Test: OrCam Read, vielleicht besser als die Brille und wirklich nichts für Blinde?

Letzte Aktualisierung am 3. Dezember 2022

Es gibt eine weitere orCam, diesmal nicht für die Brille, sondern als Pen. Die orCam MyEye 2 kam in meinem Test nicht so gut weg (hier die überarbeitete Version), auch nicht bei den Lesern. So bin ich gespannt, ob das mit der OrCam Read genauso ist. Was schon mal positiv auffällt: Weniger Marketing-Geschwurbel, mehr Fakten und vor Allem mehr Masse trotz günstigerem Preis, das liegt vermutlich am avisierten Publikum. So richtet man sich mit der orCam Read nicht an Blinde oder Sehschwache, sondern an Personen mit Dyslexie oder Legasthenie. Also Menschen, die zwar gut sehen, aber schlecht oder gar nicht lesen oder Buchstaben im Kopf nicht differenzieren können. Dem entsprechend handelt es sich bei der OrCam Read um eine Art Lesestift, der ohne Brillengestell auskommt und vor Allem über anständige Tasten verfügt. Wer es lieber bunt mag, findet in der OrCam Learn ein farbiges Modell, speziell auf Kinder ausgerichtet mit ähnlichen Eigenschaften. Schauen wir mal, ob das jetzt besser klappt. Weil es bereits einige Videos gibt und ein Teil meiner Zielgruppe blind oder stark sehbehindert ist, habe ich mich für einen Podcast entschieden, in welchem ich die orCam Read in der Praxis ausführlich demonstriere, fast alles lässt sich auch auf die aktuelle OrCam MyRead und MyEye übertragen. Ebenfalls in diesem Artikel teste ich das optionale OrCam Bluetooth Headset, welches drahtlos mit der OrCam Read verbunden werden kann. Das Headset wurde mir von der Optelec GmbH zum Test freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Hier kann man auch die OrCam Read direkt erwerben.

Die orCam Read im Überblick

Zu Beginn gleich ein lustiges Detail, nirgends wird eine Tasche erwähnt, aber sie liegt trotzdem bei. Weiterhin ein Netzteil mit USB Type-A auf Type-C_Ladekabel, ein Umhängeband und Putztuch, sowie ein In-Ear-Headset und eine Bedienungsanleitung in Schwarzschrift. Vielleicht ein Tribut an den günstigeren Preis, aber vor Allem an die Umwelt ist die deutlich weniger dekadente Verpackung mit vergleichsweise wenig Kunststoffanteilen, auch der Karton des Headsets besteht ebenfalls aus Pappe.

OrCam Read Tasche mit Netzteil

Die Tasche ist laut Anleitung eigentlich für Ladegerät und -Kabel bestimmt, das muss aber ein Fehler sein. Wie man hier sieht, passt Beides nicht in die Tasche, auch wenn das stoffummantelte Ladekabel in der Tasche verpackt wurde.

OrCam Read in Tasche

Hingegen passt die OrCam Read perfekt unter das Mesh-Netz und wird auch sicher verwahrt. Vermutlich ist die Information im Handbuch einfach fehlerhaft. Eine ähnliche Tasche liegt nämlich auch der typischen OrCam bei, wenn auch wesentlich kleiner. Auch dieser Umstand lässt mich vermuten, dass das kleine Hardcase mit OrCam-Schriftzug natürlich für das Gerät bestimmt ist.

Die orCam-Software

Früher hießen die Modelle OrCam MyReader 2 und MyEye 2, aktuell heißen sie OrCam Learn, OrCam Read, OrCam MyEye Smart und OrCam MyEye Pro. Die MyEye Smart dürfte die MyReader 2 ersetzt haben und die MyEye Pro verfügt über die Zusatzfunktionen. Es wäre denkbar, dass man auf diese Weise eine MyEye Smart später durch ein Upgrade in eine MyEye Pro wandeln könnte, was die logische konsequenz und technisch auch machbar wäre. Vorausschicken möchte ich, dass sich auch bei der orCam MyEye Pro einiges verändert hat. Die aktuelle Softwareversion 9.1 (die MyEye ist schon bei 9.3) werkelt auch in der orCam Read, bietet nun Sprachsteuerung als weiteres Bedienfeature an, sowie Smart Reading, also intelligentes Lesen. Damit ist es möglich, nach bestimmten Inhalten zu sortieren, beispielsweise Überschriften vorlesen zu lassen oder eben nur den Betrag oder Telefonnummer auf einer Rechnung. Hat man eine WLAN-Verbindung eingerichtet, sucht das Gerät beim Netzanschluss nach Software-Updates.

OrCam Read Oberseite

Bei der deutlichen Preisdifferenz vor Allem zur orCam MyEye 2, knapp 2.000 Euro weniger, ist logisch, dass bei den Features einiges fehlt. Dabei handelt es sich quasi um alles, was für Blinde nützlich wäre, wenn diese Funktionen auch vernünftig funktionieren würden. Konkret sind das Farb-, Gesichts-, Banknoten- und Barcodeerkennung. Dafür gibt es einen Laser zur Textpositionierung und ebenso Spracherkennung, aber vor Allem eine längere Laufzeit und durch das Format besseren Lautsprecher. Uhrzeit- und Datumsansage sind ebenfalls integriert, das fehlt der OrCam MyReader beispielsweise. Auch die Geldscheinerkennung hätte man durchaus mit integrieren können, es handelt sich hier schließlich nur um etwas Software, nicht um großartige Funktionszuwächse.

Die OrCam Read in der Praxis

Um 44 Gramm schwer, ca. 14 cm lang und 3 cm hoch ist das Gerät, etwa in der Form eines dicken Textmarkers ist die OrCam Read sehr handlich und nicht zu groß. Der größte Unterschied zu den anderen Modellen liegt im fehlenden Touchstrip, der zu Gunsten von vier Bedientasten gewichen ist. Die Tasten haben einen guten Druckpunkt und ersetzen die Touchgesten, die haptische Form erleichtert die Handhabung. Die vordere ist rund und dient als Action-Taste zum Erfassen von Texten und Bestätigen von Menüauswahlen, dahinter die beiden Lautstärketasten als Plus und Minus geformt. Zwischen dieser und der ebenfalls länglichen Einschalttaste befinden sich vier blaue LEDs, die den Akkustand anzeigen. Das ist sinnvoll und weil typische Anwender noch was sehen können, hat man schnell im Blick, wie lange die Energie noch reichen wird. Hinten vor der USB-Ladebuchse befindet sich die Einschalttaste, die Hinterseite ist gerundet. Oben kann eine Öse aus dem Gehäuse für das Trageband herausgezogen werden, unten ist eine 3,5 Millimeter Klinkenbuchse für das In-Ear-Headset oder Kopfhörer eingelassen. Die Öffnungen des Lautsprechers und möglicherweise auch das Mikrofon befinden sich an der Unterseite.

OrCam Read Zubehör

Technisch ist fast alles beim Alten geblieben, der 13 Megapixel-Sensor mit Autofokus scheint identisch, ebenso die zwei LEDs zur Beleuchtung, hinzu kommt ein roter Laser, der ein Mauszeiger und optionalen Rahmen zur Orientierung auf das Lesegut wirft. Hier hat man die Möglichkeit, die Pfeilspitze an den zu lesenden Absatz zu lenken. Drückt man die beiden Lautstärketasten gleichzeitig, schaltet man den Modus um und es gesellt sich ein roter Rahmen dazu, in welchem der zu lesende Text positioniert werden kann. Die Gesten der anderen OrCam-Versionen werden dadurch ersetzt, ein Sprachfeedback über den gewählten Modus gibt es leider nicht. Das rote Licht ist deutlich heller als ich erwartet hätte, reinschauen sollte man besser nicht.

OrCam Read Laserrahmen

Die Problematik des LED-Blitzes und der Reflexionen ist geblieben. Diese streuen direkt in die Kamera und ist der Abstand zu hoch, nimmt die Lichtmenge stark ab. Im Handbuch wird ein Textabstand von 5 cm angegeben, hier könnten eher fünf Zoll gemeint sein. Bei einem A4-Papier muss man schon 20 cm über dem Blatt halten, wenn möglichst viel Text in die Kamera fallen soll. Durch den schwachen LED-Blitz ist Tageslicht oder eine Schreibtischleuchte anzuraten. Man könnte versuchsweise eine Streufolie vor die LED kleben, das würde aber die Lichtmenge reduzieren und andere Probleme verursachen.

OrCam ROrCam Read Reflexionenead Reflexionen

Verglichen mit Smartphones bewegt sich der Blitz auf dem Niveau von 2008 oder 2009.

Die Bedienung der OrCam Read

Durch die physischen Tasten gibt es keine Fehlbedienung, die Sprachsteuerung aktiviert man durch doppelten Druck der Action-Taste, das Menü erreicht man durch Senkrecht halten des Geräts mit der Kamera nach Unten und Drücken einer der Lautstärke- zusammen mit der Einschalttaste. Das Koppeln mit dem Smartphone funktioniert ebenso einfach, die Kamera zeigt nach Oben und die OrCam schaltet direkt in den Pairing-Mode und wird über die App verbunden. Diese leitet einen zum Video-Tutorial und erlaubt grundlegende Einstellungen, mehr kann sie nicht. Eine Funktion, den aktuellen Text in die Zwischenablage des Smartphones zu übernehmen, wäre ein hilfreiches Feature gewesen. Wer Texte also speichern oder nachbearbeiten möchte, kommt mit der OrCam Read nicht weiter.

OrCam Read Kamera

Die vier Sprachen deutsch, englisch, französisch und italienisch sind in der OrCam Read integriert, auch hier gibt es eine automatische Sprachenerkennung. Pro Sprache stehen jeweils eine männliche und weibliche Variante zur Verfügung, nach wie vor setzt man auf die inzwischen von Amazon übernommenen Ivona TTS. Wie schon vorher ist Marlene als deutsche, weibliche Stimme dem Hans klar vorzuziehen, bei den anderen Sprachen scheinen die Qualitätsunterschiede subjektiv weniger ausgeprägt zu sein. WLAN-Verbindung, Datum und Uhrzeit scannt man über den Computerbildschirm auf der OrCam-Webseite ein oder nutzt dafür die Smartphone-App. Die weiteren Funktionen habe ich im obigen Podcast vorgestellt.

Unterschiede zur OrCam MyEye 2

Was mir direkt aufgefallen ist, dass die OrCam Read gefühlt schneller startet. Ob dies an einer schnelleren Hardware oder der neueren Software liegt, vermag ich nicht zu beurteilen. Das Unternehmen gibt sich zugeknöpft über verwendete Komponenten und Upgrades. Software-Versionen nach der Kommastelle sind kostenlos, vor dem Komma, also von Version 8 zu Version 9, sind optional und hängen von der jeweiligen Leistungsfähigkeit der Hardware ab. Dies lässt den Schluss zu, dass es hier durchaus Aktualisierungen gegeben haben könnte. In der weiteren Praxis, bezogen auf die Genauigkeit und Schnelligkeit der Erkennung mögen die Vorteile darin liegen, dass ein präziseres Ausrichten aus der Hand besser gelingt, als einen starren Blick in Richtung Vorlage zu lenken. Das liegt mir persönlich besser und wirkt sich positiv auf die Ergebnisse aus.

OrCam MyEye 2.0

Aufgrund der unzureichenden LED-Beleuchtung erreichen wir die Grenzen bei glänzenden Displays, Medienhüllen und Hochglanzmaterial. Schaltet man den Blitz aus, das geht schnell per Sprachbefehl, muss das Licht schon sehr gut sein, damit eine sichere Erkennung gelingt. Wer möchte, kann auch den Laser abschalten, was jedoch nur im Menü gelingt, hier wäre noch ein passender Sprachbefehl sinnvoll. Auch der Akkustand lässt sich nicht per Sprachbefehl abrufen, wer die LEDs nicht erkennt, muss das Gerät in den Standby-Modus versetzen und aufwecken. Am Computerbildschirm, beispielsweise auch beim Schreiben dieses Textes, muss die Helligkeit schon groß genug sein, vor Allem bei invertiertem Text. Lösbar wäre das Problem mit einer Streufolie, damit das Licht weniger gebündelt wird. Dies hätte allerdings zur Folge, dass die Lichtmenge weiter reduziert wird und dadurch andere Probleme auftreten. In hellen Räumen, beispielsweise in unserem REWE-Markt, konnte ich aus über fünf Metern Entfernung das Müsliregal erkennen und lesen, den Blitz muss man nicht abschalten, weil sich die Lichtmenge bis zum Regal verliert. Auch das deutet darauf hin, dass die Hardware zur OrCam MyEye 2 vergleichbar ist.

Durch die fehlende Gestensteuerung bleibt die Kamera nicht ständig in Bereitschaft, das spart immens Energie. Mit um 340 mAh Akkukapazität hält sie vier Stunden durch, die aktuelle OrCam MyEye soll 1,52 Stunden betriebsbereit sein. Diese Betriebszeit erreicht sie vermutlich nur bei deaktivierter Gestensteuerung, dass eben auch der Kamerasensor nicht ständig aktiv bleibt. Der zusätzliche Akku soll auch zur OrCam Read kompatibel sein, wäre aber etwas übertrieben.

Smart Reading der OrCam Read

Während ich bei der OrCam MyEye 2 häufig aus Versehen an den Touchstrip gekommen bin, sind Tasten natürlich deutlich unkritischer. Beim Vorlesen lässt sich mit zweifachem Drücken der Action-Taste unterbrechen und fortsetzen, mit den Lautstärketasten kann im Text navigiert werden. Neu ist die Funktion Smart Reading, zu deutsch intelligentes Lesen, die nur mit dem gleichnamigen Sprachbefehl aktiviert werden kann. Dann lässt sich mit weiteren Sprachbefehlen gezielt nach Informationen im Dokument suchen, was allerdings deutlich besser funktionieren könnte.

Problem ist nicht nur die Erkennungsqualität, sondern auch die recht restriktive Sprachverarbeitung. Man muss sich schon an die gültigen Befehle halten, damit das Ganze funktioniert. Hat man Befehle vergessen, lässt sich mit Hilfe ansagen, was möglich ist. Dazu gehört beispielsweise die Suche nach bestimmten Textstellen, Ansage von Beträgen, Telefonnummern und anderen Informationen, sofern diese im Text erkannt wurden. Blöd wird das Ganze, wenn nicht der gesamte Text erfasst wurde, dann sagt OrCam Read, wo dieser abgeschnitten ist.

Das OrCam Bluetooth-Headset

In-Ears sind immer so eine Sache, besonders günstige vertrage ich persönlich nicht. Hier kommt das Bluetooth-Headset ins Spiel, das nicht im Ohr, sondern auf den Gehörgängen aufliegt. Halterungen in Form der typischen Schlaufen fixieren das Headset im Außenohr und dichten das Gehör nicht unnötig ab. Den Pieptönen zu urteilen ist ein CSR-Chip von Qualcomm verbaut, der durchaus auch aptX unterstützen könnte und auch am Smartphone funktioniert. Die Elektronik unterscheidet sich unwesentlich von den Bluetooth-Headsets, die ich schon vor Jahren hier getestet habe. Eigenrauschen und Klang sind okay, die Lautstärke zwischen OrCam Read und Headset wird nicht synchronisiert. Auch die mittlere Taste lässt sich nicht zum Starten der Erkennung benutzen. Hier hätte man mit dem AVRCP-Protokoll zur Fernbedienung noch was rausholen können. Man kann es sich auch um den Hals legen und nur einohrig benutzen, geladen wird es mit einem kurzen USB Type Micro-B-Kabel, das auch in das Netzteil der OrCam Read passt.

OrCam Bluetooth-Headset

In jedem Fall ist das OrCam Bluetooth-Headset ein Zugewinn gegenüber dem mitgelieferten kabelgebundenen Headset und kann je nach Anwendung eine sinnvolle Ergänzung sein. Kein störendes Kabel im Weg ist nicht zu vernachlässigen, damit man sich das Gerät nicht aus der Hand reißt oder durcheinander kommt. Bei dem Anschaffungspreis von 51 Euro sollte man sich jedoch schon überlegen, ob es einem der Komfort wert ist, immerhin hat man auch die Möglichkeit, das Kabel-Headset zu benutzen. Wer mit In-Ears zurecht kommt, sollte damit zurecht kommen können. Alternative Ohrpassstücke in anderen Größen liegen allerdings nicht bei. Auch lässt sich die OrCam Read und entsprechend die anderen Versionen mit beliebigen Bluetooth-Headsets und -Lautsprechern koppeln.

Fazit

Während mir bei der OrCam MyEye 2 vor Allem Preis-Leistung nicht gefielen und ich einfach für rund 4.500 Euro mehr Qualität erwarten kann, sehe ich das Ganze bei der OrCam Read etwas differenzierter. Allerdings ist es ein anderes Arbeiten aus der Hand, auch das will geübt sein. Die Texterkennung ist vergleichbar, bei den Funktionen würde ich mir noch die Barcode-Erkennung wünschen. Ansonsten hat sie alles, was man braucht. Selbst wenn Farb-, Gesichts- und Barcode-Erkennung integriert wären, würde das die Qualität wie bei der OrCam MyEye 2 kaum aufwerten können. Der Zusatz Smart Artificial Intelligenz, kurz AI, ist wie bei der OrCam MyEye 2 mit etwas Vorsicht zu genießen. Smart ist sie, bezogen auf das Design, aber technisch ist und bleibt es ein Offline-Gerät mit Online-Ambitionen. Ob da noch mehr kommt, bleibt abzuwarten.

Die vielleicht spannendste Frage ist, ob die OrCam Read für blinde Menschen geeignet ist. Die Antwort ist ein eindeutiges Ja, denn am Ende ist die Handhabung zu den bekannten Apps vergleichbar. Steht der Text auf dem Kopf, sagt es die OrCam Read an und man dreht sie um, automatisch kann sie das leider nicht. Verglichen mit dem ClearReader von Optelec und anderen geschlossenen Vorlesegeräten erreicht sie die bewährte Qualität auch in der aktuellen Version nicht, weil die Geschwindigkeit aus ergonomischer Sicht wichtiger als die Genauigkeit ist, schon damals bemängelte ich eine fehlende Funktion, zwischen Schnelligkeit und Genauigkeit skalieren zu können.  Dafür scheint der Energiebedarf geringer als bei der OrCam MyEye 2 zu sein, so dass sich mit dem Gerät auch vernünftig arbeiten lässt. Bei der OrCam MyEye 2 hat mich immer gestört, starr auf den Text blicken zu müssen. Bei Einzelseiten ist das kein Problem, aber bei einem Katalog oder Hardcover-Buch spürt man das schon. Hält man einen schweren Katalog vors Gesicht, ist das genauos anstrengend. Mit der OrCam Read kann ich auch um die Ecke lesen und ist der Text auf dem Kopf, drehe ich das Gerät einfach rum. Einzig wirklicher Negativpunkt ist die wenig durchdachte Beleuchtung, die das Lesen beispielsweise von Medien ziemlich erschwert. Versuchen könnte man es mit einer Stirnlampe, die hell genug sein muss, damit man den Blitz deaktivieren kann. Eine Optimierung der Sprachbefehle, beispielsweise „Laser aus und ein“, „Lasermodus umschalten“ wäre hingegen über ein Update leicht realisierbar, sowie der fehlende Modus zur Banknotenerkennung. Farb-, Gesichts- und Barcodeleser sind hingegen kein Kiler-Feature, die auch nur ansatzweise die überzogenen Aufpreise rechtfertigen. Da wäre noch so viel Potential alleine über die App, die OrCam überhaupt nicht nutzt: Texte exportieren, Barcodes in eine Online-Suche einfügen oder die OrCam als vergrößernde Dokumentenkamera zu nutzen. Die OrCam MyEye Pro kann nichts, was es nicht schon vorher gab oder Alternativen nicht besser könnten und das zu einem hohen Preis. Mit der OrCam Read ist man jedoch in einem Preisspektrum angekommen, das man durchaus als akzeptabel bezeichnen kann. Vielleicht erkennen das auch die Krankenkassen und lernen, dass die OrCam Read genauso zum Lesen taugt, gerade für Vollblinde ohne Ambitionen an eine Brille auf der Nase. Ohne Hand-Auge-Koordination ist ein Gerät in der Hand definitiv praktischer. Das zeigen schon die im Übrigen kostenlosen Apps Seeing AI und Envision AI, die von blinden Menschen häufig genutzt werden und im Übrigen viel mehr Funktionen kostenlos anbieten. Aber wer unabhängig vom Smartphone sein möchte, findet in der OrCam Read eine mehr als nur brauchbare Lösung.

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