DAB+, die Oldie Antenne und Uwe Bahn als neuer Moderator

Letzte Aktualisierung am 9. Mai 2022

Die drei Stichwörter in der Überschrift haben miteinander zu tun und sind Grund genug für diesen Artikel. So moderiert Uwe Bahn seit dem 1. Mai 2022 bei der Oldie Antenne, die Radioszene berichtete. Das ist ein guter Anlass, mich mal wieder mit DAB+ auseinanderzusetzen. Neben der Rock Antenne ist die Oldie Antenne ein Spartenprogramm von Antenne Bayern und daher auch bundesweit über DAB+ zu empfangen, alternativ auch über das Internet. Terrestrisch funktioniert der Empfang in Mittelhessen recht brauchbar, aber dazu komme ich später. Werfen wir zunächst einen Blick auf die neue Sendung und ob sich das Zuhören wirklich lohnt. Nach Wolf-Dieter Stubels Internationaler Hitparade bei Radio NORA bzw. Radio BOB! darf man diese Frage durchaus stellen. Die Oldie Antenne ist nicht der einzige Sender, der sich Rock- und Popmusik vergangener Dekaden bis in die 80er Jahre auf die Fahnen geschrieben hat. Seit Februar 2022 ist die Oldie Antenne auf Sendung und man bemüht sich regelrecht um prominente Radiostimmen. Werktags wird moderiertes Programm von 07:00 bis 19:00 Uhr geboten, am Wochenende sogar noch eine Stunde länger. In den anderen Zeiten ist ledigliich durch stündliche Nachrichten unterbrochene Musik zu hören, die sich erfreulich abwechslungsreich gibt.

Hier geht es direkt zur Oldie-Antenne.

Bayerische Hochkultur mit nordischem Scham

Ganze vier Stunden von 12:00 bis 16:00 Uhr ist er künftig jeden Sonntag auf der Oldie-Antenne zu hören. Vermutlich aber nicht live, sondern als so genanntes Voicetracking. Sprich die Sendung ist vorproduziert und das ist eine Tugend, die mir persönlich nicht gefällt, aber wie sollte es anders gehen, wenn die Moderatoren bundesweit verteilt sind und noch andere Aufgaben erledigen müssen? Zum Moderatorenstamm gehört unter Anderem Stephan Lehmann von Antenne Bayern und Viktor Worms dazu, der ursprünglich von Radio Luxemburg kommt und einem breiten Publikum durch seine Zeit als Moderator der ZDF Hitparade bekannt wurde. Etwas jünger und inzwischen auch ein alter Hase ist Uwe Bahn. Er startete Anfang der 80er Jahre seine Karriere bei NDR 2 und moderierte dort lange Jahre den Club, hier mein Podcast mit Ulli Haaraß mit spannenden Geschichten aus dieser Zeit. Später wechselte Uwe ins Tagesprogramm und moderierte NDR 2 am Vormittag, Bahns neuer Morgen, den Kwatsch Comedy Club mit Ulf Ansorge und aktuell nach wie vor die Bundesliga-Show. Neben seiner Karriere im Radio hat er sich auch als Speaker und Moderator einen Namen gemacht, „Ship happens“ sei an dieser Stelle als spannendes Bühnenprogramm erwähnt. Neben Fußball und Musik zählen auch Kreuzfahrten zu seinen Interessen, weshalb er auch an speziellen Rock-Cruises beteiligt ist.

Amazon Echo Show mit Oldie Antenne

Ich war zugegeben etwas skeptisch. Ein Oldie-Sender aus Bayern und ein Moderator aus Hamburg, , kann das wirklich funktionieren? – Ja, es funktioniert. Vor Allem scheint die Playlist und die gute Mischung Uwes Handschrift zu tragen, auch wenn man sich wohl daran gewöhnen muss, dass bereits 30 Jahre alte Titel offenbar schon Oldies sind. Ungewohnt deshalb, weil viele dieser Songs auch im Tagesprogramm des typischen Formatradios laufen. Das ist okay und stört nicht weiter, denn die Mischung machts und die ist zumindest in der ersten Sendung gelungen. Aber nicht nur die, denn auch das Storytelling beherrscht der Profi natürlich. Gute Geschichten aus seinem Leben, über Songs, Künstler und mal ein Witz lockern die Sache auf. Aber, das ist dann das Erwartbare und anders als früher, die Moderationsstrecken sind kurz geraten. Während früher der Moderator nach zwei Songs zum Mikrofon griff und nicht alles perfekt durchgeplant war, laufen hier einige Titel mehr durch. Da wirkt die Sendetechnik geradezu klinisch rein, das passt nicht so ganz zum Radio von Früher. Wer also bei der Oldie Antenne alte Hits und historische Radiokunst erwartet wird zwar enttäuscht, dafür aber mit einer guten Klangqualität und umfangreicher Musikauswahl belohnt. Da kommt es schon öfter vor, dass auf einen 80er-Hit ein 60er-Oldie folgt, aber warum auch nicht? Das Repertoire ist so umfangreich, wie man es sich im Formatradio eigentlich wünschen würde.

TechniSat Techniradio RDR beim Laden

Die vierstündige Radiosendung wird werbefrei ausgestrahlt und lediglich durch stündliche Nachrichten unterbrochen. Interessant ist auch das Jingle und ich überlegte die ganze Zeit, woher ich es kenne: „Viva la Vida“ vom Inselradio Mallorca, dessen Claim klingt sehr ähnlich und wurde von Uwe mitbegründet. Neben O-Tönen zu seinen Berichten gibt es auch einige Schmankerl, wie „Bahns Beste“, eine Art persönliche Charts zu einem Thema. Zum ersten Mai logischerweise fünf Songs, deren Titel lautmalerisch das Wort Mai enthalten sollen. Dies hat er schon im Clubhouse angefangen und ist eine witzige Idee. Wenn die Sendung mutmaßlich vorproduziert wurde und jeden Sonntag ausgestrahlt wird, dürfte sie mit der Bundesliga-Show auf NDR 2 kollidieren und es gäbe einen Doppelbahn im Äther, dieser Effekt passierte bereits in der zweiten Ausgabe am Muttertag. Dass Uwe Bahn was von Musik versteht, ist sicher kein Geheimnis. Während dies bislang allerdings eher im Norden bekannt war, hat er im Jahr 2021 sein Können in Clubhouse unter Beweis gestellt und sicher einige Fans dazu gewinnen können. Gemeinsam mit Bob Murawka von RPR1, den er zuvor persönlich gar nicht kannte, moderierten sie gemeinsam regelmäßig im eigenen Uwe-Club und überboten sich quasi mit ihren spannenden Musikgeschichten. Die direkte Interaktion der Zuhörer inklusive Wunschkonzert war ein Anziehungsmagnet, so dass der gleichnamige Uwe-Club im Clubhouse als Community schnell die Tausendermarke überstieg. Wer denkt, das sei viel, muss allerdings auch berücksichtigen, dass selten mehr Zuhörer als 80 Leute in einem Uwe-Club zu finden waren. Das macht aber nichts, denn letztendlich ist es ein nichtkommerzielles Format, das er hin und wieder auch heute noch im Clubhouse veranstaltet, während auch Bob Murawka in mit „Music und Storys “ seine Berufung regelmäßig zum Hobby macht.

Hier geht es zur Homepage von Uwe Bahn.

Die Oldie Antenne und DAB+

Ich bin kein Fan von DAB+, wie man in meinem Artikel zum Thema gut nachlesen kann, dieser wurde inzwischen sogar in einer Fachzeitschrift übernommen und von mir immer wieder überarbeitet. Während sich die Empfangssituation hier in Mittelhessen mit rund 46 Sender verbessert hat, liegt gerade die Oldie Antenne in der Problemzone. Auf dem Titelbild ist der Albrecht DR 70 mit gutem Empfangsteil und einfacher Bedienung zu sehen, der nur an bestimmten Positionen im Haus einen klaren Empfang bietet und leider auf Grafiken verzichtet. Aber noch eine andere Erkenntnis stellt sich ein, gleiches Programm über Internet-Radio mit Amazon Echo hinkt über eine Minute hinterher. Diesen Zeitversatz hätte ich so nicht erwartet. DAB+ kann daher fast als Echtzeitmedium punkten, natürlich ganz ohne Internet und daher auch im Freifeld nutzbar.

Dynavox FMP3 Bass Boost und TechniSat Techniradio RDR

Mit dem roten TechniSat Techniradio RDR habe ich Uwe mit auf einen Spaziergang genommen und wollte wissen, ob und wie klar er sich unterwegs in der Fronhäuser Tiefebene anhört. Das geht sogar trotz des kleinen Formats recht klangstark und laut, auch wenn nach einer guten dreiviertel Stunde zuhause angekommen der Akku seinen Dienst versagt hat. Das Modell gibt es auch mit UKW-Radio als Dynavox FMP3 Bass Boost und kann Stunden halten, die digitale Version ist offenbar etwas stromhungriger. Dabei zeigte sich das gleiche Bild, wie ich es auch vom Amateurfunk im 70-cm-Band kenne, das Biedenkopfer Relais DB0HRB ist ebenso schlecht empfangbar in den Tiefen, wobei sich der Empfang in höherer Lage wieder verbessert und im Dorf durch die westliche Abschottung der Oberburg wieder gestört war. Die Erdung durch die Oberleitung der Main-Weser-Bahn direkt vor unserem Haus hilft wiederum als kleiner Empfangsverstärker und so war während des kurzen Ausflugs nahezu kontinuierlicher Empfang möglich. Wie ich es aber schon in meinem anderen Artikel schrieb, Freifeld ist immer besser als innerorts und das sollte sich auch hier wieder klar erweisen. Die aktuelle Verfügbarkeit und lokalen Ausbreitungsbedingungen von DAB+ kann man übrigens für beliebige Orte unter www. dabplus.de nachschlagen. Dieser Service wird von Media Broadcast als Betreibergesellschaft unterstützt.

Fazit

DAB+ ist nach wie vor nicht perfekt, hat aber an Vielfalt und sicher in Ballungsräumen zugelegt. Immerhin gibt es mit Bahns neuer Sendung am Sonntag einen weiteren Grund es zu nutzen, wobei sich RPR1. Hier leider nicht digital empfangen lässt. Das ist noch unverständlicher als die hier ausbleibenden WDR-Sender. UKW ist und bleibt hier für Wellenjäger zu bevorzugen, ohne gute Außenantenne ist hier mit DAB+ nac wie vor nichts zu holen und ich hoffe, dass sich daran in naher Zukunft noch was verbessert. Ob nun die UKW-Abschaltung kommt ist nach wie vor unklar, aber falls dem so sein sollte, ist DAB+ nach jetzigem Stand immer noch kein adäquater Ersatz.

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