Merk059 Technik-Talk über die Norddeutschen HiFi-Tage in Hamburg

Letzte Aktualisierung am 30. März 2018

Die norddeutschen HiFi-Tage in Hamburg werden alljährlich veranstaltet. Carsten Rensen war vor Ort und berichtet, was es dort alles zu sehen gibt. Außerdem diskutieren wir die Frage nach dem Sinn und Unsinn teurer Komponenten, reden über Kabelklang und Fine-Tuning von HiFi-Anlagen.

2 Comments

  1. Alex said:

    Hallo Stephan, ich lese und höre mit Interesse Deine Berichte, besonders über HiFi.
    Bei diesem Talk wollte ich dich auf einen möglichen Fehler hinweisen. Bei ca. 22.5 Minute sagst Du:
    Bei 24 Bit sind die Abstufungen zwischen Laut und Leise feiner…So habe ich das auch immer verstanden weil es überall so erklärt wurde. Bis ich den folgenden Artikel mal gelesen habe: https://www.bwgroup.ch/2018/07/12/hartnaeckiger-unsinn-wie-sich-falschaussagen-am-leben-erhalten/
    Was meinst Du dazu, hört sich ziemlich plausibel an?
    Wünsche Dir weiterhin fiel Erfolg bei Deiner Arbeit, mach weiter so. Es muss nicht immer das
    Teuerste sein, aber die Audience 9, was Du mal hattest, war schon ein sehr guter Lautsprecher!

    Viele Grüße
    Alex

    5. Mai 2020
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    • Stephan Merk said:

      Hallo Alex, danke erst einmal für die spannenden Anmerkungen und auch den interessanten Link. Ich habe das mal gelesen und der Tenor geht ja auch von dem aus, was ich auch schon beschrieben habe: Die Digitaltechnik ist exakt genug, so dass man sich rein von physischen Aspekten über Vinyl und Bänder keine Gedanken machen muss. Das wird auf AMAZONA.de auch immer gerne diskutiert bei der Frage, ob ein digitaler Clone eines analogen Synthesizers exakt so klingt, wie sein Vorbild oder ob er das überhaupt muss. Meist wird dabei vernachlässigt, dass die Analogtechnik stets Fertigungstoleranzen und Alterserscheinungen unterliegt, so dass sich selbst zwei originale Instrumente klanglich voneinander unterscheiden. Ich hatte das an einer Stelle auch mal erzählt, der Klangvergleich mit Steckdosenleisten, wobei die originale auch in einem sehr schlechten Zustand war. Das sind für mich schon durchaus Nachweise, dass analoge Technik eher fragil und digitale Pendants robuster und vor Allem gleichförmiger sind.

      Wo ich allerdings nicht ganz mitgehe, sind die Geschichten bezogen auf Highres und Wortbreite. Da interessieren mich auch die Messdiagramme nicht, ich habe ein Experiment mal mit einem Praktikanten gemacht. Der hat ohne Kenntnisse die Unterschiede in verschieden codierten Aufnahmen hören sollen und lag in der Tat selbst bei hochauflösendem Material fast immer richtig. Die Beschreibungen waren dabei eher rudimentär, wie “da ist mehr Hall” oder “die Becken klingen irgendwie natürlicher”, aber hat mir gezeigt, dass vor Allem bei DSD die Unterschiede gravierend sind. Das habe ich selbst auch schon gehört, als dass ich die korrekten Einstellungen des Wandlers erst gehört und anschließend optisch verifiziert habe. Ich hatte ihm auch mehrere Durchgänge mit demselben Material zugemutet und hier hatte er auch oft keine Unterschiede heraus gehört. Wie beschrieben, jemand ohne HiFi-Fachkenntnisse oder entsprechenden Amitionen. Es war einfach technische Neugier.

      Allerdings sehe ich das heute mit hohen Auflösungen auch nicht unkritisch. Klar, wenn ich wählen kann, nehme ich schon die höchste Auflösung, bevorzugt DSD, was aber auch eine andere Technik ist. Viel wichtiger ist die Frage, ob sich die rechnerisch höheren Dynamikstufen überhaupt auszahlen, siehe Audiorekorder mit ihren rauschenden Kapseln. Da machen 24 Bit ebenso wenig Sinn, wie 96 KHz Abtastung. Es gibt allerdings im Studiobereich hochpräzise A/D-Wandler, so auch sehr rauscharme Mikrofone und Preamps, als dass sich die interne Verarbeitung mit 32 Bit lohnen kann. Dabei geht es primär jedoch nicht darum, ob man die Dynamikstufen hört, aber wenn Effekt-Plug-Ins einen höheren Headroom nutzen, gibt es weniger Verzerrungen. Schöne Beispiele gibt es auf AMAZONA.de zum Test der neuen Sound Devices Audiorekorder, die intern mit 32 Bit arbeiten und abtasten, übrigens auch der aktuelle Zoom F6. Digitales Clipping kannst Du damit quasi ausschließen und nicht übersteuern, ebenso kannst Du zu leises Material ohne Zunahme des Wandlerrauschens verstärken. Hintergrund sind auch hier die rechnerisch viel höheren Dynamikstufen. Die Kernfrage ist eher, ob sich das bei der Wiedergabe wirklich bemerkbar macht. Ich habe Aufnahmen, bei denen ich mit impulsgenauen Kopfhörern, wie dem K812 von AKG, durchaus Unterschiede heraus hören kann. Spotify klingt dagegen in Teilen absolut grausam, ebenso aktuelle Pop-Produktionen. Man kann weder messtechnisch, noch pauschal sagen, Highres lohnt sich oder eben nicht. Viel mehr muss man die Kette sehen, das Material und vor Allem die Frage, wie ist es entstanden. Es gibt genügend alte Musik, die man einfach Mittels Resampling hochgerechnet hat und hier gilt der Grundsatz: Was weg ist, ist eben weg. Trotzdem kann man den Klangcharakter damit verändern, etwas aufweichen, analog unpräziser klingen lassen und wem das gefällt, soll sich daran erfreuen. Bezüglich zerlegter Musik schmunzele ich hier beim Marketing der teuren HiFi-Hersteller. Die hatten fürher sündhaft teure CD-Spieler offeriert und lange versucht, ihre analoge Technik zu huldigen All diese Hersteller verkaufen plötzlich Netzwerk-Spieler und noch dazu ihre Musik über das Internet. Wer diesen Widerspruch nicht erkennt, soll ruhig weiter viel Geld in HiFi und teure Kabel investieren. 😉

      Schön ist bei dem verlinkten Artikel, dass auch hier stark Emotionen mitschwingen. Der Autor verlacht geradezu andere Ansichten, Aspekte und okkupiert eine gewisse Richtigkeit seiner Annahmen und vernachlässigt, dass eben genau diese Emotionen gerade für den Musikkonsumenten wichtig sind. Viele Pedanten verspüren absolute Glücksgefühle, wenn eine stundenlang gesäuberte Platte störungsfrei abgespielt wird, ist wie mit Kochen und Essen. Das soll so sein, aber macht Digitaltechnik nicht falsch. Ich erfreue mich auch sehr an meinen Schallplatten und es ist immer ein Hochgenuss, diese abzuspielen. Aber für mich gehören Störungen dazu und es wäre wirtschaftlich kaum zu rechtfertigen, mehr als 1.000 Euro in einen Plattenspieler zu investieren. Akkurat Musik abspielen gelingt eben nur mit der Digitaltechnik. Das hat Markus Pedal ja auch schön im Nubert-Podcast gesagt, dass man eben digital eine tendenziell bessere Qualität zum günstigeren Preis produzieren kann, weil man physikalische Unzulänglichkeiten einfach raus rechnet, DSP sei Dank. Besonders lustig wird es, wenn sich Vinyl-Fans eine aktuelle Produktion kaufen, die quasi vom digitalen Master geschnitten wird und das in nur brauchbarer Qualität. Dafür gibt es keine technischen Gründe, das kann man sich noch so schön denken.

      Zur Dynaudio Audience 9, ja das war ein schöner Lautsprecher und der Umstieg auf die Nautilus 803 keine Verbesserung. Doch würde ich sie nicht gegen meine nuPro X-8000 eintauschen wollen.

      5. Mai 2020
      Reply

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