Test: Valco Nordell MK3 und NL21, Bluetooth-Lautsprecher und TWS-In-Ears

Letzte Aktualisierung am 22. August 2022

Der finnische Hersteller Valco fertigt nicht nur Kopfhörer, sondern verkauft auch neben Werbeartikeln In-Ears und Bluetooth-Lautsprecher. Nachdem mich die Valco VMK20 sichtlich begeistern konnten, war ich neugierig und orderte den Valco Nordell MK3 Bluetooth-Lautsprecher und die In-Ears Valco NL21 in der Hoffnung, die Produkte könnten genauso überzeugen. Ich schicke es voraus, meine Begeisterung hält sich dieses Mal eher in Grenzen, aber es gibt dennoch gute Gründe, sich die Produkte etwas genauer anzuschauen. Bei den Preisen von 99 Euro für die Bluetooth-Box und 79 Euro für die In-Ears sprechen wir schließlich nicht ganz von einem Schnäppchen.

Valco Nordell MK3 und NL21 Verpackung

Verpackt kommen beide Produkte klassisch in folierten Kartonagen, das scheint mir nicht wirklich so auszusehen, als habe der Hersteller dieses Mal selbst Hand angelegt. Es gibt immerhin einige chinesische OEM-Fabrikate, die Audioprodukte auf Wunsch anpassen und mit einem Logo versehen. Während der Valco VMK20 nämlich seine Eigenständigkeit mitbringt, siehe beispielsweise die Sprachansagen, scheinen Valco Nordell MK3 und Valco NL21 kaum etwas miteinander zu tun zu haben. Sowohl Sprachansagen, als auch die unterstützten Protokolle erinnern rein gar nicht an den Valco VMK20. So folgte die Ernüchterung prompt, die NL21 unterstützen AAC und kein aptX, das ist gut fürs iPhone aber nicht für jedes Android-Device, der Nordell MK3 bietet hingegen nur SBC-Standard, was bei einem kleinen Bluetooth-Lautsprecher nicht ganz so tragisch ist. Dafür hat er aber auch einige Überraschungen parat, so dass wir uns den Valco Nordell MK3 als Erstes widmen.

Valco Nordell MK3, Bluetooth-Lautsprecher

Geliefert mit USB-C Lade- und Klinkenkabel für externe Quellen kommt das gute Stück bei mir an. Gerade Klinkenkabel sehe ich immer seltener bei Lautsprechern, sie werden von den meisten Anwendern aber wohl auch nicht gebraucht. Das robuste Gehäuse ist rundherum gummiert und durch stabile Gitter vorne und hinten geschützt, hier im Vergleich zu meinem Canton Musicbox XS mit Aluminiumrahmen, der es übrigens nicht erlaubt, das Smartphone fernzusteuern.

Valco Nordell MK3 mit Canton Musicbox XS

Während der Canton ein eher fragiler Kandidat und einfach zu schade für den Strandurlaub ist, wurde der Valco Nordell MK3 dafür staub- und wassergeschützt konstruiert. Durch die umlaufende Gummierung kann man ihn auch senkrecht stellen und eine stabile Öse auf der rechten Seite erlaubt auch das Aufhängen, beispielsweise in einem Zelt. Die Gitter auf der Front- und Rückseite sind stabil und können nur schwer verbeulen, denn sie werden etwas durch die umlaufende Lippe der Gummierung vor Stürzen geschützt und sind am Rand umgeschlagen, das erhöht die Stabilität zusätzlich. Ob hinter dem Gitter ebenfalls eine Schutzmembran eingesetzt wurde, konnte ich nicht ermitteln. Trotzdem gibt es für die Verarbeitung ein dickes Plus, denn auch die rückseitige Abdeckung hält Staub und Wasser fern.

Valco Nordell MK3 Oberseite

Die sechs Tasten auf der Oberseite sind plan ins Gummi eingelassen. Sie haben einen definierten und fühlbaren Druckpunkt und gut tastbare Symbole. Auffällig ist die dritte Taste von Links, 3D. Hiermit wird eine Weitwinkelfunktion aktiviert, die zwar nichtganz an die Dynamore-Funktion des Teufel Bamster Pro heran reicht, dieser kostet allerdings wie der obige Canton normalerweise rund das Doppelte. Beim Valco Nordell MK3 lassen sich drei Einstellungen wählen, die sich auf die Stereobreite und das Bassfundament auswirken. Das ist auch gut so, denn bei dem engen Abstand zwischen den Treibernwirkt ein Stereoeffekt nur, wenn man unmittelbar davor sitzt. Im Zimmer auf dem Regal sorgt 3D für eine etwas bessere, aber nicht perfekte Räumlichkeit. Auch die Klangabstimmung wird voller und liefert ein druckvolleres Bassfundament. Die beiden rechten Tasten steuern die Lautstärke und länger gedrückt den Titelsprung, links daneben befindet sich die Play/Pause-Taste. Power befindet sich ganz links und die zweite Taste schaltet zwischen den Eingängen um. Eine Sprachansage hat der Valco Nordell MK3 nicht und vermeldet seinen Status mit Pieptönen und einem netten Sound beim Ein- und Ausschalten.

Valco Nordell MK3 Kartenfach

Auf der Rückseite hinter der gut dichtenden Gummiklappe finde ich nicht nur den USB-C-Anschluss zum Aufladen und den Klinkenanschluss für externe Zuspieler, sondern einen Schlitz dazwischen. Hier lässt sich eine microSD-Speicherkarte einstecken. Das ist zunächst nichts Besonderes und können andere Lautsprecher auch. Aber ich versuchte mich direkt an einer Karte mit 400 GB, welche alle meine gekaufte Musik als Sicherung enthält und wurde nicht enttäuscht. Der Valco Nordell MK3 akzeptiert das ExFAT-Dateisystem und spielt sofort drauf los, es lässt sich schnell zwischen Titeln vor- und zurückspringen. Leider ist die Funktion wie bei vielen Lautsprechern dieser Art sehr rudimentär, denn es werden zwar Unterordner erkannt, aber der Wechsel zwischen Verzeichnissen ist ebenso nicht vorgesehen, wie eine Zufallswiedergabe oder der Suchlauf im Track. Für die Garten- oder Zeltparty ohne Smartphone reicht es aber und bei optimaler Vorauswahl wird man sicher auch mit einer festen Titelreihung zurecht kommen können. Während die Lautstärke des Valco Nordell MK3 mit dem Smartphone synchronisiert wird, ist die Standardlautstärke beim direkten Umschalten auf den Speicherkartenbetrieb ohne Bluetooth-Verbindung für die Mittagsruhe zu laut eingestellt. Das ist immer so, wenn man sie einschaltet und die zweite Taste von Links drückt. Verbindet sich die Box mit dem Smartphone, wird die letzte Lautstärkestufe übernommen, auch wenn man anschließend in den Speicherkartenbetrieb wechselt. Sollte das Smartphone Musik abspielen, wird automatisch in den Pause-Modus gewechselt und die Box merkt sich auch die letzte Position auf der Karte und begimmt am Anfang des zuletzt gehörten Tracks. Es werden MP3- WAV- und FLAC-Dateien erkannt, aber nur 16 Bit. Alles darüber und auch M4A-Files werden übersprungen. Über USB-C kann der Lautsprecher auch als Audio-Interface genutzt werden, das sollte auch an Android-Smartphones funktionieren. Kleiner Fun Fact: Die akustischen Sounds erinnern sehr stark an JBL, möglicherweise wird die Elektronik zugekauft.

Valco Nordell MK3 Rückseite

Die zentrale Frage bei einem Bluetooth-Lautsprecher ist natürlich der Klang. Dies ist etwas schwierig einzuordnen, denn durch fehlende HD-Standards bewegt sich Bluetooth hier auf eher einfachem Niveau. Man hört dies aber nur im Vergleich mit anderen Lautsprechern, die dem Smartphone mehr Bandbreite entlocken. Bei hoher Lautstärke und erst recht dann, wenn man nicht vor ihm sitzt, spielt das eine untergeordnete Rolle. Hier erweist sich der microSD-Kartenschacht des Valco Nordell MK3 als ausgewiesener Qualitätsvorteil, darüber lassen sich MP3-Files auch in hoher Qualität abbilden und den Unterschied hört man im Vergleich deutlich. Von seiner Abstimmung klingt er nicht neutral, sondern erinnert leicht an Kompressionstreiber. Die Mitten setzen sich dabei etwas durch und das ist besonders für den Outdoor-Einsatz und für Jazz- und Klassikfreunde ein Vorteil. In Innenräumen nutzt man die 3D-Funktion und erreicht besonders bei geringerem Pegel in der dritten Einstellung ein wohnlicheres Gesamtbild. Der Canton Musicbox XS klingt zwar etwas sauberer, auch durch die Unterstützung von Qualcomm aptX, aber brilliert dafür weniger im Hochtonbereich und Draußen wäre er dem Valco Nordell MK3 haptisch unterlegen, weil zu empfindlich und in Maximalstellung auch leiser. Technisch handelt es sich um ein 2.0-System mit Passivradiatoren auf der Rückseite, die das Klangbild im unteren Frequenzgang etwas verbessern. Das kann je nach Raum und Aufstellung sogar für Hip-Hop genügen, aber große Wunder sind ob der geringen Gehäusegröße natürlich kaum zu erwarten. Der Valco Nordell MK3 ist 20,2 cm breit, 6,1 cm tief und 7,8 cm hoch, mit 500 Gramm nimmt er auf Reisen wenig Gewicht für sich in Anspruch.

Valco Nordell MK3 senkrecht

Zusammenfassend ist der Valco Nordell MK3 absolut kein schlechter Lautsprecher, hat aber im Preisbereich um 100 Euro viel Konkurrenz zu fürchten. Hier muss ich ehrlich bleiben und beispielsweise an den kleinen VAVA Voom 20 aus 2017 denken, der für weniger Geld noch mehr Klang geboten hat, dafür aber ohne Speicherkartensteckplatz auskommen musste. Von daher ist der Valco Nordell MK3 auf keinen Fall ein schlechter Lautsprecher, aber Vergleichen lohnt sich dennnoch. Was er anderen ebenfalls voraus hat sind extrem geringe Nebengeräusche, ein Eigenrauschen gibt es allerhöchstens, wenn man ihn direkt ans Ohr hält. Soweit die guten Nachrichten, kommen wir nun zu den In-Ears.

Valco NL21, TWS-In-Ears

Auf der Produktseite schreibt Valco selbst, dass die NL21 nicht perfekt sind, vor Allem die Telefonie nicht überzeugt. Dafür sollen sie aber das Bestmögliche zu diesem Preis bieten und nachdem ich mich schon mit vielen günstigen China-In-Ears herumschlagen musste, kann ich dies leider nicht ganz unterschreiben. So sitzen sie bei mir außerordentlich schlecht, auch berührt man ständig ungewollt die seitliche Touchfläche. Links ist sie mit dem Assistenten belegt, rechts mit Titelsprung für den Player. Das Umstellen geht zumindest am Nokia 8.3 5G nicht. Der lange piepton nervt etwas und diesen kenne ich von günstigen CSR-Chips, die englischen Ansagen mit der weiblichen Stimme sind nicht zu laut und gut verständlich. Klanglich ist erfreulich, dass sie im Gegensatz zu vielen In-Ears nicht kreischen und relativ homogen klingen, aber auch nicht außergewöhnlich gut oder druckvoll, dabei sind leider auch vor Allem auf der rechten Seite zeitweilig Nebengeräusche und Artefakte der Elektronik zu hören.

Valco NL21 einzeln

Dafür sind die Valco NL21 grundsätzlich gut verarbeitet, das schwarze Gehäuse wirkt solide und besteht aus glattem Kunststoff. Sie kommen in einer magnetisch verschließbaren Box, in der sie auch geladen werden. Ein USB-C-Ladekabel liegt ebenso bei, wie drei Ohrpassstücke in den üblichen Größen, das Silikon ist allerdings hauchdünn und in der Qualität eher minderwertig. Das können In-Ears für 20 Euro besser, auch wenn sie ein Kabel zwischen den Ohrhörern nutzen. Umwelttechnisch bin ich kein Freund dieser Drei-Akku-Lösung, was gleichermaßen für die Apple AirPods Pro gilt, die man aufgrund der Preisdifferenz jedoch nicht vergleichen kann. Dem entsprechend verfügen sie auch über keine Convenience-Funktionen, so aktivieren sie sich zwar beim Entnehmen aus der Box, aber man muss sie durch langes Drücken des seitlichen Touchfelds selbst ausschalten. Eine Trageerkennung fehlt ebenso und so muss man die Wiedergabe beim Entnehmen aus den Ohren entsprechend anhalten.

Valco NL21 BValco NL21 Boxox

Als True Wireless System (TWS) kann man sie auch einzeln verbinden und daher bekommt auch jeder In-Ear den eigenen Kanal vom Smartphone. Das könnte bei älteren Modellen Probleme bereiten, wie ich es bei den Fostex TM2 feststellen konnte. Dafür kann man aber die In-Ears auch einzeln nutzen und quasi wie ein Mono-Ohrhörer. Weil sie bei mir zumindest sehr schlecht in den Ohren halten, ist eine Verlustgefahr absolut gegeben. Geladen werden sie nicht induktiv, sondern über Kontakte in der Ladeschale. Eine LED am unteren Ende zeigt den Verbindungs- und Akkustatus an, der Dank modernem Bluetooth auch im Smartphone überwacht wird. Android-Nutzer mit einem USB Type-C-Kabel könnten die Valco NL21 auch am Smartphone nachladen, sofern der Akku in der Box zur Neige geht. Diese ist vom Format etwas kastiger und nicht so schlank. Trotzdem muss ich abschließend betonen, Freunde werden wir nicht. Hier hatte ich schon Produkte auf dem Tisch, die mir selbst für 25 Euro besser gefallen haben und klanglich nicht weit hinter den Valco NL21 liegen.

Fazit

Trotz guter Werbung kocht auch Valco nur mit Wasser und es ist klar, dass ein gutes Marketing nicht automatisch für gute Produkte steht. Wenn Hersteller nicht wirklich selbst herstellen, unterscheidet sich auch die Qualität der Produkte, was im schlimmsten Fall dem Image schaden könnte. So weit ist das bei Valco zwar nicht, aber die Qualitätsunterschiede könnten deutlicher kaum sein. Man muss sich auch vergegenwärtigen, was Entwicklung heute kostet und will man im Low-Cost-Bereich unterwegs sein, sind immer Grenzen gesteckt. Namhafte Hersteller fangen dies mit guten Produkten oder anderen Produktreihen ab, aber hier haben die Finnen vermutlich wenig Spielraum. So gut der Valco VMK20 ist, so schlecht sind die Valco NL21, es sollen aber weitere Modelle folgen. Die 100 Euro Preisdifferenz sind die Kopfhörer allemal wert, die InEars dafür ihr Geld eher nicht. Schlechter Sitz, nerviges Auslösen der Funktion beim Nachkorrigieren und der Klang ist allenfalls guter Durchschnit.

Beim Lautsprecher Valco Nordell MK3 bin ich etwas hin- und hergerissen. Einerseits klingt er wirklich angenehm und ist robust für Draußen, da mag man keinen Teufel Bamster Pro oder Canton Musicbox XS ohne Tasche mit sich herum tragen, auch die Steuermöglichkeit des Smartphones sollte man nicht unterschätzen. Trotzdem ist die Klangqualität nicht so herausragend, dass man den microSD-Karteneinschub als absoluten Vorzug anführen könnte. Fehlendes AAC und aptX stehen auf der Soll-Seite, auch wenn das in der Praxis für die meisten Anwender keine Rolle spielen dürfte. Von daher gilt wie immer die Frage, welchen Schwerpunkt man setzt. Outdoor-Tauglichkeit und Speicherkarten als alternative Klangquelle sprechen definitiv für den Valco Nordell MK3.

Hier geht es direkt zum Hersteller.

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