Test: Zoom ZDM-1, Podcast Mic Pack

Letzte Aktualisierung am 25. September 2021

Ein günstiges Paket bestehend aus dem dynamischen Sprechermikrofon ZDM-1 mit Tischstativ ZDPS-4, dem Kopfhörer ZHP-1 mit zugehörigen Kabeln und Adaptern, das klingt doch spannend. Mit knapp über 100 Euro ergänzt Zoom damit die PodTrak- und LiveTrak-Serie um unverzichtbares Zubehör, denn ohne Mic keine Aufnahme und ohne Phones kein Interview. Wirklich portabel ist das Set allerdings nicht, der Kopfhörer ist nicht faltbar und das Mikrofon recht wuchtig. Schauen wir doch mal, was uns qualitativ erwartet. Im Paket findet sich auch ein Download-Link für die Steinberg WaveLab Cast Editor-Software, das könnte den Kaufanreiz womöglich noch steigern.

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Erster Eindruck

im stabilen Karton, der sich auch zur Aufbewahrung eignet, ist alles sicher im Foam-Schaum einsortiert. Zunächst vermisste ich den Klinkenadapter, aber auch dafür hat Zoom Platz gelassen. Die Mikrofonhalterung aus stabilem Kunststoff wird am Fußpunkt des ZDM-1 angeschraubt und auf dem Tischständer fixiert, dieser ist leicht höhenverstellbar und wirklich schwer ist das Mikrofon nicht. Das XLR-Kabel ist entgegen mancher Beschreibungen zwei Meter lang und aufgrund des Tauchspulenprinzips wird keine Phantomspeisung benötigt, man spart also Energie. Das Mikrofongehäuse besteht aus Metall, der Einsprechkorb ist solide verarbeitet und der Schaumstoffwindschutz bereits aufgesteckt.

Zoom ZDM-1 Packungsinhalt

Das Dreibein-Tischstativ ZDPS-4 ist recht einfach gehalten, die flache Aufstellung hält den Schwerpunkt unten und wenigstens dies lässt sich kompakt zusammenlegen und um 5 cm in der Höhe verstellen. Ein 5/8-Zoll-Gewinde nimmt das Mikrofon auf, ein Reduziergewinde für andere Montagemöglichkeiten, beispielsweise überkopf an einem Mikrofonarm, liegt dem Paket ebenfalls bei.

Zoom ZDM-1 mit Windschutz

Der Kopfhörer ZHP-1 ist trotz der rechteckigen Muschelform nicht flach, die Verstellung geschieht durch ein geteiltes, federndes Kopfband automatisch. Genau genommen drückt der Federmechanismus den Kopfhörer hoch, so dass er nicht über die Ohren rutscht. Der Sitz der Kunstlederpolster ist eigentlich ganz bequem und sie dichten auch gut ab, etwas ungewöhnlich ist dafür das kurze Klinkenkabel an der linken Muschel. Hier wird das zugehörige, gerade Verlängerungskabel von drei Metern eingesteckt, eine Kunststoffbrücke verhindert das Rausrutschen. Richtig solide ist das nicht, aber macht auch keinen fragilen Eindruck. Die Materialwahl ist Kunststoff und recht flexibel. Der Kopfhörer dürfte somit lange halten, mit 190 Gramm ist er auch ziemlich leicht.

Zoom ZHP-1

Klang und Praxis

Wichtig bei dem Set sind zwei Punkte. Wie eignet sich das Mikrofon für Sprachaufnahmen und wie gut sind Beurteilungen der Aufnahmen mit dem Kopfhörer möglich. Bei dem Gesamtpreis wird man weder einen rundum geschlossenen Hörer, noch ein analytisches Klangbild und erst recht keine Wunder erwarten dürfen, was aber für den gedachten Zweck auch weniger wichtig ist. Hingegen sagen mir meine Erfahrungen mit dem RODE PodMic und Shure SM7B, dass dynamische Mikrofone etwas unempfindlich sind, was wir uns in der Praxis gleich noch anhören werden.

Zoom LiveTrak L-8 mit ZDM-1 und ZHP-1

Schauen wir uns zunächst den Kopfhörer ZHP-1 mit seinen 40 mm Neodym-Treibern und dem Frequenzgang von 10 Hz bis 20 kHz an, die Empfindlichkeit wird mit 102 dB und die Impedanz mit 68 Ohm angegeben. Das ist ein guter Mittelwert, zu niederohmig erhöht das Grundrauschen, zu hochohmig macht ihn an schwächeren Ausgängen leiser. Am LiveTrak L-8 ist er jedenfalls laut genug, so dass er auch am Zoom H8 und der PodTrak-Serie problemlos läuft. Klanglich ist er dafür nichts Besonderes, tendiert in Richtung Ausgewogenheit mit einem leichten Peak bei 2,5 bis 4 kHz und einem etwas mulmigen Bassfundament. Wirklich unangenehm klingt er nicht, sollte aber nicht zur Klangbeurteilung herangezogen werden. Um ein Interview zu führen und für reine Sprachaufnahmen ist der Klang absolut ausreichend, ebenso für ein Musikstück zwischendurch. Verglichen mit anderen Kopfhörern im Preisbereich bis 50 Euro würde er sich vermutlich im oberen Bereich einordnen lassen, denn er klingt ohne Zweifel nicht unangenehm. Hätte Zoom ihn faltbar gestaltet, wären die Einsatzmöglichkeiten deutlich größer gewesen.

Zoom ZDM-1 ohne Windschutz

Das ZDM-1 ist eine Superniere und wird endfire besprochen. Es ist somit ein typisches Sprechermikrofon und das ist natürlich zweckdienlich. Dem entsprechend ist der Frequenzgang von 50 Hz bis 18 kHz praxistauglich. Der Grenzschalldruck wird mit üppigen 135 dB angegeben, die Empfindlichkeit mit -54 dB. Wie erwähnt ist es mit 15 cm Länge und 5,4 cm Durchmesser nicht sonderlich kompakt. In folgendem Klangbeispiel vergleiche ich es mit dem RODE PodMic und dem Shure SM7B. Während das PodMic so viel kostet wie das ganze Paket, ist das SM7B viermal so teuer und kommt mit viel Zubehör und Präsenz- und Lowcut-Filtern.

Das ZDM-1 verursachte nicht nur am Model 12 im Gegensatz zu den allerdings auch geschirmten anderen Kandidaten ein hochfrequentes Nadeln, welches nicht durch das Kabel und auch nicht vom Interface verursacht wurde. Auch am RODECaster Pro und Mackie ONYX Producer 2×2 ist es hörbar, ebenso am LiveTrak L-8 im Batteriebetrieb, wenn auch schwächer ausgeprägt. Ein Austausch des Pakets brachte keine Besserung, so dass auch nicht von Fertigungstoleranzen auszugehen ist. Vom Charakter hat es was von einem hochfrequenten, spitzen Erdungsbrummen, dies wäre zumindest naheliegend.

Abgesehen von dieser kleinen Störung spielt das ZDM-1 klanglich auf einem guten Level, es kann dem PodMic durchaus etwas entgegensetzen und liefert einen vergleichsweise hohen Output, vor Allem verglichen mit dem SM7B. Der Grundsound ist gut, liefert dafür nahbesprochen eine etwas zu grummelige Fülle und kann den Eingang sogar überfahren. Schwächen finden sich in einer geringen Auflösung bei den Höhen und dies in Verbindung mit recht wenig Details. Daher halte ich es für Gesang und professionell sendefähiges Material als ungeeignet, durchaus kann es jedoch für VoiceOver des Freizeitvideos oder zum Podcasting genügen. Etwas problematisch ist die Griffempfindlichkeit und das nicht gut entkoppelnde Tischstativ, das sich aufgrund des 5/8-Zoll-Anschlusses nicht für die mobilen Rekorder aus gleichem Hause eignet.

Fazit

Das Set von Zoom ist schon ziemlich günstig, vor Allem im Gegensatz zum RODE PodMic, an dessen Verarbeitung selbst das Shure SM7B nicht ganz heran reicht. Klanglich vor Allem bezogen auf Sprache liegt das leichte Zoom ZDM-1 vor Allem wegen des beiliegenden Windschutzes vorne, wobei auch der Kopfhörer aufgrund seiner Leichtigkeit überzeugen kann. Gut verarbeitet sind Mikrofon und Kopfhörer zwar, aber als roadtauglich würden sie nicht durchgehen. Hingegen würde das robuste PodMic auch Stürze problemlos wegstecken können.

Technisch sprechen die geringe Trittschalldämpfung und der geringe Detailreichtum in Verbindung mit dem geisterhaften Nadeln nicht wirklich dafür, das ZDM-1 als Hauptmikrofon einzusetzen.

Allerdings sind da noch das Tischstativ, Kabel und Kopfhörer, die wiederum allesamt ein wirklich gutes Gefühl vermitteln. Natürlich entscheiden am Ende persönlicher Eindruck und Einsatzzweck, dennoch kann ich trotz des günstigen Gesamtpreises das Paket nur mit Einschränkungen empfehlen.

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