Retrospektive: Das Entertainer-Keyboard Technics sx-KN7000 an einem aktuellen Musikbeispiel

Letzte Aktualisierung am 24. Mai 2022

Vor bald 20 Jahren hat Panasonic Musical Instruments das Technics sx-KN7000 vorgestellt, das zu seiner Zeit revolutionär war und Features bot, die heute aktuelle Keys nicht immer bieten. USB-MIDI und -Audio, SD-Kartensteckplatz mit MP3-Funktion (wenn auch DRM-geschützt), 64 MB Wellenformspeicher, erweiterbar auf 128 MB und Sound-Editor, Organ-Drawbars und Akkordion-Sektion, Sequenzer und ein breites Farbdisplay, das sogar Slideshows anzeigen kann. Die Geschichte reicht bis in die 80er Jahre zurück, damals standen die imposanten Orgeln wie Technics sx-G7 oder sx-EX-Serie und Digitalpianos wie das sx-PR60 in den Läden. Alleinunterhalter konnte Technics mit transportablen Orgeln und dem sx-KN800 begeistern, welches Ende der 80er über ein Diskettenlaufwerk verfügte und Alleinunterhalter ansprach. Dass Panasonic auch Synthesizer konnte, demonstrierten sie mit dem WSA-1 Mitte der 90er Jahre. Die Aira endete mit dem sx-KN2400 und sx-KN2600, die als kompakte Nachfolger zum sx-KN7000 vorgestellt wurden und sich mit etwas frischerem Sound- und Style-Vorrat auch an jüngere Nutzer richten.Während man sich damals als direkte Konkurrenz zu Yamaha und Roland verstand, während die anderen Hersteller etwas abseits auch Entertainer-Workstations anboten, hat sich Technics von diesem Geschäft getrennt.Die letzten Instrumente dürften um 2005 verkauft worden sein. Bis Heute ist sehr viel passiert und Technics geriet bei vielen vermutlich schon in Vergessenheit, so aber nicht bei allen. Der Urheber dieses Videos schrieb mir dazu:

immer noch bin ich mit dem KN 7000 unterwegs und denke, dass Korg und Yamaha noch nicht enteilt sind.
Mein Song Sidewalk Cafe, das ich von „Hand zu Fuß“ spiele, ist sicherlich beweisfähig.

Das kann man sicher so unterschreiben, auch wenn der kühle und etwas distanzierte Sound des sx-KN7000 einschließlich Vorgänger schon damals seine Freunde finden musste. So wurde beispielsweise in einem damaligen Test der große Flügelklang durchaus zurecht als verhangen und zurückgestellt beschrieben. Aus heutiger Sicht beispielsweise mit Blick auf das Casio CT-S1000V muss ich schon konstatieren, dass man die technischen Fortschritte schon in der Einstiegsklasse hört, was allerdings die Keys von Damals zweifellos nicht obsolet macht. Schauen wir uns das neue Kurzweil K2700 an, klingt es auch noch wie vor 30 Jahren und kommt mit amtlichen Sounds, aber auch hier macht ein Seintenblick auf andere Hersteller durchaus Sinn.

Klar sind Nuancen, Anblasgeräusche, Glides, Key-Offf- und Dämpfersimulation, Saitenresonanz und ungeloopte Samples nice to have, aber für das Spielen live und in Farbe nur dann sinnvoll, wenn man sich nicht noch extra um diese Effekte bemühen muss. In Begleitsektionen sorgen sie wie RealDrums für ein organischeres Klangbild, aber ist das für Alleinunterhalter wirklich wichtig und wird dies vom geneigten Zuhörer auch wahrgenommen? Hier steht dem technisch machbaren die philosophische Frage gegenüber, wie viel Realismus in der Praxis eigentlich notwendig ist. Im Studio und bei Produktionen sind realistische Sounds sicher wichtig, vor Allem wenn sie eigenständig in Passagen vorkommen. Live jedoch und vor Allem im Bandkontext steht das Können sicher im Vordergrund und da wird auch ein Technics sx-KN7000 über eine Beschallungsanlage durchaus überzeugend klingen. Immerhin bietet es auch Multi-Samples und nuancierte Spielmöglichkeiten der Soloist-Sounds an, vor Allem die Erweiterungs-Boards pimpen den Soundvorrat nochmal gewaltig.

Danke an Harry für das tolle Video.

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