliegen habe, sehe ich darüber natürlich gerne hinweg, genauso bei Radio. Aber, das mache ich mir schon bewusst, ist es nicht das technisch machbare, im Gegenteil.

      Daher kann ich das absolut verstehen, was Du über vermutlich das Teufel 3sixty schreibst. Das ist zumindest das einzige Radio, was mir von denen einfällt und ich würde sogar behaupten, es ist eines der, wenn nicht sogar das beste DAB+-/Internet-Radio am Markt. Als Funkamateur würde ich alleine deshalb die Radioqualität nicht als Solche “verteufeln” wollen, jeder Übertragungsweg klingt auf seine Weise einzigartig, ob Mittel-/Kurzwelle oder UKW, ob DAB+ oder Internet-Radio. Nur gibt es zwischen analogen und digitalen Aussendungen doch einen kleinen, aber grundsätzlichen Unterschied, so wäre digital deutlich mehr machbar, aber kommerziell will man der Vielfalt den Vorzug geben. Daher haben wir Abtastraten von bestenfalls 128 Kbit/s, weil reicht ja und der gewöhnliche Hörer glaubt der Werbung schon, dass das alles so unglaublich glasklar ist. Was glaubst Du, warum man immer das geringe Rauschen anführt. Weil es das ist, was einem als Erstes auffallen wird, weil kaum ein UKW-Empfänger wirklich rauschfrei sein kann. Ab diesem Punkt beginnt meine Kritik, dass die Realität, auch bei der Ausbreitung, nichts mit den Versprechen zu tun hat, was natürlich ein Teil der Zielgruppe durchaus anders empfindet oder in Teilen auch über Probleme hinweg sieht, wenn man beispielsweise den Aufstellungsort gefunden hat und das neue Radio am Standort des alten nicht gut empfängt. Wohnen in einem Ballungsraum und ein gutes Radio sind da natürlich zwei tolle Voraussetzungen.

      Wie bei der Fotografie gibt es unterschiedliche Artefakte bei analogen und digitalen Bildern, auch wenn man hier, wie bei hochauflösender Musik, ein Optimum herausholen will. Könnte man vielleicht auch vergleichen mit einer super DSLR-/Systemkamera mit toller Optik und einem Smartphone. Hier belügen die Hersteller die Kunden nicht anders und erzählen, man könne ja ach so tolle Fotos machen mit dem Smartphone, man bräuchte ja keine schwere Fotoausrüstung mehr. Stimmt ja auch, wenn ich nicht versuche, die Fotos als Poster auszudrucken. Analog dazu wäre das DAB+-Radio das Smartphone im Fotosektor, wenn man es so sehen will. Man sollte ebenso nicht versuchen, einen DAB+-Empfänger in schlechtem Empfangsgebiet an eine gute Anlage anzuschließen, wie man ein Foto eines Mittelklasse-Smartphones nicht in DIN-A0+ ausdrucken sollte. Bildprozessoren machen daher eine ähnliche Arbeit, wie es Soundprozessoren auch machen. Sie rechnen Verzerrungseffekte heraus, glätten die Farbverläufe und Kanten, gaukeln uns quasi wie das DAB+-Radio eine gewisse Perfektion vor. Das ist auch okay, sofern man nicht akribisch auf feinste Details und Nuancen achtet.

      An dieser Stelle danke ich für Deine anregenden Zeilen.

      9. Juni 2020
      Reply
  20. Horst jansen said:

    Hallo Stephan, du vermutest richtig, es ist das 3sixty. Ich liebe den kleinen Kerl. leider ist ukwEmpfang noch viel schlechter als ich ohnehin schon bemeckert hatte. Dab+ und Internet aber ziemlich klasse. Wie gesagt, ich vergesse nicht, dasses ein kleines Radio ist, welches es aber bei externer Quelle z.b. Mini disk o CD mit ner mittelguten hifi Anlage aufnehmen kann. Mein Eindruck, ich habe keine Messgeräte. Es gäbe noch den teufel boomster, ist mit Akku und Batterie Betreibbar, aber keine Internetverbindung. So zwischenzeilig hab ich in deiner Antwort den Gedanken herausgelesen, musikerohren seien möglicherweise ruiniert. Nun, hab’s gerade testen lassen, alles bestens. Lieben Gruß. Horst jansen

    10. Juni 2020
    Reply
    • Stephan Merk said:

      Hallo Horst, das Problem bei diesen Multi-Empfängern ist der Abgleich. Es werden meist Antennen für einen weiten Frequenzbereich genutzt, so dass man die Priorität auf die Kernfunktionen setzt. Betrachte die großen Abstände, 3,5m-Band (87,5-108 MHz) und 70cm-Band (530-800 MHz), wo sich unter Anderem DAB+ befindet. Da legt man natürlich den Schwerpunkt nicht auf UKW, es funktioniert im Ergebnis halt, aber eben nur irgendwie. Das gilt auch für die PLL, denn würde man alles vernünftig empfangbar machen, wäre das Gerät um ein Vielfaches teurer.

      Hören und Messen, das ist ja was ich meinte. Es ist für den ambitionierten Musikhörer wichtig, dass der Klang gefällt, hier sind optimale Messungen vor Allem bezogen auf einen linearen Frequenzgang nicht notwendig, viel mehr hat man einen Grundsound, den man abbilden möchte, da spricht man eher von Sounding als vom Kalibrieren. Das will das 3sixty ja auch nicht sein, es ist ein Radio, das größer klingt, als es scheint, eben HiFi. Dagegen ist nichts einzuwenden, aber man würde einfach sehr viel Pulver verschießen, wenn man es mit einem hochauflösenden D/A-Wandler koppeln würde. Hier garantiere ich Dir, würde es immer noch gut klingen, aber nicht besser, als wenn DAB+ oder MD zugespielt würde. Sprich würde man mit einem 3sixty diese Klangnuancen nicht heraus hören können und muss man auch nicht.

      Auf die Sache mit dem Gehör möchte ich abschließend noch kurz eingehen. Ich schrieb ja nicht von einem Hörverlust, auch wenn man die Lautheit beim Musizieren nicht vernachlässigen sollte. Was ich meinte ist, dass ich nicht erkennen kann, ob ein Klavier in Deutschland oder Japan konstruiert wurde und ob bei einer Sonate ein Ton fehlt oder gar zuviel ist, da fehlt mir die Kompetenz. Wohl aber könnte ich beurteilen, ob die Mikrofonierung passt und ob das Instrument digital möglichst authentisch konserviert wurde.

      10. Juni 2020
      Reply
  21. Horst jansen said:

    Hallo,guten Abend Stephan, der weltberühmte Pianist Arthur rubinstein sagte mal bezüglich der Brahms Klavierkonzerte : „ein idiot, der hier alle Töne spielt“ und ich hörs auch nicht, was er da fudelt, vielleicht hat er ja frauenhofer auf ne Idee gebracht. Ist Quatsch, weiß ich doch. Vladimir horowitz würde ich erkennen, Glenn gould auch, egal wie aufgenommen wurde. So sind die Dinge in der Wahrnehmung nun mal. Wenn für mich etwas klar und angenehm klingt bin ich ganz glücklich und hinterfrag nicht, ob’s linear oder klangreglermäßig ein wenig aufgepumpt ist… Unsere schnittmenge scheint mir darin zu bestehen, dass du auch die Musik liebst und nicht nur das Signal. Dein Dipl ing wissen, welches du mir rührend versuchst nahe zu bringen, ist aber bislang eher Perlen vor die Säue. Ich werd aber alles nochmal durchlesen, damit ich diesbezüglich endlich mal mitreden kann. Lieben Gruß horst

    10. Juni 2020
    Reply
    • Stephan Merk said:

      Lieber Horst, so kompliziert ist das gar nicht, weil wir liegen doch auf einer Wellenlänge. 😉 Genau das wollte ich damit ausdrücken, es ist vollkommen okay, wenn man wie Du einen Klang beurteilt. Es gibt halt zwei verschiedene Seiten und ich kenne und nutze beide. Schau Dir in den verschiedenen HiFi-Foren die Pedanten an, die vor lauter Perfektionismus schon zwanghaft ständig was an ihrem Equipment ändern müssen, nur dem angeblich perfekteren Klang zur Liebe. Ich behaupte, dass die Meisten sich dabei etwas vormachen und Gelder in Groschengräber versenken, die sie nur unglücklich machen, weil es diese Perfektion nicht gibt. Wie will man denn entspannt Musik genießen, wenn man stets im Hinterkopf hat, was man noch verbessern oder optimieren könnte? Ich kenne das ja selbst von mir und habe auch in diese Richtung experimentiert. Daran verdienen “HiFi-Esoteriker”, die für ihre Klangstäbe und -Schalen auch gar nicht mal so viel Geld im Einzelnen aufrufen. Aber die Summe macht’s halt und wer hier mal 40 Euro, da mal 50 Euro und so weiter in scheinbare Optimierungslösungen steckt, der wird danach süchtig und bleibt chronisch unzufrieden. Dabei gibt es doch nur die eine Perfektion, das ist das Orchester oder die Band in einem Konzertsaal. Schau Dir an, was manche Lautsprecher kosten, die einem den perfekten Klang versprechen, dafür kannst Du aber sehr viele Jahre mit der kompletten Familie ins Konzert gehen und sogar täglich. 😉 Das ist übrigens der Punkt, den ich an Günther Nubert, aber auch Teufel sehr schätze. Sie verstehen es, genau diese Zielgruppe, die einfach nur gut Musik hören möchten und daran nicht verarmen wollen, vernünftig zu bedienen. Natürlich mit Kompromissen, aber die müssen nicht stören.

      Ja, genauso ist das, Musik ist vielseitig und nicht immer geht es um die perfekte Reproduktion, im Alltag ist das doch gar nicht möglich. Ich gebe Dir auch hier ein Beispiel, Du kannst sündhaft teure Media-Spieler für mehrere Tausend Euro mit entsprechenden In-Ears oder Kopfhörern kaufen und Dich damit in einen Zug oder Flugzeug setzen. Dort herrschen Vibrationen, da sprechen Menschen und da Dein Zwerchfell genauso gut hört, wie Deine Ohren, machen die Verdeckungseffekte den scheinbar guten Klang trotz Geräuschunterdrückung unbemerkt kaputt. Aber man hat ja viel Geld ausgegeben und frönt der teuren Technik und Marke, weil das muss ja gut klingen.

      Daher muss es nicht immer die teuerste Anlage sein, es muss nur den persönlichen Ansprüchen genügen. Ich würde mir beispielsweise niemals einen Plattenspieler für mehrere Tausend Euro kaufen, weil ich weiß, dass er jedem Digitalwandler unterlegen ist, weil die technische Begrenzung vom Vinyl definiert wird. Ein schlechtes Foto wird schließlich auch nicht besser, egal durch welche Brille man es anschaut.

      10. Juni 2020
      Reply
  22. Horst jansen said:

    Hallo Stephan,das Live Konzert als Referenz vorzulegen ist eine liebenswerte Idee, die ich voll unterstütze. Noch schöner wärs, wenn damit alles definiert wäre, ist leider nicht ganz so. Es gibt akustisch große Unterschiede, nicht nur allgemein, auch speziell. Wo ein Klavier toll klingt ist ne Rockband möglicherweise unerträglich. Und umgekehrt. Und dann auch noch individuelle Geschmacksdinge. Sieh dir nur die Diskussionen rund um die elbphilharmonie an! In den Himmel gelobt und verteufelt. Nun, den Menschen die Musik nach Hause zu bringen ist doch ne tolle Errungenschaft. Bei all den Chancen und Risiken möchte ich nicht In.der Haut des Tonmeisters stecken, der mit elektronischen Mitteln die optimale Akustik simulieren will. Im Studio selbst ist ja nur Pappe. Das, was ich seit langer Zeit fühle und betreibe, nämlich die Flucht in die angenehm klingende Mittelmäßigkeit ,wird mir auch im Verlauf unseres netten Gesprächs als für mich richtiger Weg immer klarer. Ich danke dir sehr für deine aufmerksame Art. Lieben Gruß, horst

    11. Juni 2020
    Reply
    • Stephan Merk said:

      Moin Horst, in der Tat sind solche Diskussionen bereichernd, das passiert hier viel zu wenig, liegt natürlich an der geringen Reichweite. Das passiert in unserer Community abseits der Webseite dafür umso intensiver. 😉

      Natürlich hast Du Recht bezogen auf akustische Eigenschaften, aber auch hier kann man sicher zu pedantisch vorgehen und sich den Spaß an der Musik selbst verderben. Es gibt auch wahrlich schlechte Aufführungen, keine Frage. Da ist der Vorteil konservierter Musik natürlich, dass man die Lautheitsverhältnisse im virtuellen Raum perfektionieren kann, sofern man nicht binaural aufzeichnet, siehe Dr. Chesky. Die tontechnischen Leistungen, beispielsweise eines Tony Faulkners, dürfen sich bestimmt mit den architektonischen Gestaltung und Raumakustik eines guten Konzertsaales messen lassen. Es sind halt verschiedene Wege, wie die Musik ans Ohr kommt, wobei sich bei der Aufzeichnung auch viel korrigieren lässt. Wobei ich dann jedoch die binaurale bzw. indirekte Aufnahme mit wenigen Mikrofonen bevorzuge, aber die sind dann weniger was für den Mainstream. Wenn man Musik hört, soll ja alles möglichst gleich laut sein, so entzieht man mit der Dynamikkompression (Angleichung der Lautstärkenverhältnisse) die Natürlichkeit. Wenn man es aber schafft, es so gut zu machen, dass dem Hörer das nicht auffällt, ist das genauso zu honorieren.

      Wir hatten vor einigen Jahren im Podcast die Kirchenorgel der Marburger ELisabethkirche eingefangen und ich nahm verschiedene Rekorder mit. Schlussendlich siegte die binaurale Backup-Aufnahme, die nach unserem Eindruck selbst über Lautspreche klanglich besser ist, als die professionelle Abnahme mit hängenden Mikrofonen aus 25 Metern Entfernung.

      11. Juni 2020
      Reply
  23. Horst jansen said:

    Hallo Stephan, ja wunderbar, dass binaurale aufnahmetechnik selbst über Lautsprecher besser klang, ist ja eher was für Kopfhörer. Also, Glückwunsch. Horst

    11. Juni 2020
    Reply
  24. Georg+Niepel said:

    Bitte um Nachsicht, es beruht nicht auf profunder Kenntnis der Schaltungen, aber vielleicht interessiert meine Erfahrung als Hörer ja hier. Die Kombi-Radios, die DAB+ und UKW können, sind auf UKW schlecht, so glaube ich, weil das Hauptaugenmerk des Entwicklers auf DAB+ und DAB lag. Ich vermute mal, beim Umschalten von DAB+ auf UKW sollte beim Hörer das “ahaaa!!!” Erlebnis ausbleiben. Dies kommt, so glaube ich, nicht nur dadurch weil vielleicht die Antenne nicht gut angepasst ist, sondern weil unter anderem auch schon einmal Chipsätze verarbeitet werden, bei denen das über UKW empfangene Signal innerhalb des Radios mit wahrscheinlich nicht allzu hoher Datenrate digitalisiert wird, um dann auf dem gleichen Weg bis zum Audioverstärker digital weiterverarbeitet zu werden wie das DAB+ Signal. So kann der UKW-Klang gar nicht besser sein als beim selben Radio auf DAB+. Das merkt man als Hörer daran, dass das Audio-Signal beim UKW-Empfang so mancher der genannten Kombigeräte eine ganz leichte zeitliche Verzögerung zeigt gegenüber einem auf denselben UKW-Sender und dieselbe Frequenz eingestellten analogen UKW-Radio. (radio-hobby.de)

    5. Oktober 2020
    Reply
    • Stephan Merk said:

      Hallo, die Impedanz bei den doch etwas verschiedenen Frequenzbereichen ist schon ein Thema, das sollte man nicht unterschätzen. Kann man auch schön mit dem Amateurfunk vergleichen, VHF/UHF, dazwischen liegen rund 300 MHz und sogar weniger Abstand, als zwischen dem UKW- und 70-cm-Band, da spielt sich DAB+ unter Anderem ja ab. Vermutlich arbeiten diese hoch integrierten Chips beim UKW-Empfang als Quasi-SDR-Empfänger, hier könnte schon eine Latenz aufgrund schwacher Prozessoren entstehen. Störungen allerdings auch, verursacht durch Schaltnetzteile, Aktivmatrixdisplays und schlechte Kapselung der Bauteile, die günstigen Dinger sind eben Massenprodukte. Ob ein Gerät wirklich gut oder schlecht ist, wird man aber nur feststellen können, wenn man zen Geräte aus verschiedenen Chargen miteinander vergleichen würde. Ich hatte es hier mit einem Albrecht DR-70, das eine im UKW-Bereich total taub, das andere wiederum sehr gut, im DAB+-Modus jedoch kaum verschieden. Nun ist ja der zweite Bundes-Mux am Start, da muss ich auch mal schauen, ob sich am Empfang etwas verbessert hat.

      5. Oktober 2020
      Reply
  25. Dr. Georg Niepel said:

    Vielen Dank für Ihre (Deine) Antwort. Aber sicher spielt die Antenne eine wichtige Rolle. Und die Exemplarstreuung der Fertigung – oder auch die Streuung beim Abgleich – spielt ebenfalls eine Rolle. So sehe ich das auch. Aber eine Verzögerung eines Audiosignals um einige ‘zig oder wenige hundert Millisekunden, so dass man den Zeitsprung deutlich hören kann, ist mir im analogen Technikbereich noch nicht untergekommen, von Eimerkettenspeichern oder Hallspiralen einmal abgesehen.
    Viele Grüße
    Georg (radio-hobby.de)

    6. Oktober 2020
    Reply
    • Stephan Merk said:

      Hallo Georg, die Latenz lässt schon auf eine digitale Signalaufbereitung schließen, also eben Software Defined Radio, jedoch läuft das ja alles im SoC. Da haben die Hersteller vermutlich gar keinen Einfluss, ich würde behaupten, dass die beiden Global Player Modulbauweise anbieten und Du entscheidest, ob mit Farbdisplay oder ohne und welche Features integriert sind. Da wirst Du vermutlich richtig liegen, nur würde in diesem Fall keine Digitalisierung stattfinden, sondern nur die digitale Signalaufbereitung. Die Antennen betreffend meinte ich das nur bezogen auf die tatsächliche Feldstärke, warum UKW schlechter als DAB+ empfängt.

      6. Oktober 2020
      Reply

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