RODE Broadcaster, Sprechermikrofon mit Großmembran-Kondensatorkapsel

Schon seit Anfang des Jahrtausends gibt es das Broadcaster und in meinem Vergleichstest zu RODE-Mikrofonen war es nicht vertreten. Ich war allerdings doch sehr neugierig, denn für das direkte Besprechen sind NT1 und NT1000 nicht ganz optimal geeignet. Sie fangen auch etwas zu viel Rauminformationen ein und neigen bei der Nahbesprechung zu einem muffigen Klangcharakter, welchem das NT1-A durch eine Höhenanhebung etwas entgegen setzt. Im RODE RODECaster Pro gibt es ein Profil für das Broadcaster und so lag es nahe, das Mikrofon auch einmal auf den Prüfstand zu stellen. Auch deshalb, weil es beispielsweise in der Sendeanstalt des ORF ausreichend vorhanden ist und das hat sicher Gründe. Übertrieben behaupten manche, es ginge nichts über ein Sennheiser MD-441, dem möchte ich nicht nur im Hinblick auf das Shure SM7B widersprechen. Allerdings braucht dieses einen guten Preamp und neigt zum Rauschen, das RODE Broadcaster rauscht durch die HF2-Großmembran-Kondensatorkapsel nicht und ist klanglich sehr ähnlich abgestimmt. Kein lineares, aber ein auf Sprache optimiertes Mikrofon mit einem zuschaltbaren Lowcut-Filter, das von Vorne besprochen wird und dessen Vorzüge ich absolut nachvollziehen kann. So gehört es jetzt zu meinem Portfolio und hat das NT1000 für Sprachaufnahmen ersetzt. Durch die gegenüber Rauminformationen etwas unempfindliche Bauform kann ich sogar auf die ISOVOX verzichten, auch wenn akustisch noch etwas Optimierungsbedarf besteht. Den ganzen Test findet Ihr bei AMAZONA.de.

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6 Comments

  1. Christian Ohrens said:

    Konntest du schon das Rode Procaster testen? Falls ja, gibt es große Unterschiede zum von dir getesteten Broadcaster?

    23. Februar 2021
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    • Stephan Merk said:

      Außer dem NT2000 hatte ich eigentlich alle hier. Procaster und Broadcaster sind zwei vollkommen verschiedene Konzepte. Das Procaster hat eine dynamische Großmembran-Kapsel, während das Broadcaster die HF2-Kapsel des NT1000 hat, aber nicht so rauscharm ist. Das Procaster braucht also einen ruhigen Preamp, ist gegenüber Rauminformationen dafür auch unempfindlicher und nicht so leise wie das Shure SM7B. Das Broadcaster benötigt dafür Speisespannung, das Broadcaster durch die Kondensatortechnik rauschärmer, dafür aber auch empfindlicher. Es hängt also etwas davon ab, woran Du es betreiben willst und wie die Raumsituation ausfällt. Für die Nahbesprechung, beispielsweise zur Kompensation von Rauminformationen, benötigen beide aber einen Windschutz, auch wenn RODE einen internen hat. Ich würde sogar meinen, das Procaster ist gefühlt windunempfindlicher. Irgendwo liegt noch ein Vergleichstest aller RODE-Mikros, aber weil das Broadcaster damals etwas zu viel gewesen wäre, hatte ich es im Einzeltest nochmal extra vorgestellt.

      23. Februar 2021
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      • Christian Ohrens said:

        Habe hier das Procaster in Gebrauch seit rund 4 Jahren, mich hatte nur mal der direkte Vergleich interessiert, weil mir die Unterschiede nicht ganz klar waren – vielen Dank dafür. 🙂
        Das Procaster lässt wenig Außeneinflüsse (z. B. Raumklang, Brummen des Rechners etc.) zu, jedoch – das schriebst du ja auch – sollte man es schon mit dem dicken Schaumstoffwindschutz betreiben.

        Nur was nützt einem das beste Mic, wenn das Interface dahinter nicht stimmt. Grabe mich derzeit durch deine diversen Testberichte, um einen guten Ersatz für mein derzeit genutztes Yamaha MG XU zu finden, was leider doch recht rauschintensiv ist, trotz vernünftig abgeschirmtem Kabel und externer Stromversorgung.

        25. Februar 2021
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        • Stephan Merk said:

          Das ist wohl richtig, aber es macht auch wenig Sinn, für ein Einsteiger-Mikrofon in ein teures Audio-Interface zu investieren. Es gibt allerdings schon einige Empfehlungen, Audient hat die iD-Reihe überarbeitet, auch von Tascam gibt es mit der UA-HR-Serie neue Interfaces mit sehr rauscharmen Ultra-HDDA-Preamps. Das MOTU M2/M4 wäre auch eine Empfehlung, aber vergleichsweise teuer und würde sich für das Procaster vielleicht nicht lohnen. Das AI-1 von RODE selbst habe ich hier auch liegen, allerdings ist der Preis für das Gebotene und ohne ASIO-Unterstützung vielleicht etwas hoch gegriffen. Das macht sich eher im Studio-Bundle mit dem NT1 wiederum gut, da stimmt das Gesamtpaket. Nur würde ich das NT1 oder NT1-A nicht als Sprechermikrofon empfehlen.

          Die Unempfindlichkeit vom Procaster ist auch bedingt durch die Tauchspule schon super und von der Spannung etwas lauter als das SM7B. Man muss aber auch realistisch bleiben, das Procaster ist ein günstiges Mikrofon, das durch einen guten Preamp zwar rauschärmer, aber nicht detailreicher wird. Stattdessen könntest Du über das neue Shure MV7 nachdenken, das hat USB und XLR. Es geht aber auch günstiger. Die FET-Amps als Zwischenverstärker sind eine gute Lösung und heben den Pegel deutlich an, auch von ART gibt es diese kleinen Tube-Vorverstärker, hatte so etwas irgendwann mal im Podcast vorgestellt, die recht wenig kosten, aber wirkungsvoll den Gesamtpegel anheben und auch etwas wärmer erklingen lassen. Für Sprache ist das eigentlich super, aber es verändert auch den Klangcharakter. Lösungen gibt es derer viele, abhängig von Arbeitsweise und Geldbeutel.

          25. Februar 2021
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          • Christian Ohrens said:

            Guten Morgen,
            viele neue Anregungen, vielen Dank nochmals, ich schaue mir das alles mal ausführlich an.
            Über ein Preamp wie dem Tritonaudio Fethead oder das Vergleichsprodukt der Thomann-Eigenmarke, hab ich jedoch auch schon nachgedacht.

            26. Februar 2021
          • Stephan Merk said:

            Ja, es ist wie immer die Frage, was Du willst. Ich würde das von Thomann bevorzugen, kann ähnliches und ist günstiger. Man darf nur nicht vergessen, es ist eben ein AMP, wenn auch mit einem FET-Kondensator. Der verändert nicht wesentlich den Grundcharakter und fügt zwar weniger, aber trotzdem Rauschen hinzu, als beispielsweise das LiveTrak L-8 von Zoom. Mit dem SM7B rauscht es zwar auch, aber ich muss den integrierten Amp nicht ans Maximum fahren und damit auch Störungen mit verstärken. Wenn Du Dir also eh über ein vernünftiges Interface Gedanken machst, brauchst Du keinen FET-Amp, dann kannst Du lieber gleich darauf achten, rauscharme Vorverstärker zu wählen. Die Auswahl ist riesig, auch von ART gibt es inzwischen welche mit Röhre, wie die genannten. Im einfachsten Fall das neue HR-Interface von Tascam oder was auch immer. Aber FET-Amp wird Dir im Ergebnis sicher weniger nützen, der kostet ja auch schon fast so viel wie das Tascam US-1×2 HR.

            26. Februar 2021

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