JAWS oder die Marktberechtigung für teure Screenreader

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Während früher optionale Screenreader notwendig waren, damit blinde Anwender einen Computer bedienen konnten, sind diese heutzutage in den Betriebssystemen ein fester Bestandteil oder als spendenfinanzierte Projekte kostenlos für Jedermann verfügbar. Grund genug, der Kritik an den vergleichsweise hohen Kosten für Screenreader auf den Grund zu gehen. In meiner Berufspraxis kommt es gelegentlich vor, dass ich blinde Kunden bediene, das hat auch manchmal persönliche Vorteile. Denn so konnte ich aktuell den bekannten Screenreader JAWS in der aktuellen Version 18 Home testen und es auf einem neuen System mit schneller Hardware dem kostenlosen bzw. spendenfinanzierten NVDA gegenüberstellen. Vorausschicken muss ich allerdings, dass in meiner Berufspraxis JAWS nie Thema war. Ich arbeitete stets für Unternehmen, die gerade kein JAWS im Portfolio haben durften und auf andere Hersteller wie Dolphin oder GW-Micro setzten, JAWS war der “böse Konkurrent” und dennoch bei der Masse beliebt.

Wozu braucht man einen Screenreader?
Die Aufgabe eines Screenreaders besteht nicht nur darin, den Text eines Computerbildes und die zugehörigen Elemente in strukturierter Weise per Sprachausgabe vorzulesen, es ist auch die optionale Textausgabe auf einer Braillezeile möglich. Mit deren Hilfe kann der Anwender nicht nur den Text in Blindenschrift lesen, sondern je nach Gerät auch den Computer sogar tastaturlos bedienen. Während sich bei der reinen Sprachausgabennutzung die Screenreader heutzutage relativ gering voneinander unterscheiden, gibt es bei der Brailledarstellung geschätzte Unterschiede, so dass manche Anwender bestimmte Screenreader bevorzugen. Gerade NVDA fällt in diesem Punkt etwas zurück, weil sich die Brailledarstellung zu sehr an der Sprachausgabe orientiert. Einen strukturierten Flächenmodus, der das Computerbild taktil in verkleinerter Weise tastbar macht, ist derzeit nur den hochpreisigen Produkten vorbehalten. Am Mac sieht das etwas anders aus, da hier die unterschiedliche Struktur durch die hierarchische Darstellung keine Oberflächenanalyse per Braillezeile erfordert. Überhaupt kann man sich streiten, ob diese Darstellungsform heutzutage zwingend notwendig ist. Da viele ihre Braillezeile hauptsächlich in der Textverarbeitung und für Office-Aufgaben nutzen, ist eine Inhaltsdarstellung für die meisten Anwender ausreichend.

Einen weiteren großen Unterschied gibt es bei der Anpassbarkeit spezieller Software. Hier setzen die teuren Produkte auf mächtige Skripting-Werkzeuge, die auch das Auslesen komplexer Anwendungen ermöglichen. Das ist besonders am Arbeitsplatz eine Herausforderung, wenn beispielsweise der blinde Anwender auf spezielle Funktionen einer Telefonzentrale oder eines unternehmensspezifischen Programms zugreifen muss. Mit speziellen Makros, Tastaturkurzbefehlen und einer aufwendig strukturierten Darstellung der Informationen ist eine anwenderorientierte Anpassung möglich. Hingegen werden Standardprogramme, wie Microsoft Office, OpenOffice oder Internet-Browser, von allen Produkten mehr oder weniger gut unterstützt.

Kostenlos vs. Kostenpflichtig
NV-Access stellt der gesamten Welt den NVDA Screenreader kostenfrei zur Verfügung. Die Motivation hinter dem Projekt von NV-Access ist, jedem blinden Menschen, eben auch in Entwicklungs und Schwellenländern, den Windows-Zugang zu ermöglichen. Eine durch Spenden finanzierte Community pflegt und entwickelt NVDA. Wie bei vielen dieser Projekte sind das in Wesentlichen Menschen, die gerne programmieren, ihr Geld aber anderweitig verdienen. Beispielsweise mit Schulungs- und Serviceangeboten, so dass man zwar die Software erhält und eine brauchbare Dokumentation, nicht aber das Wissen, damit umzugehen. Das eignet man sich selbst an oder bemüht externe Helfer. Bleiben Spenden aus, können solche Projekte auch schneller beendet sein, als einem das lieb wäre. Daher sollte jeder Anwender wenige Euro pro Jahr spenden, um dieses Risiko zu minimieren. Konkret war das Projekt schon mehrfach aufgrund zu geringer finanzieller Zuwendungen gefährdet.

JAWS von Freedom Scientific, jetzt VFO, kostet je nach Version um 2.000 bis 3.000 Euro, also in Etwa so viel, wie ein besser ausgestattetes MacBook. Rechnet man die Kosten für ein gewöhnliches Notebook von rund 800 Euro mit ein, hätte man knapp die Top-Ausstattung eines aktuellen MacBook Pro 13 mit TouchBar erreicht, das bereits ab Werk mit VoiceOver ausgestattet ist. Aber auch Microsoft Narrator in Windows 10 bietet inzwischen im Bereich der Windows-Anwendungen eine so gute Zugänglichkeit, dass man jeden Windows-Computer auspacken, einschalten und direkt mit der Sprachausgabe einrichten kann. Nachdem der Narrator seit Jahren vor sich hin dümpelte, hat die aktuelle Version einige Verbesserungen erfahren. Auch Braillezeilen werden sogar nativ mit BrlTTY unterstützt. Allerdings sollte man auch die Profitorientierung der kapitalistisch ausgerichteten Großkonzerne nicht unterschätzen, so ist Barrierefreiheit zumindest heute ein guter Werbeträger: “Wir tun was für die Gesellschaft”, das kann aber schon übermorgen anders sein. NV-Access hingegen ist unabhängig und so wäre es nicht undenkbar, dass man auch für andere Betriebssysteme eine Lösung finden könnte. Gleiches trifft auch auf die Software-Anbieter von Screenreader zu, die sich jedoch bislang ausschließlich auf Windows fixieren.

Während Windows und MacOS sehr gut zugänglich sind, verhält sich das mit Linux etwas anders. Hier treffen sich Fluch und Segen: Klaus Knopper leistet mit dem ebenfalls kostenlosen ADRIANE im Linux-Betriebssystem Knoppix einerseits Großartiges, auch Ubuntu lässt sich per Sprachausgabe von Anfang an installieren und nutzen. Andererseits wollen vor Allem blinde Anwender nicht abgehängt sein und weder die textbasierte Oberfläche von ADRIANE nutzen, noch lässt sich mit dem Linux-Screenreader Orca vor Allem aufgrund seiner quasi nicht vorhandenen Hilfestellung vernünftig mit der grafischen Linux-Oberfläche arbeiten. Unter dem Strich bleiben somit auch heute nur Windows und MacOS als ernstzunehmende Produktiv-Umgebungen für den Mainstream übrig, im Zeitalter der Inklusion sind vom Standard abweichende Lösungen einfach nicht mehr zeitgemäß. Gerade die Werbeaussage zum ADRIANE-System, grafische Benutzeroberflächen seien viel zu kompliziert in der Bedienung und Blindenhilfsmittel überteuert, entsprechen längst nicht mehr der Realität. Dafür spricht für ADRIANE eine werkseitig integrierte Texterkennung, die auch auf moderne Multifunktionsgeräte zugreift, ein ausgefeilter Dateimanager und die Reduktion auf bestimmte Anwendungen.

Der Markt im Wandel
Trotz der Tatsache, dass Screenreader, wie JAWS und Supernova, relativ teuer sind, muss kein blinder Anwender diese aus eigener Tasche mit seinem Blindengeld bezahlen. In unserer luxusverwöhnten Gesellschaft fehlt es aktuell vielleicht noch an der breiten Information der Träger, so dass auch heute noch die Kosten für JAWS uneingeschränkt übernommen werden. Doch in Schwellenländern ist das nicht so einfach und hier kann eine flächendeckende Bildung nur realisiert werden, indem nichtkommerzielle Projekte oder direkt die Betriebssystemhersteller darauf bedacht sind, dass jeder mit einer welch auch immer gearteten Einschränkung ihre Produkte bedienen kann. Genau genommen hat sich die Zugänglichkeit inzwischen längst als Gemeingut etabliert, für kommerzielle Anbieter ist daher die ehemalige Marktposition schwierig zu halten. Und so arbeite auch ich nur noch mit kostenlosen Programmen, für die ich hin und wieder lieber etwas spende, als im Vorhinein so viel Geld für einen Windows-Screenreader auszugeben. Dass sich damit genauso arbeiten lässt, zeigt längst die Praxis.

Bei mir persönlich haben die Anbieter kommerzieller Screenreader ihren Ruf teilweise verspielt. So war es früher stets üblich, dass man nach einem Update des Internet Explorers oder eines ServicePacks, rein zufällig erst dann kostenpflichtige Updates heraus gebracht hat, ohne die eine weitere Nutzung des Computers unmöglich wurde. Besonders Dolphin Access Ltd. (Supernova) ist hier ein Negativbeispiel, das Upgrade auf Version 8 erschien zeitgleich mit dem neuen Internet Explorer. Ich fand allerdings heraus, dass auch die neuen Skripte der Demo-Version in der älteren Version 7 lauffähig waren und somit auch ohne Upgrade eine Nutzung des neuen Internet Explorers gelang. Dass künftige Entwicklungen finanzierbar bleiben müssen, ist klar. Nur kann der Endverbraucher manche Updates nicht steuern und so ist es perfide, wenn gerade die benötigte Zugangslösung plötzlich ohne geldlichen Einsatz nicht mehr zuverlässig arbeitet. Gerade Menschen, die finanziell schlechter gestellt sind, haben das Nachsehen, denn bei Upgrades stehen die Leistungserbringer nicht zwingend in der Pflicht, diese auch zu bezahlen. Eine Lösung könnte sein, Privatanwender generell von Update-Kosten auszunehmen, aber daran denken die Wenigsten Hersteller. In der Praxis kenne ich viele, die dann zur Vermeidung von Update-Kosten irgendwann einfach zu NVDA übergelaufen sind. Immerhin unterscheidet man heute nicht mehr zwischen den Windows-Versionen Home und Professional. Für letztere mussten Anwender alleine deshalb deutlich mehr für ihre JAWS-Version bezahlen, weil pauschal eine kommerzielle Nutzung vermutet wurde.

JAWS vs. NVDA
Ich selbst hatte JAWS in der Version 1.1 in Verwendung, bin dann nach Version 3.2 zu Dolphin Supernova gewechselt und habe in dieser Zeit regelmäßig Screenreader miteinander verglichen. Kurz vor Windows Vista wechselte ich zu ZoomText 9 von Al Squared und setzte schließlich auf NVDA und die Bildschirmlupe von Windows, eine effiziente und kostenneutrale Lösung. Window-Eyes von GW-Micro wurde eine Zeit lang über Microsoft kostenlos verteilt, bei einem Direktvergleich mit NVDA viel es deutlich ab. Nun konnte ich also das aktuelle JAWS 18 mit NVDA (Non Visual Desktop Access, Version 2017.2) gegenüberstellen und herausfinden, ob sich die Differenz von rund 2.000 Euro für mich lohnen würde.

Natürlich muss der hohe Preis von JAWS 18 irgendwo her kommen und das sieht man schon bei den integrierten Funktionen, die NVDA selbst mit Erweiterungen nicht in dieser Qualität anbietet. Eine Wörterbuchfunktion auf Tastendruck ist dabei noch die kleinere Übung. Auch lassen sich Fenster mit grafischem Inhalt und nicht durchsuchbare Textdokumente mit der integrierten Texterkennung OmniPage auf Knopfdruck erfassen und sogar anklicken. Dadurch ist es möglich, auch vollgrafische Anwendungsfenster zumindest über einem Umweg zu bedienen. Die Texterkennung verläuft zwar recht zügig, wenn die Hardware ausreichend schnell ist. Dennoch zieht sie Ressourcen und ist daher trotzdem nur eine Notlösung. Neu ist das Feature nicht, auch Cobra von Baum Retec AG als alternatives Produkt ,bietet solch eine Funktion. Erstmals erwähnt wurde diese Lösung allerdings schon Anfang der 90er Jahre von Dr. Karl-Heinz Weirich, der die Möglichkeit der optischen Zeichenerkennung beim IBM SR/2 (Screenreader für OS/2) als Ansatz zur Bedienung grafischer Benutzeroberflächen definierte. Allerdings stellte er damals auch fest, dass die Rechenleistung damals nicht für eine Echtzeiterkennung ausgereicht hätte, heute ist das natürlich alles anders.

Auch die im Lieferumfang befindlichen Sprachausgaben, deren Installation für den Laien schlecht dokumentiert und nur mit Englischkenntnissen möglich ist, decken alle Ansprüche ab. In der mir vorliegenden Version war Vocalizer Expressive Premium mit der Petra-Stimme beigelegt. Diese allerdings unterschreitet mit der Stimme von Gabriele Libbach klanglich leider die vom Mac bekannte Anna, die man sich erst umständlich runterladen muss. Bei der automatischen Installation geht man offenbar davon aus, dass der neuzeitliche Anwender immer noch auf die schnarrende Eloquence setzt. Das mag in vielen Fällen berechtigt sein, allerdings wäre eine Abfrage der gewünschten Sprachausgabe sicher kein Umstand gewesen. Überhaupt scheint sich die Installation seit gefühlten 15 Jahren nicht verändert zu haben. Schlussendlich läuft das System und mit einer Lupe ließ sich auch die Aktivierung durchführen. Eine Aktivierungs-DVD oder Punktschriftbeschriftung auf der CD soll es aktuell auch geben, war in meinem Fall allerdings nicht angebracht worden. Ob die zusätzlichen Stimmen bei der benutzerdefinierten Installation gewählt werden können, habe ich nicht getestet.

NVDA kann man, wie auch JAWS, aus dem Internet herunterladen. Die ausführbare Datei spricht nach dem Start und so ist eine Installation ebenfalls blind möglich. Die eSpeak als Sprachausgabe gewinnt sicher keine Klangrekorde, ist dafür aber kostenlos. Die noch heute beliebte Eloquence ist offiziell nicht nutzbar, die Vocalizer Expressive-Stimmen lassen sich allerdings optional erwerben. Für etwa 90 Euro bekommt man alle nur möglichen Stimmen, die man nach Bedarf herunterladen und installieren kann, hier begrenzt nur der eigene Speicherplatz. Auch für JAWS gibt es die Direkt-stimmen, die ohne SAPI-Schnittstelle auskommen und dadurch eine etwas schnellere Reaktion erlauben. Wer aber nicht weiß, dass man den eigentlichen Treiber noch manuell nachinstallieren muss, wird diese Stimmen nach der Installation jedoch nicht auffinden können. NVDA unterstützt auch die SAPI-Schnittstelle, die speziellen Stimmen werden allerdings ebenfalls nativ angesteuert, so dass die NVDA-Stimmen auch nur innerhalb nutzbar sind. Beide Screenreader können auch die in Windows integrierte Sprachausgabe oder Drittanbieter-Stimmen verwenden, die das SAPI-Protokoll (verschiedene Versionen) nutzen.

Im direkten Arbeitsvergleich mit den Werkseinstellungen zeigt sich, dass NVDA in fast allen Fällen etwas schneller reagiert. Die integrierten Windows-Anwendungen, wie der EDGE-Browser oder Windows-Store, sind mit NVDA nutzbar, mit JAWS hingegen bei der getesteten Version allerdings nicht. Hier greift man wahlweise zum veralteten Internet Explorer oder installiert sich einen kompatiblen Browser seines Vertrauens. Auch PDF-Dateien lassen sich nur mit NVDA im Edge-Browser lesen, der Adobe Reader ist für JAWS weiterhin erforderlich. Dafür punktet es in dieser Situation mit der Texterkennung, die in solchen Momenten hilfreich sein kann und mit wenigen Tastenkombinationen aktiviert wird. Die Tastenbelegungen sind umfangreich, JAWS bewirbt sich selbst als mächtigsten Screenreader. Das wird auch deutlich, wenn man sich das umfangreiche Konfigurationsprogramm anschaut. Für Laien ohne spezielle Anforderungen ist dies wahrlich zu viel des Guten. NVDA hingegen ist deutlich schlanker und übersichtlicher strukturiert, bietet aber vor Allem bei der Brailledarstellung weniger Funktionen. Hier ist man etwas eingeschränkt, was aber für die reine Textverarbeitung ausreicht. Mit Microsoft Office 2016 kommt JAWS ebenso gut zurecht wie NVDA, das allerdings in den letzten Versionen deutlichen Nachholbedarf zu verzeichnen hatte. Auch macht NVDA nur richtig Spaß mit Anwendungserweiterungen, die sich aus dem Programm heraus installieren lassen und zumeist in Englisch erläutert werden. Eine OCR steht in einer Beta-Phase auch zur Verfügung. Bei der normalen Nutzung verhalten sich beide in vielen Bereichen ähnlich, aber gemessen an der Reaktionszeit, den Standardanwendungen von Windows und den sehr tiefen Eingriffen in das System, darf man sich zurecht die Frage stellen, warum das Produkt so teuer ist. 499 Euro, vielleicht 999 Euro inklusive Magic als Bildschirmvergrößerung, wäre sicher ein absolut gerechtfertigter Preis. Vergleicht man nämlich die aktuelle Version mit den vorigen, scheint man auch nicht wirklich einen vollständigen Umbruch gewagt zu haben und schleppt weiterhin viel Ballast mit sich herum. Da ist die Werbeaussage mächtigster Screenreader nicht wirklich ein Prädikat.

JAWS verwendet ein Aktivierungssystem, das die missbräuchliche Nutzung verhindern soll. Eine zwar gängige Praxis, bei einer Zugangslösung jedoch moralisch nicht unbedenklich. Heutzutage ist ein Übergang auch mit NVDA oder dem Narrator zu bestreiten, früher jedoch standen blinde Anwender nach 40 Minuten quasi im Regen. Dolphin hatte lange Zeit auf eine Aktivierung verzichtet, schlussendlich diese dann aber eingeführt und dem Kunden ist eine eigenständige Deaktivierung nicht möglich. Auch ZoomText verwendet ein Aktivierungssystem, das drei gleichzeitige Instanzen erlaubt. Wer das nicht mag, kann in der USB-Version eine Lösung finden, hier kann zwischen der Aktivierung oder der Nutzung als Dongle unterschieden werden. Auch Dolphin bietet diese Lösung an, jedoch ist eine Installation bzw. Integration von Systemtreibern notwendig. Einzig NVDA läuft ohne Installation vom USB-Stick und verändert nichts am System, JAWS ist meines Wissens nach nicht als USB-Lösung erhältlich. Ich persönlich habe weitgehend Screenreader mit Aktivierungssystemen vermieden. Gerade wenn man mit verschiedenen Computern im Alltag arbeiten muss, ist diese Praxis sehr störend und selbst die kurze Installation verändert zu viel an einem Standardsystem. Hierin ist  NVDA unschlagbar, weil es autark ohne jedwede Systemkoppelung auskommt. Eine Ausnahme gibt es allerdings, so benötigt die Sprachausgabe Vocalizer Expressive v3 eine Aktivierung, welche die Nutzung etwas einschränkt. Die integrierte eSpeak-Sprachausgabe steht allerdings immer zur Verfügung.

Fazit
JAWS und auch die anderen Mitbewerber haben im professionellen Umfeld eine absolute Daseinsberechtigung. Massive Skripte und die Anpassung an spezielle Anwendungsumgebungen, die auch die Nutzung durch Makros erleichtern, sind ein schlagender Vorteil, dem NVDA nicht viel entgegen setzen kann. Das kommt vor Allem denjenigen Anwendern zu Gute, die über keine tiefgreifenden PC-Erfahrungen verfügen. Für reine Standardanwendungen im privaten Umfeld und auch in vielen Arbeitsumgebungen bietet NVDA jedoch eine zeitgemäße Ausstattung, kommt mit nativen Microsoft-Anwendungen und Office zurecht, kann bedingt auch angepasst werden und ist vor Allem kostenlos. Kritikwürdig ist daher die große Preisdifferenz, die trotz Allem nicht mehr ganz zeitgemäß ist. Anwender, die nicht mehr als Windows nutzen, im Internet surfen, Mails schreiben und Textverarbeitung machen, brauchen JAWS und Co. nicht wirklich. Zu allem Überfluss wird auch der Microsoft Narrator immer besser und kann sogar NVDA in vielen Bereichen überflüssig machen. Schlussendlich kostet auch ein MacBook nicht mehr, als eine JAWS-Lizenz. Es ist abzusehen, dass die Sensibilisierung für barrierefreie Programmierung in den nächsten Jahren wachsen wird und sich die Betriebssystemhersteller schon heute immer mehr dieser Thematik annehmen. So müssen sich die Hersteller von. kommerziellen Screenreadern etwas überlegen müssen, um weiterhin mit dem umkämpften Markt Schritt halten zu können. Falls nicht, werden die heutigen Argumente für die hohen Preise sicherlich irgendwann nicht mehr ausreichen.

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